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#1

Cefalù

in Natur 15.08.2006 23:21
von Ulli Nois | 554 Beiträge | 554 Punkte
Cefalù

Keine Weite, die das Meer nicht kennt.
Keinen Himmel, den es nicht schon trug.
Ausgestürzt, ein Spiegel nimmt es hin.
Lichter wirft es uferlos
ineinander. Lächeln flirren
über Sonnentropfenfelder.
Alle Blicke perlen hin.

Was bewegt uns? Unter dünner Haut
drängt der Ozean und bricht nicht auf.
Bilder splittern in das Wellenspiel.
So ist Schein. Wir schimmern in den Tag.

Abends wenn die Lichtblüte sich schließt,
wenn die Nacht sich auf die Wunde legt,
strahlt der Schmerz noch lang am Horizont.
Lichterloh der Himmel. Und das Meer
wirft sich dunkle Falten ins Gesicht,
aufgewühlt, und spielerisch noch immer,
wenn die Schafe ihre Blutbahn ziehen.

Wo der Tag am Spiegelrand ertrinkt,
blinken erste Sterne. Lichte Anker
steigen aus der atemlosen Nacht
in den tiefsten Grund der See.

Obenauf die blanke Brust,
hebt sich senkend.
Innen aber rauscht die Tiefe. Aller
Atem ruht dort unten, wendet
um den Tod - - -

Fallen wir erst einwärts, richtungslos,
schäumen wir und sind Bewegung.

Hörst du ihn, den Wellenmund,
Worte rollend, Küsse auch,
sprühender, und stöhnend jetzt,
plötzlich überschlagend, spitz,
leise Schreie...

Meer, unendlich, symbolon,
zusammenwerfendes,
Wie leicht trägt uns die Seele noch
und ruht schon schwer im All.

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#2

Cefalù

in Natur 16.08.2006 01:26
von Motte | 137 Beiträge | 137 Punkte
Hallo Ulli,

schön, dass wir dich aus deinem Urlaub? wieder zurückbegrüßen dürfen. Jedenfalls merkt man deinem Gedicht an, dass es kaum zwischen grauen Wohnblocks in Berlin geschrieben worden sein kann, da durch die Zeilen so ein fremdartiges, spiegelglitzerndes, weitklingendes Perlen geht, das einem direkt das Mittelmeer vor die Füße stellt. Jedenfalls nicht unbedingt den Wannsee. Und man muss wohl schon tags über lange auf das Meer geschaut haben, um dann nachts seinen flirrenden Puls so verinnerlicht zu haben, dass die dumpferen, darunterliegenden Töne, die aus der Tiefe kommen, wahrnehmbar sind.
Die Bilder, die du findest, sind wirklich sehr schön und anders, sehr unmittelbar und empfunden.
Von mir gibt´s hier jedenfalls keine fitzelige Gedichtsanalyse, da musst du schon auf Mattes warten. Dazu bin ich viel zu sehr erpicht darauf, auch ein Stückchan sizilianischen Sommers einzustreichen..

Liebe Grüße,
Motte

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#3

Cefalù

in Natur 17.08.2006 18:34
von Ulli Nois | 554 Beiträge | 554 Punkte
Hallo Motte,

freut mich, dass ich etwas sizilianischen Sommer auf deinen Schreibtisch glitzern lassen konnte, zumal ich diesen bereits vor 21 Jahren eingefangen habe und er offenbar immer noch ein bisschen leuchtet. Stilistisch und metrisch hätte ich selbst an der einen oder anderen Stelle etwas zu mäkeln, aber auch mir ist das zu anstrengend. Soll das doch Don machen Und zu den Bildern würde ich auch gern von dem einen oder anderen noch etwas hören, selbstverständlich auch Kritisches...

Lieben Gruß, Ulli

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#4

Cefalù

in Natur 17.08.2006 20:33
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Ulli,

dieses schöne Wortgemälde verdiente gewiss eine detailliertere Analyse.

So stehe ich hier bloß kurz rum und sage, wie dufte ich Deine Verse finde. Hoffentlich bald mehr.

Lieben Gruß,
GW

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