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#1

Niemand reut’s

in Mythologisches und Religiöses 13.04.2007 15:41
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte

    Niemand reut’s


    Auf, auf min Kind! Die Schwarzen singen,
    noch ist der Platz von Menschen frei.
    Nimm d’Hauben mit, s’wird Regen bringen;
    auf, auf, die Glocken schlägt schon Drei!

    Grüss Gott, so trifft man sich zur Stunde.
    Ob’s schreien tut und greint und flucht?
    Ehrwürden ruft die Klag zur Kunde.
    Leis jetzt, da kommt’s! Schaut, wie verrucht!

    Die Haar so schwarz, s’ist Teufelszeug.
    Irr blicken tut’s, man schlag schnells Kreuz!
    Nur eine Hex und niemand reut’s.



    © Margot S. Baumann

Die Frau in Rot

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#2

Niemand reut’s

in Mythologisches und Religiöses 13.04.2007 16:19
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
Hey marge.. ich musste erst einmal die liebe Frau nachschlagen. Bei euch ist sie ja mit Sicherheit im kulturellen Gedächtnis, oder? *g

Was mir gerade auffällt ist der übergehende Reim in der dritten Strophe:
zeug
kreuz (was dem "s" (aus der nachfolgenden Zeile) ähnelt)
reut's

Fast schon intrigant, wie sich der Reim wandelt. *g Das "Zeug", wenn man es rückwärts ließt, ähnelt dem "Kreuz" auf eine wundersame Weise: geuz, kreuz *g

Ab und an stolpere ich.. wenn z.B. in Zeile 3 das "nimm" heruntergedrückt werden soll. Auch beim "Ehrwürden" habe ich eher die Betonung auf der ersten Silbe. Anders klingt es bei mir falsch. Wie siehts beim Schwizzer-Dütsch aus? *g Kann aber auch sein, dass das Absicht ( ) ist, und so der Amtsträger, der im Grunde Frevel begeht, von seinem Sockel geholt wird. Ich denke, so kann man es lesen - also mit einem Schlagstock in der Hinterhand. Das ist dann passend.
Bei Zeile 8 würde ich die Betonung auch auf "Leis" legen und nicht auf "jetzt"... da fällt mir gerade auf, dass noch deine Audioversion fehlt. Lust?

Die Sprache ist passend zur Geschichte und den Personen. Da kann man nichts weiter aussetzen.

Ich finde allerdings den Inhalt etwas zu wenig. Da passiert nicht viel und am Ende kommt der Moralschlagstock. Ist natürlich auch immer die Frage, was man noch hätte hineinbringen können.

Habe ich noch was vergessen? Bestimmt.. aber ich muss jetzt los. Bis später.

LG,
a.

http://arnoboldt.wordpress.com/
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#3

Niemand reut’s

in Mythologisches und Religiöses 13.04.2007 16:44
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Schön eingefangen diese Gleichgültigkeit, wohl eher Abgestumpftheit, die wohl vorhanden gewesen sein mag und die Sprache sehr volksnah. Gefällt.
Wie kamst du drauf?

P.S. Was meint Arno mit der lieben Frau?

And therefore, since I cannot prove a lover,
To entertain these fair well-spoken days,
I am determined to prove a villain
And hate the idle pleasures of these days.
(William Shakespeare, King Richard III)


Kings Heritage

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#4

Niemand reut’s

in Mythologisches und Religiöses 13.04.2007 16:45
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Ha, du warst doch auf meinem Blog! Gib's zu! So schnell hättest Du es doch sicher nicht geschnallt!

Übrigens ist das nicht Schweizerdeutsch, Du Banause. Ich habe lediglich versucht, etwas alte Sprache hineinzubringen. Werd mal sehen, ob ich eine adäquate Audioversion erstellen kann. *räusper*

Die Betonungen - bei dieser Form - sind für mich immer etwas schwierig. Jetzt dachte ich mal, dass ich es einigermassen hinbekommen habe und schon wird wieder genörgelt! Ich kann es aber problemlos im Jambus lesen, von daher ... he, he.

Etwas wenig? Nun ja, die Zeilen sind halt begrenzt und es ist ja auch "bloss" das Ende. Ich glaube aber nicht, dass die letzte Zeile der Moralstock ist. Vielmehr denke ich mir, dass die Zuschauer genau so gedacht haben. Schliesslich vermitteln die vorhergehenden Zeilen auch nicht gerade das grosse Mitgefühl, right? Na ja, das Ganze entspringt ja eh meiner Phantasie und ich kann mich diesbezüglich auch täuschen.

Danke fürs Kommentieren.
Gruss
Margot

Nachtrag:
@ Ric
Ich nehme an, Arno meint die Protagonistin. Wie ich darauf kam? Öhm, ich hab keine Ahnung mehr, auch wenn ich es erst gerade geschrieben habe.
Die Geschichte ist hier natürlich sehr bekannt, da wir Schweizer die zweifelhafte Ehre besitzen, die Letzte in Europa gerichtet zu haben. Ich glaube, dieses ganze Gerede um Historisches hat mich auf die Idee gebracht.

Danke fürs Lesen und natürlich zählt ein Lob - für etwas Historisches - aus Deinem Mund doppelt.

Die Frau in Rot

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#5

Niemand reut’s

in Mythologisches und Religiöses 13.04.2007 16:54
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Ich fühle mich geehrt. Ja, von der Göldin hatte ich auch schon gehört. Ein Paradestück wie ich finde. Umso trauriger, dass der letzte Prozess solcherart in meinem Geburtsjahr in Großbritannien stattfand.

And therefore, since I cannot prove a lover,
To entertain these fair well-spoken days,
I am determined to prove a villain
And hate the idle pleasures of these days.
(William Shakespeare, King Richard III)


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#6

Niemand reut’s

in Mythologisches und Religiöses 13.04.2007 16:55
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Das lässt ja tief blicken!

Übrigens weiss ich jetzt wieder, wieso ich darauf kam. Walpurgisnacht und Als Bemerkung, dass es lau sei, wenn die zwei Hexen fehlen.

Die Frau in Rot

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#7

Niemand reut’s

in Mythologisches und Religiöses 14.04.2007 11:51
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Jetzt dürft Ihr etwas lachen!

Audioversion

Die Frau in Rot

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#8

Niemand reut’s

in Mythologisches und Religiöses 14.04.2007 15:15
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
Also ich find's nicht zum Lachen das Hörstück. Das R in reuts, das rollt so schön.
Aber, daß hier nur Hexen und kein Moralin brennt, das finde ich dann doch nicht. Aber nur, wegen des Titels: Niemand reuts. Das ist schon hammerhart. Da weiß ich gleich was kommt: wenn's mich - dem Leser nach dem Lesen - nicht reut, dann werde ich wieder als Vollpfosten oder mit Tiernamen benannt.

Alle freuts. Wäre doch auch was? Oder nicht? Ja, wahscheinlich nicht, weils rumpelt und sich nicht gebührend reimt, aber zynischer wäre es in meinen Augen.

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#9

Niemand reut’s

in Mythologisches und Religiöses 14.04.2007 15:58
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Ich fand den Text recht schwer einzusprechen und habe x Versionen erstellt und wieder verworfen. Und ich denke, ich habe es auch nicht wirklich geschafft, das, was ich damit aussagen wollte, in die Audioversion einzubringen. Die Gleichgültigkeit, die Sensationslust und das Gruseln sind sprachlich doch recht schwer zu vermitteln. Man müsste da evtl. Talent zum Schauspiel mitbringen. Anyway... meine Vertonungen sind vermutlich wie die Pausenunterbrechungen. Man hat dabei Zeit aufs Klo zu gehen. *g

'Alle freuts' wäre wirklich ganz schön zynisch und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass dies jemand so öffentlich gesagt hätte. Obwohl das 'niemand reut's' eigentlich dasselbe bedeutet, finde ich es in der Szene passender, weil es auch ein Schulterzucken beinhaltet.

Und wenn Dir der Text nicht gefällt, dann sag das doch ruhig. Keiner wird Dich beschimpfen oder Tiernnamen geben. Ausser Du würdest darum bitten, dann kann ich das gerne mal tun, wenn Dir danach wohler ist.

Danke für den Boxenstopp!
Gruss
Margot

Die Frau in Rot

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#10

Niemand reut’s

in Mythologisches und Religiöses 14.04.2007 16:08
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
Autsch. Und wieder bin ich gegen den Pfosten gerannt. Nochmal: Das Audiostück gefiel mir. Ich fand, da muss keiner drüber lachen, wie du selbst vermutet hast.
Das Gedicht finde ich auch gut. Nur der Titel, halt. Der war mir zu dick. Aber das Gedicht finde ich gut.
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#11

Niemand reut’s

in Mythologisches und Religiöses 14.04.2007 16:13
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Oh, ja, dann habe ich das falsch verstanden. Na ja, man darf ruhig darüber lachen, ich tu's ja auch. Es ist vermutlich etwas dick aufgetragen, aber in der ruhigeren Version klingt's noch dümmer.

Ich könnte den Text natürlich einfach nach dem Akrostichon benennen. Es macht ja auch mehr Sinn, wenn man weiss, über wen ich hier schreibe. Werd's mir mal durch den Kopf gehen lassen.

Die Frau in Rot

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#12

Niemand reut’s

in Mythologisches und Religiöses 14.04.2007 17:05
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Tus nicht, ich bitt Dich!

And therefore, since I cannot prove a lover,
To entertain these fair well-spoken days,
I am determined to prove a villain
And hate the idle pleasures of these days.
(William Shakespeare, King Richard III)


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#13

Niemand reut’s

in Mythologisches und Religiöses 14.04.2007 22:37
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Wer könnte einer solchen Aufforderung widerstehen? Ok!

Die Frau in Rot

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#14

Niemand reut’s

in Mythologisches und Religiöses 15.04.2007 01:18
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
Ich wieder..


Zitat:

Margot schrieb am 13.04.2007 16:45 Uhr:
Ha, du warst doch auf meinem Blog! Gib's zu! So schnell hättest Du es doch sicher nicht geschnallt!



Nein, mich haben die unterschiedlichen Zeilenanzahlen pro Strophe stutzig gemacht. Meist kann man da ein Akrostichon vermuten - und so war es auch hier. Ich möchte hier die Gelegenheit gleich nutzen, und dir ebenfalls von der ins Auge gefassten Änderung des Titels abraten. Das Akrostichon wäre dann überflüssig; ich gehe sogar so weit zu sagen: es würde im Text einen Störfaktor darstellen.


Zitat:

Übrigens ist das nicht Schweizerdeutsch, Du Banause. Ich habe lediglich versucht, etwas alte Sprache hineinzubringen. Werd mal sehen, ob ich eine adäquate Audioversion erstellen kann. *räusper*



Das war doch nur ein Scherz. Falsch betont bleibt falsch betont. Ich habe nur versucht, für mich einen Sinn darin zu sehen - und konnte sogar etwas ausmachen.


Zitat:

Etwas wenig? Nun ja, die Zeilen sind halt begrenzt und es ist ja auch "bloss" das Ende. Ich glaube aber nicht, dass die letzte Zeile der Moralstock ist. Vielmehr denke ich mir, dass die Zuschauer genau so gedacht haben. Schliesslich vermitteln die vorhergehenden Zeilen auch nicht gerade das grosse Mitgefühl, right? Na ja, das Ganze entspringt ja eh meiner Phantasie und ich kann mich diesbezüglich auch täuschen.



*lach Das mit den Zeilen ist mal eine originelle Ausrede!
Kritiker: Ich finde, dass es Ihrem Gedicht, Majestra, durchaus an Inhalt mangelt.
Dichterin: Oh, das tut mir leid. Ich hatte nur 11 Zeilen zur Verfügung. Da ist es schwer, die Welt zu verpacken.

Die letzte Zeile kann man hingegen sicherlich auch so wie du lesen - keine Frage. Das "nur" ist hier ein starkes Argument für dich. Ich legte da eher eine andere Betonung hinein, so dass die schweizer Eidgenossen jener Tage nicht ganz so schlecht wegkamen. HOFFNUNG FÜR ALLE! *g

Beste Grüße,
arno.

http://arnoboldt.wordpress.com/
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#15

Niemand reut’s

in Mythologisches und Religiöses 15.04.2007 10:29
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte

Zitat:

Arno Boldt schrieb am 15.04.2007 01:18 Uhr:
Kritiker: Ich finde, dass es Ihrem Gedicht, Majestra, durchaus an Inhalt mangelt.
Dichterin: Oh, das tut mir leid. Ich hatte nur 11 Zeilen zur Verfügung. Da ist es schwer, die Welt zu verpacken.



LOL ..... Das wäre doch mal ein formidabler Prolog für einen Dichtband! Darf ich das - zu gegebener Zeit - verwenden?

Natürlich hast Du dahingehend Recht, als dass ich das ganze Leben der Protagonistin hätte beschreiben können, aber das war - ohne Ausrede jetzt *g - nicht mein Ziel. Ich wollte wirklich "nur" die Hinrichtung - aus Sicht der Zuschauer - verdichten. Und das Ganze ist ja eigentlich direkte Rede. Es spricht kein Erzähler, der eine Wertung einbringt. Ist das - ohne Anführungs- und Schlusszeichen - nicht ersichtlich?

Und sie/wir kommen da ganz schlecht weg. Das kann auch ein Gedicht nicht ändern, bzw. wollte ich ganz sicher keine Rechtfertigung verfassen. Unrecht ist und bleibt Unrecht, auch wenn es schon so lange zurückliegt. Aber im Nachhinein Vorwürfe zu schreien ist immer einfach. Schliesslich wissen wir nicht, ob wir da nicht mitgemacht hätten.

Gruss zurück
Margot

Die Frau in Rot

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#16

Niemand reut’s

in Mythologisches und Religiöses 15.04.2007 14:56
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Ich muß mich anschließen! DAS hier ist absolut grandios:

Zitat:

Kritiker: Ich finde, dass es Ihrem Gedicht, Majestra, durchaus an Inhalt mangelt.
Dichterin: Oh, das tut mir leid. Ich hatte nur 11 Zeilen zur Verfügung. Da ist es schwer, die Welt zu verpacken.


And therefore, since I cannot prove a lover,
To entertain these fair well-spoken days,
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(William Shakespeare, King Richard III)


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