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#1

Die leere Welt

in Düsteres und Trübsinniges 29.05.2007 13:35
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Die leere Welt

Die leere Welt hält mich in ihrem Nest,
im engen Tag- und Nachtgemach.
Ich halte mich bei Sturm an Zweigen fest
und brüte sonst in mir versunken nach.

Gelegentlich da lehne ich mich raus,
obwohl dort draußen gar nichts ist.
Doch manchmal sieht es trotzdem anders aus.
Der Fluss erscheint Azur statt Amethyst.

Der Berg erstrahlt Rubin statt Rosenquarz
und Wälder, sonst Smaragd, stehn da in Gold.
Fast täglich wird auf leeren Raumes Schwarz
ein Meer an neuen Farben ausgerollt.

Im Fernen seh ich Vögel Runden drehn,
sie malen Pfeile an die Himmelswand
und winken, doch auch sie sind ungeschehn,
denn es gibt nichts - nur farbenloses Land.


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#2

Die leere Welt

in Düsteres und Trübsinniges 29.05.2007 14:57
von Erebus (gelöscht)
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Hallo Geratewohl,

dieses Gedicht geht mich an. .
Es fesselt mich und trägt mich bis zuletzt.
Das Spiel der Landschaften in Farben aus Mineralien und Metall empfinde ich als wirklich gelungen.
Die eine oder andere Formulierung irritiert mich zwar, und eigentlich wollte ich im Einzelnen gar nicht daran herumkritisieren, (um den Gesamteindruck und mein Kompliment nicht zu stören.) jedoch, besser ich nenne die Punkte, die mich stutzen lassen:

S1 Z2 würde ich "im engen Tag- und Nachtgemach." formulieren. Der Wechsel zum Nominativ (ist das korrekt?) bereitet mir Probleme.

Inversion und Elision in Z3 könntest Du bereinigen "Ich halte mich bei Sturm an Zweigen fest"
Tja, und Z4 gefällt mir nicht, weil das über den Schlaf Nachbrüten mir irgendwie nichts gibt.

S2 müßte ich echt suchen, um zu mäkeln- nein, die gefällt mir rundherum

S3 dito. "so manche" - da wäre mir etwas exaktes lieber.

S4 Da ist es das "bunte" Land in der Abschlußzeile, das sich für mich zu gewollt anhört und das m.E. grau oder schwarz sein müßte.

Denn es ist nach meinem Empfinden das gelungene Wiederspiel zwischen farbigen Schilderungen von Details und der dunklen Tristess des resümierenden LI, das Deinem Werk eine starke Ausstrahlung verleiht. Und die gibst Du mit dem "bunten Land" auf.

Die ergriffene Sicht und Erhöhung der Einzelheit durch Edelsteine oder -Metalle setzt Du gekonnt gegen das beurteilelte Ungeschehensein.
Wirklich faszinierend - eine gelungene Konzeption, die mir sehr gefällt!
Und obwohl der Titel konterkariert wird geht er auf. Denn die Haltung des LI erscheint glaubhaft, ebenso wie dessen Sicht auf die Landschaft.

Gefällt mir sehr gut!

LG
Ulrich
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#3

Die leere Welt

in Düsteres und Trübsinniges 29.05.2007 15:25
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hi Erebus,

vielen Dank für Deine Kritik und Dein Lob.
Die meisten Deiner Kritikpunkte waren mir gleich plausibel. Die Änderung von S1Z3 sogar meine Ursprungsversion, die mir dann aber nicht mehr so gut erschien. Das mit der Änderung des Casus in Zeile 2 der ersten Strophe ist mir gar nicht aufgefallen und ich kann die Frage gar nicht beantworten, ob das so geht. Denn eigentlich hast Du recht, der Fall ist falsch. Mein Sprachgefühl sagt mir aber dass es so gehen müsste. Dennoch übernehme ich da sehr gerne Deinen Vorschlag.

Aber wofür ich am Dankbarsten bin, dass Du mir die Unstimmigkeit bzgl. der letzten Zeile mit dem bunten weiten Land aufzeigtest. Das fiel mir jetzt erst durch Deinen Hinweis auf. Hab das jetzt alles so geändert und finde es jetzt auch besser.
Die "manchen neuen Farben" in Strophe 3 stören mich allerdings nicht. Die bleiben. Ich wüsste jetzt auch keine rechte Alternative.

Jedenfalls vielen Dank für die Verschlimmbesserungen!

Und schöne Grüße,
GW

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#4

Die leere Welt

in Düsteres und Trübsinniges 30.05.2007 17:18
von Erebus (gelöscht)
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Hallo GW,

ich sehe, Du hast dann nochmals überarbeitet.

Ja, das gefällt mir jetzt besser.

LG
Ulrich
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