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#1

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 03.12.2005 11:49
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte

    Uferweg


    Im Eis verharrt die letzte Welle,
    leckt sich am Glas die Lippen wund
    und an der schwächsten Spiegelstelle
    lockt tiefer, dunkler Meeresgrund.

    So schwarz und kalt ist das Vergessen,
    so hell und licht der letzte Schritt,
    und was noch nicht vom Leid zerfressen,
    drängt zu dem feinen Scherenschnitt.

    Zum Ufer schwebt ein feines Klagen,
    hängt kurz im Schilf und löst sich auf,
    und wo vordem noch Nebel lagen
    erhellt ein Schein den Wasserlauf.


    Audioversion



    (c) Margot S. Baumann

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#2

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 04.12.2005 16:15
von Ulli Nois | 554 Beiträge | 554 Punkte
Hallo Margot,

die Schweiz ist uns wirklich voraus, und du auch. Mit Freude lese ich deine poetischen Wetterberichte (besonders toll: die sich am Glas wund leckende Welle), nur das Bild des Scherensschnittes konnte ich nicht lösen. Vielleicht kannst du mir helfen?

Gruß vom Nochgrau ins Schonlichte

Ulli

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#3

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 04.12.2005 23:07
von Nonverbal • Mitglied | 407 Beiträge | 407 Punkte
hallo Margot,

auch ich habe deine zeilen genossen
der scherenschnitt möchte sich allerdings bei mir auch nicht eingliedern....

liebe grüße Franziska

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#4

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 05.12.2005 09:02
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi Ulli, hi Franziska

Freut mich, wenn man den traurigen Zeilen etwas abgewinnen kann. Der Scherenschnitt soll das feine Netz der Bruchstellen im Eis verdeutlichen.

Beste Grüsse
Margot

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#5

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 05.12.2005 16:11
von Knud_Knudsen • Mitglied | 994 Beiträge | 994 Punkte
Oh Marg, da ist Dir wieder etwas wundervolles, wenn auch mit traurigem Hintergrund, gelungen
Diese Formulierungen, diese lyrische Tiefe, diese Verbindung aus naturalistischer Betrachtung und Selbstmord Hat mir wie immer sehr gut gefallen. (da kann man richtig neidisch werden )
Gruss
Knud

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#6

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 05.12.2005 17:58
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.989 Beiträge | 2007 Punkte
Das erinnert mich wegen dem gefrorenen Meerwasser an einen Bericht aus dem Fernsehen, nach dem Grönland die höchste Sebstmordrate der Welt unter Jugendlichen hat.
Trotzdem komme ich mit dem Bild nicht ganz klar, ich habe das Gefühl ein entscheidendes Detail verpasst zu haben. Muss man das wörtlich nehmen und da stürzt sich einer ins Eis?
Weil dort wo es im Meer Eis gibt ist weit und breit kein chilf in der Nähe... ausser natürlich es ist das Heimatufer des armen Seemanns gemeint. So richtig Klick macht es bei mir nicht, aber die Stimmung, die vermittelt wird und in einen leisen Hoffnungsschimmer ufert, versöhnt mich wieder.

Gegen solche Stimmungen hilft mir neuerdings ein einfaches Mittel: sich die Seele aus dem Leib laufen, da bleiben alle depressiven Anwandlungen auf der Strecke...

antidepressive Grüße,

Willi

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#7

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 05.12.2005 21:42
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi Knud

Danke schön. Freut mich, wenns dir gefällt, aber neidisch muss man ganz sicher nicht werden. Es gibt noch so viel, das ich nicht so zu Papier bringen kann, wie ich möchte.

Hi Willi

Dir auch ein Danke fürs feedback. Tja, das habe ich nun davon, wenn ich Binnenländerin übers Meer schreibe. Ich war wirklich der felsenfesten Überzeugung, dass es auch am Meeresufer Schilf gibt. Wie heisst denn das struppige Gras, das da zuweilen wächst? Ist das Ried? .... das ginge ja dann auch.... hm.... na ja. Danke für den Hinweis. Und mach dir mal keine Sorgen, ich bin nicht depressiv, war ich noch nie, deswegen muss ich auch nicht laufen.

Grüsse an euch
Margot

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#8

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 06.12.2005 00:21
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.989 Beiträge | 2007 Punkte
Ich bin depressiv, oder bilde es mir zumindest manchmal ein DU musst doch wissen dass Männer in alles was sie sagen und schreiben immer ihr Ego projezieren müssen deshalb habe ich das angesprochen

Es ging mir in Sachen Schilf um den Fakt dass ich in Dokumentationen über das Nordmeer oder das südpolare Meer noch kein Schilf gesehen habe, Wobei ja wiederum das Argument mit dem Heimatufer des Seemanns zieht, meine Großmeisterin der Tümpelpforte

Grüße,

Willi

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#9

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 06.12.2005 13:33
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Hi Marge!

Tja, tut mir leid, ich kann mich dem Lob nicht anschließen. Ich finde dein Gedicht reichlich misslungen.

Natürlich hast du das Dichten nicht verlernt und metrisch, sprachlich, metaphorisch ist hier alles sicher und versiert. Jedoch muss auch der beste Schuster (sprich:Handwerker) bei seinen Leisten bleiben, denn sein beispielhafter Stuhl mag gut gearbeitet sein und zum Sitzen doch nicht taugen.

Wellen verharren nicht im Eis, so schön sich das Bild auch anhört. In Flüssen verharren sogar Wasserfälle, ja, ja, aber in See und/oder Meer verharrte Wellen hat niemals jemals gesehen, denn das sie deckende Eis spiegelt weder, noch ist es durchsichtig. Denn dort, wo es so dünn wäre, dass man darunter das Wasser sehen könnte, dort ist es längst gebrochen und treibt irgendwo abseits herum und ist dem Spiel der Wellen ausgeliefert, was eben auch bedeutet, dass keine Welle sich die Lippe wund leckte. Überhaupt leckt man sich die Lippen nur wund, wenn man beständig an denen leckt. Leckt man hingegen an Eis, leckt man sich die Zunge wund. Wie gesagt: Das klingt stark aber es klingt auch nur.

Selbst wenn ich mich daran gewöhne, dass ich auf meinem Uferweg unter spiegelklarem Eis dunklen und auch noch tiefen Grund erkennel, so frage ich mich, warum ein solch verzweifelter Schritt hell und licht sein soll? Wie sacknachtschwarz muss einem das Leben sein, wenn man sich im eiskalten Wasser ertränkt? Davon abgesehen, drängt bei dir zum nassen Tod, was noch nicht vom Leid zerfressen ist!? Ich glaube zu wissen, was du meinst, aber das hört sich erstens schwülstig und zweitens seltsam an.

Das Ufer und das Schilf wurden schon bemängelt, den Schein kann ich auch nicht verstehen und den Wasserlauf schon gar nicht. Was die Naturbeschreibung angeht, vermischt du hier für meine Begriffe Fluss, See und Meer. Die Suizidalkomponente wird nur kurz beleuchtet (im wahrsten Sinne! ) und bleibt, obwohl vom Leid zerfressen, seltsam kühle Episode.

Nein, mich macht das nicht an, das lässt mich genau so zugefroren, wie ich bin.

Liebe Grüße ans Bergvolk!
Mattes

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#10

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 06.12.2005 13:51
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi Mattes

Du kannst die Kratzbürste wieder einpacken, ich bin schon gekämmt.

Nun, ich will mich für meine Assoziationen und wie ich die Welt sehe und erlebe nicht rechtfertigen. Für mich können Wellen noch ganz viel mehr tun, als im Eis verharren oder sich die Lippen wund lecken oder sonstige Nettigkeiten.

Ich danke dir für deine objektive Sichtweise der Natur und der Gegebenheiten zu Meer und zu Wasser und werde dann wohl wieder zu meinen Bergen bzw. Leisten zurückkehren.

Gruss
Margot

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#11

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 06.12.2005 14:28
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Kratzbürste?

Na, das hast du jedenfalls ganz geschickt verklausuliert, was ich für ein unpoetischer Klotz bin.

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#12

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 06.12.2005 14:41
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Lach, nein, das will ich dir damit nicht sagen. Aber ich kann dir doch unmöglich vermitteln, dass eine Welle im Eis verharren kann, wenn du mit diesem Bild nichts anfangen kannst, oder? Dann würdest du nämlich sagen: „Das kann sie nicht“, und ich: „Doch!“ Und du wieder: „Nein!“ Und ich: „Kann sie sehr wohl!“ Und du: „Nein, Scheisse, kann sie nicht!¨“ ...... etc. etc.

Ich verstehe deinen Standpunkt durchaus und nehme mir die Kritik auch zu Herzen, aber ich sehe es als müssig an, dir jeden Gedanken, den ich beim Schreiben hatte, hinzubröseln. Das wirkt zumeist etwas hilflos und dämlich, wenn der Autor versucht, jemandem sein inneres Auge zu erklären. Du kannst mit den Zeilen nix anfangen, das respektiere ich. Ich muss dich ja nicht vom Gegenteil überzeugen, oder?


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#13

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 06.12.2005 15:08
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Du traust uns ja einen interessanten und lehrreichen Disput zu.

Du findest, ich war kratzbürstig. Du sagst, du siehst etwas, was ich nicht sehe und du kehrst zu deinen Leisten zurück. Ich weiß ja, dass du deine Gedichte nicht gerne aufdröselst aber ich sagte ja nun wirklich mehr, als dass Wellen nicht im Eis verharren. Hättest du ein reines Naturgedicht geschrieben, wäre meine Kritik anders ausgefallen, denn das Wellen bei jedem anders brechen, das ist mir schmerzhaft bewusst. Hier aber kumuliert die Naturbeschreibung im Selbstmord und auf diesen Punkt bzw. mein Problemchen damit gehst du leider nicht ein. So verharrt deine Behauptung im Froste deiner Replik, dass wer Wellen nicht im Eis verharren sehen kann, nicht solche machen soll?

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#14

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 06.12.2005 15:25
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Ich traue uns schon einen Disput zu, keine Bange. Aber, und jetzt beisst sich die (tote *g) Katze in den Schwanz, wirfst du mir vor, dass eine Welle naturgemäss nicht im Eis verharren kann, aber in diesem Kommentar „unterstellst“ du mir bzw. den Zeilen eine zweite Sinnebene. Ja was denn nu? Bist du so rubrikgelähmt, dass du ein Naturgedicht explizit nur einer Beschreibung eines natürlichen Zustandes zuordnen willst und kannst? Darf Naturdichtung lediglich beschreiben? Oder anders gefragt, darf ich hier im Traurigen keine natürlichen Bilder verwenden, um eine gefühlsmässige Situation zu beschreiben? Da frage ich mich doch, wer denn hier so einen Wellengang produziert?

Ok, du kannst den Selbstmord bzw. dem letzten Schritt nichts Helles abgewinnen. Ich sage aber, wer denn schon so weit ist, dem erscheint er meist als Erlösung, also ein Übergang zu einem Zustand, der immer besser ist, als die Dunkelheit im Jetzt.

à toi
*g

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#15

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 06.12.2005 16:06
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Aha, aha, die Katze mag gestorben sein, reizbar ist sie immer noch. Na klar unterstelle ich dir eine zweite Sinnebene und wenn du das unterbewusst machst. Ich war und bin gerade nicht der Meinung, dass ein Naturgedicht nur ein plattes Naturgedicht sein darf und kann. Du warst es doch, die sich auf diese Schilf-Debatte eingelassen hat. Da musste ich einfach ein wenig nachpieksen!

Dabei ist es doch offensichtlich, dass die Natur und deren Beschreibung hier lediglich metaphorisch benutzt wird. Das lyrische Ich wird hier gespiegelt, es steht ja expressis verbis da. Zwei Seelen, ach, in ihrer Brust, einerseits die dunkle, abgründige, unergründliche See (Leidenschaft? Sehnsucht?), andererseits die am Uferweg spazierende Naturalistin, die bedauerlicherweise vom Schmerz zerfressen ist. Beide Seelen streben nun nach Vereinigung, wobei eben bedauerlicherweise die Flucht gewählt und das Eis nach unten durchbrochen wird.

Mit diesem einen Bild kann man eine ganze Weile spielen und es ergeben sich immer neue Assoziationen und ich gestehe, dass das Bild der letzten Welle, die im Eis verharrt, sowie die gesamte erste Strophe in Verbindung mit dem Schritt zum Scherenschnitt und fast der gesamten dritten Strophe als Bild erstklassig und darauf geschissen ist, wie sich eisige Meere tatsächlich verhalten mögen.

Das vom Leid zerfressene lyrI ist leider nicht annähernd so inspiriert, die Helligkeit des letzten Schrittes trotz deiner Erläuterung für mich ebensowenig nachvollziehbar, wie der helle Schein am Schluss. Aber egal: Ich weiß jetzt wenigstens ganz genau, was mir an deinem Gedciht gefällt und was nicht.

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#16

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 06.12.2005 22:53
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte

Zitat:

Mattes schrieb am 06.12.2005 16:06 Uhr:
Ich weiß jetzt wenigstens ganz genau, was mir an deinem Gedciht gefällt und was nicht.



Stets zu Diensten, monsieur!

Gruss
das Kätzchen

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#17

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 07.12.2005 12:45
von Knud_Knudsen • Mitglied | 994 Beiträge | 994 Punkte
hier vielleicht einmal eine kleine Hilfe. Ein Meer ist nicht zwangsläufig ein Salzwasserozean, im Gegenteil die Küstenbewohnen nennen ihre salzwasserhaltigen Grossgewässer in der Regel See! Z.B. NORDSEE,OSTSEE usw. Süsswasserseen werden oft auch als Meer bezeichnet. Z.B Steinhuder Meer, Zwischenahner Meer usw. Ich gehe davon aus, dass Marg, als BERGZIEGE , einen solchen Binnentümpel meinte und an dem gibt es auch Schilf und kleine plätschernde Wellen, die unter Eis verharren können :DAuch Flüsse und Bäche kommen hier vor in Salzwasserozeane fliessen nur Ströme

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#18

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 07.12.2005 13:17
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Bergziege? .......

Zum Glück haben wir den Fachmann Knud! Danke schön, damit wäre ja dann alles klar.

mähäää, mecker, mecker
Margot

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#19

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 07.12.2005 13:42
von Knud_Knudsen • Mitglied | 994 Beiträge | 994 Punkte
Noch ein kleiner Nachtrag. Du kannst nur Binnenseen gemeint haben denn an Salzwassergewässern heissen die Ufer Strand und Küste und nicht Ufer. Also Küstenweg, oder Strandspaziergang

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#20

Uferweg

in Düsteres und Trübsinniges 07.12.2005 18:32
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Ja, genau, davon sprach ich doch! *hüstel*

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