http://www.E-LIEratum.de
#1

Acker

in Gesellschaft 04.01.2006 10:59
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Acker


Ich
Inbegriff der
Inzufriedenheit
Quadratsatte Antwort
Auf deinen Sozialneid
Specke
Allen Unken zum Trotz
Mitten im Fett
Bekomme mein solches
Im Übermaß
Weg
Bevor es zu spät ist
Fragt sich nur
Wie
Wer?

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#2

Acker

in Gesellschaft 04.01.2006 11:36
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Mensch, Mattes - ich weiß ja, du erklärst nicht gerne deine Werke, aber tu mir doch bitte den Gefallen und werde dir untreu. Bei diesen Zeilen steh ich wie der Ochs vorm Berg und ich les es jetzt schon zum dritten Mal.
Ein winzigkleiner Tip, ob da irgendetwas versteckt ist, außer aneinandergereihter Eigenartigkeiten, wäre wünschenswert.
Ansonsten muß ich wohl auf die Interpretationsgenies warten!

*edit
Ich sehe natürlich einen gewissen Sinn in deinen Zeilen, aber bevor ich mich anschicke es zu verreissen, hätte ich trotzdem gern gewusst, ob da noch ein ungesehener Schatz begraben liegt. Es will mir nicht so Recht gefallen, von dir zu glauben, du würdest soetwas ohne ein etwas schreiben.

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#3

Acker

in Gesellschaft 04.01.2006 11:48
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Nein, musst du nicht. Du müsstest es nur richtig beackern, dann würde es auch Früchte tragen. Leider haben immer nur die dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln aber da bin ich schon wieder mitten im Sozialneid.

Wusstest du übrigens, dass unser Altkanzler früher den Spitznamen "Acker" trug und insofern auch ein rechter Ackermann war? Jetzt aber Schluss, bevor es zu spät ist.

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#4

Acker

in Gesellschaft 04.01.2006 12:27
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Mattes,

ein echter Beuys, dachte ich zuerst.
Bei der "Inzufriedenheit" dachte ich zunächst, das sei etwas überkandidelt hier die lateinische Vorsilbe "In" im Sinne von "Un" zu verwenden, wenn man doch einfach "Unzufriedenheit" schreiben kann. Dann kam ich darauf, dass das wohl den Zustand des "in Zufriedenheit seiens" bedeuten soll. Daher ist die Irreführung hier wohl beabsichtigt.
"Quadratsatt" ist eine sehr gelungene Wortschöpfung, die in Kombination mit dem Titel bei mir ein Bild von Ausgeglichenheit, Gesundheit und Perfektion liefert.
Seltsam erscheint mir der Schwenk von dem Acker, der doch zumeist für die Produktion pflanzlicher Produkte genutzt wird und weniger für Speck und tierische Fette, zu eben solchen.
Das Ich lebt im Gegensatz zum Du wie eine Made im Speck und läßt sich von der Armut des Du nicht beeindrucken, macht sich aber dennoch Gedanken, ob sein fetter Lebensstil nicht einst von der Zeit geahndet wird. Das kann algemein heißen, irgendwann kriegen wir alle vom Leben die Rechnung präsentiert, über "alles gleicht sich mit der Zeit aus" zu einfach Gedanken über gesunde bzw. ungesunde Ernährung.
Der etwas ratlose Schluss des lyrischen Ichs, läßt vermuten, dass es viele Fragen gibt, auch verursacht durch die Unkenrufe, die das Ich quälen bzgl. seines Lebenswandels, dass es gar gerettet werden will?
Was es aber nicht zu kratzen scheint, scheint der Sozialneid und die Armut des Du zu sein. Soweit mein Interpretationsbrei.
Die Kombination aus Acker (Pflanzen), Speck (Tier) und Unken (Teich) finde ich nicht ganz stimmig. Da fehlt mir zumindest vom Acker zum Fett eine Brücke.
Es sei denn "Acker" bedeutet nicht "Feld", sondern soviel wie "geh arbeiten!" als Aufforderung an das lyr. Du. Dann wäre es stimmiger für mich.
Du spielst hier auf sehr komprimierte Art und Weise mit vielen Doppeldeutigkeiten, über die letztlich doch alles ganz gut ineinander greift. Aber, dass ich es schlussendlich verstanden hätte, würde ich nicht sagen. Hat aber sehr Spaß gemacht sich damit zu beschäftigen.
Danke dafür.

Schöne Grüße,
GW

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#5

Acker

in Gesellschaft 06.01.2006 22:35
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Hallo Mattes

Also "Inzufriedenheit" ist hier, denke ich, eine Wortschöpfung.
Bei der Passage mit dem Fett, bezieht sich das/der "Weg" auf das Fett, und dann auf den nächsten Absatz. Also: Das Fett weg bekommen und weg von hier. Die "quadratsatte Antwort" vermag ich nicht zu deuten.
Im Grossen und ganzen, lebt das Lyri wie die Made im Speck trotz der Unkenrufe. Und befürchtet davongejagd zu werden. Von den Unken.
Da du schon entschlüsselt hast, dass es sich um Politik handelt, finde ich meine Interpretation passend, wenn mir auch nicht alles zusammenpasen mag.

LG Gem

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#6

Acker

in Gesellschaft 10.01.2006 13:15
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Hi Mattes,

das ist interessant, inhaltlich wie sprachlich, aber auch schwer zu begreifen - zumindest wenn man den Titel mit ins Boot nehmen will. Mit dem Hintergrund, dass Schröder "Acker" genannt wurde (woher weißt Du sowas?), lässt sich natürlich was anfangen, an Ackermann hatte ich gar nicht gedacht. Der passt aber ja nun auch sehr gut...

Mir ist aufgefallen, dass der Autor nur scheinbar die Stelle des lyrIch einnimmt, denn das wahre lyrIch würde sich wohl selbst kaum als quadratsatte Antwort auf irgendjemandes Sozialneid bezeichnen. Zu Beginn stellt das lyrIch daher etwas polemisch die andere Seite dar und nimmt dessen Position ein, am Ende fragt es m.E. jedoch selber.

Der Beginn
"Ich,
Inbegriff der
Inzufriedenheit
Quadratsatte Antwort
Auf deinen Sozialneid
"
stellt die Hauptperson schön vor, die wirklich nicht gut wegkommt. Denn obwohl ja Sozialneid nun wahrlich auch keine lobenswerte Eigenschaft ist, kommt diese quadratsatte Antwort doch sehr überheblich daher. "Inzufriedenheit" gefällt mir. Die lat. Vorsilbe "in" ist sowohl Verneinungsvorsilbe wie auch wegweisend im Sinne von "hinein". Somit könnte man diesen Teil entweder als Verneinung der Zufriedenheit (also schlicht der Unzufriedenheit), was aber angesichts der folgenden Zeilen allenfalls aus Sicht der Sozialneider sein könnte, die ihre eigene Unzufriedenheit auf den Protagonisten projezieren, oder es beschreibt einen Prozess: das lyrIch wäre dann der Inbegriff dessen, der im Laufe der Zeit immer mehr zufrieden wird, in die Zufriedenheit übergeht. Oder es beschreibt schlicht den Zustand (wie es GW sieht) des "In zufriedenheit seiens". Alles würde passen, womöglich ist auch alles angedacht. Auch "quadratsatt gefällt mir immer besser, denn "im Quadrat" ist sprachgebräuchlich immer das, was mehr ist als das normale: die Quadratwurzel, die Quadratlatschen, der Quadratesel oder der Quadratschädel - auch an Ritter Sport musste ich unwillkürlich denken.

"Specke
Allen Unken zum Trotz
Mitten im Fett
"
Das Sprichwort heißt ja eigentlich "allen Unkenrufen zum Trotz", alternativ ginge noch "allem Unken zum Trotz", daher sind hier offenbar die Unkenden selbst gemeint. Da ich nicht davon ausgehe, dass wirklich Lurche gemeint sind, wird wohl auf die Gruppe derer, die diese pessimistische Prognosen (Unkenrufe) von sich geben, angespielt. Dem lyrIch geht es dennoch bestens. Bis hierher habe ich eigentlich nur Schröder im Blick gehabt, denke aber langsam, dass man Deine Zeilen auch in andere Richtung verstehen kann (und sollte). Die großen Unternehmen bspw., die klagen und die trotz aller miesen Wirtschaftsprognosen Rekordgewinne einfahren, aber auch die Politik, die sich ins eigene Säckerl wirtschaftet. Dem Gejammere über allzuböse Politiker kann ich zwar nichts abgewinnen (wobei ich Dir das jetzt nicht unterstellen wollte), Skandale in diese Richtung gab es ja aber dennoch mehr als genug...

"Bekomme mein solches
Im Übermaß
Weg
Bevor es zu spät ist
"
Bei meinem ersten Lesen mit Schröder vor Augen habe ich diese Zeilen noch im gewissen Sinne positiv verstanden: er, in seiner Selbstzufriedenheit, wurde ja auch kräftig geprügelt und zwar bevor es zu spät ist. Womöglich hat er (für sich - durchaus auch moralisch gedacht) noch die Kurve bekommen, vielleicht haben aber auch wir alle dadurch nochmal die Kurve gekriegt (angesichts der aktuellen politischen Lage vll. doch keine positive Sicht ).

Gerade mit Hinblick auf die letzten Zeilen, die mir gehörig Schwierigkeiten bereiten, sehe ich hier nun aber auch andere Lesarten. Vielleicht will das lyrIch noch so viel wie möglich vom Fett erwirtschaften, bevor es zu spät ist und es nichts mehr bekommen kann. Es will sich quasi die Taschen nochmals so richtig füllen und den Hals vollkriegen soweit es geht, bevor der Hahn zugedreht wird.

"Fragt sich nur
Wie
Wer?
"
Und mit dem letzten Textverständnis kann ich hier auch was hineinlesen. Denn das dieses Taschenfüllen und diese Selbszufriedenheit auf Kosten anderer beendet werden muss, wird deutlich. Doch hinsichtlich des Weges, der einzuschlagen ist, bleibt Ratlosigkeit und nur die hilflose Frage, wie man oder wer dies alles ändern könnte.

Nochmal zusammengefasst denke ich, dass dieses Gedicht einen kleinen, bitteren Rückblick auf die Ära Schröder bietet, in dem die oben beschriebene Mentalität der Ackermänner mit den dazugehörenden Massenentlassungen, Lohnverzichten aber auch Rekordgewinnen und Skandalen einem politikverdrossenen, aber auch mit sozialneid garnierten Pessimismus gegenübersteht. Doch statt einem dieser Erkenntnis folgenden "es gibt viel zu tun, packen wirs an" bietet auch das (richtige) lyrIch allein Hilflosigkeit und kann nur ratlos fragen stellen.

Schwere Kost, keine Frage, in die man vermutlich auch eine Menge anderer Dinge hineinlesen kann. Auf jeden Fall habe ich nach meinem Interpretationswust ein Bild von Deinem Gedicht in meinem Kopf, das rund ist. Und je mehr das Gestalt angenommen hat und ich für mich Schlüssiges in Deine Zeilen lesen konnte, desto mehr haben mir diese zugesagt. Auch ungereimt Dank der Dichte Deiner Worte und der doppeldeutigen Wortbeziehungen.

Habe ich mich gern mit beschäftigt (eigentlich wollte ich ja nur ein kurzes "seltsamer Text, den ich nicht verstehe" posten ) und dabei auch Gefallen daran gefunden.

Don

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#7

Acker

in Gesellschaft 10.01.2006 15:05
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Ich danke allen Entschlüsselern und bin quadratzufrieden. Jeder hat ein wenig Recht und Don ganz besonders. Der Text ist weitestgehend ausgeleuchtet und -gedeutet, wie schön.

@GW: Wenn "Un-" die Zufriedenheit negiert, sollte das "In-" sie den Unzufriedenen Hohn lachend verstärken, korrekt. Das Quadratsatte siehst du für meine Begriffe zu freundlich, hier sollte es eher in die Richtung einer Mast deuten und unterstreichen, dass das lyrI tatsächlich weder Skrupel, noch Zweifel kennt. Wenn der Text diese Sorge ausdrückte, hätte ich die Sache verfehlt. Das mehrdeutige "Acker" habe ich tatsächlich auch als Aufforderung des lyrI an das lyrDu gesehen, erst wollte ich das Gedicht sogar "Acker, Mann!" nennen aber das war mir dann zu platt und auch mistverständlich, denn die Ackermänner dieser Welt lassen arbeiten, die arbeiten nicht selbst. Sozialneid, klar.

@Gemini: Fett und dann selber weg, korrekt.

@Don: Spezieller Dank geht an dich, weil du dich dermaßen in das Werk geackert und dabei tatsächlich alles aufgedeckt hast. Das ist ein schönes Gefühl, wenn alle Botschaften auch ankommen. Übrigens jammere ich nicht über böse Politiker, jedem steht der Weg frei. Nur darf man sich nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Marionetten sind und wenn Ackermann jetzt nicht schon wieder unter Beschuss und dem Wiederaufnahmeverfahren ausgesetzt wäre, würde keine/r von denen wagen, ihr Mäulchen aufzureißen. Und das Ende ist aus Sicht des Ackermannes auch kein hilfloses: Zwar gesteht das lyrI ein, dass zumindest theoretisch die Gefahr besteht, sein Fett im übertragenen Sinne wegzubekommen (vulgo: die gerechte Strafe kassieren), dieses aber in seinem speziellen Fall schon nicht passieren wird, daher am Ende dieses überhebliche: WER (fragt sich das wirklich)?

Vielen Dank!

DG
Mattes

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