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#1

Es friert mich so

in Düsteres und Trübsinniges 02.02.2006 20:47
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Siehst du auch bisweilen, was ich sah, in schlafgestörten Nächten?
Ich atme mir in diesen Stunden noch die Welt in kleine Trümmer,
suche nie mehr und schon lang nicht mehr nach einem Gut im Schlechten.
Ist deine Stimme auch noch laut, so wird die Meine immer stummer.

Weißt du heute erst, was ich doch gestern schon zu wissen glaubte,
daß Sehnen trennbar und nicht fest gebunden sind an das Objekt?
Ganz und gar bewußt und starr in allem, was ich mir erlaubte,
doch hat mich alles, was du guten Willens gabst, im Keim erstickt.

Manchmal noch versuche ich den Rest des Lichtes zu ergreifen
und wende wehmutsschwer in meinen Händen diesen letzten Splitter -
Sachte, was ich einst gefühlt, mit meinem Munde nur zu streifen -
Es friert mich so, drum leg ich ihn zurück nun hinter seine Gitter.

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#2

Es friert mich so

in Düsteres und Trübsinniges 04.02.2006 08:44
von Joame Plebis | 3.473 Beiträge | 3363 Punkte
Ehrenwerter Richard III !

Ein schwerer Text,
der Inhalt weder Gauklerspiel noch seicht.
Denn Dein Gedanke wächst
und wurzelt tief, von vielen unerreicht.
Gefühl, das in Dich dringt,
und große Schatten wirft, wenn Nächte lang,
das zum Erstummen zwingt,
Dich frieren läßt, das macht mich bang.

Freundlichen Gruß!
Joame

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#3

Es friert mich so

in Düsteres und Trübsinniges 04.02.2006 14:09
von Motte | 137 Beiträge | 137 Punkte

Hallo Ric,

ja, ein anspruchsvolles Gedicht! Einerseits durch die Langzeile, andererseits durch die Thematik. Es wird die Sicht zweier Menschen auf die gleiche Sache bzw. die Sicht der lyrDu aus der Sicht des lyrIchs beschrieben. Das wird wohl die gemeinsame Beziehung sein. Zum Formalen muss/kann ich nichts sagen außer: ausgereift! Wenn was zu verbessern wäre, würde ich das nicht sehen. Schön fand ich den Wechel im Zeilenanfang, also 1.und 3. ohne, 2. und. 4. mit Auftakt. Es ist nur etwas schwierig zu Lesen, weil man eben immer im rechten Rhythmus bleiben muss und bei solchen Langzeilen ist das halt mühsamer, da Lesetempo und Worte, die man herausheben/ besonders betonen möchte, nicht immer mit der Gleichmäßigkeit der Metrik zusammengehen wollen. Nach mehrmaligem Lesen gelang es mir aber dann und es hat Spaß gemacht, es zu rezitieren.
Allerdings finde ich: Man merkt dem Gedicht an, dass es nicht einfach zu schreiben war. Es ist (soweit ich sehe) metrisch einwandfrei, trotzdem ist es etwas zähflüssig und die Verse gehen inhaltlich nicht ohne weiteres ineinander über, da die Formulierungen eben so lang sind. Gut, dass du keine komplizierten, langen Wörter verwendest.

Zum Inhalt: LyrIch und Du stehen in einer Beziehung zueinander, die aber an einem toten Punkt angelangt ist, was das lyrIch sehr bewusst reflektiert. Es wirkt sehr desillusioniert und glaubt nicht mehr daran, etwas retten zu können. Auch die Versuche des lyrDu - das noch nicht zur gleichen Erkenntnis wie das lyrIch gelangt ist, sich aber auf dem Weg dorthin befindet - bewirkten das Gegenteil.
Das lyrIch ist depressiv und festgefahren, es sieht keine Zukunft und hält deshalb in der 3. Strophe rückwärtsgewandt für eine kurze Betrachtung die Reste eines verlorenen Glücks in den Händen. Das Gitter könnte die Trennung zwischen den Zeiten symbolisieren.. oder halt auch die Trennung der ehemals Liebenden..

Es ist ein schweres und schwerwiegendes Gedicht, musst es mir erarbeiten. Hab´s aber dennoch gerne gelesen..

Liebe Grüße,
Motte


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#4

Es friert mich so

in Düsteres und Trübsinniges 05.03.2006 12:11
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
@Joame

Dir sei gedankt für solche Worte! verneigt sich

@Motte

Vielen Dank für die Kritik. Ja, ich schreibe ganz gerne lange Zeilen und den Vorwurf der Zähflüssigkeit musste ich mir schon öfter anhören! Es freut mich sehr, daß es dir dennoch gefällt und das du dir die Zeit nahmst es zu erarbeiten. Und du hast ebenfalls recht, wenn du schreibst, daß es nicht einfach zu schreiben war. Tatsächlich war es nach längerer Zeit des Nicht-Schreibens fast schon eine Qual...
Und du hast es tatsächlich rezitiert? Der Wahnsinn!

Dank euch!
Liebe Grüße
Richard

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