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#1

Sommer in der Stadt

in Düsteres und Trübsinniges 29.04.2007 12:31
von Fabian Probst (gelöscht)
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Sommer in der Stadt

Er sitzt nicht da, er kauert auf den Steinen,
das Bier in seiner heimatlosen Hand.
Und eingewickelt in zerfetztes Leinen,
träumt er von Glück und etwas Dosenpfand.

Sie bummelt, schaut verträumt in Fensterläden,
die Sonne brennt und zeichnet sie ins Glas;
auf einem blauen Auge schimmern Fäden,
dann rennt sie heim, weil sie die Zeit vergaß.

Zwei Kinder in den flirrend hohlen Gassen,
im Dunst von Abfall und zu heißem Teer
hat man sie Einbahnstraßen überlassen
und ihre Blicke finden sich nicht mehr.
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#2

Sommer in der Stadt

in Düsteres und Trübsinniges 29.04.2007 13:47
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hallo Fabian

Das gefällt mir gut. Wie immer sehr fein gedichtet mit einem Hauch Melancholie und der Option, sich die Geschichten hinter den Protagonisten selber weiterzuspinnen.

Wo Du mir die fliegenden, scheuen Blicke so vorhältst (*g), so komme ich jetzt auch nicht drum herum, Dir die Fensterläden anzukreiden. Fensterläden sind meist aus Holz und können nix spiegeln. Aber bei Euch ist das womöglich ganz anders und ihr habt, anstatt Schaufenstern, eben Fensterläden.

Das doppelte ‚heiss’ in der letzten Str. würde ich ändern. Da gibt's doch noch einen Haufen andere Adjektive dafür.

Etwas schade finde ich die durchgehenden unheilsschwangeren Bilder. Leicht kommt so der Verdacht auf, dass der Erzähler lediglich das Negative sieht und in allen Sommerstädten nur Penner, geschlagene Ehefrauen und verwahrloste Kinder zu finden sind. Nicht, dass es nicht so sein könnte, aber ich erahne dahinter ein gewisses Bemühen, den Leser auf der Mitleidsschiene anzusprechen. Natürlich steht es im Düsteren, aber eine eingeschobene - vielleicht lediglich beschreibende - Strophe gäbe dem Text etwas mehr Hintergrund.

Nichtsdestotrotz wieder ein schönes Stück Lyrik.

Gruss
Margot

Die Frau in Rot

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#3

Sommer in der Stadt

in Düsteres und Trübsinniges 29.04.2007 15:16
von Fabian Probst (gelöscht)
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Danke, Margot.

Das doppelte "heiß" ist natürlich peinlich, ist mir echt nicht aufgefallen. Habs jetzt auf die schnelle umgeändert.

Stimmt, dass ist düster. es ist eine Seite der Medaille, nicht das gesamte Bild. Ehrlich gesagt, habe ich das vor längerer Zeit angefangen und dann liegen lassen, weil ich zur Zeit wieder arbeite und deshalb kaum noch Zeit finde, mich hin zu setzen und zu schreiben. Vorhin habe ich es dann in relativ kurzer Zeit zu Ende gebrcht. Es wäre eine Idee, eine Art Gegenpol dazu zu entwickeln, die in der ganzen Szenerie etwas Schönes findet. Wenn ich dazu komme, werde ich das mal machen. Guter Hinweis.

*g* Ich habe ja nicht gesagt, dass die Fensterläden aus Glas sind, nur dass da Glas ist. Aber jetzt hast du mich tatsächlcih unsicher gemacht. Ich meine schon, dass man das so sagt bei uns. *grübel*

Gruß, Fabian
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#4

Sommer in der Stadt

in Düsteres und Trübsinniges 29.04.2007 17:45
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Ne, ja, schon klar ... Es dünkt mich einfach so unfertig .... wenn Du weisst, was ich meine.
Und flirrend hohle Gassen? Nicht Dein Ernst, oder?

Die Frau in Rot

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#5

Sommer in der Stadt

in Düsteres und Trübsinniges 05.05.2007 16:25
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Hi Fabian,

ich vermute mal, die "Kinder" in der letzten Strophe sind die die Frau und der Penner, die sich beide auf einem Weg befinden, den sie - zumindest aus eigener Kraft - nicht verlassen können. Ansonsten, wären tatsächlich als dritte Gruppe im Gedicht, noch ein paar verwahrloste Knirpse gemeint, wäre es mir ebenfalls ein bisschen zuviel der Negativaufzählung. So aber werden einfach die beiden Stränge der ersten Strophen zusammengeführt, das passt schon.

Die heimatlose Hand mutet allerdings etwas seltsam an. Nur die Hand? Und der Rest geht heute abend nach Hause und wühlt sich in die Kissen, während das arme Watscherl vor der Tür bleiben muss ? Klar, man weiß wie und was gemeint es, für mich klingts doof.

Was die Fensterläden angeht, bin ich auch unsicher; gemeint ist ja wohl die (Schau)Fensterauslage und die Dame spiegelt sich im Schaufenster. Mir stößt es nicht negativ auf, ich befürchte aber, Margot liegt da richtig...

Str. 2 Z.4 finde ich übrigens irgendwie sehr abrupt, das "rennt" ist mir bei diesem Text auch zu umgangssprachlich. Irgendwie störts mich.

Schlecht finde ich das Gedicht beleibe nicht, aber so recht überzeugen kann es mich auch nicht.

Don

Des Paten Missetaten

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#6

Sommer in der Stadt

in Düsteres und Trübsinniges 05.05.2007 19:51
von Joame Plebis | 3.409 Beiträge | 3363 Punkte
Hallo Fabian!

Die dritte Strophe ist mir die treffendste bei diesem
Blick in die Stadt, der zufällig auf diese Schichte fällt.
Nun hast Du endgültig oder vorläufig rasch mit 'flirrend' ersetzt. Überlegungen mit 'staubig' und 'dünstend' stellte ich nur rasch an, quäle mich nicht lange herum; Du wirst das schon richtig machen!

Auch mir fielen die Fensterläden auf. Es würde passen,
auf sie blicken zu lassen (etwas ungewöhnlich, aber der
Blick ist ja verträumt).
Sie bummelt und betrachtet Fensterläden,...
Da würde Dir vermutlich das gewollte Wort verträumt fehlen.

Fensterscheiben wäre das richtige Wort, doch dann ist das Problem mit den Fäden.

Bei diesem blauen Auge, nur eines, ging für mich nicht
sofort klar hervor, daß es ein blau geschlagenes Auge war
und die Fäden eine Naht.

Insgesamt, ein ansprechendes Gedicht, wie es von Dir
auch nicht anders zu erwarten war.

Freundlichen Gruß!
Joame
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#7

Sommer in der Stadt

in Düsteres und Trübsinniges 07.05.2007 11:00
von supikatzi (gelöscht)
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Hallo Fabian,

im Gegensatz zu Don C. gefällt mir die "heimatlose Hand" sehr gut.
Natürlich ist das nicht wörtlich gemeint und als dichterische Freiheit völlig legal.

Gedichte mit diesem Thema hat man schon sehr oft gelesen.
Auch ich finde allerdings, der Gegensatz kommt nicht so richtig zum Tragen.
Du zeigst nur negative Momente, es fehlt das Mondäne, das auch zweifellos zu finden ist.
Erst der Gegensatz würde das Bild des Sommers in der Stadt abrunden.

Gern gelesen und sich Gedanken gemacht,
Katzi
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#8

Sommer in der Stadt

in Düsteres und Trübsinniges 09.05.2007 11:41
von Fabian Probst (gelöscht)
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Sorry für die späte Antwort. Zur Zeit bin ich neben dem Arbeitsstress auch noch tierisch erkältet.

@Don: Sie können es sein, müssen aber nicht. Ich muss gestehen, dass es nicht meine Ausgangsintention war. Es wurde aber bei kV (das hier ja so beliebt ist) schon angesprochen und ich fand die Idee klasse. Also nehme ich das mal nachträglich in meine Denkweise auf. *g*

Die heimatlose Hand steht für die Einsamkeit, die Isolation. Sie hat niemanden zum anfassen, zum halten. Es ist das Bild, das eine Hand in eine andere gehört, als Zeichen von Freundschaft und Liebe. Die fehlt hier eben. Ich fand das sehr passend.

Danke dir für deine kritschen Worte. Ich denke über die Fensterläden nach.

@Joame: Ich hatte ursprünglich "flirrend heißen Gassen" geschrieben und da war das "heiß" doppelt. "Dünstend" geht nicht, weil ich ja schon "Dunst" verwende. Über das "staubig" werde ich nachdenken.

Die Fensterläden, ja. Ich setze mich da noch mal ran.

Das mit dem blauen Auge sollte auch nicht gleich ins selbe springen, schließlich schaut sie ja auch verträumt und sieht es dann selbst erst in der Spiegleung.

Ich danke dir.

@supikatzi: Du hast Recht, es ist nur negativ. Es sollte ein Fokus sein auf das Elend der Großstadt. Was drumherum passiert, wird nicht beschrieben. Ich werde auch das noch mal überdenken.
Hab Dank.

Gruß, Fabian

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