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#1

Mann im Ohr

in Humor und Fröhliches 18.09.2006 21:58
von Ulli Nois | 554 Beiträge | 554 Punkte
Mann im Ohr

1.
Schon seit weiß nicht wieviel Nächten
liegt mein Mann, ich bin verlorn
nicht mehr brav zu meiner Rechten
liegt nicht hinten, liegt nicht vorn

liegt nicht an den schlanken süßen
Knien, auf die er einst geschworn
liegt nicht lang zu meinen Füßen
liegt mir nur noch in den Ohrn

liegt mir nur noch in den Ohren,
dass wir noch ein Baby kriegen,
na, da kann er lange liegen
kann er drängeln, kann er bohren,

nach der Ohr-Anatomie
kriegt man dort ein Baby nie

2.
Wie lang will im Ohr er hausen
trommeln auf mein Trommelfell
langsam krieg ich Ohrensausen
ich brauch Hilfe und zwar schnell

Gestern sprach ich vor beim Störamt
was Frau macht mit Mann im Ohr
der sich stocksteif ins Gehör rammt
und blockiert den Korridor

Läg mein Mann mir quer im Magen
wie ein unverdauter Klumpen,
würd ich ohne lang zu fragen,
ihn durchs Rohr nach oben pumpen

Aber landet er im Hirn
kann man nur noch operiern


3.
Darauf ging ich zu Experten,
denn das Ohr trieb mich zum Wahn
Männe lag, wie sie erklärten,
auf dem Gleichgewichtsorgan

wollten sofort an mein Mann ran
Stäbchen in den Ohrkanal
Doch ich lass kein` just for fun dran
nachher trifft es ihn anal!

Läg mein Mann mir auf der Zunge
liess ich sicher mit mir reden
ja entfernen ließ ich jeden
fremden Körper auf der Lunge

aber dieser Mann ist mein
und will zartbehandelt sein!


4.
Dann bekam ich einen Hörsturz
und nicht lang darauf ein Kind
Im Vergleich war das Malheur kurz
zu dem, was die Folgen sind

Denn heut liegen im Gehörgang
Männe, Hannes, Lotti, Paul
und ich höre ihr Geröhr lang
selbst bei Nacht noch ihr Gemaul

Manchmal jaul ich auf vor Schmerzen
und ich würde alle killen
lägen sie mir nicht am Herzen
und da helfen keine Pillen

Und so lieb ich bis zum Schluss
meinen Mega-Tinnitus

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#2

Mann im Ohr

in Humor und Fröhliches 20.09.2006 00:15
von Joame Plebis | 3.388 Beiträge | 3363 Punkte
Hallo Ulli!

Jetzt sah ich schnell nach, weil hier noch kein Kommentar war. Naja, ich kann mir schon denken warum. Ein Grund ist der Leute Schreibfaulheit, ein anderer liegt am Gedicht.

Bei dieser Länge, die nur durch eine ganz gewaltige Pointe gerechtfertigt wäre, ist es irgendwie verständlich.
Es soll humorvoll sein; bis zu einem gewissen Grad ist es das, aber für mich nur schwach humorig.

Die dichterische Qualität hat auch sehr gelitten, wenn ich nur am Anfang kurz das 'verlorn - vorn' ansehe und dann geht es so ähnlich weiter.

Obwohl ich schon einiges von Dir las, das mich ansprach, so muß ich hier leider abwinken. Der Gaul ist falsch aufgezäumt. Viel stärker sollte die Aussage herausgestrichen werden, nicht so genau beschrieben.
Der gute Wille Deinerseits ist zu erkennen. Meine ehrliche Meinung dazu: es ist eine Qual!

Ich hoffe, irgendwann von Dir auch einmal eine direkte ehrlich Meinung zu erhalten.

Trost soll sein: ich kann mich ja irren.

Mit freundlichem Gruß!
Joame

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#3

Mann im Ohr

in Humor und Fröhliches 20.09.2006 09:24
von Ulli Nois | 554 Beiträge | 554 Punkte
Hallo Joame,

deine ehrliche Antwort freut mich. Ein Lob hätte mich natürlich noch mehr gefreut. Aber ich habe diesen Liedtext ja deswegen hier hereingestellt, um zu wissen, ob er auch ohne Musike funktioniert. Tut er offenbar nicht. Geschrieben für und gesungen in einer konkreten Situation war es ein Riesenerfolg. Aber die persönlichen Bezüge kennt und interessiert hier natürlich keine Sau. Der interne Spaß reicht nicht zu einer allgemeinen Vergnügtheit. Das zu erfahren war das Posting wert.

Nichtsdestoweniger enthält das Gedicht ein paar geniale Reime, für die sich die Quälerei durch den Text dann doch lohnt. Vielleicht kann mir das noch jemand bestätigen, Mattes? GW? Dann verspreche ich auch, Euch in Zukunft wieder mehr mit allgemeinrelevanteren und kompakteren Werken zu behelligen.

SincereUlli

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#4

Mann im Ohr

in Humor und Fröhliches 20.09.2006 11:39
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Hallulli!

Schade, dass du gerufen hast. Normalerweise reagiere ich auf so etwas nicht, aber mein hoher Respekt vor deinen Fertigkeiten lässt mich Grundsätze vernachlässigen.

Ja, na klar, Ulli, da sind gewaltige Reime drin und wenn man sich darauf einlässt bzw. wenn man ab Strophe 2 Mitte mitbekommen hat, wo hier das Karnickel im Zimt sitzt, bereitet das auch Vergnügen, mir zumindest. Ich bin vermutlich ein schlichtes Gemüt, denn mir gefällt die schnoddrige Art des Reimens und ich halte sie auch nicht für allzu leicht. Wie gesagt, wenn man in S2Z2 noch über die Knie stolpert, auf die, statt auf denen er geschworen hat, wird im weiteren Verlauf klar, dass hier eine Balinerin spricht („an mein Mann ran“) und teilweise in schönster Zille-Manier gottvolle Reime bringt. Klar, über die Zwingung des „vorn“ mag man nicht so glücklich sein, aber Störamt-Gehör rammt, das hat doch ebenso viel Charme wie Chuzpe, gelle? Nie-Anatomie, Ohr-Korridor, wenn nicht Zille, dann mindestens Insterburg & Co. Und, entschuldigung, Hirn-operiern, spätestens da haut es einen doch der Länge nach derart hin, dass der Wahn im Organ des Analkanals nur noch Dreingabe ist. Dann der nächste Klopper: Hörsturz-Malheur kurz! Mein lieber Hans Volk, da muss einer erst mal drauf kommen, muss einer da erst mal! Und so weiter bis zum Schluss-Tinnitus. Alter Verwalter, ne geile Feile hast du da hingelegt, ich bin sehr angetan.

Und es ist ja keineswegs so, dass das alles simpel ist. Das Werk ist balladesk durchkomponiert, schlicht, klar und leicht lesbar, jeweils drei Strophen mit Geleitstrophe, viele kleine Stilmittel sind eingestreut, ob nun Schüttelreime, Binnenreime, Assonanzen und haufenweise Repetitionen unterschiedlichster Couleur. Ein echtes Fest und ich müsste jetzt noch stundenlang suchen, um alle Figuren zu finden und aufzuzählen. Das ist es sicher nicht wert, aber klasse ist es dennoch. Und wer wollte der Armen nicht zugestehen, dass die lieben Familien für die Mütter meist ein arger Nervkram sind.

Was mir nun gar nicht gefällt, lieber Ulli, ist der heftige Rumpler in Verbindung mit einem Schreibfehler in Lied 3, S3Z4. Mag ja sein, dass hier wieder in konkreter Poesie dargestellt werden, was beschrieben werden soll, aber so nicht, mein Gutster, so nicht!

Noch Fragen?

DG
Mattes

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#5

Mann im Ohr

in Humor und Fröhliches 20.09.2006 11:41
von Joame Plebis | 3.388 Beiträge | 3363 Punkte
Als gesellschaftliche Einlage aus dem Stegreif gesungen, kann ich es mir vorstellen. So dargeboten wird es einige Lacher gegeben haben; dazu kommt noch die Mimik des Sängers ....

Gruß von Joame

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#6

Mann im Ohr

in Humor und Fröhliches 20.09.2006 18:40
von Ulli Nois | 554 Beiträge | 554 Punkte
Selbst für einen bestellten Laudator, ge- und berufenenen Groß-Kritiker, Freund Mattes,

mehr als ich erwarten durfte an Lob und Anerkennung. Da sollte man eigentlich nicht kleinlich sein und darauf verweisen, dass besagter Männe der Frau nicht auf seinen schlanken süßen Knien geschworen hat, sondern als Jungverliebter auf ihre süssen Knie schwor so wie andere Männer auf die Kochkünste ihrer Frau schwören oder auf ihre Ohren.

Auch die Schwachstelle hast du zielsicher entlarvt. Den Rumpler habe ich geändert, inhaltlich wird es dadurch etwas unverständlicher.

Noch Fragen? Nein.

Ich beuge mein Haupt und danke ergebenst für die gründliche Besprechung.

SincereUlli


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#7

Mann im Ohr

in Humor und Fröhliches 20.09.2006 22:41
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Ulli,

Du bist ja eh mein erklärter Reimgott und da gibt es Mattes ausführungen eigentlich nichts hinzuzufügen.
Wenn ich es Live gehört hätte mit Musik hätte ich mich wahrscheinlich weggeschmissen. [1]
So muss ich hier natürlich sagen, dass ich, obwohl ich auch schon einige Posts in dieser Humorecke habe, beim Lesen eher auf nicht so fein durchmodelierte Baladen abfahre, sondern eher auf so etwas schnodderige Trash-Verse, denen jede Schramme vom Meister liebevoll und bewußt reingemeißelt wurden. Näatürlich fällt mir jetzt kein Beispiel ein, und ich selbst kann sowas leider auch nicht produzieren.
Ich hab mir Deine Verse gerade mal innerlich vorgesummt und musste erkennen, dass das den Schmunzelfaktor doch sehr erhöht.
Das ist wohl der Grund, warum mir Gedichteschreiben meist leichter fällt als Liedtexte. Die funktionieren doch irgendwie anders.
Es ist vielleicht noch kein Heinz Ehrhard, aber Du hast offensichtlich Wind in den Segeln. [11]

Ach ja. Zu meckern hab ich leider nichts. Außer das Du, nachdem ich mich hier ja nun auch zum Horst gemacht habe, sagen kann, Du hättest ja auch echt mal eine Audio-Version einstellen können. [11]

Viele Grüße,
GW

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#8

Mann im Ohr

in Humor und Fröhliches 20.09.2006 23:56
von Haselnuss (gelöscht)
avatar
Hallo Ulli (?)!

Ich mag deine Verse; habe sie schon ein paar Mal gelesen, mit kurzen Pausen. Und sie klingen mir immer noch im Ohr.
Ja, Audio-Version wäre was Feines - mit einem guten Mikrofon, oder mehreren. Und das lässt sich doch ohne Probleme einrichten.

Mach weiter - für meine Sammlung!

Lieben Gruß
Hahaselnuss

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#9

Mann im Ohr

in Humor und Fröhliches 21.09.2006 20:24
von Ulli Nois | 554 Beiträge | 554 Punkte
Audio Version?

Vielleicht.

Bis jetzt bin ich an der Technik gescheitert. Des Web-Spacen und des Gesangs. Ich arbeite an beidem. Mal sehen.

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#10

Mann im Ohr

in Humor und Fröhliches 22.09.2006 14:56
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Hi Ulli,

Deine Zeilen haben Klasse, uneingeschränkt loben kann ich sie dennoch nicht, denn sie lesen sich für mich zeitweise etwas hakelig, was sicher eben daran liegt, dass Du sie als Lied konzipiert hast.

Die Reime sind zum großen Teil gelungen, zum Teil sogar genial dreist - Mattes hat da schon genügend Beispiele gebracht. Und mit schnoddrigen Elisionen habe ich bekannterweise eh kaum Schwierigkeiten !

Was mir ein wenig zu schaffen macht, ist die Länge. Ich bin einfach immer etwas zu faul, um mich durch so lange Werke zu kämpfen. Deine Zeilen lesen sich aufgrund des vorhandenen Wortwitzes aber gut weg, dennoch mag ich es lieber etwas kürzer.

Das Thema selbst ist schon sehr gelungen und leicht umgesetzt und macht Spaß. Zwischendurch ebbt der zwar einfach etwas ab - vielleicht wäre ein Abschnitt weniger mehr gewesen. Wobei das bei diesen Zeilenn nur für die Betrachtung als Gedicht gelten kann, als Lied wiederum empfehlen sich ja schon ein paar Strophen mehr, ansonsten muss man ja anfangen zu wiederholen .

Metrisch schien mir das beim Lesen zwar alles "sauber" zu sein, dennoch habe ich immer wieder Schwierigkeiten mit dem Trochäus und stolpere. Sicher mehr meine Schuld als Deine, dennoch leiden darunter letztlich Deine Zeilen, auch wenns ungerecht ist.

Insgesamt schon eine tolle Sache, die Du abgeliefert hast, der - auf ein Gedicht bezogen - aber etwas mehr Kürze sicherlich gut getan hätte und einige eindeutiger zu betonende Zeilenanfänge ebenfalls (damit ich nicht immer auf die Fresse falle). Deshalb nicht nur Lob, aber zweifelsfrei Vergnügen beim Lesen meinerseits,

Don

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#11

Mann im Ohr

in Humor und Fröhliches 22.09.2006 21:36
von Alcedo • Mitglied | 2.444 Beiträge | 2351 Punkte
grüß dich, Ulli

"Gehörgang" versus "Geröhr lang" sind m e i n eindeutiger Favorit gewesen, was die Reime betrifft.

ansonsten wirds wohl kein Ohrwurm bleiben,
aber ich betone:
- lehrhaft, da Längen überbrückend durch das Handwerk

- und hifreich gegen Hemmungen bei Comments die nur von Mattes&GW eingefordert werden - Frechheit!
oder nein - mir dämmerts: Ulli sieht uns alle zwischen Mattes und Wohlgeraten!

und die Moral?
na klar: gibts nur im Tümpel sowas!

da heilt einem der Tinnitus zum Schluß
tiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii aus
na bravo
Alcedo

P.S.: es ist so still hier

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#12

Mann im Ohr

in Humor und Fröhliches 22.09.2006 21:42
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte

Zitat:

Alcedo schrieb am 22.09.2006 21:36 Uhr:
P.S.: es ist so still hier



Liegt am Hörsturz. Dass nur GW und ich gefordert wurden, liegt an unserer Kritiklosigkeit. Wir loben alles, was sich reimt. Deswegen fühlt sich Gemini so wohl im Tümpel.

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#13

Mann im Ohr

in Humor und Fröhliches 23.09.2006 20:36
von Ulli Nois | 554 Beiträge | 554 Punkte
Selten war ich mit meinem Publikum / Auditorium so einig wie mit euch.

Mattes und GW haben trotz plumper Beiifallserheischung meine Reime gepriesen.

Don hat sich durch die Strophen wie durch Paragraphen gekämpft und dabei sogar Vergnügliches empfunden.

Alcedo ist endgültig in die Stille übergetreten. Nie würde ich die Frechheit besitzen, dort hineinzurufen.

Gemini spricht immer noch nicht mit mir.

Das ist mehr Resonanz als ich zu hoffen wagte. Und weder bei Anerkennung noch Kritik kann ich irgendjemandem ernsthaft widersprechen.

Gesamtnote: 2-.

Ich sitze schon. Und denke über meine nächste Wortmeldung nach. Sie wird kürzer sein, soviel ist sicher.





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