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#1

Im August

in Düsteres und Trübsinniges 23.08.2006 11:54
von kein Name angegeben • ( Gast )
Im August

Der Wind schleicht flüsternd durch die Gassen
Die Häuser stehen ausgebrannt
Ein Hund weint leise in der Ferne
Vom Himmel stürzt die rote Nacht

Im Hof verhallt ein Kinderlachen
Die Bäume blicken unbewegt
Ihr schwarzes Laub erstickt die Straßen
In Fenstern glimmt ein letzter Schein

Nur manchmal raschelt kurz die Hecke
Und Vögel stürzen hoch zum Mond
Dunkle Tauben mit leeren Augen
Ein Flügelschlag zerbricht die Nacht

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#2

Im August

in Düsteres und Trübsinniges 23.08.2006 20:51
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Hallo Shin,

so richtig vermag mir Dein Text leider nicht zu gefallen.

Mit der Aufteilung in Strophen á 4 Zeilen kommt Dein Gedicht eher klassisch daher, allerdings verzichtest Du auf Reime - was ja kein Problem darstellt. Seltsamerweise nutzt Du diese Dir selbst geschaffene Freiheit nicht, sondern bleibst sprachlich eher durchschnittlich, dabei könntest Du ja ohne Zwänge aus dem Vollen schöpfen. Die die Zeilen abschließenden Wörter weisen übrigens zudem geradezu typische, reimgeeignete Endungen auf und dementsprechend oft liest man sie auch in ähnlich gestrickten Gedichten - eben weil diese sich dem Reim unterordnen...

Du benutzt im Übrigen jedoch fast durchgängig 4-hebige Jamben (also ein Metrum mit jeweils 4 Jamben xX), in Str. 3 Z.3 ist die Metrik allerdings nicht stimmig:
Dunkle Tauben mit leeren Augen
XxXxxXxXx
Hie beginnst Du plötzlich mit Trochäen, wechselst im Laufe der Zeile aber zu Jamben mit der Folge, dass zwei unbetonten Silben aufeinander folgen, was sich wiederum schlecht liest. Hier solltest Du nochmal etwas umstellen, da Du auf Reime ja zudem keine Rücksicht nehmen musst, dürfte Dir das auch nicht allzu schwer fallen.

Inhaltlich bleiben ebenfalls ein paar Zweifel zurück - was ist hier nur geschehen? Das Gedicht wirkt von der Sprache eher herbstlich, aber die ausgebrannten Häuser deuten darauf hin, dass hier nicht nur der einsetzende Herbst umschrieben wird. Auch die rote Nacht lässt mich an Feuersbrünste denken, ebenso das schwarze (= verbrannte?) Laub der Bäume... ich muss an die Waldbrände in Spanien und Portugal denken, letztlich gibt es jedoch zu wenig Hinweise, als dass ich verstehen kann, was hier passiert. Ob mir das Kinderlachen gefällt, bin ich noch ein wenig unschlüssig - natürlich passt es eigentlich angesichts der beschriebenen Szene nicht unbedingt hinein, andererseits scheint selbst bei den schlimmsten Szenarien irgendwo ein Kinderlachen etwas seltsame Normalität zu geben... okay, nachdem ich es zunächst als unpassenden Fremdkörper empfand, gefällt mir das Kinderlachen nun doch ganz gut .

Alles in allem kann mich Dein Gedicht jedoch aus den genannten Gründen nicht vollends überzeugen.

Gruß,

Don

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