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#1

Meisterliches

in Zwischenwelten 28.04.2006 21:23
von Krabü2 | 797 Beiträge | 797 Punkte
Der Meister hatte sich versündigt. Er war süchtig geworden. Sechs Tag lang hatte er schier ununterbrochen geschuftet. Am Anfang hatte er das Wort erfunden, doch dann fehlte das Widerwort. Dann hatte er Himmel und dazu Erde erschaffen und gleich darauf die Pflanzen und die Tiere. Zu guter Letzt spielte er in der Dunkelkammer mit Lehm und modellierte zwei Büsten – das dauerte die halbe Nacht, von Freitag zu Samstag, zwei Samse – ein weibliches und ein männliches, eines ohne Brust und mit schmalem Gesicht, das zweite staffierte er liebevoller aus: er gab ihm ein rundes Antlitz, leuchtende, neugierige Spiegel der Seele und feine, sinnliche Gesichtszüge. Für eine Weile schlief er ein, träumte davon, dass es dieser neuen Machwerke mehrere gäbe, und während er sich beim Aufwachen noch die Augen rieb, hätte er es fast vergessen. Fast hätte er des Problemes Lösung nicht hinüberretten können in die Bewusstheit. So bastelte er an die Büsten noch einige Kleinigkeiten, dass sie wuchsen und die uns heute wohlbekannte, wenn auch nicht bewusste Gestalt annahmen: Einen Mann, dessen Charme es der Frau oft schwer machte, die Neuproduktion zu verweigern, um nur der Lust zu frönen; nein, sie erlag und wehte und gebar Neues, Ungheures, dem Phänotyp des Ur-Erschaffers gleich.
Als Gottfried das sah, und als er sah, dass sein Monopol, seine monopolistische Herrschaft untergraben wurde, dass sich Massen seinesgleichen bildeten, wurde er wütend. Er erschuf einen Stein, einen riesigen Stein, um ihn hinabzuwerfen auf diese fehlgeratenen, sich in Eigendynamik vervielfältigenden Wesenheiten. Doch als er versuchte, mit seinem Stein alles zunichte zu machen, musste er erkennen, dass er ihn nicht anheben konnte – der Stein war zu schwer für ihn. Nun war klar, dass er sich selbst entbehrlich gearbeitet hatte. Umwölkter Stimmung legte er sich zur Ruhe und entschlief, auf dass sich die Wolken verzogen und der neue, der Sonnentag im Licht erstrahlte. Der Meister hat fristlos gekündigt. Gott ist tot. Es lebe das Göttliche.

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#2

Meisterliches

in Zwischenwelten 28.04.2006 23:17
von Ulli Nois | 554 Beiträge | 554 Punkte
Gott schafft in seiner Allmacht einen Stein, den er nicht heben kann. Das ist eine tolle Geschichte.

Nach meinem Geschmack hast du etwas zu viel Verwirrendes da herum gebastelt. Die Polemik gegen das Männliche sehe ich dir als Androgyn mal nach Außer Charme (also Zauberei) haben die Männer nichts zu bieten, in dieser Dummheit sind sie aber genau das am Anfang vermißte fehlende Widerwort, der Gegenpol zu der an sich gelungenen Schöpfung.

Leider scheint der Meister auch ein Mann zu sein, Gottfried mit Namen, und deshalb muss das Ganze letztlich scheitern, nämlich an seiner Über-heblichkeit. Das finde ich als Witz ganz nett, klingt für mich aber zu sehr nach Frauenpower, nach femininem Machismus. Hoffnungsschimmer ist, dass am Ende wenigstes "das" Göttliche siegt, und nicht die Göttliche...


Vileleicht schreibst du noch einen 2. Teil der Schöpfungsgeschichte, in der sich animus und anima positiv gegenübertreten - oder hältst du die Vereinigung der Gegensätze (animus und anima) für grundsätzlich ausgeschlossen?

LG, Christian

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#3

Meisterliches

in Zwischenwelten 28.04.2006 23:39
von Krabü2 | 797 Beiträge | 797 Punkte
Oh, hallo, es hat einen(?) Namen?!
*lach*
Danke für Dein Lesen und den Kommentar. Für das Anima-Animus-Konzept bin ich offen. Sowieso und auch schreibtechnisch. Dazu lade ich Dich dann gern zu einer zweiten Kooperation ein. Mal sehen, was Du da so kreierst.
Ach, der Text hier floss mir aus der Hand, ich hatte gestern so was als Thema - kurz und lustig und listig und lastig, und damit es nicht lostig würde, hab ich heute was runtergetippt. Klar fehlte mir auch noch ein wenig Unterfütterung. Ist aber ein Text, an dem ich nicht aufzuhängen bin - weder als Person, noch ... :-) - weißt Du?
LG Uschi ;-)

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#4

Meisterliches

in Zwischenwelten 29.04.2006 00:14
von Krabü2 | 797 Beiträge | 797 Punkte
...,...:


Schönen Dank, Yammi :-)

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