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#1

Der Bogen

in Liebe und Leidenschaft 11.11.2005 19:49
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Der Bogen

Ich erahne dich vor mir in der Ferne,
ab von Erinnerung und ohne Zeit.
Ich neige mich den Winden
und spann eine Sehne
von Kopf bis Fuß,
setze als Pfeile
eine kleine Weile
und dazu einen Gruß.
Als ich mich dann dehne,
bete ich, dass sie dich finden
und schon fliegen sie hin zu zweit.
Ich folgte den beiden nach so gerne.


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#2

Der Bogen

in Liebe und Leidenschaft 12.11.2005 19:33
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.955 Beiträge | 1940 Punkte
Hallöchen Geratewohl,

dieses Gedicht sagt mir zu, wenn auch nur teilweise. Zu erst einmal fällt natürlich die Form auf, dem Winkel nach zu urteilen ist der Bogen extrem gespannt. Auch gefallen mir die ungewöhnlichen, kurz getrimmten Formulierungen die den Sprachschatz des Lesers befruchten können (z.B. "ab von Erinnerung", "neige mich den Winden") wobei der eine oder andere deshalb stutzen könnte.
Sehr schön finde ich das Bild das deine Zeilen schaffen. Ich sehe jemanden alleine stehen, der still steht und sich vom Wind umspielen lässt. Er biegt seinen Körper einem Bogen gleich nach hinten, schaut in den Himmel, und denkt an eine verblichene Person die ihm nahestand. Dieser Person sendet er eine Weile, indem er da steht und an sie denkt, und einen Gruß, der aber auch ein wilder Schmerzensschrei sein könnte, denn er stellt sich ja auf und dehnt sich wie man das für einen gewaltigen Schrei tut. Diese Pfeile fliegen unwiderbringlich fort und ob sie ankommen wird ungewiss bleiben, ein sehr schönes Element.
Allerdings bleibt fraglich warum es zwei Pfeile sein müssen, die Bedeutung dessen ergibt sich mir nicht.
Auch ist fraglich warum er sich erst spannt und dann dehnt, denn "Spannen" ist doch stärker als "Dehnen" und für den Moment des Abschusses ist Dehnen viel zu schwach.
Die Inversion im letzten Vers sagt mir nicht zu gleichwohl der Abschluss sinnmäßig gelungen ist.

Grüßle
(So und wir Deutschen sollten uns jetzt wappnen, denn die Franzosen brennen auf das Spiel )

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#3

Der Bogen

in Liebe und Leidenschaft 13.11.2005 12:05
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Willi,

ja die Inversion am Schluss ist meinem etwas seltsamen Reimschema geschuldet.
Zu dem Spannen und Dehnen hast Du natürlich nicht unrecht. Ich hab aber beim Bogen die zwei Vorgänge, überhaupt erst einmal die Sehne draufziehen und dann nochmal, die zusätzliche Spannung, wenn ich einen Pfeil abschießen will. Aber "dehnen", auch wieder dem Reim geschuldet, ist möglicherweise wirklich etwas schwach.
Ja, die zwei Pfeile, und zwar die Weile und der Gruß, ist vielleicht nicht ganz sauber. Das mag sein. Grübel, grübel. Aber das Gedicht ist formal so durchkonstruiertunde gebunden, dass ich da kaum was Ändern kann, ohne, dass es mir zerfällt. Also sag ich mal, das gehört alles so. Basta.

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Lieben Gruß
GerateWohl

P.S.: Ach ja, deine Deutung der Verse gefällt mir gut. Geht teilweise sogar noch über meine Intention hinaus, aber der Text gibt das her, daher fühle ich mich geschmeichelt.

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#4

Der Bogen

in Liebe und Leidenschaft 13.11.2005 12:40
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.955 Beiträge | 1940 Punkte
Vielen Dank für das Gedicht

Gut ich sehe ein es kann nicht verändert werden. Schade denn so wird es keine Runde Sache, sondern eben nur gebogen Trotzdem ist die Idee gut und beim nächsten strikt eingefassten Gedicht kann man diese Erfahrungen einbringen.

Grüßle,
Willi

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#5

Der Bogen

in Liebe und Leidenschaft 14.11.2005 09:30
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Willi,

genau so sehe ich das auch.

Gruß
GW

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