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#1

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in Philosophisches und Grübeleien 16.08.2006 23:09
von kein Name angegeben • ( Gast )
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Zurück,
breitflächig zerstreut
in der Banalitätsebene.
Blassgelbes Sandkorneinerlei
zwischen all den anderen.

Augenhöhlenherzensleere
im Ziellosgespinnst
grauer Mauertiere.

Weidige Buntwiese
kurzweit hinter mir
mit saftgrünflüsternder,
Schreistimme.

Von Zeitzuzeit
bachiges Überschwappen
und schwarzschweres
Atemringen.

Stützpfeilerbruch
ohne Ersatzteillieferung
und Aussichtssperre
auf Gefildehöhenblau.

Dazwischen
Leisahnung neuer Stufen,
schrägschielend vom
Schlammbraununten,
geblendet
vom altklassischsoliden
Mirnichtsdirtutsgut.



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#2

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in Philosophisches und Grübeleien 17.08.2006 23:28
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
Hallo Bosch.

Dein Text ist mir persönlich zu überladen.. u.a. auch mit Eigenkreationen, die den Text stören, die - ja - Fremdkörper sind, weil sie mich auch nicht in den Text hinein lassen. Ihnen fehlt das Charisma, das Neologismen haben müssen, um im ersten Anschein bestehen zu können. So z.B. "Augenhöhlenherzensleere" - was für mich auch leicht doppelt-gemoppelt klingt. Ein anderes ist "Schreistimme" oder "Gefildehöhenblau" oder "Leisahnung". Auch ist z.B. in der ersten Strophe gesagt: "Blassgelbes Sandkorneinerlei / zwischen all den anderen." Zwischen welchen anderen? Den anderen Sandkorneinerleien?

Auch wird dein Text nicht konkret genug, um etwas Greifbares herauszufischen - etwas eindeutig Greifbares. Sicherlich kann man der Meinung sein, dass Texte auch immer anders lesbar sein können sollten, aber hier wäre es mir zu beliebig - nicht zuletzt auch aufgrund der Überladung mit Eigenkreationen.

Beste Grüße,
Arno.

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#3

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in Philosophisches und Grübeleien 17.08.2006 23:45
von kein Name angegeben • ( Gast )
Danke für deinen Kommentar, Arno.
Tja, da liegt bei mir fast immer der Hase im Pfeffer- ich überfrachte des öfteren in den Augen einiger Menschen. Hier sind es wahrscheinlich weniger inhaltliche als formale Dinge, wie du sagst.
Das, um was es mir konkret ging, war für dich nicht ablesbar?
Du könntest nichts hinein interpretieren?
Schade. L
Es bezieht sich eigentlich alles auf eine menschliche Befindlichkeit und hat mit diesem, dir aufstoßenden Sandkorneinerlei zu tun. Das Bild, sich als Mensch wie ein Sandkorn unter vielen zu fühlen, ist meines Erachtens alltagsgebräuchlich. Bezüge zur Überschrift findet man im gesamten Text, ebenso wie ein paar Entwicklungstadien innerer Befindlichkeit.
Dazu vielleicht später mehr.

LG
B.

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#4

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in Philosophisches und Grübeleien 17.08.2006 23:51
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Hoi Bosch

Ich bin ebenfalls kein Freund von absichtlich verdrehten Texten. Dies hat bei mir immer den Nachgeschmack, als wolle sich der Schreiber als verkapptes Genie darstellen. Außerdem klingen diese zusammengesetzten Wörter auch nicht schön.
Inhaltlich kann man sicher erkennen wovon du berichten willst, aber die absichtliche Ablenkung mit den, wei Arno sagt, Eigenkreationen finde ich überflüssig und ausgesprochen unschön.
Aber es ist eben ein Stilmittel welches mir nicht zusagt. Es gibt da einige Schreiber, die in dieser Richtung schreiben und mir gefällt es auch bei denen nicht. Also liegt der Fehler womöglich bei mir.

LG Gem

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#5

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in Philosophisches und Grübeleien 18.08.2006 00:06
von kein Name angegeben • ( Gast )
Vielen Dank auch an dich, Gemini. Ich verstehe, was du mir sagen willst.
Ich bin eigentlich noch auf der Suche und probiere einiges aus, habe keinen festen Stil.
Gerade das, was euch missfällt, begeistert mich momentan.
Ich möchte Dinge erfinden, am liebsten neue Wörter. Für mich ist das eine Art Collage im Kleinen. Ich bringe Dinge zusammen, die eigentlich so nicht zusammen gehören und bilde mir ein, sie sind dennoch in ihrer Bedeutung zu verstehen.
Ob sie sich dann auch noch klanglich "schön" anhören, ist eine andere Sache. Und dies hängt wohl mit Empfindungen zusammen. Das Thema an sich stößt mir selber sauer auf, deswegen ist es auch nicht meine Absicht, das schön-wohlklingend zu färben. Könnte man furchtbare Dinge nicht auch herausrülpsen- ähnlich wie beim Expressionismus (ich beziehe mich eher auf bildkünstlerische als auf literarische Erfahrungen)
Keine Ahnung, wie ich das ändern könnte. *grübel*

LG
B.

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#6

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in Philosophisches und Grübeleien 18.08.2006 00:08
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
Hallo Bosch. Also die Grundintention des Gedichtes ist natürlich lesbar. Was ich meinte, war, dass hier dennoch die Beliebigkeit vorherrscht, die eben nichts konkret genanntes dalässt. Ich bin nun auch kein Freund von 1:1-Übersetzungen, das jetzt bitte auch nicht denken. Aber wenn der ganze Text von eben dieser Machart durchzogen ist - wie es hier der Fall ist, dann fehlt diesem Text eindeutig - wie Gem und ich schon sagten - das Charisma und die Tiefe, weil diese aufgrund der immer wiederkehrenden Wellen verschwimmt.

BG,
arno.

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#7

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in Philosophisches und Grübeleien 18.08.2006 00:19
von kein Name angegeben • ( Gast )
*Heul*...was für dich "beliebig" klingt, ist von mir BEWUSST ausgewählt worden, ich verbinde mit jedem Collagewort etwas Konkretes. Vor allem geben die Farben inhaltliche Unterstützungen vor.
Und all die Dinge, die wir erleben, gehen oft mit ihrem Gegenteil schwanger, das ist also auch eine bewusste Entscheidung- Bsp.:
saftgrünflüsternde Schreistimme.

Vielleicht stoßt ihr euch auch an der unmissverständlichen Botschaft:

geblendet
vom altklassischsoliden
Mirnichtsdirtutsgut


Damit wird klar, auf welcher Seite das lyrische Ich steht.

LG
B.

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#8

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in Philosophisches und Grübeleien 18.08.2006 06:02
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte

Zitat:

Bosch schrieb am 18.08.2006 00:06 Uhr:
Ich bin eigentlich noch auf der Suche und probiere einiges aus, habe keinen festen Stil.




Heißt: Wir können dich noch davon abbringen.

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#9

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in Philosophisches und Grübeleien 18.08.2006 07:18
von kein Name angegeben • ( Gast )
*LOL*

DANKE, Gemini!

LG
B.

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#10

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in Philosophisches und Grübeleien 21.08.2006 22:53
von kein Name angegeben • ( Gast )
-----

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#11

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in Philosophisches und Grübeleien 21.08.2006 23:13
von kein Name angegeben • ( Gast )
"...einige Wortkonstruktionen dann wie gesagt doch zu viel des GUTEN"

Danke, Bauchschreiber!
Ich kann vom Guten eigentlich nie genug kriegen, habe ein einnehmendes Wesen, deswegen diese Fülle.
Ich hoffe, ihr gewöhnt euch noch dran.
Na, ja, okay- es sind 18 Neuschöpfungen, vielleicht komme ich das nächste Mal mit 17 aus.
Im übrigen hatte ich den Eindruck, mir an der ein oder anderen Stelle, durch die Neuschöpfungen Platz für die kompletten Einzel- und die notwendigen Ergänzungswörter gespart zu haben.
Aber das Spar- und Ausgabeverhalten ist auch bei jedem individuell.

LG
B.

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#12

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in Philosophisches und Grübeleien 22.08.2006 01:07
von Haselnuss (gelöscht)
avatar
Hallo Bosch,
Gedichte / Prosa, die dem Leser inhaltlich nichts Neues zu denken geben und die in der Wortwahl unkreativ sind, sind für mich langweilig. Es schadet dem Gehirn durchaus nicht, im Gegenteil, wenn man Worte auseinanderpflückt und in ihrer komprimierten Vielerlei-Beschreibung und Vielerlei-Empfindung einen Gesamt-Sinneseindruck erhält. Das ist für mich viel wirkungsvoller, als alle Einzelheiten in Haupt- und Nebensätzen umständlich einzufangen.

Natürlich sollte ein Text nicht nur aus solchen 'Eigenkreationen' bestehen; aber ins Werk gestreut, betonen sie gleichzeitig die Individualität des/r Schreibenden und das, was für ihn/sie während des Schreibens wichtig war.

Zum Inhalt Deines Werkes möchte ich mich nicht äußern. Es hat eine glasklare Aussage und erfordert in der Verbindung mit den nachfolgenden Kommentaren von meiner Seite keinerlei Stellungnahme.

Danke Bosch! Das hast Du wirklich exzellent hinbekommen!

Lieben Gruß
Haselnuss

PS: Ich überlege mir noch, ob ich auf Deine PN antworten soll.

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#13

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in Philosophisches und Grübeleien 22.08.2006 19:24
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
?

Was ist bitte daran individuell, wenn ich ein Wort wie: Sandkorneinerlei benutze?

Pass auf: Mogelmogulmörtelkleber

Gut nicht?
Bin ich nun genial? Oder unterstreicht dies meine Individualität?
Wohl kaum.

LG Gem

Ps.: Da wir nun ja alle involviert sind: Antworte ruhig auf die PN.

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#14

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in Philosophisches und Grübeleien 22.08.2006 22:33
von Haselnuss (gelöscht)
avatar
Falls du mich angesprochen hast, g-e-m-i-n-i...auf diesen Ton reagiere ich nur in einer privaten E-mail, auf meine Weise. Und deinen wohlmeinenden Ratschlag brauche ich nicht.

Schlaf gut!

Lieben Gruß,
Haselnuss

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#15

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in Philosophisches und Grübeleien 23.08.2006 08:57
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Bosch,

mir gefällt das Sandkorneinerlei inklusive der entsprechenden Strophe eigentlich ganz gut. Ich würde aus sowas jetzt keine Grundsatzdebatte über Qualität solcher Schöpfungen an sich machen. Einige sind gelungen, einige weniger, und da diese Dinger sehr leicht nach hinten losgehen können, zeugen sie von Mut am Experiment.
Ich finde sie in diesem Gedicht gut eingesetzt. "altklassischsolide" gefällt mir allerdings nicht so gut.
Im Gegensatz zu allen anderen muss ich gestehen, dass mir die so glasklare Aussage Deines Gedichtes gar nciht so klar ist. Ich hätte sie gerne von einem der anderen Durchblickern hier gerne erklärt bekommen.
Was mich erst irritierte ist, dass ich mich anscheinend bei jeder Strophe in einer komplett anderen Umgebung befinde. Erst Sand, dann graue Mauern, dann Buntwiesen, plötzlich ein Bach, Stützpfleiler, Stufen, Schlamm, und am Ende hab ich ein Bild vom Buga-Gelände in Potsdam vor Augen. Anders kriege ich das nicht zusammen.
Aber es regt die Fantasie an, und ich mag Deine sprachlichen Kunstgriffe hier.

Gern gelesen.

Grüße,
GerateWohl

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#16

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in Philosophisches und Grübeleien 23.08.2006 09:48
von kein Name angegeben • ( Gast )
Ich danke dir, GerateWohl!
"Mut zum Experiment"...ja, stimmt. Ich denke mitunter, dass bei einschneidenden Erlebnissen der Drang, sich auszudrücken, am stärksten ist. Man will Dinge aufarbeiten und die Kraft, die dahinter steckt, bricht sich selbstständige Bahnen. Man hat nicht alles unter Kontrolle, will es auch nicht.
Unfassbare Dinge bedürfen auch einer adäquaten Form. Was man darunter versteht, wird für jeden anders sein, hängt von der Grundausrichtung und den eigenen Wertvorstellungen, Kenntnissen usw. ab.
Ich sehe das Stück hier fast als expressiven Holzschnitt, der nie den Anspruch eines geschliffenen Diamanten erhob.
Für mich stellt sich alles ungefiltert dar, für dich, als Außenstehenden, eher weniger. Andere Rückmeldungen (außerhalb des Threads) haben mir gezeigt, dass es auch 1:1 verstanden wurde. Ich würde gern wissen, ob das typisch weibliches Schreiben und typisch weibliches Verstehen ist oder nicht.
Es ging mir hier in keinster Weise um reale Landschaften oder Baustellen, aber wenn man solche landschaftlichen Veränderungen drin sehen mag, ist es mir auch recht. .
Danke für deine interessanten Gedanken!

LG
B.

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