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#1

November

in Natur 16.11.2006 11:05
von Alcedo • Mitglied | 2.475 Beiträge | 2351 Punkte
    November


November, mit Deinem Regen
gebar meine Mutter - mich.
Der Ursprung auf allen Wegen
nie wieder von mir wich.

Beginnende Atemzüge
vermehrten Dir dein Nass,
und gern wiederholt, verfüge
ich Hauch, dem Nebelblass.

Wenn Früchte vom Klar der Nacht
mir gar den Gaumen gerben,
Libellen in letzter Pracht
im blassen Grase sterben,

dann saug ich aus einer Mispel
mir Dein gesamtes Mark –
und Raureif ist herb Gelispel;
dein Kuss schmeckt kalt und stark.

Wenn Frostspanner stumm verkünden,
was Nordwind vor sich trug,
und schwerlos im Abend münden
mit ruhelosem Flug,

dann weiß ich mit stiller Freude,
dann atme tief ich ein -
das Dunkel der Wolken, heute,
die Helle, die morgen wird sein:

November, den Ersten Schnee
bringst Du mir Jahr für Jahr,
und einmal, bevor ich geh,
den Letzten – wunderbar!




edit:
überarbeitet, 12.11.2008

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#2

November

in Natur 26.07.2008 18:56
von Habibi (gelöscht)
avatar

Zitat:

Alcedo schrieb am 16.11.2006 11:05 Uhr:
    November


November, mit deinem Regen
bin angekommen, auch ich.
Der Ursprung auf allen Wegen
nie wieder von mir wich.



Hallo Alcedo, hier meine Anmerkungen zu deinem Gedicht.

Die erste Strophe finde ich etwas umständlich formuliert. Die Wortstellung.

Beginnende Atemzüge
vermehrten auch dein Nass,
und gern wiederholt, verfüge
ich Hauch, dem Nebelblass.

Auch damit habe ich meine Probleme. Ich nehme an, du meinst den sichtbaren Atem? Würde ich kürzer und poetischer ausdrücken.

Ich möcht mich darin verstecken
vor jedem fremden Blick,
wo Schlehen die Äste recken
ins Nebeltropfgenick.

Hier gefallen mit die letzten 2 Zeilen, auch, wenn ich den letzten Ausdruck nicht kenne.


Wenn Früchte vom Klar der Nacht
mir gar den Gaumen gerben,
Libellen in letzter Pracht
im blassen Grase sterben,

Hier finde ich die Alliteration der 2. Zeile schön und das Bild der letzten 2 Zeilen auch.

dann saug ich aus einer Mispel
mir dein gesamtes Mark –
und Rauhreif ist herb Gelispel;
dein Kuss schmeckt kalt und stark.

Hier hab ich Probleme mit dem LD, wessen Mark saugst du aus einer Mispel?

Wenn Frostspanner stumm verkünden,
was Nordwind vor sich trug,
und schwerlos im Abend münden
mit ruhelosem Flug,

Was sind Frostspanner?

dann weiß ich mit stiller Freude,
dann atme ich tiefer ein -
das Dunkel der Wolken, heute,
das Helle wird Morgen sein:

November, den Ersten Schnee
bringst du mir, jedes Jahr,
und einmal, bevor ich geh,
den Letzten – wunderbar!

Der Schluss gefällt mir wieder. (hinter mir das Komma würde ich weglassen und "Letzten" wird klein geschrieben, weil es sich auf Schnee bezieht.)

Zusammenfassend würde ich sagen: verdichten, auf die poetischen Bilder konzentrieren.
Gruß von Habibi
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#3

November

in Natur 04.08.2008 17:32
von Simone • Mitglied | 1.674 Beiträge | 1674 Punkte
Hi Alcedo

S1 gefällt mir nicht ganz so gut, ist doch sprachlich etwas verdreht.
und V3+4 müsstest du mir mal erklären, was soll das bedeuten? kapier ich nicht, was für ein Ursprung ist gemeint und wie soll der das Ich begleiten auf seinen Wegen?
Der Ursprung auf allen Wegen
nie wieder von mir wich.

Die Alliterationen in S4V2 sind mir zu viel des guten, bzw hebt sich der Vers dadurch unheimlich von den anderen ab und ich sehe inhaltlich keinen Grund dazu. "mir meinen Gaumen gerben" würde mir hier besser gefallen.

in der letzten Strophe würde es mich eher ansprechen wenn "den letzten" auch als letztes/als Abschluß stehen würde
und einmal, bevor ich geh,
auch - wunderbar - den Letzten.
das würde das ganze natürlich etwas durcheinander bringen, fände ich aber ein schöner Abschluß.

inhaltlich gefällt es mir sehr gut. die Jahreszeit in Verbindung mit dem Tod. das Ich scheint alt zu sein, ist bereit zu gehen und freut sich sogar darauf. es weiß, dass der Tod zum Leben gehört, wie der Wechsel der Jahreszeiten.

Rauhreif -> Raureif

Gruß
Simone
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#4

November

in Natur 12.08.2008 21:14
von Alcedo • Mitglied | 2.475 Beiträge | 2351 Punkte
Danke für euer Feedback.
ich werde etwas später im Jahr versuchen an dem Text weiterzuarbeiten und eure Anregungen einfliessen lassen.
vor allem resolute Streichungen sind wahrscheinlich unverzichtbar.

@Simone:
es wunderte mich dass ein altes lyr.Ich vermutet wird.

@Habibi:
Frostspanner sind Schmetterlinge welche ausschließlich im Herbst und im Winter aktiv sind. vor allem im November wenn der erste Frost einsetzt sind sie am häufigsten und in großer Zahl anzutreffen. sie müssten eigentlich jedem im Licht der Autoscheinwerfer auf Seitenstrassen oder Waldwegen auffallen, da sie dicht überm Boden fliegen um die Weibchen zu begatten, welche flügellos sind und sich in den welken Blättern/Bodenstreu aufhalten. diese müssen also umständlich gesucht und angeflogen werden.

Grüße
Alcedo

e-Gut
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#5

November

in Natur 13.08.2008 22:01
von Simone • Mitglied | 1.674 Beiträge | 1674 Punkte
warum alt?

gute Frage, ich weiß auch nicht genau, das ist mehr so ein Gesamtgefühl. der Herbst als Zeichen der Vergänglichkeit und des Übergangs. und dann lese ich eine Art Verschmelzung des Ich mit dem Herbst heraus, es gibt sich ihm hin und das gar nicht widerwillig, sondern mit freudiger Erwartung, so als hätte es schon viele Sommer erlebt und ist nun bereit für den Übergang zum Winter.

Gruß
Simone

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#6

November

in Natur 14.08.2008 20:58
von Alcedo • Mitglied | 2.475 Beiträge | 2351 Punkte
merci für die Erläuterung, Simone.

Gruß
Alcedo

e-Gut
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#7

November

in Natur 12.11.2008 10:41
von Alcedo • Mitglied | 2.475 Beiträge | 2351 Punkte
so, ich hab eine Strophe gestrichen und den Rest nach euren Anregungen überarbeitet. ich hoffe es kommt jetzt optimaler rüber.

das "Letzten" ließ ich Groß geschrieben stehen, weil ich den Bezug zum "Ersten Schnee" verdeutlichen möchte. falls dies zu plump erscheint, bitte Bescheid geben.

die Version von 2006 halte ich hier fest:

Zitat:

Alcedo schrieb am 16.11.2006 11:05 Uhr:
    November


November, mit deinem Regen
bin angekommen, auch ich.
Der Ursprung auf allen Wegen
nie wieder von mir wich.

Beginnende Atemzüge
vermehrten auch dein Nass,
und gern wiederholt, verfüge
ich Hauch, dem Nebelblass.

Ich möcht mich darin verstecken
vor jedem fremden Blick,
wo Schlehen die Äste recken
ins Nebeltropfgenick.

Wenn Früchte vom Klar der Nacht
mir gar den Gaumen gerben,
Libellen in letzter Pracht
im blassen Grase sterben,

dann saug ich aus einer Mispel
mir dein gesamtes Mark –
und Rauhreif ist herb Gelispel;
dein Kuss schmeckt kalt und stark.

Wenn Frostspanner stumm verkünden,
was Nordwind vor sich trug,
und schwerlos im Abend münden
mit ruhelosem Flug,

dann weiß ich mit stiller Freude,
dann atme ich tiefer ein -
das Dunkel der Wolken, heute,
das Helle wird Morgen sein:

November, den Ersten Schnee
bringst du mir, jedes Jahr,
und einmal, bevor ich geh,
den Letzten – wunderbar!




Grüße
Alcedo

e-Gut
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