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#1

Wildwechsel

in Düsteres und Trübsinniges 23.08.2007 22:54
von Wiedu (gelöscht)
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Wildwechsel


Fast märchenhaft erschien mir jener Morgen,
als erste Strahlen durch den Nebel drangen
und aus dem Dickicht lautlos Rehe sprangen.
Ganz grundlos machte ich - nur kurz - mir Sorgen.

Der zarte Schleier hob sich für Sekunden
und Sonnenlicht durchbrach die Nebelmauer.
Für eines Atemzuges kurze Dauer
empfand ich mich dem Leben tief verbunden.

Ich kehrte um, die Angst war längst gewichen.
Zu schön der Tag, um Zweifeln nachzuhängen.
Doch etwas schien nach Hause mich zu drängen.

Die Nachricht von der Mutter kam vor Stunden.
Ein Schluchzen, Weinen und ganz leis dazwischen:
Ich hab den Vater sterbend aufgefunden.


30.10.06
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#2

Wildwechsel

in Düsteres und Trübsinniges 24.08.2007 02:36
von Krabü2 | 797 Beiträge | 797 Punkte
Hallo
Hier hatte das lyr. Ich ne Vorahnung, dass da was im Busch ist? Seiner inneren Stimme nicht weiter zugehorcht? Erst hat es Sorgen, dann Zweifel, dann Angst (gehabt)?
Zu Hause hat es den Anrufbeantworter abgehört, will ich meinen. Die Mutter hatte drauf gesprochen, dass 'sie den Vater sterbend aufgefunden hat'. Ich weiß nicht, ob das Partizip präsens hier passt, aber 'verstorben' scheint dem Text nicht gut zu tun. Ich weiß außerdem nicht, ob eine Frau, die ihren Mann gerade durch Tod verloren hat, so auf den AB ihres Kindes spricht.
Ich weiß nur: am bestem gefällt mir die 2. Strophe.

Gruß
KB

PS: Es gibt natürlich noch weitergehende Interpretationsmöglichkeiten, aber die sind prekär.

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#3

Wildwechsel

in Düsteres und Trübsinniges 24.08.2007 07:54
von Wiedu (gelöscht)
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Hallo Kratzbürste, zunächst einmal danke für dein Feedback.
Ja, LyrIch macht sich, wie aus Z4 hervorgeht, grundlose Sorgen. So meint es jedenfalls. Ich weiß nicht, ob du je eine Vorahnung hattest, die jäh auftritt in einem Moment, in dem es dir wirklich gut geht. Man fühlt plötzlich Zweifel. Ja, man kann das auch als Angst bezeichnen, wenn auch latent.
Schön, dass du die 2. Stropphe magst, sie sollte ein hohes Maß an Lebensfreude transportieren, eben dieses Einssein mit sich und der Welt, wenn auch nur sehr kurz.

Liebe Grüße an dich
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#4

Wildwechsel

in Düsteres und Trübsinniges 24.08.2007 14:48
von bipontina (gelöscht)
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Guten Tag!
Leider gibt es keine Rubrik (für meinen Geschmack) in die Dein Gedicht reinpaßte. Ein bißchen düster, ein bißchen trübsinnig, aber im Endeffekt doch so lebensbejahend, lebensbegrüßend!.. Kennt man (wie ich) diese Morgen: man b l e i b t dem Leben tief verbunden. Daß Schrecksekunden zur Wahrheit werden: wer kennte das nicht?
Dein Gedicht ist Musik in meinen Ohren und Schmaus in meinen Augen. S e h r gekonnt!
LG bipontina (ebenfalls Saarland)
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#5

Wildwechsel

in Düsteres und Trübsinniges 24.08.2007 16:02
von Wiedu (gelöscht)
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Hallo bipontina,
Mit der Rubrik war ich auch nicht 100 pro zufrieden, da es sich aber letztendlich um den Tod handelt, hab ich dann diese hier gewählt.

Freut mich sehr, wenn es gefällt.
Und auch, hier eine Saalännerin zu treffen, dat is schön!

Danke und lg

Wiedu
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#6

Wildwechsel

in Düsteres und Trübsinniges 24.08.2007 16:04
von bipontina (gelöscht)
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ja, fein...
In "Zwischenwelten" paßt es auch nicht so g a n z hinein, aber es läßt sich nun mal nicht für jedes Gedicht d i e rubrik finden. Hoffentlich machst Du noch viel so SCHÖNES !!!
LGbipontina (Bliestal)
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#7

Wildwechsel

in Düsteres und Trübsinniges 25.08.2007 22:25
von roux (gelöscht)
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Liebe Wiedu,
ich finde, du hast den Inhalt sehr gut in die Sonettverse verpackt.
Wer kennt das nicht, eine plötzliche Vorahnung, die der vernunftbegabte Mensch natürlich sofort wieder verdrängt, weil er sie als unlogisch, als Einbildung betrachtet. Und doch, ab und an bestätigen sie sich, man hat es eben einfach gespürt, ein Unbehagen oder inneres Drängen, ohne dass es eine logische Erklärung dafür geben würde, meist bei einem ernsten, traurigen Anlass, selten mit Vorfreude.
Sehr intensiv, dein Gedicht, Wiedu, sehr spürbar.

Metrisch habe ich nichts zu meckern.

Inhaltlich ist V12 die einzige, die mir wegen des unklaren Zeitablaufes nicht ganz so gut gefällt.


Ungewöhnlich allerdings ist die Reimkombination

abba
cddc
eff
cec, wobei der Reim e, gewichen/dazwischen kein wirklich reiner ist.



Liebe Grüße,
roux
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