Das Glied von der Locke (Oder: Der Klöppel)
Gilde oder Volksdance?
Vivos voco (Ich rufe die Dichtenden)
Mortuos plango (Beklage die Zoten)
Fulgura frango (Spreche Witze)
Fast versauert in Beschwerden
Darbt die Dichtung, ausgebrannt.
Heute muss die Gilde werden.
Frisch Begabte, an die Wand.
Von der Birne weich
Wächst der Machtbereich,
Soll ihr Bund die Meister lieben,
Weiter aus dem Abschaum sieben?
Zur Gilde, die wir balde leiten,
Geziemt sich wohl das Plätzchen dort;
Inmitten Dichterlandes Weiten,
Erbauen die uns ein Resort.
So laßt uns das Geschmeiß betrachten,
Das schlecht von Ritzratzherzschmerz singt,
Man muß doch ihren Scheiss verachten
und dem nicht helfen, der so klingt.
Das ist's ja, was uns Edle zieret,
Wir stehn auf unserm hohen Stand,
Damit der Abschaum unten spüret,
Wer herrschet im Gedichteland.
Nehmet Holz von Adelsköpfen,
Avantgardepoetenfein,
Dass wir an den hohlen Schöpfen
uns noch möglichst lange freu'n.
Kocht der Worte Brei,
Schnell ein Sinn herbei,
Dass die Sorte: Dichterlese
Nur nicht allzubald verwese.
Was in des Darwins tiefer Grube
Das Pack mit ohne Hülfe baut,
Hoch in des Adels Oberstube
Da wird es lächterloh und laut.
Wie die dort unten sich so plagen
Und stetig werkeln am Resort
Und doch nur über Liebe klagen
Und gar nicht merken: Stets im Chor.
Was unten tief dem Grubenwurme
Das windende Verhängnis bringt,
Das wächst und wächst auf seinem Turme,
Und merkt nicht wie es dabei sinkt.
...
Herauf! herauf!
Gesellen Edle, schließt die Reihen,
Dass wir die Gilde taufend weihen,
Schickeria soll ihr Name sein,
Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine
Versammle sich die liebende Gemeine.
Und dies sei fortan ihr Beruf,
Wozu der Plebs sie uns erschuf!
Hoch überm niedern Grubenleben
In einer hübschen heilen Welt
Soll Sie sich auf den Thron erheben
(Wenn auch mal einer runterfällt.)
Soll eine Schicht sein von ganz oben
Und der Gehirne helle Schar,
Die ihre Schöpfe gütlich loben
Hofieren sich so wunderbar.
Nur Versen die vorzüglich klingen
Sei ihr hohes Ohr geweiht,
Und eierkraulend stets am Swingen
Vertreibe man sich hübsch die Zeit.
Den Spöttern leihe man die Zunge,
Selbst herzlos, ohne Mitgefühl,
Belecke man mit Zungenschwunge
Olympiziös das Glockenspiel.
Und wie der Orgienklang vergehet,
Der mächtig tief ins Tal geschallt,
So lehret die, wo man bestehet,
Wenn alles Irdische verhallt.
Jetzo mit der Kraft des Stranges
Bringt die Gilde in die Gruft,
Dass sie in das Tief des Hanges
Sinke, in die Dichterkluft.
Reisse, Pack, zieh an der Leine!
Fälle die Eliteschweine!
Freude, dieser Schluss bedeute:
Friede sei mit ihr - der ganzen Meute.