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#1

Schaulust

in Düsteres und Trübsinniges 06.05.2007 08:39
von Albert Lau (gelöscht)
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Schaulust


Abgeteilt und eingefriedet,
niemand achtet auf die Flur.
Tausend Augen aber stieren
immer wieder, immer nur

lieblos, lustlos auf Gazellen.

Ohne Feuer kalte Glut,
penetrieren, imitieren,
ex und hopp, ist diese Brut
nackt an nackte Gier geschmiedet.
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#2

Schaulust

in Düsteres und Trübsinniges 09.05.2007 11:43
von Fabian Probst (gelöscht)
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ich verstehe nicht, worum es geht.

Gruß, Fabian
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#3

Schaulust

in Düsteres und Trübsinniges 09.05.2007 23:01
von Maya (gelöscht)
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Hallöchen!

Die Themen dieses Gedichts sind für mich Voyeurismus(„Schaulust“) und eine Art Prostitution, wobei ich mir nicht sicher bin, ob es hier tatsächlich um Bordsteinschwalben bzw. den Bordellbesuch oder lediglich um das Schauen von Pornofilmen geht. Eigentlich würde ich zur zweiten Sichtweise tendieren, zumal ja auch der Titel von „Schaulust“, nicht vom Vollzug sexueller Handlungen spricht.

Abgeteilt und eingefriedet,
niemand achtet auf die Flur.
Tausend Augen aber stieren
immer wieder, immer nur

lieblos, lustlos auf Gazellen.


Gerade diese Strophe scheint darauf hinzuweisen, dass es hier lediglich um das Vergnügen des Schauens von Pornofilmen geht. Dieses Abgeteilte und Eingefriedete würde auf den Bildschirm des Fernsehers Bezug nehmen, auf dem sich sexuelle Handlungen abbilden. Die tausend Augen sind die der TV-Zuschauer, die ihren Lustgewinn aus der Sendung ziehen.

Vielleicht ist aber doch vom Straßenstrich die Rede, dem in Städten ja auch bestimmte Reviere zugeteilt sind. Die Augen wären dann die der vorbeifahrenden Autofahrer.

Doch so oder so, beide Male geht es darum, zu schauen, aber selbst nicht gesehen zu werden und um das flüchtige Vergnügen beim Blicken. Der Beobachter stiert, weil er sich selbst in Sicherheit wähnt, nicht beim Glotzen entdeckt zu werden; er bleibt anonym und kann unverhohlen seine Neugier stillen. Demzufolge scheint eine gewisse Distanz zwischen Voyeur und Objekt der „Begierde“ zu liegen. Der Reiz, die Anregung gründet sich auf das Schauen, wobei das Auge zum kognitiven Instrument des „Sinnlichen“ wird.

Die Gazellen sind Huren oder Pornodarsteller, auf die der Betrachter lieblos schaut, was ich verstehen kann. Dieses Lustlose bleibt mir dagegen ein Rätsel, geht es im Grunde doch um Lustbefriedigung, selbst wenn sich diese nur aus dem Schauen speist.

Ohne Feuer kalte Glut,
penetrieren, imitieren,
ex und hopp, ist diese Brut
nackt an nackte Gier geschmiedet.


Diese Zeilen bestärken mich in dem Glauben, dass hier wirklich nur vom Sexfilm die Rede ist, denn die Penetration wird nur imitiert, nicht aber vollzogen - oder wird doch penetriert und Liebe imitiert? Was sich auf dem Bildschirm abspielt, ist ohne Feuer, weil die Darsteller keine echten Gefühle hegen, sondern lediglich schauspielern. Zeile 4 verstehe ich so, dass die nackte Gier des Zuschauers an den nackten Körpern der Pornodarsteller haftet.

Andererseits ließe sich auch diese Strophe auf den Bereich wirklicher Prostitution hin auslegen. Dieses "ex und hopp", von Bett zu Bett, ohne, dass wirkliche Gefühle im Spiel sind. Einzig die Gier des Freiers ist ausschlaggebend für die sexuellen Handlungen.

Was es nun mit dem Akrostichon „Antilopen“ (griech. für "Blumenauge") auf sich hat, weiß ich nicht genau. Beziehen sie sich auf die Augen der Voyeure oder die geschminkten Augen der Frauen? Die erwähnten „Gazellen“ in Zeile 5 würden wohl eher für das Zweite sprechen.

Insgesamt wirken die Zeilen kalt, das ist sehr passend. Formal habe ich auch nichts auszusetzen. Das Thema ist nicht so mein Fall. Zwar finde ich das Gedicht gelungen, aber irgendwie berührt es mich nicht.

Gruß, Maya

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#4

Schaulust

in Düsteres und Trübsinniges 10.05.2007 08:49
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
Das Gedicht kann wahrscheinlich auf alle möglichen Formen käuflicher Liebe gemünzt werden.

Wenn ich in Berlin Nachts über die Straße des 17. Juni fahre oder mich in die Oranienburger im Prenzelberg verirrt habe, dann sehe ich viele von diesen Antilopen und Gazellen. Großwildjägerslust packt mich dann doch eher nicht. Neben dem prickelnden Ambiente sind diese Bordsteinschwalben so aufgebrezelt, dass sie einfach nicht echt sein können und nicht echt sein wollen.
Wenn ich mir dann noch überlege, dass ich vielleicht zur Mitte der Schicht an ihnen vorbeigehe oder fahre und die Damen im Schein der Laternen noch genauso aussehen wie zu Beginn, dann frage ich mich schon wie die das machen.
Sind die voll imprägniert, abwaschbar? Oder dürfen sie nicht angefasst werden, wenn sich ein Freier an sie ranschmieden will?

Zurück zum Gedicht: interessant ist der Hinweis von Maya, dass im Gedicht die Befriedigung der Lust auch nicht mehr stattfindet. Noch nicht einmal die Verheißung einer Lustbefriedigung. Das ist seltsam, denn die ist es doch, die hier verkauft werden soll. Die Damen sind keine Ladenhüter, also funktioniert das Geschäft in Wirklichkeit sehr gut.
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#5

Schaulust

in Düsteres und Trübsinniges 11.05.2007 12:42
von Albert Lau (gelöscht)
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Ja, ja und ja. Herzlichen Dank, ich fühle mich verstanden. Was die Lust angeht, so verweigere ich mich dieser. Wer kann da Lust empfinden? Triebabfuhr, okay, aber Lust?

Die Antilope hat noch mehr Bedeutungen. An das Blumenauge dachte ich hier definitiv nicht, sondern eher an die olle Bestie (gähn).

Danke für das Feedback und tröste dich Fabian, ich verstehe mich selbst nicht.
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#6

Schaulust

in Düsteres und Trübsinniges 11.05.2007 20:28
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte

Zitat:

Wer kann da Lust empfinden?



Ah, Bruder Lau, vieleicht ein Michael, der einfach nur mal ficken will? An wen haben Sie gedacht? Und wenn die Hure des Freiers Phantasie beflügelt, dass sie eine tolle Braut und er ein geiler Typ sei, dann reicht dem das. Und mitunter reicht uns das Unvollkommenen seit tausenden von Jahren. Das kümmert auch nicht, daß hier vorerst bezahlt werden muss, wenn denn bezahlt werden muss.

Ihnen und Benedetto reicht das nicht? Ja, gut ich ahne schon den Eurigen vergeht die Lust, ists nur tierische Triebabfuhr. Ihr bastelt euch ein Podest wo Lust nur mit Liebe Hochzeit halten kann und ansonsten Bäh ist und wildes bonobomäßiges rumgevögel ist und Flecken an der Decke lässt? Das ist alles am Ende evangelisch, fürchte ich. Ich glaube der nächste Karneval - welch schönes Wort - wird Benedettos Worte nicht beherzigen.

Es sind ja tausend Augen die da stieren also nicht nur die Ihren. 998 stieren vielleicht tatsächlich lüstern und sollen die sich jetzt schämen?

Ich verstehe mich auch nicht.
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#7

Schaulust

in Düsteres und Trübsinniges 12.05.2007 03:30
von Albert Lau (gelöscht)
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Ah, bäh, wer die restlos abgefickten Schnallen nicht als Fünfter, Zehnter in der Reihe besteigen will bzw. dadebei keine Lust empfinden wollte, der ist gleich evangelisch und hält nichts vom Rumvögeln? Das mit Verlaub ist auch ein schlichtes Weltbild. Lust nur mit Liebe? Steht das auch in dem Text? Da steht etwas von lustlosem Stieren, Lüsternheit aber wird z.B. gar nicht ausgeschlossen.

Ist Benedetto jetzt evangelisch?
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