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#1

FremdenfeindlIch

in Gesellschaft 26.04.2006 10:59
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
FremdenfeindlIch


Also bin ich fremdenfeindlich,
weil ich aufgewachsen bin
in der Heimat, die vermeintlich
von Geburt an in mir drin?

Jedenfalls ist diese Prägung
doppelseitig, denn auch ich
zeuge Wirkung je nach Wägung,
was banal, was wesentlich.

Selbstverständlich mag ich’s freundlich,
das gilt nicht nur für den Gast.
Ob gebleicht oder gebräunt, ich
hab’ Rassismus stets gehasst.

Jetzt kommst du und willst hier leben
und ich frage dich warum,
es dir wert ist, zu erstreben
meinen Lebensstil. Wie dumm

ich wohl sei, daran zu glauben,
dass ich dir ein Vorbild wär,
fragst und klagst, ich wolle rauben
deine Wurzeln und noch mehr.

Jeder müsse leben können,
wenn und wie und wo er will.
Sei das nicht auch dir zu gönnen?
Und beschämt bin ich dann still.

Doch im Stillen wächst das Grollen,
denn wenn du den Sitten fluchst,
die wir anderen so wollen,
frag ich mich, was du hier suchst?

Wünscht du religiöse Inbrunst,
ist die Freiheit dir ein Graus,
die der Rede, Meinung und Kunst,
warum bleibst du nicht zu Haus?

Ach, da könn’ sie dich nicht leiden?
Das ist wirklich ärgerlich.
Du bist auch nicht zu beneiden,
wenn man dich bedroht, doch ich

weigere mich, einzusehen,
warum ich ertragen muss,
hier im Lande fremd zu gehen,
denn dann komme ich zum Schluss

auf ganz seltsame Ideen
und verbreite braunen Stuss:
Alle soll’n nach Hause gehen
und zum Abschied deutschen Gruß.

Also, liebe Poly-Ticker,
redet nicht nach allen Schnuten.
Volkes Hals wird immer dicker,
klärt die Fronten noch im Guten!

Hidschabs oder Nazi-Sticker,
Ehrenmorde, Fascho-Routen,
Kleri-, Fana-, Dogma-Ticker
sind dem Land nicht zuzumuten.

Will euch jedoch nichts einfallen,
schickt den Dschihad gern nach Haus,
Aber tut mir den Gefallen,
schmeißt die Nazis auch mit raus!

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#2

FremdenfeindlIch

in Gesellschaft 10.05.2006 13:06
von Roderich (gelöscht)
avatar
Hallo Mattes,

das musste wohl mal raus und ich kann dem Geschriebenen im Grunde nur zustimmen. Ist gut gelungen, vor allem hast du eine einseitig polemisierende Darstellung ganz gut vermieden. Allerdings scheint mir das Gedicht an manchen Stellen ein wenig zu ruckeln, oder ist das nur der alte Röhrenbildschirm meines Vaters? Letzte Strophe erste Zeile wäre so ein Ruckelkandidat. Bei Bedarf kann ich gerne Kreuzchen malen.

Grüße

Thomas

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#3

FremdenfeindlIch

in Gesellschaft 10.05.2006 13:35
von barfly (gelöscht)
avatar
hallo mattes

kulturalismus vs. universalismus - ein gut bearbeitetes thema.
sicher, ein paar punkte sind vielleicht fragwürdig, aber in der gesamtheit gefällt es mir.

grüße
barfly

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#4

FremdenfeindlIch

in Gesellschaft 13.07.2006 14:41
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Oh Rod, nein, mal das Kreuz nicht an die Wand! Ja, na ja, ruckel-die-Kuh, man kennt das ja. Allzu schlimm finde ich es nicht, da neben der von dir aufgezeigten Stelle, die ich auch als Kavaliersdelikt bezeichnen würde, eigentlich und uneigentlich nur die 3. Zeile der 8. Strophe so richtig reinhaut. Ich tröste mich mit der Erinnerung an Pink Floyd: Als die die Platte Animals rausbrachten, stöhnten alle, wo denn die schönen psychedelischen Harmonien geblieben wären und hatten gar nicht mitbekommen, dass Waters & Gilmour auf diesem Album viel mehr Gewicht auf den Text gelegt hatten. Natürlich vergreife ich mich jetzt, wollte aber nur umständlicherweise klar machen, dass mir der Klang hier natürlich nicht so wichtig war. Ich bitte um Nachsicht.

Ja, barfly, da sind fragwürdige Positionen dabei. Ich will jetzt nicht so tun, als steckte da nicht auch eine Menge meines Frustes darin, aber vornehmlich ging es mir darum, dass mittlerweile im Lande mit mir auch die bürgerliche Mittelschicht radikalisiert und das kann blitzgefährlich werden. Allerdings kann ich persönlich noch ein wenig weiter differenzieren, als es dort im Gedicht geschieht. Der Leser ist ja aufgefordert, weiter zu denken, auch wenn man sich zunächst vielleicht nur kopfnickend erwischt.

Ich danke euch beiden für die Kommentare.

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#5

FremdenfeindlIch

in Gesellschaft 13.07.2006 16:48
von Knud_Knudsen • Mitglied | 994 Beiträge | 994 Punkte
Ja Mattes, wir dürfen nicht so tun als ob in dieser Richtung alles in trockenen Tüchern sei. Multikultivisionen sind zerplatzt, dank der Extremisten jeder Farbe. Wir müssen darauf bestehen, dass Zuwanderungen kanalisiert werden. Wir müssen immer wieder den Finger in die braune Wunde legen, damit nicht das passiert was Du erwähnt hast.
Wenn der bürgerliche Mittelstand radikalisiert wird ist es zu spät, dass müssen wir verhindern helfen.
Gern gelesen
Gruss
Knud

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