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#1

Euthanasie

in Natur 10.11.2005 20:46
von Velazquez | 315 Beiträge | 315 Punkte
Euthanasie

Sie ist des Winters kühle Braut,
die durch Geäst im Nebel geht,
und jene, die ihr anvertraut,
im Sterben sanft mit Schlaf umweht.

Sie legt des Frostes letzte Frist
in dichten Schleiern über’s Land,
und allem, was vergänglich ist,
hält sie noch ein Mal ihre Hand

zum Abschied hin; und es ist Zeit.
In jedem Hauch, an jedem Ort.
Denn jener, der sie einst gefreit,

er wartet schon; sie hält ihm Wort
und flüstert leise: ’Seid bereit.’
Dann zieht sie mit den Nebeln fort.

(Unter freundlicher Mitwirkung geändert. Danke, Mattes.)

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#2

Euthanasie

in Natur 10.11.2005 22:47
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Wow, ich schweige ja schon still.

Sehr gelungenes Werk, welches bei jedem neuerlichen Lesen einen weiteren Gedanken kreiert. Ich bin zunächst einmal sprachlos und wollte dir das aber mitteilen.

Bitte fasse das jetzt nicht als Kritik auf: Ich halte dein Gedicht für ein nahezu perfektes Werk. Nur nahezu, weil Winzigkeiten mich noch stören:

Z2: Auf die Elision kannst du m.E. verichten: durch Geäst...?
Z3: Komma nach anvertraut, dafür in Z4 kein Komma? Don fragen!
Z7: allem statt all dem?
Z9: denn statt und?
Z11: und statt denn?

Ja, halte das für Albernheiten, ich würde das verstehen. Ich betone aber, dass ich das Sonett danach tatsächlich für perfekt hielte. Insofern erbitte ich Nachsicht.

Sehr gern gelesen. Jetzt ziehe ich mit den Nebeln fort.
Mattes


P.S.: Hatte ich gesagt, dass ich das Gedicht für wunderbar gelungen erachte?

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#3

Euthanasie

in Natur 10.11.2005 23:02
von Roderich (gelöscht)
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Hallo Vel,

ich kann mich den Begeisterungsstürmen von Mattes nur anschließen. Ich halte das für ein Meisterwerk. Du scheinst hier die ursprüngliche Bedeutung von Euthanasie aufgegriffen zu haben, was soviel bedeutet wie "sanfter Tod".

Ganz erschließt sich das Gedicht aber noch nicht, da ist noch ein bisschen Gedankenarbeit zu tun. Fürs Erste verbinde ich mit deinem Gedicht den Herbst, des "Winters kühle Braut", die "durch Nebel geht" - sie wartet auf ihn. Oder liege ich hier völlig falsch? Wäre auch möglich angesichts der Tatsache, dass mein Gehirn schon im energiesparenden Modus läuft.

Jedenfalls ein außergewöhnlich schönes Gedicht, allein wegen der zarten Sprache.

Grüße

Thomas

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#4

Euthanasie

in Natur 10.11.2005 23:17
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi Vel

Jepp, ganz toll!

...... es gibt ja noch so viele medizinische Ausdrücke, die sich zum Verdichten lohnen, für deine Titel sehe ich demzufolge keine Gefahr.

Nächtlichen Gruss
Margot

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#5

Euthanasie

in Natur 11.11.2005 12:46
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Vel,

du vermagst die Kunst, über die Länge von vier Strophen hinweg stilistisch und inhaltlich ein völlig rundes Gedicht zu schreiben. Dafür meine Bewunderung.
Meine melancholische Saite klingt bei dem Text, dass mir die Ohren dröhnen.

Schöne Grüße
GerateWohl

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#6

Euthanasie

in Natur 11.11.2005 14:02
von kein Name angegeben • ( Gast )
Hi Vel,

auch von mir ein "neidvolles" bewunderndes: "GRANDIOS"!

Wirklich sehr schöne Zeilen, die mich bewegen und mir die Jahreszeit auf sanfte Weise ertragbarer machen. (Besonders diese Kälte!)

Hab Dein Gedicht sehr gerne gelesen!!!

Lieben Gruß

Süßchen

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#7

Euthanasie

in Natur 12.11.2005 12:40
von Velazquez | 315 Beiträge | 315 Punkte
Hi folks.

Erstmal vielen lieben Dank für euer Lob - ich bade noch darin.

Doch bevor ihr mich ganz schrumplig macht, gehe ich auf die angesprochenen Punkte kurz ein.

@Mattes: An dich einen ganz besonderen Dank. Die Kritikpunkte sind mir (wie so oft) wertvoller Gewinn.
So gesehen ist die Elision tatsächlich nicht nötig und kommt sprachlich lediglich aus der Klangkiste (’durch’s Geäst’). Das Komma ist so eine Sache. Ich hatte es auch schon anders gesetzt, ich hielt ich es so für nötig. Es sollte den Bezug deutlich machen. Das braucht es aber gar nicht, wie ich jetzt feststelle und es sieht recht ungeschickt aus. Also, auch hier werde ich es ändern.
Lediglich bei Z9/Z11 bin ich sicher, dass es so stimmig ist.
Ich meine mit ’und es ist Zeit. (..) Denn jener wartet (…)’ , dass die lyr. Sie sich ja sowieso verabschieden möchte in der Gewissheit, dass die Zeit zwar drängt (man wartet ja schon), aber nicht explizit wegen der selben, mehr der Intention zufolge, eben auch zum Abschied gekommen zu sein. Während dieses Verabschieden stattfindet, ist es also gleichzeitig Zeit zu gehen. Kann man das so nachvollziehen?


@Rod: Wenn du begeistert bist, freut mich das sehr. Aber bitte nicht ’Meisterwerk’ nennen – lass’ mir noch etwas Luft nach oben…

@Marge: Bei einem Lob der Göttin, muss ich Rod’s Kommentar wohl doch in vollem Umfang akzeptieren, wie ?
Und: Ja, die Titel…Ich weiss gar nicht mehr, wie das angefangen hat. Lässt mich offensichtlich nicht mehr los.
Bin selber mal gespannt, wo das noch hinführen wird…

@GW: Danke sehr!

@Süsschen: Schön, dass es dir gefällt, dich bewegte und du es gern gelesen hast: Maximum erreicht .


*verneigt sich und geht ab…

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