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#1

Wegzehrung

in Philosophisches und Grübeleien 28.12.2005 19:57
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Wegzehrung

Ganz oft verläuft im tiefen Sand
so manches Lebensziel, gesteckt,
gezielt verfolgt und bald verbannt,
hast schon ein neues Ziel erkannt
und dich von Kopf bis Fuß verrannt
in das, was dir danach einfällt,
ein Wort, das gilt, solang es hält.

Was mir am Leben so gefällt
sind die Gefallen, die uns allen
widerfahren. Nichts ist vorbestellt,
und doch erhält man allerhand,
auch wenn gelegentlich ein Held
sich mal den Ellenbogen prellt
und dann aus allen Wolken fällt.

Scheint dir das Leben unperfekt
als eine Sammlung harter Zeiten,
die du verdammt bist abzuschreiten,
gestört von 1000 Kleinigkeiten,
so sag ich dir, in all dem steckt
dein ganzes Glück für diese Welt.
Genieß es, sonst hat's keinen Zweck.


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#2

Wegzehrung

in Philosophisches und Grübeleien 28.12.2005 20:02
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
So, jetzt wird GW erst einmal gekreuzigt (geile Phrase, Marge, die musste ich klauen! ) :

xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxX

xXxXxXxX
xXxXxXxXx
XxXxXxXxX
XXxXxXxX
XXxXxXxX
XXxXxXxX
XXxXxXxX

xXxXxXxX
xXxXxXxXx
xXxXxXxXx
xXxXxXxXx
xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxX

Wie man sieht, gibt es da nur ein paar Unebenheiten, wenn man die überhaupt als solche bezeichnen will. Ich will es nicht, weil das Gedicht einfach flutscht und das macht Spaß. Ich will vornan stellen, was mir nicht behagt, das geht ganz schnell: „unperfekt“ empfinde ich als Unwort, vor allem, weil „nicht perfekt“ dir den gleichen metrischen Dienst erwiese. Das fehlende Subjekt in S1Z4 fällt (leider) auf und ich habe im Moment keine Idee, wie man das heilen könnte. Es schiene mir wert, das zu versuchen.

Schau, das war es schon! Ansonsten ist alles in perfekter Syntax und einfacher, aber nicht banaler Sprache, reimt sich wunderbar (großartiges Schema, welches unorthodox und unstarr mit wenigen reimen auskommt und sich so quaisi einen eigenen Reim auf das Leben macht!) und fließt nur so dahin und hat eine ebenso einfache, wie doppeldeutige Botschaft, die alle Tiefe oder auch Untiefe oder meinetwegen auch Plattheit des Lebens beinhaltet, das hängt vom Betrachter ab. Jedenfalls ist das so leichtfüßig geschrieben, wie ein Gedicht über den Sinn des Lebens auch daherkommen soll. Das imponiert mir, mein Alter, nicht zuletzt deswegen, weil ich heute morgen über wuchtigen Sentenzen brütete, die ungeschlacht ebensolches (in der Art) transportieren sollten, was du hier federleicht verkündest.

Ganz groß. Besonderes Gefallen fand ich an den jeweiligen Strophenenden, die nun wirklich wunderbar mehrdeutig les- und verstehbar sind (insbesondere natürlich der Gedichtabschluss!) und an dem genialen Enjambement in S2Z2+3.

Ich bin echt begeistert. Ich liebe Gedichte mit vermeintlich einfacher Botschaft. So einfach muss man das erst einmal hinbekommen. Ein echter Beatles-Song unter den Gedichten der Foren und selbstverständlich Gedicht des Monats Dezember.

DG
Mattes


P.S.: Bevor du jetzt abhebst: Der Titel ist ein bißchen zu einfach, gelle!?

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#3

Wegzehrung

in Philosophisches und Grübeleien 31.12.2005 17:13
von Joame Plebis | 3.479 Beiträge | 3363 Punkte
Lieber GeradeWohl!

Zu allerster fiel mir in Zeile 6 auf,
daß ich mit der Betonung nicht zurechtkomme
- bei >einfällt< (Xx)
kann sein, daß ich die Hebung und Senkung etwas anders als mein Vorschreiber sehe.

Freundlichen Gruß!
Joame


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#4

Wegzehrung

in Philosophisches und Grübeleien 01.01.2006 14:27
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Mattes, Joame,

danke für die Kommentare.

@Joame: Also ich lese "einfällt" in dem Zusammenhang wirklich (xX), wobei ich Dir auch recht geben muss, dass man "einfällt" an sich Xx betont. Hm. Ich bin verwirrt.

@Mattes: Vielen, vielen Dank für das Lob! Ich habe es schändlicherweise jetzt erst gelesen und komme quasi erst ein Jahr später dazu mich zu bedanken. Ja, die Titel meiner Gedichte. Ich erinnere mich, wie begeistert ich von Deinem "Kuckuck"-Titel war und mir da dachte, einen guten Titel für ein Gedicht zu finden, ist mindestens nochmal ein ebenso kreativer Aufwand, wie das ganze Ding zu schreiben. Aber man lernt ja nie aus.

Schöne Neujahrsgrüße,
GerateWohl

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