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#1

dein wunsch

in Liebe und Leidenschaft 02.02.2006 14:28
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
dein wunsch


du sagst
du liebtest mich so sehr
dass du
den letzten augenblick
des lebens
deine hand in meiner wissen wolltest

ich liebe dich so sehr
ich könnte nicht ertragen

dass dieser wunsch
dir nicht erfüllt
durch schicksal
du von mir getrennt
die hand ins leere griffe
darum sei hier versprochen

ich liebe dich so sehr
ich werde ihn erfüllen

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#2

dein wunsch

in Liebe und Leidenschaft 02.02.2006 14:43
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi Mattes

..... das ist wirklich, sehr, sehr traurig und in seiner Einfachheit ergreifend. Spricht mich, als ewig unbelehrbare Romantikerin, natürlich extrem an. Meinen Respekt, dass du es geschafft hast, durchgehend mit 'd' und 'i' zu beginnen, ohne dass es einen Moment langweilig wird. Klasse!

Gruss
Margot

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#3

dein wunsch

in Liebe und Leidenschaft 02.02.2006 16:02
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Mattes,

abgesehen von der einfachen, schörkellosen Form des Textes, die ich hier als völlig angemessen und wohltuend empfinde, so finde ich die hier beschriebene Situation in ihrer Andeutung wirklich anrührend. Die schlichtheit vermeidet weitestgehend den Kitsch.
Situation ist, dass das lyrische Ich und das Du zu wissen scheinen, das das Ich das Du überleben wird. Das Du ist wohl todgeweiht, durch Krankheit etwa. Es könnte allerdings auch sein, dass das Du gerade die Angst spürt, das Ich durch dessen Tod zu verlieren.
Sollte der Tod jedoch nicht vor der Tür stehen, sondern dieser Wunsch einfach aus dem Gefühl der Verbundenheit heraus entstanden sein, so ist ein sehr interessanter Aspekt die ineinander greifenden, zueinander passenden, aber doch so unterschiedlichen Arten von Liebe, die hier aufeinander treffen. Das Du wünscht die Nähe des Ich im Falle seines Todes, das Ich hat umgekehrt diesen Wunsch anscheinend nicht. Es hat hingegen den Wunsch, dem Du seinen Wunsch zu erfüllen. Der Wunsch des Du hat auf der einen Seite etwas forderndes und der des Ich etwas gebendes, dennoch erscheint beides unendlich Liebevoll und umspannt in seiner Einfachheit ein doch weites Bild. Diese Dualität wird auch durch die zwei Anfangsbuchstaben "d" wie du und "i" wie ich unterstrichen. So etwas ist angetan sich angeregt mit dem Wesen der Liebe zu beschäftigen. Auch der Aspekt der Endlichkeit ist hier ein Aspekt, der die Zeichnung dieses harmonischen Bildes erst möglich macht. Auch ein interessanter Punkt, wie ich finde. Kommt hier alles zum Tragen.
Es fehlt jedoch der fruchtbare, schöpferische Aspekt der Liebe völlig. Diese Liebe hier ist in all ihrer Reinheit und Erfüllung doch eine tragische Liebe. *Schnief*

Schön.

Grüße,
GW

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#4

dein wunsch

in Liebe und Leidenschaft 03.02.2006 16:43
von Velazquez | 315 Beiträge | 315 Punkte
Hi Mattes.


Inhaltlich finde ich das ungemein interessant, da es sich auch in der Form widerspiegelt, sprich durch die Kleinschreibung. Das lyrI macht sich quasi klein, indem es den Wunsch des lyrDus zu erfüllen verspricht. Fasziniert mich aufgrund der Sichtweise, wobei dieses Versprechen vorraussetzt in Kauf zu nehmen, selbst alleine zurückzubleiben. Vordergründig doch auch ein egoistischer Beweggrund, da das Bild des verlassenen Partners unerträglich scheint. Tiefer betrachtet aber das Ich viel mehr zur Aufgabe bereit ist und es quasi über den Tod hinaus in der Lage wäre, den Partner zu begleiten und ihm damit den grösstmöglichen Liebesbeweis bezeugt.

Diese Liebe beinhaltet somit gerade ein (Zuende)Denken, den Logos,
der sie grösser werden lässt, als rein emotionale Motive.

Ich weiss nicht ganz genau, ob das vom Autor so gemeint war. Das Gedankenspiel fasziniert mich ungemein jedenfalls.

Sehr gern gelesen,

LG, Vel

P.S.: Ich hätte in dem Fall sogar fast dazu tendiert, die Überschrift gross zu schreiben...ist aber nur so ein Gedanke.

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#5

dein wunsch

in Liebe und Leidenschaft 03.02.2006 16:52
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Es ist traurig, dass ich selbst schon so abgebrüht bin, dass ich bei Gedichten welche von der Liebe handeln gleich misstrauisch werde und Kitsch vermute. Aber wie auch GW zuvor gesagt hat, ist durch die Schlichtheit der Zeilen das Gedicht nicht in den Sumpf gerutscht, sondern stellt eine klare Aussage, ein Versprechen dar.

LG Gem

edit: Hallo Mattes

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#6

dein wunsch

in Liebe und Leidenschaft 03.02.2006 17:46
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Hmm, ja (räusper), jetzt muss ich ja wohl etwas mehr als Hallo Gemini sagen. Ich danke euch für das Feedback und bin doppelt beschämt. Einerseits habe ich tatsächlich ein schön schlichtes Liebesgedicht, andererseits ein eher verzweifeltes schreiben wollen, welches mit der relativen Unmöglichkeit solcher Versprechen arbeitet. Geminis Misstrauen ist so verkehrt nicht, wenn vielleicht auch anders, als er meinen mag. Denn nähme man das lyr. Ich hier beim Wort, dann könnte er dieses Versprechen unter Garantie nur halten, wenn er das lyr. Du voller Liebe umbrächte und so dafür sorgte, dass seine Hand auch ganz sicher im Zeitpunkt des Todes in der des lyr. Du wäre. Na ja, ein wenig lesen wir immer, was wir lesen wollen und beim Schreiben ist es umgekehrt.
Ich bin wahrlich nicht unzufrieden, wenn es als unschuldiges Liebesgedicht funktioniert, nur dass ich es dann hätte anderweitig privat verschenken, als veröffentlichen wollen.

DG
Mattes


P.S.: Die Kleinschreibung hat natürlich viel mit Demut und ganz wenig mit Koketterie zu tun, Vel und in deiner Deutung gefällt sie mir ungemein gut.

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#7

dein wunsch

in Liebe und Leidenschaft 03.02.2006 19:52
von Velazquez | 315 Beiträge | 315 Punkte
Ok, Mattes.

Ich hielt das für ein komplett fiktives Gedankenspiel, das nur die Bereitschaft zur Erfüllung dieses Wunsches erklären solle, alles andere schien mir ganz und gar undenkbar. Denn wann solle denn der Zeitpunkt gekommen sein, dem Partner diesen Wunsch auf diese Weise zu erfüllen, ohne unweigerlich an der Klärung dieser Frage und der Liebe zu scheitern?

Erkäre dich ,

Vel

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#8

dein wunsch

in Liebe und Leidenschaft 03.02.2006 20:05
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte

Zitat:

Velazquez schrieb am 03.02.2006 19:52 Uhr:
Denn wann solle denn der Zeitpunkt gekommen sein, dem Partner diesen Wunsch auf diese Weise zu erfüllen, ohne unweigerlich an der Klärung dieser Frage und der Liebe zu scheitern?



Genau.

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#9

dein wunsch

in Liebe und Leidenschaft 03.02.2006 22:02
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Ach, Papperlapapp. Man muss nicht jedes Mal Zebras vermuten, wenn man Hufgetrampel hört und was die Intention des Autors betrifft: Nichts ist so zweitrangig, wie diese!

Natürlich ist es (praktisch) unmöglich, so ein Versprechen zu halten. Es geht ja auch mehr darum, dass man es verspricht, um dem Du die Angst zu nehmen, verlassen zu werden. Jeder einigermassen klar denkende Mensch weiss, dass 1000 Dinge dazwischen kommen könn(t)en.

"Ich will mit dir alt werden".... ist ein Satz, den viele irgendwann mal sagen und ihn in diesem Moment sicher auch so meinen, ob es dann tatsächlich so sein wird, ist zweitrangig. Für mich sind diese Zeilen genau so gedacht. Deshalb finde ich sie berührend, weil sie doch soooo romantisch sind.

Ich kann nicht verstehen, dass uns jetzt der Autor dieses Empfinden unbedingt ausreden will. Klar, es war von dir wahrscheinlich nicht so gedacht, Mattes. Aber hey, nimm doch bitte Rücksicht auf sensible Dichterseelen!

so long
Margot

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