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#1

Das Blatt. Fertig. Abgang.

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 01.09.2006 03:58
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
Das Blatt. Fertig. Abgang.

Das Unwetter zog auf. Ich saß verkrampft in meinem Stuhl und kramte nach den Gründen für diese Situation,
auch für die davor. Weiter kam ich nicht, da sich das Thema wieder einhakte, reinsprang, festbiss.
Warum glauben? Warum nicht. Sie stellte offene Fragen mit einem Blick, einem Gesicht, einer Haltung, die diese
konterkarierten. Ich tappte nicht im Dunkeln, doch merkte ich, dass alles drängender wurde. “Ich maße mir nicht
an, eine Religion über eine andere zu stellen”, stieß ich hervor. Sie schien beruhigt. Ich auch, insgeheim jedoch
umgekrempelt. Warum konnte sie sich nicht entspannen? Warum glauben? Warum nicht. Wo soll ich hin?
Ich stellte diese Frage nicht, versteckte mich in einer neuen Haltung und hörte halbwegs richtiges Geplauder über
Luther von nebenan. ‘Menschen können so starr sein’, dachte ich, ohne mich ausnehmen zu wollen. Mein Kopf
verschluckte sich fast an der Zeit und ich prüfte mich und sie. Ließ uns durch Situationen rasseln; Probeversuche
einer Massenproduktion. Das Etikett groß und bunt. Ja, das war es. Diese Abfertigung, das Standardisierte machte
ihr Angst. Und es war für mich in dem Moment alles so einfach zu erklären - so verdammt einfach. Die Vergangenheit,
die eigene - darum geht es. Ums Klettern auch. Ums Springen. Doch sie will nicht. Sie ist so satt und mag kein Blatt.
Ich schmunzelte, obwohl es schmerzte. Und darin blieb ich stecken. Warum glauben? Warum nicht. Ich hoffte auf
Tropfen. Doch das einzige, was kam, war ihr verächtlicher Blick. Ich kreiselte um diese Gedanken. Von Luther
hörte ich indes immer weniger. ‘Du bist schon eine Marke’, dachte ich.

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#2

Das Blatt. Fertig. Abgang.

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 01.09.2006 09:03
von kein Name angegeben • ( Gast )
Hallo Arno,

ein interessantes Frühstück, das du uns da servierst. Ein paar Gedanken dazu:

Ich lese darin Nachdenklichkeit, die man fast mit diesem einen Satz von dir zusammen fassen könnte:

‘Menschen können so starr sein’

Mit Starrheit verbinde ich ähnliche Begriffe, wie Sturheit, Unflexibilität, Rechthaberei, Festbeißen, Festzurren, Vorschriften, Regeln, Verhaltenscodex usw.
Dinge, die oft am Ausprobieren, Üben, Experimentieren, Freidenken, Erfinden, Wachsenlassen usw. hindern.
Menschen, die nicht mehr auf der Suche sind, scheinen erstarrt zu sein. Nichts bewegt sie mehr.
Du machst rein äußerlich scheinbar alles am Thema Religion und dann am Thema Massenware fest. Man kann das ganze auch verallgemeinern und auf ganz alltägliche, zwischenmenschliche Situationen beziehen- das steckt jedenfalls bei dir zwischen den Zeilen...bringt mich deswegen darauf, weil du vieles nur anschneidest und so zum Weiterdenken, mit dir mit, aufforderst. Das macht deinen Text sympathisch.
Leider neigen viele Menschen zum Selektieren, Ausgrenzen und wundern sich am Ende über den farblosen Einheitsbrei, der selbst verursacht, dabei herauskommt.
Mit der Hoffnung auf Tropfen, meinst du wohl „steter Tropfen höhlt den Stein“? -eine optimistische Zukunftsvision?

‘Du bist schon eine Marke’.“- finde ich mehrdeutig, interessant. Eine Schutzmarke, ein Qualitätsetikett oder jemand, der es vermag, sich neben sich zu stellen und kritisch zu begutachten...mit einem relativierten Bild seiner eigenen Größe?

LG
B.

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#3

Das Blatt. Fertig. Abgang.

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 01.09.2006 11:19
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Her Boldt, Sie sollten nicht so klotzen!

Die Aussage 'Warum glauben? Warum nicht.' wiederholt sich mehrmals, daher nehme ich an, sie ist wichtig, und sollte deshalb auch besser hervorgehoben werden.
Diese Bandwürmer sind einfach schrecklich zum Lesen. Ich begreiffe nicht, weshalb man so mit dem Platz knausert. Ist das jetzt Mode? Gerade geschickte Zeilenschaltung ist doch ein Instrument, mit dem der Autor dem Leser etwas vermitteln kann und/oder steuern. Das sollte man doch nutzen.

Die 'Marke' ist wirklich ein mehrdeutiger Ausdruck, das gefällt mir auch. Ich sehe die Bedeutung in dem Sinne, dass das lyr. Du eine Sonderstellung einnimmt. Also Marke in dem Sinne, das sie gesetzt wurde für alle/s Weitere/n.

Etwas kurz vielleicht, lieber Arno , aber es vermag zu gefallen.

Gruss
Margot

Nachtrag: Ah, ja, noch vergessen... das Blatt im Titel ... das erschliesst sich mir nicht.

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#4

Das Blatt. Fertig. Abgang.

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 01.09.2006 12:26
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Herr Boldt!

Ich habe Ihren Text jetzt mehrfach gelesen und bin immer wieder bei vier Fragen eingehakt:

1.Wie weit ist man gekommen, wenn man erst noch kramt?
2. Wie konterkariert man die verbundene Frage ‚Warum?-Warum nicht?’
3. Warum soll sie sich nicht entspannen können, wenn sie beruhigt erscheint?
4. Worum, bitte, geht es?

Sie sind mir schon eine Marke, Herr Boldt!

Digitale Grüße
Herr Muh

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#5

Das Blatt. Fertig. Abgang.

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 01.09.2006 12:51
von pringles (gelöscht)
avatar
ich denke der sinn des textes liegt mit darin das der protagonist sich situationen vorstellt und sie im gedanken durchläuft,eine art feedback von "was wäre wenn?"
was am ende steht ist eine voreingenommene situation,eine situation die man sich in gedanken selbst geschaffen hat und selber glaubt das sie stimmt,man redet sich ein das es so ist
die wahrheit hat der protagonist nicht erfahren,nur seine eigene vorstellung,ein wenig voreingenommen
hat mir gut gefallen
drauf gekommen bin ich durch das wort kontakarierten,ein neologismus oder okkasionalismus(kann mich da nie entscheiden ) er beschreibt eine karikatur des protagonisten in einem moment der vielleicht mal sein wird und das kontra gibt er sich in jeder diskussion nahezu selbst
glg pringles

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#6

Das Blatt. Fertig. Abgang.

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 01.09.2006 15:24
von Joame Plebis | 3.407 Beiträge | 3363 Punkte
Schönen Tag!

Da zog das Unwetter auf, gleich einer herannahenden Bedrohung. Parallel dazu die Gedanken und Stimmung.
Gegen Ende zu heißt es [quote]Ich hoffte auf Tropfen. Doch das Einzige was kam, war ihr verächtlicher Blick.[/quote]
Daraus wäre zu entnehmen, daß die Tropfen symbolischen Charakter haben und sich nicht auf das nahende Unwetter beziehen. Es wurde anstelle eines Kommas vermutlich bewußt ein Punkt gesetzt.

Im Mittelteil steht:
[quote] Mein Kopf verschluckte sich fast an der Zeit und ich prüfte mich und sie.[/quote]
Das heißt, hier bezieht sich das [i]sie[/i] eindeutig auf die Zeit.
Somit ist die Aussage:ich prüfte mich und die Zeit.
Dazu paßt auch [i]Ließ uns durch Situationen rasseln[/i],
bedeutend, die Vergangenheit nochmals passieren zu lassen, das kann man logischerweise nur mit der eigenen machen.

Die Interpunktion weist auf eine Verbindung zum nächsten Satz hin.
[quote]Probeversuche einer Massenproduktion. Das Etikett groß und bunt. Ja, das war es. Diese Abfertigung, das Standardisierte machte ihr Angst.[/quote]
[u]Das Standardisierte machte der Abfertigung Angst[b]?[/b][/u][24]

Wie viel leichter wäre es gewesen, durch einige Absätze etwas klarer zu gestalten [6] , somit auch den Inhalt, von dem ich bis jetzt nicht weiß, ob er von Gehirnwäsche, Nervenheilanstalt oder hyperaktiver Phantasie handelt.

Mit Gruß
Joame

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#7

Das Blatt. Fertig. Abgang.

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 02.09.2006 20:11
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Hoi Cheffe

Meine ersten Eindrücke:

Man kann hier durch die schnellen Zeilenschaltungen und durch das ständige Hinterfragen der Situation die Hetze und das Eingeengte deines Protagonisten sehr gut nachvollziehen. Hier kommt nicht einmal ein Punkt an dem sich der Leser entspannen kann. Dies ist meiner Meinung nach eine Schwäche an diesem Text, da man nur erahnen kann worum es geht. Was hat denn nun der Glaube hier verloren? Die Angst selbst auf dem Holzweg zu sein drängt sich mir auf. Dein Pro. will seinen Gegenüber von etwas überzeugen, von dem er sich selbst gar nicht so sicher ist.
Von dem Glauben an sich selbst.
Die Religion ist hier also nur der Vorwand um in das Innere der anderen Person vorzudringen. Das Heilige wird hochgehalten und die Furcht den Glauben an sich selbst zu verlieren wird hier geschildert.

Das sind meine bescheidenen Ausführungen zu diesem Text.

Viele mit Blumen verzierte Grüße

Gem

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#8

Das Blatt. Fertig. Abgang.

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 03.09.2006 03:03
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
Okay, danke euch erstmal. Werde schon bald antworten!

LG,
AB.

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#9

Das Blatt. Fertig. Abgang.

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 04.09.2006 15:43
von sEweil | 654 Beiträge | 654 Punkte
Hallo Arno.

Ich lese es nun schon zum Xten Mal und es lässt mich immernoch grübeln.
Versuchen wir unser Glück:

Normalerweise beginne ich einfach einzelne Passagen zu analysieren und auf ein ganzes zu kommen, was bei Kurzprosa bedingt, je nach Schreiber, Sinn macht. Hier finde ich mich mit der Methode nicht zurecht.

Der Protagonist und, wie ich schätze, sein Mädchen.
Im Unwetter sehe ich einen sich anbahnenden Streit - eine Situation nach deren Grund gefragt wird. Danach gekramt wird, hilfesuchend, suchend im Charakter des Protagonisten.
(meinst du eigentlich kontakarierten oder konterkarierten?)
Die Fragen die sie stellt - das Gesicht kann ich mir nicht vorstellen - wirkt aber so frei heraus, wie eine Frau mit verschränkten Armen und worüber gesprochen wird sollte wohl eher fröhlichere Züge auf ihr Gesicht zaubern? Ich weiß es nicht.
Diese Aussage, die der Protagonist von sich gibt scheint nicht genau dem zu entsprechen, was er denkt. Als würde er eine Meinung besitzen, aber lieber den sicheren und neutralen Weg gehen, um ihren Zorn nicht auf sich zu ziehen. Und fühlt sich dabei umgekrempelt.

Mein Kopf
verschluckte sich fast an der Zeit und ich prüfte mich und sie. Ließ uns durch Situationen rasseln; Probeversuche
einer Massenproduktion.


Gedanken übers Alter und wie drängend. Es ist schon beinahe zu spät? Für was? Kinder evtl.?
Er hat Vorstellungen übers Leben, die ihr nicht zusagen, sie will nicht, ist zufrieden mit dem, was sie hat. Erstmals in der Geschichte scheint er wirklich zu sagen, was er meint und will.
Auch ein Risiko einzugehen - Klettern, Springen.
Das macht ihr Angst und sie zieht sich zurück.

Ich schmunzelte, obwohl es schmerzte. Und darin blieb ich stecken. Warum glauben? Warum nicht. Ich hoffte auf
Tropfen. Doch das einzige, was kam, war ihr verächtlicher Blick. Ich kreiselte um diese Gedanken. Von Luther
hörte ich indes immer weniger. ‘Du bist schon eine Marke’, dachte ich.


Der Schluss gefällt mir, da ist viel menschliches drinnen.
Das hoffen auf Tropfen mag wohl auf das Unwetter zurückzuführen sein - hoffend, dass es nicht stürmt, blitzt, nur tropft, ein wenig.
würde hier statt [...],was kam,[...] das schreiben - gefühlsmäßig.

Die Marke ist mehrdeutig. mehrdeutigst. Eine Marke, als nichts besonderes. Eine Marke, als abgestempelt. Eine Marke, als Ettikett - das bist du, so scheinst du, mehr wirst du nicht mehr sein.
Wer weiß.

Die Frage die des öfteren wieder kommt: Warum glauben? Warum nicht.
Normalerweise sind solche Fragen, die gleich selbst beantwortet werden ja nicht mein Fall und halte sie für schlecht gewählt, aber hier gar nicht - es scheint ums Glauben und Hoffen zu gehen, an eine Zukunft. Wieso glauben? Wieso denn auch nicht? Ja, das finde ich gut so, einfach und gut.

Hoffe du konntest damit was anfangen. Ich habs gern gelesen, mehrmals. *lach*

Lg Thomas, danke fürs Warten.

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#10

Das Blatt. Fertig. Abgang.

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 09.09.2006 14:51
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
Ja, kein Problem, Tom.

Muss mich für die Verspätung entschuldigen - brauche momentan Zeit für mich. Was auch erklärt, weshalb ich z.Z. wenig tümple. Ich werde aber auf jeden Fall noch antworten!

LG,
aBoldt.

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#11

Das Blatt. Fertig. Abgang.

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 29.09.2006 04:07
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
Hallo zusammen.. lange hats gedauert.. entschuldigt!

Ich werde erstmal auf die ersten Kommentatoren eingehen, auf die anderen in - so hoffe ich - Bälde:

an Bosch: Danke für deine Assoziationen. Der Text ist so angelegt, dass er weiterführen soll, aber auch was Konkretes da lassen soll. Die "Marke" soll in der Tat mehrdeutig sein.. einerseits wieder der Hinweis auf das Etikett, dann aber auch im umgangssprachlichen Sinne gemeint - am besten natürlich, wenn man diese beiden Möglichkeiten kombiniert. Wobei man die "Marke" auf den Erzähler - als selbstreflexiv - dann noch auf den Gegenüber, und zuletzt auch auf Luther anwenden kann. Jede Möglichkeit lässt unterschiedliche Gedanken erscheinen.

an Margot: Hey Marge.. auch dir nochmal danke fürs Kommentieren. Du hattest mir ja schon einmal eine Liste mit Verbesserungsmöglichkeiten geschickt - einige hatte ich umgesetzt, einige nicht, darunter jenes, das du auch hier aufzeigst: die Zeilenschaltung. Ich habe bewusst den Text eng gehalten. Gerade hier habe ich das Mittel (der wenigen Freiräume) als legitim angesehen, um die Wirkung des Gehetzten, des Eingeengten zu erzielen. Das mag beim Lesen nicht gefallen - aber der Text ist schließlich auch keine Komödie.

an Mattes: zu 1.) Der Erzähler ist eben noch nicht sehr weit gekommen - das hast du gut erkannt. Es geht im Text auch nicht um 2 sich widerstrebende Meinungen, sondern um die Möglichkeit, Meinungen fassen zu können.
zu 2.) Die "sie" kontakariert ja nicht "Warum glauben? Warum nicht." des Erzählers, sondern ihre Fragen, die scheinbar offen gestellt werden. Man hat meistens in einem Gespräch eine gewisse Meinungshaltung und eine Körperhaltung - wenn beides sich entgegengesetzt zum jeweils anderen bewegt, dann hat man diese Situation, die ich beschrieb.
zu 3.) Antwort a) Hier hast du recht, wenn man es linear liest. Als Leser kann man sicher nicht sofort bemerken, dass hier ein Sprung ist, den der Erzähler gemacht hat - er ist jetzt wieder in einer Schleife; wenn du so magst: in seiner Starrheit. Antwort b) "Scheinen" ist aber auch ein Wort, welches etwas suggeriert, wobei etwas Anderes jedoch vorherrscht. Der Erzähler erkennt, dass er - und das wäre die zweite Möglichkeit - wiederum nur etwas vorgesetzt bekommt, wobei eigentlich etwas Anderes vorhanden ist.
zu 4.) Um es ganz allgemein zu fassen: es geht um Entscheidungen und wie und ob man diese treffen kann, wenn man sich in bestimmten Situationen befindet. Alles andere, alles Konkrete steht da.

an Pringles: Die Situation am Ende ist eine für den Erzähler reale. Das Einzige, was abstrakt durchdacht wird, ist die Szene mit der Massenproduktion; und das mit dem Blick auf "wie kommt es dazu, dass?". Das mit dem "kontakarieren" war ein Schreibfehler. Es sollte kein Neologismus sein, sondern schlicht und einfach das normale "Konterkarieren".


Soweit erst einmal, besten Dank an euch!
Die anderen sind bald dran.

LG,
AB.

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#12

Das Blatt. Fertig. Abgang.

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 01.10.2006 01:24
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
So, jetzt zu den übrigen Kommentaren.

Hallo zusammen..


an Joame: Die auffällige Kürze bei (manchen) Sätzen ist bewusst so gesetzt - was aber, und das soll nicht verschwiegen werden, generell bei mir zur Art und Weise gehört, wie ich Texte (v.a. Prosa) schreibe. Da verkürze ich schon hin und wieder etwas. Hier aber - so denke ich - passt es auch noch dazu.

Das "sie" kann sich (hier) auf die Zeit beziehen, da man hier den Verweis auf die Zeit im selben Satz hat - oder aber auch auf "sie" (die Person), da eben diese "sie" im Text zuvor schon zum Gegenpart erklärt wurde. Zugegeben, der Vermerk auf "sie" (als Person) ist nicht so evident bei diesem Satz - nichtsdestotrotz aber (wenn man den Kontext des Textes betrachtet) herauslesbar. Wenn man nun die "Zeit"-Variante nimmt, dann ergibt sich natürlich, dass man sich mit seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzt - aber zur eigenen gehören auch immer andere, da eine Abschottung soweit gar nicht denkbar wäre, geschweige denn ausführbar.

"Abfertigung" und "das Standardisierte" sind Aufzählungen. Jetzt dürfte auch klar sein, dass sich das "ihr" auf "sie " (Person) bezieht.

Bzgl. Absätze s. bei Antwort an Margot.
Würde mich jetzt im Gegenzug noch interessieren, weshalb du das Gefühl hast, es könnte sich um "Gehirnwäsche, Nervenheilanstalt oder hyperaktiver Phantasie" handeln? LG.


an Gem: Dass sich der Leser nicht entspannen kann, da kann ich mitgehen, würde das allerdings nicht allein an der Zeilenschaltung festmachen. Als Beispiel: wenn ich Absätze gelassen hätte; meinst du, es hätte dem Leser helfen können, nicht nur zu erahnen, worum es geht? Ich denke, dass dem nicht so gewesen wäre. Dem Leser würde eben das fehlen, was ich durch diese Zeilenschaltungen erreichen wollte. Wenn man das nun "schlecht" findet oder gar "missraten", dann ist das so - kratzt mich aber wenig, weil es nicht meine Aufgabe ist, dem Leser was "Gutes zu tun", wenn der Inhalt des Textes dagegen strebt.
In dem Text geht es nicht um Überzeugen durch den Protagonisten; es geht um Entscheidungen per se, und wie diese getroffen werden, und wann diese getroffen werden können. Was vielleicht dagegen steuert, oder es beschleunigt.. All sowas. Der Glaube ist hier sozusagen die Schiene, auf der der Zug fährt - mehr auch nicht.


an sEweil: Also das "Du" stellt offene, interessierte Fragen - dementsprechend ist die Haltung nicht fröhlich, der Gesichtsausdruck nicht erheitert. Der Protagonist ist durch diese Art der Kommunikation selbst in die Enge gedrückt worden. Das sehe ich genauso. Der Erzähler hat aber keine Meinung, sondern will sich nicht in seinem Meinungsfindungsprozess die Alternativen wegnehmen lassen. Vielleicht ist das nicht richtig ausgearbeitet worden. Muss ich nochmal nachlesen.

Hast du tatsächlich die Massenproduktion mit einem Kinderwunsch verbunden? Das ist herrlich. Ich hatte diesen Teil des Textes (Probeversuche, Massenproduktion, Etikett) mehr als Verbindung zwischen dem Subthema Religion und den beiden Personen; vielleicht auch Ersatzbild gesehen. Religion bedeutet für viele ja auch gleich Kirche (was in meinen Augen allerdings kein Gleiches ist), die massentechnisch Ordnung, Zucht (bei Erziehung) und Rituale liefert. Da wollte ich den Angelhaken ansetzen. Das Etikett gleichsam als Zeichen des "Anhängens". Im nächsten Satz kommt der Erzähler wieder auf "sie" zu sprechen und versucht sich selbst zu erklären, weshalb diese Situation so ist, wie sie sich darbietet. Er versuchte also in den Gegenüber zu gehen, um die Motive für dessen Handeln zu ergründen. (Es geht wieder um Entscheidungen - aber um keine, die konkret getroffen werden, sondern warum welche wie ausfallen oder ausfallen könnten.)

Beim "was" vs. "das" sehe ich das genauso, nur genau anders herum. Will heißen, ich finde hier das "was" einfach passender - gefühlsmäßig. Und die "Marke" ist eben sowohl umgangssprachlich als auch im wirtschaftlichen Sinne gedacht; und kann sich hier auf alle drei vorhandenen Personen beziehen.

Danke für eure "Aufmerksamkeit" und Arbeit mit diesem Text!

Sicher, es ist keine leichte Prosa. Und vielleicht sollte ich nicht drüber schreiben, wenn ich mir schon zu viele Gedanken darüber gemacht habe - und wenn ich das doch mache, es wenigstens einfach halte. Das gelang mir (augenscheinlich) nicht. Insofern kann man der Meinung sein, dass es mir misslungen ist. Mir gefällt er dennoch - aber das nimmt man mir sicher nicht übel.

LG,
AB.

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