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#21

Im Umfeld meiner Schwächen

in Philosophisches und Grübeleien 05.02.2007 13:45
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
@Brot
Wenn ich jeden meiner Kommentare oder jede meiner Interpretation auf das Adjektiv närrisch überprüfen würde, dann hätten einige hier weit weniger Rückmeldungen. Vielleicht wären die darob ganz froh.
Es spielt doch keine Rolle, ob ein Gedanke zu einem Gedicht richtig oder falsch ist, Hauptsache, es entsteht einer. Als Autor geht man immer das Risiko ein, falsch oder gar nicht verstanden zu werden, als Kritiker nur dahingehend, dass man sein Missfallen nicht begründen kann. Ich habe Dich – glaube ich – schon recht verstanden, von daher musst Du Dich ganz sicher nicht für etwas entschuldigen.

@alphabeta
Nun, was ist Authentizität? Es ist die Echtheit bzw. die Glaubwürdigkeit, nicht? Wenn ich Dich also richtig verstehe, dann zweifelst Du daran, ob ich hinter diesem Text stehe/stehen kann. Ja, das kannst Du Dich natürlich fragen, Dein gutes Recht, doch wie wäre es mir möglich, Dich davon zu überzeugen, dass ich es tue? Das ist unmöglich bzw. nicht der Zweck eines Forums. Ich habe genug Informationen in meinem Profil, dass sich jemand, der näher interessiert ist, sich ein Bild von mir und meinem Schreiben machen kann. Mehr kann und will ich nicht tun. Ich habe keinen Bock darauf, im Internet meine Seele zu entblössen. Im Gegenzug macht es mir aber auch keinen Spass, mich – wie sagte Lau? – hinter einem Mickymaus-Namen zu verbergen. Ich kann zu meinen Texten stehen, deshalb veröffentliche ich sie. Ob jetzt meine Vorliebe für Klassik ein falsches Licht auf meine Person fallen lässt, ist mir eigentlich egal. Ich muss nicht everybodys darling sein, noch habe ich irgendwelche Ambitionen, für jeden Geschmack das passende Aroma bereit zu stellen.

Du musst auch nicht alle meine Texte lesen, um Dir ein Bild von mir machen zu können. Mein Kommentar bezog sich nur auf diesen Faden bzw. wollte ich sagen, dass ich in den obigen Rückmeldungen bereits erklärte, was meine Intention war. Ich kann es nochmals zusammenfassen, wenn Du magst, auch in einer etwas populäreren Sprache:
Die Arschgeige hat mich sitzen lassen und ich Idiot hege immer noch den Wunsch, dass er wieder zurückkommt, anstatt ihm endlich zu sagen, dass er sich ins Knie ficken soll!

Authentisch genug?

@Fabian
Ja, so in etwas waren meine Gedanken, als ich es schrieb. Über das aussen vor will ich mir ja nochmals Gedanken machen. Aber vielleicht ist diese Zeile das Authentischste an diesem Gedicht. (Der bot sich jetzt an )

Grüsse
Margot

Die Frau in Rot

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#22

Im Umfeld meiner Schwächen

in Philosophisches und Grübeleien 05.02.2007 13:45
von Albert Lau (gelöscht)
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Hallo Margot,

bist das du als Autorin, welche die Romantik und die Unausgefülltheit als „Schwächen“ bezeichnet? Dann würde ich empfehlen, sich künftig weniger zu rechtfertigen und es als Stärken anzunehmen, mindestens auf der literarischen Ebene.

Geschmäcklerisch mag man dazu stehen, wie man will. Tatsächlich wallt das heftig und bordet auch über, aber hier wird doch nachvollziehbar, nacherlebbar und nachfühlbar der Widerspruch und Widerstreit der Welt der Vernunft mit der Welt des Gefühls thematisiert. Da, im Umfeld dieser Schwächen verspürt das lyr.I ein sanftes Sehnen. Die Sanftheit veranschaulicht sicher eine gewisse Abgeklärtheit, man ist sich dieser Sucht als Schwäche durchaus bewusst.

Aus einem Brunnen wird üblicherweise geschöpft, hier wird Hoffnung geschöpft. Fällt aber der Wunsch hinein, droht es, eine imaginierte Hoffnung zu sein, objektiv gibt es keine, subjektiv aber natürlich, solange gehofft wird. So einfach ist das mit dem Mysterium der Liebe:

Temptations endless whispers
try to keep it in perspective
so much to distract
walking on a wire
while your juggling desire
it`s all part of your balancing act
and it gets hard to know
just what you believe
as the argument rages on
but for all of the talk
it`s only true to say
that if you have no hope
there is none

(David Gray “Mystery Of Love)

Und diesem Sturz in den Selbstbetrug, in die self-fulfilling prophecy kann nichts und niemand verhindern, bremsen, aufhalten: Menschliche Sehnsucht, töricht und doch großartg ob seiner möglichen Wucht und Leidenschaft, geradezu Göttlichem entlehnt.

Wer ist dieser Eine? Diese Frage beschäftigte mich auch einige Zeit. Ein Ziehen, in einer Weise, die nur einer kennt. Ist das lyrische Du der Prinz auf dem weißen Pferd, der stets das lyrische Ich begleitete, in Traum und Realität und eingebildeter Wirklichkeit? Austauschbar, aber als Möglichkeit immer vorhanden, jedoch immer auf der Flucht, die personifizierte Sehnsucht? So, wie Javier Marias in „Mein Herz so weiß“ richtig sagt, hört der Mensch, in den man sich verliebt, in dem Moment zu existieren auf, in dem man ihn besitzt, sprich: sich verbindet. Diese Sehnsucht kennt keine Erfüllung, weil man einen Traum zerstört, wenn man ihn verwirklicht.

Rational begreift das lyrische Ich und hofft, dass die Sehnsucht sich der Realität beugen und schweigen möge. Da bleibt die Emotion aber „außen vor" und brennt weiter auf der Haut. Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach und hofft, mit allen Fasern, dass das Unmögliche eben doch möglich wird. Man kann die Conclusio auch anders lesen und zwar, wie ein echter Romantiker das vielleicht tun würde: Schwach ist, wer tatsächlich glaubt, dass die Sehnsucht Erfüllung finden kann und sie nicht um ihrer selbst willen auslebt und genießt.

Ich halte es für ein durch und durch romantisches Werk und es ist auch in einer eher altmodischen Art geschrieben. Auch beschreibt es eher zeitlos das Denken und Fühlen, überträgt also nicht die romantische Dichtung in ein neuzeitliches Sujet, so wie du das auch schon hervorragend fertig brachtest. Insofern kann ein Vorwurf sicher lauten, dass du hier nur wiederholst, nur abbildest, was vor 200 Jahren en vogue war.

Ist das so? Ist es vorbei? Muss Kunst immer etwas Neues erschaffen, so wie es uns die Moderne weismachen wollte? Ist alles andere nur ein röhrender Hirsch im Wald, der über Biedermeiers Sofa gehängt wird und sich trefflich mit dem Gartenzwerg im Vorgarten paart? Oder ist das hier ein prostmodernes Gedicht auf der Höhe der Zeit, das verwendet, was gefällt?

Soll ich es dir sagen? Mir ist das scheißegal. Auch wenn ich so nicht dichte, so verstehe ich es doch und manchmal wünschte ich, es so ausdrücken zu können. Dann aber bekomme ich Angst vor soviel überbordendem Gefühl und solchem „Pathos“ und dichte lieber wieder meine Gebrauchslyrik und schreibe vom Menschenfressen und vom Kinderficken. Heimlich schiele ich aber immer wieder rüber und denke, dass du meinem Lieblingsdichter Rilke näher bist, als ich ihm je kommen könnte.

Erstaunlich finde ich übrigens Brotnics Interpretation. Das wäre ja zeitgenössisch, „Brazil“ zu bedichten, wobei ich den Held in Brazil auch als hoffnungslosen Romantiker sehe.

Digitale Grüße
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#23

Im Umfeld meiner Schwächen

in Philosophisches und Grübeleien 05.02.2007 14:35
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Herr Lau!

Ich danke Dir für diesen Kommentar. Obwohl ich natürlich meistens recht sattelfest in meiner Überzeugung bin, was und wie ich dichte, hege ich natürlich immer irgendwelche Zweifel. Wer kennt das nicht? Und wer es nicht kennt, der ist kein Dichter! Deshalb freut es mich natürlich, dass es doch möglich ist, etwas anzunehmen, auch wenn es ein wenig angestaubt daher kommt. Und ich weiss, Du würdest es mir um die Ohren hauen, wenn’s wirklich zu zuckerig und fetttriefend wäre. Aber so ganz ohne? Nee, das schmeckt mir eben nicht.

Ja, klar ist das romantisch.... bis zum Umfallen sogar! Wenn man seine „Coole-Null Bock-Phase“ mal hinter sich gelassen hat, ist man manchmal wieder bereit, sich solchen Anwandlungen hinzugeben, auch wenn uns die Erfahrung lehrt, dass .... *g
Natürlich weiss ich auch, dass ich mit einer solchen Schreibe anecke, bei den freien Lyrikern sowieso. Ohne jetzt einen Streit vom Zaun brechen zu wollen, aber ich habe noch selten so ein intolerantes Volk erlebt ..... he, he. Nein, Quatsch! Aber wieso muss man klassische Gedichte immer so verteufeln? Nur, weil man selber nichts damit anfangen kann? Keine Ahnung. Wenn ich eine bessere Rhetorikerin wäre, würde ich mal ein Essay darüber schreiben.

Ich mag die Gedanken und Assoziationen, die Du mit meinem Text verbindest. Das besagte Buch habe ich auch gelesen. Es kann nur so sein, ja.....leider ... oder Gott sei Dank? Je nach dem....

Rilke? Nahe? Meine kleinen Versuche? Wer könnte ihm je ....! Du bist zu gütig, aber ich kenne meine Grenzen. Trotzdem macht so ein Annäherungsvergleich natürlich Freude. Merci.

kah
Margot

P.S. Ja, Brots Film beginnt mich jetzt wirklich langsam zu interessieren. Wenn de Niro dabei ist, dann sowieso. Ich wird mir wohl in Kürze einen DVD-Abend leisten.



Die Frau in Rot

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#24

Im Umfeld meiner Schwächen

in Philosophisches und Grübeleien 05.02.2007 15:14
von Fabian Probst (gelöscht)
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Zitat:

Margot schrieb am 05.02.2007 14:35 Uhr:
Natürlich weiss ich auch, dass ich mit einer solchen Schreibe anecke, bei den freien Lyrikern sowieso. Ohne jetzt einen Streit vom Zaun brechen zu wollen, aber ich habe noch selten so ein intolerantes Volk erlebt ..... he, he. Nein, Quatsch! Aber wieso muss man klassische Gedichte immer so verteufeln? Nur, weil man selber nichts damit anfangen kann? Keine Ahnung. Wenn ich eine bessere Rhetorikerin wäre, würde ich mal ein Essay darüber schreiben.




Du sprichst mir aus der Seele, Margot.

Ich habe das ja schon oft angesprochen. Die Frage, ob es nicht 100 Jahre her ist, dass man so schrieb, ist dieselbe, als würde ich mich wundern, dass man noch ins Theater geht, obwohl es Kino gibt. Und das mit Athentizität zu verbinden, ist auch unsinnig, sorry. Ich wiederhole mich zwar mal wieder, aber meint ihr denn, Shakespeare hat privat so gesprochen, wie er geschrieben hat? Oder Rilke in Reimen?
Wir sprechen hier über eine Kunst- und somit künstliche Form. War die Renaissance ein Rückschritt, weil man ja schon weiter war? Haben die sich alle verstellt und waren nicht echt?

Was wir produzieren, ist nur ein Schattenbild (wie in Platons Höhlengleichnis können wir die Wirklichkeit gar nicht erfassen), eine Reflexion dessen, was wir denken. Es ist nicht unsere und schon gar nicht DIE Welt selbst. Also bündeln wir gewisse Denk oder Sichtweisen in der Form. Wir entfremden und extremisieren sie, um sie uns so wieder näher zu bringen.
Ich denke, bei uns Klassikangelehnten ist es die unheimliche Freude am Wort selbst, am Klang und am Bild. Deswegen schreibe jedenfalls ich, wie ich schreibe. Es fasniniert mich, wie harmonisch und gleichzeitig effektvoll man Sprache sortieren kann. Inhalt und Form (die Sprache selbst) sind gleichwertig.
Die Anhänger der freien Form wollen in allererster Linie eine Message rüber bringen. Es geht sehr viel verstärkter um den reinen Inhalt. Die Sprache ist Mittel zum Zweck, oft wird sie als Waffe eingesetzt. So sehe ich das jedenfalls, auch wenn es sicher keine Schablone des "Schreibers" gibt.

Ich finde es jedenfalls sehr ermutigend und toll, dass hier so viele Leute der klassischen Form zugetan sind und sie auch auf so gewissenhafte Weise verwenden.

Amen.

PS: Der AL ist ja auch viel mehr ein Klassiker als ein Moderner!
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#25

Im Umfeld meiner Schwächen

in Philosophisches und Grübeleien 05.02.2007 15:32
von Knud_Knudsen • Mitglied | 994 Beiträge | 994 Punkte
Ich hatte mich ja schon geäussert aber die Diskussion um das klassische Gedicht zwingt mich förmlich zur Stellungnahme.
Wer es vielleicht vergessen hat, oder auch verdrängt, die Weltgeltung deutscher Lyrik ist von Klassikern gelegt worden. Ich will damit nicht sagen, dass es danach nicht noch lyrische Höhepunkte gegeben hat, aber die waren nicht sehr durchschlagend. Das sich Sprache weiterentwickelt ist nicht neu, aber dass deshalb noch zusätzlich Sprache von den sogenannten progressiven Lyrikern erfunden werden muss, absurd. Mir kann auch prosaische Lyrik gefallen, dann muss sie jedoch einen gewissen Qualitätsanspruch abdecken. Etwas ist nicht nur gut weil es anders daherkommt und sich vielleicht dann nur noch in Obzönitäten ergeht. Vielleicht noch etwas zum Nachdenken: Es ist viel schwerer (handwerklich) ein sinnvolles klassisches Gedicht zu schreiben als prosamässige Ergüsse zu produzieren. Ja ich weiss, dass findet wenig Gefallen.

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#26

Im Umfeld meiner Schwächen

in Philosophisches und Grübeleien 05.02.2007 18:56
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Ja, steht auf Ihr Klassiker und haltet flammende Reden!

Man kann ja nicht alle in einen Topf werfen, natürlich nicht. Ich kenne durchaus freie Lyriker, die Klassisches mögen und umgekehrt natürlich auch. Und diese Gruppenbildung ist ja eher etwas Blödes, als dass es förderlich wäre. Nur möchte ich mich dagegen wehren, dass pauschal abgeurteilt und gewertet wird. Wie Fabian so treffend sagt: ... es die unheimliche Freude am Wort selbst, am Klang und am Bild. Muss man so etwas hinterfragen? Ich glaube nicht.

Auf ein frohes Miteinander!

Die Frau in Rot

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#27

Im Umfeld meiner Schwächen

in Philosophisches und Grübeleien 06.02.2007 10:57
von Knud_Knudsen • Mitglied | 994 Beiträge | 994 Punkte
Das ist wie bei der "E" und "U" - Musik. Für mich gibt es da nur "GUTE" und "SCHLECHTE" Musik und so ist es wohl auch in der Lyrik.
Lasst uns miteinander die Qualität weiter steigern. Manchmal gelingt auch mir das aber ich habe ja gute Lehrmeister und vor allen Dingen Meisterinnen

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