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#1

Des Nachts

in Düsteres und Trübsinniges 21.10.2006 16:30
von Alcedo • Mitglied | 2.444 Beiträge | 2351 Punkte
Des Nachts


Des Nachts erscheinst du mir mit einem Schleier
und Tags darauf verbleibt ein leises Wehn;
ich spür dich fordernd im Zenite stehn -
du taust mein Lächeln wie den dunklen Weiher,

der Unken einlädt, an den Rand des Eises,
sich aufzuwärmen vor dem Silberreiher,
der lieber wartet auf den Schwarzen Freier
als Gift zu kosten. Ja, fürwahr, ich weiß es.

Oh, Leben, streich mit schwerer Hand die Leier,
die ich allein dir halte! Komm und lehn
dich an, an mich - nimm Kraft genug von mir!

Ein Freund wird gehn. Komm lass ihn länger hier;
ich brenne meines schneller ab zur Feier,
begleit mich - aber lass sein Licht bestehn.


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#2

Des Nachts

in Düsteres und Trübsinniges 27.10.2006 20:42
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi Alcedo

Verwirrender Titel. Was zum Kuckuck tut der Silberreiher des Nacht denn, wo er doch schlafen sollte! Na gut, evtl. bekomme ich noch Klarheit darüber. Kann es sein, dass Du ein Faible für Sonette entwickelst? Seit Baudelaire bin ich ein Fan von Sonetten, habe aber selber noch nie eins geschrieben. Aber das nur nebenbei und natürlich völlig zusammenhanglos verkündet. *g Ich lass dann auch mal das ganze theoretische Gequatsche darüber. (Man googele sich schlau über die landesabhängigen Reimschemen in Terzetten und die versch. Thesen etc.)

Trotz der alternierenden (makellosen) Verse, liest es sich aber doch recht schwierig. Womöglich liegt’s an den Ausdrücken, die ich irgendwie anders verstehe, als sie hier eingebracht sind. Auch das Enjambement in S3/Z2 ist doch etwas sperrig. Vor allem, da Du mit einer Wiederholung weiter fährst.

Eben, die Ausdrücke: Des Nachts erscheint ein Schleier … ich nehme an, dass es sich dabei um Nebel handelt oder um eine Erinnerung, Traum? Tags darauf verbleibt, eben aus diesem Schleier, ein leises Wehn. Also ein Wehen, ein leichter Wind, oder wieder eine Erinnerung? Hier habe ich bereits die erste Schwierigkeit zu folgen.
Dann weiter … spüren, dass jemand im Zenite steht…. das geht mir jetzt vollkommen ab. Sehen, dass jemand im Zenit steht, würde mir eher einleuchten.
Weiter das ‚tauende Lächeln’. War es denn eingefroren? Und wenn ja, weshalb? Ich kann da keinen Bezug feststellen, vor allem, weil ich keine Ahnung habe, wer das ‚du’ ist.
Jetzt die Unken. Unken, wie auch Frösche, halten Winterruhe. Sie vergraben sich im Erdreich. Also ist es praktisch nicht möglich, dass sie sich an den Rand des Eises locken lassen, auch nicht, um sich vor (?) dem Silberreiher aufzuwärmen. Derjenige, also der Silberreiher (ist das der Frost) wartet lieber auf den Schwarzen Freier (Tod?), als Gift zu kosten. Gift? Welches Gift? Du siehst, ich taumele von einem Bild zum anderen und kriege keinen roten Faden zu fassen.
Am Ende stolpere ich noch über ‚die Leier streichen’. Ich dachte immer, die zupft man. Aber ich kann mich auch täuschen, da ich selber bloss Blockflöte gespielt habe …. und das ist auch schon ein paar Jährchen her.
Aus den Terzetten erfahre ich dann endlich etwas! Da spricht wer mit dem Leben… es soll ihn mitnehmen, aber den anderen noch eine Weile da lassen. Ok! Aber müsste derjenige das nicht eher dem Tod sagen?

Ich weiss nicht, Alcedo. So ein paar Rätsel sind zuweilen ganz nett, aber hier stehe ich doch vor einem recht grossen Berg. Bin ich deshalb ein Esel? Wahrscheinlich …:D Vielleicht hilfst Du mir ja ein wenig auf die Sprünge.

Gruss
Margot


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#3

Des Nachts

in Düsteres und Trübsinniges 27.10.2006 21:44
von Alcedo • Mitglied | 2.444 Beiträge | 2351 Punkte
hallo Margot

es ist auch erst mein Zweites und hatte sich die Tage zufällig formal ergeben.
da du Baudelaire, erwähnst: ich versuche mich hier tatsächlich in einem Wald von Symbolen zu bewegen und ähnlich dem großen Meister, mit Korrespondenzen (Entsprechungen) zu arbeiten (die Betonung liegt aber aufm "versuchen" bin ich gleich versucht zu betonen!).

was die Überschrift betrifft. die beiden Zeilen sind als entweder-oder zu verstehen. dachte ich zumindest. fürchte aber mein ornithologischer Spleen geht wieder mit mir durch.

mit den Unken helfe ich gleich. (der Rest kommt später. versprochen.)
die Unken entsprechen dem Gift. sie sind tatsächlich giftig, aber vom ersten lebendige Futter dass im jungen Lenz zum Vorschein kommt. und die plätschern tatsächlich in vereisten Weihern herum und paaren sich dort munter. dabei ist das Eis erst einen Handbreit am Ufer weggetaut und sie tummeln sich dort wie besessen (ja, ja, die Hormone!). das kann ich bezeugen. die Frage ist, ob eine Reiher die giftgewarzten schlucken wird, oder lieber wartet. (die Frösche kommen auch erst später, wenn das Eis weiter wegtaut).

bei der Leier, gibt es doch diese typische Handbewegung, ein Streicheln, über alle Saiten hinweg. das weiß sogar ich totaler musikalischer Banause (hatte nicht mal Flöte). wahrscheinlich weil mich bei Musikinterpreten mehr die Körpersprache interessiert als die hervorgebrachten Töne. herumzupfen wäre für mich aber eine absolut unpassende Assoziation.

vielen Dank für dein umfangreiches Feedback.

Gruß
Alcedo


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#4

Des Nachts

in Düsteres und Trübsinniges 28.10.2006 11:08
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Ach, diese Amphibien!

Ah, jetzt verstehe ich das Gift. Na gut, das kann ich so akzeptieren. Aber Titel und Untertitel sollten m.E. wirklich in einem Zusammenhang stehen, sonst verwirrt (mich) das.

Gruss
Margot

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#5

Des Nachts

in Düsteres und Trübsinniges 28.10.2006 18:45
von Alcedo • Mitglied | 2.444 Beiträge | 2351 Punkte
also gut. dann schmeiß ich den Untertitel raus.

weinende Leser kann ich verkraften.
verwirrte nicht.

Gruß
Alcedo

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