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#1

cantiuncula

in Diverse 04.06.2007 17:08
von Alcedo • Mitglied | 2.444 Beiträge | 2351 Punkte

cantiuncula


Schwalbe,
steig ins Himmelsblau,
Kröte,
friss das Dunkel,
Regen,
fall' ins Wüstengrau,
Stern,
gebär' Gefunkel!

Sehnsucht,
schweig im Tränenstau.
Bauch,
vergiss das Munkeln,
Kuss,
erhell die weinend Frau,
Auge,
lehr mich funkeln!

Schwalben fliegen,
Regen fallen,
Kröten fressen
Dunkel auf -
Wüsten kriegen,
Donner lallen,
Bäuche pressen
Sterne drauf.

Sehnsucht, schweige!
Himmel, geige!
Stern, kreiss Leben
weiterhin,

Regen, falle,
Dunkel, schnalle
fest mich neben
Dich, mein Sinn.


e-Gut
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#2

cantiuncula

in Diverse 04.06.2007 18:53
von Maya (gelöscht)
avatar
Hallo Alcedo!

Mich überzeugt dein Gedicht nicht so richtig. Der Titel bedeutet wohl "Liedchen" (?), doch bringt mich dieses Pseudowissen nicht sehr viel weiter.

Schwalbe,
steig ins Himmelsblau,
Kröte,
friss das Dunkel,
Regen,
fall' ins Wüstengrau,
Stern,
gebär' Gefunkel!


Diese Strophe enthält diverse Aufforderungen an die Natur, als wollte das lyrI sie sich untertan machen. Mich stören die ganzen Elisionen im Text, das wirkt alles so erzwungen. Warum hier nun ausgerechnet Schwalben und Kröten aus der Tierwelt herangezogen werden, weiß ich nicht und mir fehlt jetzt auch die Muße, nach der Symbolik dieser Tiere zu googeln. Dieses Sternengefunkel klingt mir zu kitschig.

Sehnsucht,
schweig im Tränenstau.
Bauch,
vergiss das munkeln,
Kuss,
erhell die weinend Frau,
Auge,
lehr mich funkeln!


Du scheinst es zu mögen, denn im letzten Vers der zweiten Strophe funkelt es schon wieder. Das Munkeln in Z4 schreibt man groß, der Artikel steht ja schon da. Was diese Strophe inhaltlich von der ersten abhebt, ist, dass hier auf menschliche Eigenschaften bzw. Gefühle Bezug genommen wird, während es anfangs eher um das äußere Drumherum ging. Ich verstehe es so, dass nun der Protagonist versucht, über sich selbst Herr zu werden, seine Gefühle in den Griff zu bekommen. Was aber dagegen spricht, ist die Zeile 6, weil da eine weinende Frau ins Spiel gebracht wird. Das ist mir zu chaotisch, ich sehe kein Land.

Schwalben fliegen,
Regen fallen,
Kröten fressen
Dunkel auf -
Wüsten kriegen,
Donner lallen,
Bäuche pressen
Sterne drauf.


Tja, jedenfalls scheinen sich einige Wünsche des Protagonisten erfüllt zu haben, die Schwalben fliegen nun tatsächlich, wobei ich mich frage, warum es nun gleich mehrere sind. Sogar der Regen fällt unglücklich im Plural - das klingt grausam. Gibt es Regen überhaupt in der Mehrzahl? Der Inhalt tröpfelt jedenfalls an mir vorbei, denn ich kann nicht erkennen, warum nun diese Dinge geschehen und was das Ganze zu bedeuten hat.

Sehnsucht, schweige!
Himmel, geige!
Stern, kreiss Leben
weiterhin,

Regen, falle,
Dunkel, schnalle
fest mich neben
Dich, mein Sinn.


Wenn der Himmel voller Geigen hängt, soll die Sehnsuch schweigen? Seltsam, denn für mich gehört beides zusammen. Ist man verliebt, sehnt man sich doch öfter mal nach dem Partner, wenn dieser gerade nicht da ist. "Kreiss" - was soll das bedeuten? Ist da ein "s" zu viel? Mit der dritten Zeile könnte ich aber so oder so nichts anfangen. Nun regnet es im letzten Abschnitt bereits zum dritten Mal.

Für mich fällt das Gedicht sozusagen ins Wasser. Das ist nicht so mein Fall.

Grüße, Maya
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#3

cantiuncula

in Diverse 04.06.2007 20:03
von Alcedo • Mitglied | 2.444 Beiträge | 2351 Punkte
hallo Maya

Danke für die schnelle Rückmeldung.
die Orthografie hab ich berichtigt.

ja, "Liedchen" käme hin.
Regen gibt es bestimmt in der Mehrzahl.
bei "einer" Schwalbe kennst du doch sicher das geflügelte Wort, wenn dieselbe noch keinen "Sommer macht". Sommer bräuchte den Plural. Lyrik bräuchte aber im Idealfall keine Erläuterung.

kreissen steht für gebären. und Regen auch für Fruchtbarkeit,
aber klar ist auch, es kann leicht zu viel des Guten werden.
auch Chaos wollte ich dabei nicht haben.
auch die Symbolik von Vogel und Amphibie sollte unmittelbar wirken, dachte/wünschte ich hier zumindest.
ich konstatiere: das ganze Konstrukt steht und fällt vor allem über das Funktionieren der Wiederholungen. da lässt sich dann auch nicht viel ändern.

Gruß
Alcedo


e-Gut
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#4

cantiuncula

in Diverse 04.06.2007 20:30
von Maya (gelöscht)
avatar
Ja, "kreißen" war mir kein Begriff, es ist wohl altertümlicher als ich. Nein, also das kannte ich nicht. Mit den Schwalben ist das so eine Sache, irgendwie verstehe ich das inhaltlich trotzdem nicht. Geht es hier um den Sommer oder Hochsommer der Lyrik [Lyra = Lied --> Lyrik]?



Zitat:

Regen gibt es bestimmt in der Mehrzahl.



Singularia- und Pluraliatantum

"Ein Singularetantum (von lateinisch tantum (nur), also nur im Singular) ist ein Wort, zu dem kein Plural existiert oder ein solcher nur in eingeschränkten Bedeutungen möglich ist, speziell fachsprachlich für verschiedene Sorten eines Stoffs. Das sind in der Regel Eigennamen, Sammelbezeichnungen (Adel, Laub, Obst, Publikum, Vieh), Stoffbezeichnungen (Butter, Eis, Fleisch, Kakao, Milch, Rauch, Regen, Schnee, der Tau), viele Abstrakta (All, Armut, Dank, Desinteresse, Durst, Ernst, Gegenwart, Haß, Hast, Hetze, Hitze, Hunger, Kälte, Lärm, Liebe, Moral, Ruhe, Schutz, Treue, Überfluß, Wehmut, Wissen, Zorn) und substantivierte Verben (Brennen, Erstaunen)."

[Quelle:http://209.85.135.104/search?q=cache:8YMy_CVSsTIJ:faql.de/numerus.html+Regen+Plural&hl=de&ct=clnk&cd=2&gl=de]
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#5

cantiuncula

in Diverse 05.06.2007 21:51
von Alcedo • Mitglied | 2.444 Beiträge | 2351 Punkte
mhm, ich verstehe was du meinst, Maya.
auf Tantum habe ich meine Wörter ja noch nie abgeklopft.
Pluraliatantum ist die Mehrzahl von Pluraletantum?

also in dem Satz:
"Heute gingen zwei heftige Gewitterregen nieder."
gibt es zwei Singulariatantum: "Gewitter" und "Regen"
(oder ist "Heute" auch noch eins?)

schön, wieder was gelernt. merci.

wenn ich aber nun ein Pluraletantum gebrauche, dann braucht das Wort einen Zusatz, um Ein- oder Mehrzahl eindeutig werden zu lassen. ich verwendete ja ein Verb das in Kombination mit "Regen", das dann keine Zweifel über die Mehrzahl aufkommen lässt (auch meinte ich damit die Gleichzeitigkeit mehrerer Regen, dies impliziert vielleicht auch ein Verschieben der Perspektive, von Nah- zu Übersicht).
somit denke ich korrekte Grammatik gebraucht zu haben, inklusive Tantum.
nehme aber zur Kenntnis, dass es auf dich störend wirkte. und ich erkläre es mir so, dass man wohl meist nach Möglichkeit versucht, anstatt eines Wortes wie z.B. Elternteil, den Ersatz Vater, Mutter, oder einen Vornamen zu gebrauchen.
leider gibt es bei meinem lyrischen Konstrukt keine Alternative. aber ich werd ein Zukunft gewiss drauf achten.

um Lyrik im Allgemeinen geht es nicht. aber als kleine Andeutung: wenn du mal (wieder) einen Kreißsaal betreten solltest, kannst du vielleicht auch ein Lied davon singen.

Gruß
Alcedo


e-Gut
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#6

cantiuncula

in Diverse 05.06.2007 22:17
von Maya (gelöscht)
avatar
Hi Alcedo!

Jetzt kam ich wohl belehrender daher, als ich es beabsichtigt hatte. Natürlich steht es dir frei, deine Regen fallen zu lassen, ist halt Dichtung und da muss nicht jede Regel befolgt werden. Ich verstehe, worauf du da mit "mehreren Regen" anspielst - wenn es zum Beispiel an verschiedenen Orten zur gleichen Zeit regnet, oder? Insofern müsste es schon auch den Plural geben. Du, ick bin überfragt, ehrlich.

Mir kam es gestern nur merkwürdig vor, du widersprachst mir und ich suchte Beweise, um meine Sicht der Dinge zu untermauern. Dann lass die Regen doch fallen, ich gönne sie dir wirklich. Die Sache mit dem Singularia- und Pluraliatantum ist wirklich interessant, stimmts? Normalerweise ist man sich dessen gar nicht so bewusst, wenn man die Begriffe gebraucht. Ich fand übrigens auch den Etymologie-Link bei unten genannter Quelle interessant.

Naja, kreißen ist heute wohl nicht mehr allzu gebräuchlich, daher kannte ich es nicht, aber das Wörterbuch gibt dir Recht. Fein, nun haben wir beide was gelernt. Was will man mehr?

Grüße in den Abend,
Maya
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#7

cantiuncula

in Diverse 06.06.2007 05:17
von Alcedo • Mitglied | 2.444 Beiträge | 2351 Punkte
weißt du was,
ich überlege jetzt ernsthaft, ob ich den "Regen" in S3Z2 nicht d o c h fallen lasse.
was wenn ich ihn dort mit "Wasser" ersetze?
ein Synonym ist auch was schönes, vor allem wenns gleich drei mal regnete bei solch kurzen Zeilenumbrücehn.

ja, interessant: sich Regen bringt Segen.
es lohnt sich.

Gruß
Alcedo


e-Gut
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#8

cantiuncula

in Diverse 06.06.2007 17:52
von Maya (gelöscht)
avatar
Nee, bloß nicht Wasser. Das klingt eher nach vollen Wassereimern, die über Passanten ausgeschüttet werden. Ich würde Tropfen fallen wählen, das passt doch viel besser und klingt nicht gleich nach Überflutung.
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#9

cantiuncula

in Diverse 07.06.2007 11:16
von Alcedo • Mitglied | 2.444 Beiträge | 2351 Punkte
mhm, ich stelle trocken fest, du hast dabei nicht an Fruchtwasser denken müssen...

Tropfen klingt mir eher nach Tröpfeln und Prostatabeschwerden, als eine Assoziation zu Fruchtbarkeit, kommt also für mich nicht in Frage. aber danke.

werd mir noch Zeit lassen.

Gruß
Alcedo


e-Gut
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