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#1

Lippenbekenntnis.

in Liebe und Leidenschaft 21.05.2007 01:55
von Wortklaubär (gelöscht)
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Lippenbekenntnis

In meinen Träumen bist Du salzgeboren,
wangenhoch schmeckst Du nach Meer,
das flaumgeschoren an den Säumen
Strände streichelt, wie Vermeer
Gesichter malt, im Blick verloren.

In Deinen Räumen kann die Haut
der Dunkelheit die Stille nehmen,
schaut aus allen ihren Poren
lichtgewandt, in zarten Schemen
auf die laut gemalte Welt.

Sangen eben noch Lemuren
schrill in gelb entsetzte Ohren,
hauchen nun in sanften Spuren
sorglos Deine weichen Lippen
jenes leise Lied, das mir gefällt.


Brauchen wir denn bunte Bänder,
die im Wonnenwind vergehen?
Ränder, steile Küstenklippen
die nach Sonnenkindern flehen?
Hier, im Kleinen, ist das Glück.


Wippen wir im Taumelspiel,
doch greifen nicht nach Sternenglut;
die Fluten fließen durch den Priel
zum großen Wellenwahn zurück.
Bei Ebbe schöpfen wir das Blut,

das wahre Nahrung ist in Jahren
voller Lebenselixier, und jeden Durst
mit stillen Wassern, tiefen, klaren
ohne Gleichen löschen kann.
Wirst Du Dein Wesen so erweitern,

nur der Ferne zugewandt, der Gänze,
dann erleuchtet Dich Dein Sein im
Schwur; und gerne, weil ich mit Dir glänze
angesichts des Augenlichts, vereine
ich den Lebenssand in unser beider Uhr.
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#2

Lippenbekenntnis.

in Liebe und Leidenschaft 21.05.2007 09:17
von Erebus (gelöscht)
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Hallo WKBär

Titel und Untertitel nehmen anscheinend - gleichsam vorsorglich - die Luft heraus, diesen Text erst zu nehmen. Denn seiner Anmutung nach möchte er ernst genommen werden.
Gleich der Einstieg weiß mich zu beeindrucken, zwei Verse, die mir sehr gefallen, dann wird die rasierte Scham gestreichelt, in hehrer Blickverlorenheit, so wie Herr Vermeer Gesichter malt, das geht allerdings nicht so richtig zusammen, oder doch - aber nicht sogleich.

Nach etwas Überlegung bin ich dann und bleibe beim Cunnilingus. Jetzt funktioniert auch der Titel. Der Untertitel ist und bleibt in meinen Augen ziemlich dämlich.

Ich versuche der erkannten Intension zu folgen und finde neben der eigenwilligen Sprache immer wieder die gesuchten Hinweise auf das "kleine" Glück im Kamasutrischen.


Zitat:

Bei Ebbe schöpfen wir das Blut,

das wahre Nahrung ist in Jahren
voller Lebenselixier, und jeden Durst
mit stillen Wassern, tiefen, klaren
ohne Gleichen löschen kann.


Da ist mir unklar, was gemeint ist. Handelt es sich bei der Ebbe um die Zeit ohne sexuelle Betätigung? Oder doch mit? Dies sah ich zunächst in den Fluten im Priel, also im Ggs. zur Ebbe.
Blut, welches mit klaren Wassern (ohne Gleichen-?) den Durst zu löschen vermag, kann meinen nicht löschen, das überzeugt mich nicht.

Der exzessive Einsatz starker Worte und Bilder (Lemuren, Wellenwahn, Wonnenwind etc.) weiß mich nicht zu überzeugen, das kommt mir zu fett daher.
Denn irgendwie erscheint das Ganze etwas verklumpt. Die Ausrede des plattdüttschen Querjereimes will ich da nicht gelten lassen, denn dafür enthält Dein Text viel zu viele gekonnte und inspirierte Ansätze.
Auch gefällt mir nicht der Anriss einer Conclusio aus Ferne, Gänze, Schwur und Erweiterung. Möglicherweise willst Du auf so etwas wie Dharma anspielen?
Da überläd sich mir aber das Bild, ohne richtig Nahrung zu geben.
Vor allem endet Dein Gedicht letztlich in gemeinsamer Versandung in einer Eieruhr, dass empfinde ich dann wieder zurückgebrochen in den beginnenden Strang der sexuellen Handlung.
Interessant, gekonnt und (für mich) vorbeigeschossen. Aber gerne bedacht.

Lieber Gruß
Ulrich
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