#1

Ich bin der Wind

in Ausgezeichnete Lyrik 08.09.2007 19:24
von Erebus (gelöscht)
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Ich bin der Wind


Du stehst vor mir, ein wenig abgewandt,
von hinten sehe ich dich im Profil.
Mit einem Fuß streichst du den Sand, grazil
beschattest du die Augen mit der Hand.

Du blickst zum Horizont und dann zum Strand,
zu mir. Du lächelst und ich glaube dir.
Ich glaube auch dem Wind, der meine Gier
versteht und um dich weht und dein Gewand.

Der zaust am Kleid, wie außer Rand und Band.
Er spielt mit deinem schönen Leib und lupft,
erkundet unter Säumen, die er zupft.
Er drückt das Tuch auf Hintern, Brüste, spannt

es über Schenkel und verweilt gebannt
auf deinem Venushügel. Wie er lockt!
Komm her, hierher, wo ich mich hingehockt.
Denn nun bin ich der Wind in deinem Land.


© Erebus 08.09.07 - Dank roux' hilfreicher Unterstützung











_________________


alte Version:

Du stehst vor mir, ein wenig abgewandt,
von hinten sehe ich dich im Profil.
Mit einem Fuß streifst du den Sand, grazil
beschattest du die Augen mit der Hand.

Du blickst zum Horizont und dann zum Strand,
zu mir. Du lächelst und ich glaube dir.
Ich glaube auch dem Wind, der meine Gier
versteht und um dich weht und dein Gewand.

Der zerrt am Kleid, wie außer Rand und Band.
Er drückt es auf den schönen Leib und lupft,
dass es mit deinen Brüsten spielt und zupft.
Und zwischen deinen Schenkeln liegt, galant

an deinen Hintern schmiegt. Der imposant
und sanft zugleich an einen Ort verlockt.
Komm her, hierher, wo ich mich hingehockt.
Denn nun bin ich der Wind in deinem Land.



© Erebus 08.09.07

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#2

Ich bin der Wind

in Ausgezeichnete Lyrik 09.09.2007 12:01
von Simone • Mitglied | 1.674 Beiträge | 1674 Punkte
Hallo Ulrich

Also Formal kann man ja bei dir kaum was zu meckern finden, alles sehr rund.
aber an der Stelle, als der Wind an den Brüsten spielt und zupft musste ich (leider) an einen dotcom-fliegende-Brüste-Faden denken und musste unweigerlich lachen (sorry) aber ein an Brüsten zupfender Wind …
auch sonst finde ich es etwas zu gestelzt um mir wirklich zu wünschen in dem Kleid zu stecken.

in den ersten beiden Strophen weht der Wind noch sanft in der dritten zerrt er dann schon ziemlich erregt, was ich für eine passende Steigerung halte. aber dann gehst du wieder einen Schritt zurück mit dem „galant“ was ich eher mit zuvorkommend assoziieren würde. aber nachdem vorher schon gezerrt und gezupft wurde finde ich das nicht ganz passend.
bei imposant muss ich an J.Lo denken (mindestens). ich denke keine Frau wäre unbedingt dankbar würde man ihren Hintern als imposant bezeichnen und schon gar nicht in so einer Situation.

welche Stelle ich wirklich wunderschön finde ist diese

Zitat:

Du lächelst und ich glaube dir.
Ich glaube auch dem Wind, der meine Gier
versteht


Lieben Gruß
Simone
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#3

Ich bin der Wind

in Ausgezeichnete Lyrik 09.09.2007 17:06
von Erebus (gelöscht)
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Hallo Bipontina,

ich bedanke mich für die formelle Gefallensbekundung.

Lieber Gruß
Ulrich

______________

Hallo Simone

So. Dotcom, fliegende Brüste. Hört sich interesant an.
Ich muß für mein Werk hier in die Bresche springen: da zupft grammatikalisch das Kleid, aber möglicherweise auch schon das LyrIch - dem scheint da wohl die Fantasie durchgegangen zu sein. Du hast völlig recht, dass werde ich mir nochmals vornehmen müssen.

Den Einwand mit dem Hintern, ja, okay, der war absehbar, wobei imposant im Sinne von eindrucksvoll, großartig zu verstehen ist .. Ich habe gegoogelt, was zum Teufel J.Lo ist.
Mein lieber Scholli, das würde schon passen..und ich meine jetzt nicht den Baum.
Na ja, da ist LI wohl anders gestrickt, als die Damenwelt das gerne hätte. Aber ich mache mir noch ein paar Gedanken dazu.

Schön das Du an der etwas vageren Stelle Gefallen finden kannst. Ich habe das Ganze ziemlich schnell beisammengehabt und mir keine großen Gedanken mehr gemacht.
Allerdings finde ich die Idee im Nachhinein für ein kleines erotisches Geicht nicht schlecht. Ich bleibe also dran

Ich Danke Dir für Deinen Kommentar

Lieber Gruß
Ulrich
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#4

Ich bin der Wind

in Ausgezeichnete Lyrik 09.09.2007 19:50
von roux (gelöscht)
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Ich bin der Wind


Du stehst vor mir, ein wenig abgewandt,
von hinten sehe ich dich im Profil.
Mit einem Fuß streifst du den Sand, grazil
beschattest du die Augen mit der Hand.

Du blickst zum Horizont und dann zum Strand,
zu mir. Du lächelst und ich glaube dir.
Ich glaube auch dem Wind, der meine Gier
versteht und um dich weht und dein Gewand.

Der zerrt am Kleid, wie außer Rand und Band.
Er drückt es auf den schönen Leib und lupft,
dass es mit deinen Brüsten spielt und zupft.
Und zwischen deinen Schenkeln liegt, galant

an deinen Hintern schmiegt. Der imposant
und sanft zugleich an einen Ort verlockt.
Komm her, hierher, wo ich mich hingehockt.
Denn nun bin ich der Wind in deinem Land.

***

Lieber Ulrich,

um es einmal vorweg zu sagen, es gefällt mir, gefällt mir sehr, das Gedicht. Ich mag die Melodie der Worte beim lauten Lesen, mag das Szenario, kann mir das Flattern und Zerren des Windes beinahe zu gut vorstellen, habe natürlich, wie beabsichtigt, das Gefühl eines feinen, windgezupften, leichten Sommerkleiderstoffes im Kopf, der sich um Bein und sonstiges schmiegt.

Metrisch habe ich gar nichts zu meckern, die Worte fließen ohne zu stocken, umschmeicheln das Gehör, wie das Sommerkleid das innere Auge. Gelungen finde ich auch, dass sich die äußeren (Klammer-)Reime wie ein Band durch alle Strophen ziehen (wobei galant/Land nicht ganz so toll miteinander klingen, auch wenn sie nicht in der gleichen Strophe stehen). Sehr schön der Zeilenumbruch von V3 zu V4.

Interessant ist in der ersten Strophe den Abstand, das Abgewandte. Nur das Profil ist sichtbar. LI und LD sind also nicht unbedingt eine Einheit, LD steht am Wasser, streift nur mit einem Fuße den Boden, den Sand auf dem LI steht. (Hier frage ich mich, wie das wohl auf einem Foto aussähe, wenn nur ein Fuß den Sand streift. Steht LD ganz im Wasser, bis auf die Fußkante? Oder streift LD sich symbolisch den Sand, auf dem LI steht, der LI trägt ab?).

LI steht weiter entfernt, scheint LD nicht immer zu vertrauen/vertraut zu haben, sonst müsste in der 2. Strophe nicht so sehr betont werden, dass LI dem Lächeln glaubt, ebenso wenig wie man normalerweise sein Vertrauen mit dem Glauben an Wind und/oder dessen Absichten vergleicht.

Hier drängt sich, zumindest kurzfristig, der Gedanke "Gone with the wind" auf. Andererseits: Der Wind versteht LIs Gier, LD scheint mehr mit dem Horizont beschäftigt zu sein.

dass es mit deinen Brüsten spielt und zupft.

Das Kleid kann nicht an den Brüsten zupfen, das können hier wohl nur LIs Gedanken. Der Wind kann es übrigens auch nicht, selbst wenn es in gewissen Härtefällen so aussehen könnte. Davon abgesehen finde ich die Beschreibung der Wind-Sequenz sehr erotisch, spürbar, bildlich, prickelnd, ohne zu intim zu werden, zu viel zu zeigen. Gelungen also.


An nachfolgender Stelle würde ich eventuell die Interpunktion noch einmal überdenken, um die "Übergänge" etwas deutlicher zu machen.

Er drückt es auf den schönen Leib und lupft,
dass es mit deinen Brüsten spielt und zupft. (Warum der Punkt?)
Und zwischen deinen Schenkeln liegt, galant

an deinen Hintern schmiegt. (warum kein Komma?) Der imposant
und sanft zugleich an einen Ort verlockt.


Der Hintern (fast alle Frauen, die ich kenne, würden recht pikiert gucken, Ulrich, wenn du ihren Hintern imposant nennst, ob er es nun ist, oder nicht, da gebe ich ninniach durchaus Recht) verlockt also an einen Ort?
Hm. Der Hintern verlockt, das kann ich nachvollziehen. Oder etwas lockt an einen Ort, auch das würde passen. Aber der Hintern verlockt an einen Ort? Das ist für mich nicht 100%ig stimmig, auch wenn klar ist, was damit gemeint ist.

Am berührendsten, faszinierendsten, finde ich allerdings die letzten beiden Verse.

Komm her, hierher, wo ich mich hingehockt.
Denn nun bin ich der Wind in deinem Land.


LI wünscht sich LD herbei, möchte diesen Abstand überbrücken. Es steht im Imperativ, in der Befehlsform, zeigt - besonders durch die betonende Wiederholung "Komm her, hierher" eine Dominanz, die aus den vorherigen Betrachtungen nicht zu erkennen war, vielleicht nur in Gedanken, ohne LD wirklich zu rufen. LI begehrt sichtlich, will der Wind sein, den Ort besitzen, erobern, der so verlockt, will den windigen Rivalen ausschalten, hat ihn vielleicht - zumindest in Gedanken- schon besiegt.

Denn nun bin ich der (frische?) Wind in deinem Land

Ein Gedicht, das in seiner - vielleicht unbeabsichtigten- Symbolik fesselt.

Liebe Grüße,
Sabine

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#5

Ich bin der Wind

in Ausgezeichnete Lyrik 10.09.2007 07:12
von Erebus (gelöscht)
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Liebe Sabine,

ja, diese dünnen Baumwollkleider, die so sinnlich sein können, wenn sie im Verein mit dem Wind, nein überhaupt...
Ich danke Dir für den Kommentar. Nun, da Du Simones Kommentar nochmals unterstützt, und auch Zustimmung zum Sujet gibst, habe ich natürlich doppelten Grund, nachzuarbeiten.

Da ich schon einige -ant verbraucht habe musste ich imposant tilgen, es scheint ja uncharmant zu sein.
Ich habe also deutlich umformuliert, und wenngleich ich jetzt zusätzliche Enjambements eingebaut habe, hoffe ich den Schluß doch ganz interessant gefunden zu haben.
Da ist jetzt ein Vexierspiel des Lockens bzw. Befehlens(?, na, jedenfalls ein Imperativ) entstanden, das ich ganz frappierend finde, vielleicht wird es aber auch nur als verwirrend empfunden.
Jedenfalls halte ich den Ausgang des Gedichtes jetzt für interessanter.
Ich wüsste gerne: ob dass so passt?

Der streifende Fuß, das war in meiner Vorstellung das Spielbein des LD, das über den Sand streift. LD stünde also noch nicht im Wasser. Ist das verstörend beschrieben, oder kann man das so lassen?
Die Beziehung zwischen LI und LD ist ungeklärt, jedoch, mit dem Blick findet eine Bestätigung statt, und dem Spiel des Windes und des Verlangens ist die Bahn frei.
Das Gezupfe, der imposante Hintern und der Ort sind jetzt wohl in logischeren Zusammenhang gerückt.
Nebenbei, ich habe mich wirklich schwer getan, den "Hintern" zu verbauen. Ich der poetisch legitim? Vor allem, welcher Begriff wäre der passende für dieses Körperteil? Ich hatte da schon eine Bemerkung erwartet.
Die letzten beiden Verse blieben, wie sie waren, der erste kann nun in zwei Zusammenhängen gelesen werden, zum einen als Aufforderung des Windes an das LI, zum anderen als die des LI an das LD.

Zitat:

Ein Gedicht, das in seiner - vielleicht unbeabsichtigten- Symbolik fesselt.


- wieso Symbolik? wieso unbeabsichtigt?

Liebe Grüße,
Ulrich
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#6

Ich bin der Wind

in Ausgezeichnete Lyrik 10.09.2007 09:00
von roux (gelöscht)
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Lieber Ulrich,

voller - anscheinend unbeabsichtiger - Symbolik, weil sie anscheinend deiner eigenen Intention nicht unbedingt entspricht, dem Gedicht jedoch zwischen den Zeilen in den Augen des Lesers eine zweite Ebene/Betrachtungsweise verleihen kann, eine Geschichte hinter der "offensichtlichen" Geschichte, hinter dem sichtbaren Handlungsstrang erzählt.


- LD hat LI zu Beginn LI den Rücken zugekehrt, eigentlich ein Zeichen dafür, dass es sich (trotz Blick zurück) abwendet, dass eine Beziehung zu Ende ist.

- LD streift den Sand ab, auf dem LI steht, streift damit symbolisch auch LI und die Vergangenheit ab. (das wohl beabsichtigte Spielerische, dieses von dir erwähnte kokette Bein ausstrecken und den Sand mit den Zehen kraulen wird nicht wirklich sichtbar)

- das Kleid ist flatterhaft, weht (wie das Fähnlein) mit dem Wind, LD ist also in ein unstetes Gewand gehüllt, kann/könnte seine Meinung, seine Absichten jederzeit ändern.

- Li hat seine Augen auf LD gerichtet, LD jedoch die eigenen auf den Horizont, symbolisch für Aufbruch, Abschied, neue Ziele.

- der Wind, also etwas/jemand anderes als LI berührt LD, Symbol z.B. für frischen Wind, also Neues, hier eventuell für einen Konkurrenten, für einen unsteten Beziehungspartner

- der Wind selber, eigentlich ein Symbol für etwas, auf das man sich nicht verlassen kann. Der Wind dreht sich, bläst aus einer neuen Richtung, u.s.w.

- hier glaubt/vertraut LI dem Wind, vertraut also -rein symbolisch betrachtet - auf das Ungewisse, blickt optimistisch auf eine Zukunft, bei der es nicht weiß, woher der Wind weht, genau wie LI hier LDs Lächeln glaubt, durch die Betonung einer "Selbstverständlichkeit" (Lächeln wird ja eher selten hinterfragt, es sein denn, man hat Grund dafür) inhaltlich eigentlich eher in Frage gestellt, als bestätigt.

- symbolisch ebenso fraglich: Der unstete Wind versteht LIs Gier, empfindet lt. Text entsprechendes. Wird sich LIs Begehren wenden, mit dem Wind, auf das nächste flatterhafte Objekt überspringen?

- textlich spielt der Wind nur mit LD, bezieht sich nur auf das Körperliche. Entspricht er auch hier LI?

- LI begehrt zwar, sitzt (hockt) aber fest auf seinem Platz (Strand) und bewegt sich keinen Schritt auf LD zu, erwartet/ befiehlt jedoch, dass LD den Abstand überwindet und auf LI zukommt, LI gibt symbolisch seinen Standpunkt nicht auf, will dass LD einlenkt, ankommt, vollkommen auf LI eingeht, den eigenen Standpunkt aufgibt.


Das ist alles Symbolik, die sehr oft in der Lyrik verwendet wird und daher, bewusst oder unbewusst eingesetzt, den Interpretationen eines Lesers durchaus eine bestimmte Richtung weisen kann.



Ich persönlich finde es durchaus legitim, wenn in einem Gedicht das Wort Hintern vorkommt, sehe darin auch keine abwertende Bezeichnung. Glutaeus maximus kommt in der Lyrik seltener vor, Arsch wird eher als "Stilmittel" in der Moderne eingesetzt, auf Po oder dem kindlich anmutenden Popo reimt sich so wenig. Da wird in Gedichten oft vom hinteren Rund gesprochen, sehr bildlich vom Vollmond oder vom Pfirsich, ab und an vom Heck u.s.w... Warum denn nicht Hintern?

Zu deinen Änderungen:

Der zaust am Kleid, wie außer Rand und Band.
Er spielt mit deinem schönen Leib und lupft
und sucht und forscht an Säumen, die er zupft.
Er formt die Brüste, deinen Hintern, spannt

sich über Schenkel und dazwischen fand
er jenen sanft gewölbten Ort und lockt.
Komm her, hierher, wo ich mich hingehockt.
Denn nun bin ich der Wind in deinem Land.


Die ersten drei Verse finde ich gut so, die gefallen mir.
Die geformten Brüste, da muss der Wind aber schon mächtig wehen, bis er Brüste formen, d.h. ihre Form verändern kann. Kneten und massieren kann er nicht, eventuell, bei gewisser Windstärke etwas plätten. ;-)

Mein Vorschlag wäre:

Der zaust am Kleid, wie außer Rand und Band.
Er spielt mit deinem schönen Leib und lupft
und sucht und forscht an Säumen, die er zupft,
streicht über Brüste und den Hintern, spannt...


Das zweite Problem wäre, dass ja nicht der Wind sich über Schenkeln spannt, sondern der Stoff des Kleides - und eventuell die plötzliche Vergangenheitsform beim "fand", das zwar gut in den Reim passt, aber nicht unbedingt zum vorherrschenden Präsens. (Hm. Interessant, charmant, elegant, pikant... ?)

Die letzten beiden Verse gefielen mir sowieso schon, in dem davor wiederum finde ich jetzt gut, dass nun angedeutet wird, dass der Wind LD eventuell ebenso "verlockt", wie LI.
Allerdings: Der sanft gewölbte Ort dürfte ja der Po sein, der sich nun einmal nicht zwischen den Schenkeln befindet, von wo aus der Wind "lockt", es sei denn, es handelt sich eher um - hm - konkave Wölbungen.

Nur als Gedankenanregung: Wie wäre es mit "gut versteckten Ort" oder "ganz geheimen Ort" oder "neckend jenen warmen Ort" oder "wohlbekannten Ort" u.s.w.?

Ich hoffe, es wirkt nicht zu nörgelig, lieber Ulrich.




Liebe Grüße,
Sabine
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#7

Ich bin der Wind

in Ausgezeichnete Lyrik 10.09.2007 10:23
von Erebus (gelöscht)
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Liebe Sabine.

das ist wirklich grandios, wie Du die komplexe Situation durchaus treffend aus dem Gedicht herausliest, wenn der Autor doch nur das eine im Sinne hatte: die Erotik.
Aber jetzt, im Nachhinein, ist das absolut stimmig. Ich unterstütze ausdrücklich Deine Sichtweise, auch wenn ich derartige Probleme gar nicht berühren wollte.

Und danke, dass Du den Hintern legitimierst. Ich finde ihn nämlich sehr passend. Diese Vollmonde und Pfirsiche hätten mir hier gar nicht gepasst. Obwohl ich auch schon einmal frugaler dichtete, kam ich gar nicht auf so etwas. Ebenso wenig wie auf den Po. Denn Popo verwarf ich ganz schnell, nicht wegen des Reimes, sondern wegen der Kindlichkeit.
Zu den Änderungen, mit denen ich doch so sehr zufrieden war:
Der Wind sollte nach meiner Vorstellung das Kleid so dicht auf den Leib schmiegen, das sich eben Hintern und Brüste heraus formen. Das der Wind nicht in der Lage ist, ist schon klar...
Das bekomme ich noch in den Griff. Den imperativ erlaubte ich mir, Ok, mal sehen.


Zitat:

Allerdings: Der sanft gewölbte Ort dürfte ja der Po sein, der sich nun einmal nicht zwischen den Schenkeln befindet, von wo aus der Wind "lockt", es sei denn, es handelt sich eher um - hm - konkave Wölbungen.



An dieser Stelle hatte ich gedanklich bereits von der Hinterseite gelassen, und LI sieht unterhalb des Bauches, also zwischen den Schenkeln, die Wölbung im Kleid, die das Schamhaar verursacht.

Du stehst vor mir, ein wenig abgewandt,
von hinten sehe ich dich im Profil.
Mit einem Fuß streifst du den Sand, grazil
beschattest du die Augen mit der Hand.

Du blickst zum Horizont und dann zum Strand,
zu mir. Du lächelst und ich glaube dir.
Ich glaube auch dem Wind, der meine Gier
versteht und um dich weht und dein Gewand.

Der zaust am Kleid, wie außer Rand und Band.
Er spielt mit deinem schönen Leib und lupft,
erkundet unter Säumen, die er zupft.
Er drückt das Tuch auf Hintern, Brüste, spannt

es über Schenkel und mit forscher Hand
auf jene Wölbung, unterm Bauch, und lockt.
Komm her, hierher, wo ich mich hingehockt.
Denn nun bin ich der Wind in deinem Land.

Für Deine Zustimmung zur Vexierbarkeit des vorletzten Verses bin ich Dir dankbar. Das kann ich dann so stehen lassen.
Und nein, es ist ganz gewiss nicht zu nörgelig, im Gegenteil. Sehr anregend...

Lieber Gruß
Ulrich
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#8

Ich bin der Wind

in Ausgezeichnete Lyrik 10.09.2007 17:30
von Simone • Mitglied | 1.674 Beiträge | 1674 Punkte
Hi Ulrich

gefällt mir so viel besser ohne dicken Hintern usw
nur noch eine Anmerkung. wäre es nicht logischer, wenn man lupft und zupft tauschen würde?

Er spielt mit deinem schönen Leib und zupft,
erkundet unter Säumen, die er lupft.

der Wind zupft erst am Kleid, fährt dann darunter und lupft die Säume. hört sich für mich einleuchtender an.

Gruß Simone
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#9

Ich bin der Wind

in Ausgezeichnete Lyrik 13.09.2007 16:47
von Primel (gelöscht)
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Lieber Erebus und andere,

dieser Kommentar mag wie eine Aggression aussehen, doch sollte man bisweilen doch auch das aufzeigen, was für manche, zumindest für mich, da ich ja nicht für alle Welt sprechen kann, als Untugend oder was immer (denn ich will nicht unterstellen, dass irgendwer auch nur die geringste Absicht hat, durch ein Bombardement mit stets denselben Zeilen oder einer geringfügigen Variation für jemand Reklame machen will, mit der unterschwellig angedeuteten Aufforderung zur Gegenleistung).

Was ich also meine: ich betrachte es als Unfug, wenn man bei einer Stellungnahme den gesamten Beitrag kopiert, der dadurch mehrmals an den dadurch vielleicht frustrierten Leser herangetragen bzw. diesem aufgedrängt wird.

Dass dein Text in leichter Erregung geschrieben wurde, erlaube ich mir anzunehmen, und ich begründe diese Vermutung mit dem Ansteigen deiner "Gier" von der eher ästhetischen Phase bis zum leicht Vulgären, und dies ist recht gelungen und gut lesbar. Störend hingegen finde ich das "hingehockt", das zu sehr an die Stellung bei einer Darmentleerung erinnert, was, für mich wiederum, anti-erotischen Charakter besitzt.

Freundliche Grüße. Primel
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#10

Ich bin der Wind

in Ausgezeichnete Lyrik 13.09.2007 17:15
von Erebus (gelöscht)
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Hallo Primel

ich stimme Dir in allen Punkten zu.

Für's "hingehockt" habe ich allerdings noch nichts besseres gefunden (habe mich auch noch nicht ernsthaft darum bemüht).
Das wurde mir bereits von anderer Seite genannt - und ich musste beipflichten.

LG
Ulrich
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#11

Ich bin der Wind

in Ausgezeichnete Lyrik 13.09.2007 17:58
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hallo Ulrich

Ich hätte da einen Vorschlag:

es über Schenkel und verweilt gebannt
auf deinem Venushügel. Wie er reizt!
Komm her, wo sich die Strömung spreizt.
Denn nun bin ich der Wind in deinem Land.



Gruss
Margot


Die Frau in Rot

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#12

Ich bin der Wind

in Ausgezeichnete Lyrik 15.09.2007 20:40
von Nonverbal • Mitglied | 407 Beiträge | 407 Punkte
Hallo ulrich,

mir gefällt dein Gedicht sehr gut, mit diesem Hauch von Erotik man kann seiner Phantasie freien lauf lassen. deine überarbeitete version finde ich übrigens auch besser als die alte


aber die vorschlagversion von marge finde ich auch richtg gut jetzt musst du dich entscheiden!

LG Franzi
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#13

Ich bin der Wind

in Ausgezeichnete Lyrik 03.10.2007 14:20
von Erebus (gelöscht)
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Hallo Margot -

ich muß ein Geständnis machen.
Dein Vorschlag scheint mir in seiner Art so sehr mancher meiner bisherigen Formulierungen zu entsprechen, das ich nicht weiß: ist das nun ernst gemeint oder veräppelst Du mich?
Aber wie dem auch sei. Ich halte die Mißverständlichkeit des "hingehockt" für besser, als die gespreizte Strömung, damit würde ich an dieser Stelle die mühsam erarbeitete Klarheit der Sprache wieder aufgeben, die mir selbst an dem Text so gut gefällt.
Ich habe zwischenzeitlich schon alles mögliche probiert, um die Notdürftigkeit der Formulierung zu beheben, kam aber noch zu keinem Ergebnis, das mich überzeugt hätte. Ich bleibe dran.

Danke für Deinen Vorschlag!

Gruss
Ulrich


______________________________________

Hallo Franzi,

Ich bedanke mich herzlich für den Zuspruch!
Ja, die erarbeitet zweite Version ist um Längen besser als die erste.

Allerdingst kann ich mich noch nicht für eine entgültige Version entscheiden und muß mit dem Kompromiss aushalten.

LG
Ulrich
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#14

Ich bin der Wind

in Ausgezeichnete Lyrik 09.11.2007 18:13
von Fabian Probst (gelöscht)
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Erstmal herzlichen Glückwunsch, Erebus.

Ein verdienter Monatssieger.

Besonders gut gefällt mir die zweite Strophe. Das "du lächelst und ich glaube dir" hat unglaubliche Tiefe für mich. Klingt extrem poetisch und schön und das ist die Kunst. Triviale Worte so zusammenzufügen, dass sie schön klingen. Lächeln und glauben sind keine aufregenden oder bedeutsamen Worte, aber so geschrieben und in diesem Zusammenhang werden sie größer und wachsen. Sehr gelungen. Darf ich nach dieser Lobhudelei diesen einen Satz gegebenenfalls benutzen?

Was mir allerdings an diesem Gedicht überhaupt nicht gefällt, ist die erste Strophe. Im Gegensatz zum Rest wirkt sie auf mich ungelenk.
Sie steht vor ihm/ ein wenig abgewandt und doch sieht er sie von hinten und doch wieder im Profil. Klingt irgendwie verdreht und selbst wenn das funktioniert, ist mir das viel zu viel Information über diesen einen Punkt. Das wirkt, als hätte da ein Polizist eine Situation rekonstruiert, der für die Spurensicherung zuständig ist. Vielleicht bin ich der Einzige, der das empfindet, aber so gings mir halt.
In den Versen drei und vier ecke ich beim doppelten "du/mit" etwas an. Weiß auch nicht, aber es klingt für mich unschön.

Aber das ist auch alles an Kritik. Die anderen Strophen fließen dahin und wieder mal gelingt es dir originell, Bilder zu erzeugen und zu verdichten.
Und wie gesagt, auf "Du lächelszt und ich glaube dir" bin ich neidisch und würde es gerne klauen. Auch wenn ich mich wiederhole, aber das finde ich genial. Gerade weil es im Grunde so einfach ist und trotzdem so viel an Tiefe erzählt.
(an Tiefe erzählt???? ich glaube, ich werde alt)

Gruß, Fabian


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#15

Ich bin der Wind

in Ausgezeichnete Lyrik 09.11.2007 19:50
von Erebus (gelöscht)
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Hallo Fabian,

danke sehr.
Richtig, es viel mir auch recht schwer, das Bild, die Ansicht von schräg hinten, dann, beim Blick zum LI, mit gedrehtem Körper zu beschreiben. Wo Du schon zuviel Worte findest, bleibt die Beschreibung dennoch ungenau.
Tatsächlich habe ich mich an dieser Stelle immer unsicher gefühlt, die schwierige Position nicht eindeutig beschrieben zu haben und tatsächlich wurde das auch in einem Kommentar als "schlecht möglich" abqualifiziert.

Vielleicht kommt da die Unsicherheit des Schöpfers zum Ausdruck?
Die Du/mit kann ich allerdings nicht nachvollziehen, insbesondere nicht im S4, da steht weder das eine noch das andere - ich dachte schon ich sei zu blöde und habe sogar mit der Suchfunktion nichts gefunden.
In S3 gibt's ebenfalls nur ein "mit". Vielleicht meinst Du S1 und S2?

Schön, das die Strophe 2 dennoch so gut in Deinen Augen bestehen kann. Natürlich kannst Du diesen Vers benutzen, aber immer schön mit Copyright-Vermerk: "© dieser Vers wurde leihweise überlassen durch Erebus", ohne Klammern, unmittelbar hinter dem Vers, Schriftgröße wie Standardschrift + 4 Punkt.

Nee, Spaß. Ich fühle mich geehrt. Mögest Du glücklich damit werden!
Ich bedanke mich für Deinen Kommentar


Gruß
Ulrich
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#16

Ich bin der Wind

in Ausgezeichnete Lyrik 09.11.2007 19:57
von Fabian Probst (gelöscht)
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Mit VERSE drei und vier meinte ich die ZEILEN drei und vier in der ersten Strophe, auf die sich ja meine gänzliche negative Kritik bezog.

"MIT einem Fuß streifst DU den Sand, grazil
beschattest DU die Augen MIT der Hand."

Ich habe auch lange gebraucht, bis ich akzeptiert habe, das man mit "Vers" nicht "Strophe" sondern auch Zeile meinen kann. Deswegen kann ich das Missverstehen nachvollziehen.

Gruß, Fabian

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#17

Ich bin der Wind

in Ausgezeichnete Lyrik 09.11.2007 20:03
von Erebus (gelöscht)
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ah - ja, ja, ja (peinlich)

Schon gut, bin eben nur ein Umstandsdichter.
Ich akzeptiere ebenfalls.
Beides.
Vers und Kritik...
wobei ich es aber gar nicht so schlecht finde - ich meine das Du/mit

+ Gruß
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