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#1

November

in Natur 09.11.2005 10:19
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
November


In diesen Tagen,
die Vergangenheit noch spüren lassen,
ist jeder Sonnenstrahl ein Fest
und jedes Lächeln ein Geschenk.

Das ist die Zeit,
in der die Maske fällt
und die Natur sich offenbart,
noch ohne zu entblößen.

Nicht überflüssig, wie der Sommer;
nicht schamlos nötig, wie der Winter;
und auch nicht frühjahrsselbstvergessen.

In dem Moment des sicheren Vergehens
liegt eine Schönheit, so erhaben,
weil sie nur einen Augenblick entfernt von der Entstellung ist.

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#2

November

in Natur 09.11.2005 11:40
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte

Zitat:

Mattes schrieb am 09.11.2005 10:19 Uhr:
weil sie nur einen Augenblick entfernt von der Entstellung ist.




Traurig-schön...

Lg Gem

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#3

November

in Natur 09.11.2005 13:17
von Ulli Nois | 554 Beiträge | 554 Punkte
Schade, dass es hier keinen Button gibt für "große Zustimmung ohne Worte".

Zwei kleine Verständnisfragen hab ich dann doch noch.

Kann "die Natur entblößen" im Sinne von "sich bloß stellen" oder muss man hier einen Akkusativ dazudenken? Und wenn ja, wen oder was entblößt die Natur, außer sich selbst?

Ist der Sommer "überfüssig", weil er "überfließt" mit Natur, oder meinst du es wertend?

Es grüßt ein Novembersympathisant.



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#4

November

in Natur 09.11.2005 14:10
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Dank euch beiden für die Sympathiebekundungen.

@Ulli: Kann Natur entblößen? Die Wendung ist hier zwar doppeldeutig gebraucht, streng genommen hast du aber natürlich recht. Die Bloßstellung ist Empfindung des lyrischen Ichs und insofern kultürlich. Es ist eben ein emotionales Gedicht.
Und die zweite Frage: Beides.

Ich grüße zurück.
Mattes

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#5

November

in Natur 09.11.2005 23:47
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi Mattes

Ich habs jetzt öfters gelesen und es gefällt mir immer besser, jedoch muss ich – um mein Image zu pflegen – etwas kritisieren.
Zum Einen muss es doch – und ich seh auch nicht ein, weshalb man das weglassen müsste – heissen: In diesen Tagen, die die Vergangenheit noch spüren lassen ..... und zum Anderen komme ich mit dieser Wendung nicht klar: ..... noch ohne zu entblößen. Ich würde da eher lesen wollen: .... ohne sich zu entblössen. Natürlich fehlt dann der zeitliche Aspekt, aber so liest es sich einfach schlecht. In der zweitletzten Zeile würde ich das ‚so’ weglassen, weil es nach einem ‚dass’ verlangt. Und dann noch ein Widerspruch: Wenn der Sommer überflüssig ist (du sagst im obigen Kommentar, dass es beides, also auch wertend ist), weshalb ist dann jeder Sonnenstrahl ein Fest? Sonne = Sommer = überflüssig?

So, fertig gemeckert. Aber du willst es ja nicht anders.

Es grüsst
Margot


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#6

November

in Natur 10.11.2005 13:52
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Liebe Margot!

Ja, so will ich es haben, so muss es doch sein! Ich würde lügen, dass ich nicht sehr genösse, wenn und dass es gefällt, aber ungleich wichtiger ist doch das Feedback über sprachliche Irrungen und Wirrungen. Insofern bedanke ich mich sehr. Nur solche Kritik erlaubt mir ja, beim nächsten Mal mehr Sorgfalt walten zu lassen, denn es reicht mir natürlich nicht, dass ich weiß, was und wie ich es sagen wollte. Ich will nicht nur, dass es verstanden wird, nein, es soll auch gefallen.

Wenn ich jetzt meinen Ausdruck verteidige, dann lediglich um meiner Eitelkeit willen.

In diesen Tagen... nein, ich meine nicht, dass Vergangenheit im Allgemeinen einen bestimmten Artikel benötigt, insbesondere dann nicht, wenn es mir nicht um eine bestimmte geht. Vielleicht hätte ich Vergänglichkeit benutzen sollen?

Die Entblößung ist problematisch, wen wundert's? Ich denke darüber nach. Allerdings ist nicht gemeint, dass die Natur sich überhaupt entblößen könnte. Ich versuchte bereits, es zu verdeutlichen. Vielleicht gelingt es mir später besser oder ich muss umformulieren.

Das "so" kann ich nicht weglassen. Die Ellipse ist eher so zu verstehen: ...liegt eine Schönheit, die deswegen so erhaben (ist) , weil .... Diese Schönheit geht über die landläufige Schönheit eben deswegen so sehr hinaus. D’accord?

Der Sommer ist überflüssig, u.a. weil er Sonnenstrahlen im Überfluss liefert. Der einzelne Sonnenstrahl ist nichts mehr wert, im Gegenteil: Miesmacherische Blässlinge wie meinereiner stöhnen sommers regelmäßig über zu viel Sonne und Hitze. Im Herbst allerdings, bei ansonsten 5 Grad angenehmer Kühle sind so ein paar wärmende Sonnenstrahlen hoch willkommen und jeder einzelne daher ein Fest für die Sinne. Und das muss ich dir als praktizierender Herbstliebhaberin erklären?

Kannst du dich mit der einen oder anderen Rechtfertigung anfreunden? Hilft die inhaltliche Verdeutlichung bei der Sympathie oder bleibt es bei dem unguten Gefühl bezüglich der angesprochenen Stellen?

Liebe Grüße
Mattes


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#7

November

in Natur 10.11.2005 14:07
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Mattes,

wieder ein schmuckloser Kurzkommentar von mir.
Mir gefällt Dein Gedicht auch mit zunehmender Zeit immer besser. Nichts gegen November-Gedichte, die in malerischer Form Naturbeschreibungen enthalten, aber es spricht mich in der Regel nicht sonderlich an, die Blätter, der Wind etc.
Dein Gedicht schon, wobei mich der Vers mit der fallenden Maske aufgrund seines Abnutzungsgrades stets eine Sekunde einnicken läßt.
Die erste Strophe gefällt mir am besten, da sie mich stets wie ein Sonnenstrahl trifft und mir ein Lächeln entlockt.

Wenn ich mir noch etwas in dem Gedicht hätte wünschen dürfen, so wären das Farben gewesen. Wo sind hier die Farben? So ist aber auch schön.

Gern gelesen.

Braungrüne Grüße
GerateWohl


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#8

November

in Natur 10.11.2005 14:23
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Hi GerateWohl!

Ach wenn ich die Farben des Herbstes über alles bzw. den Herbst vermutlich seiner Farben wegen liebe, so bin ich doch außerstande, sie würdig zu beschreiben. Mein geradezu religiöses Verhältnis zur Natur geht offenbar so weit, dass ich mir kein Bildnis machen darf.

Ich bin nur froh, dass ich die Rohfassung der ersten Zeile verändert habe. Zunächst hieß es: In diesen schmutziggrauen Tagen... und damit hätte ich bei dir altem Farbenfreund sicher Schlimmeres als Einnicken geerntet.

Vielen Dank!
Mattes


P.S.: Dein Kommentar ist weder erwähnenswert kurz, noch schmucklos.

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#9

November

in Natur 10.11.2005 19:21
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Ja, ich kann das jetzt natürlich besser nachvollziehen und - beim Lesen - ein Auge zudrücken, aber so ganz schmecken tuts mir nicht. Ich will dich aber natürlich auch nicht zu etwas nötigen, was dir selber nicht gefällt. Ich hätts nur anders formuliert - aber das braucht dich nicht zu jucken - das würde ich praktisch bei jedem anderen Text auch tun.

Vielleicht noch dies, was mir jetzt erst so richtig auffällt. Du schwankst hier sehr stark zwischen Trivialem und Innovativem. Bis zur 6. Zeile ist es (für mich) Ersteres und ab dort Letzteres. Vielleicht kommt daher mein "Unwohlsein". Verwirrt? Ich auch!

Lieben Gruss back
Margot

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#10

November

in Natur 10.11.2005 22:37
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Nein, da bin ich nicht verwirrt, sondern glücklicher noch, als zuvor, denn wenn in der sechsten Zeile die Maske fällt und aus dem relaiv gewöhnlichen Gedicht ein ungewöhnliches wird, dann ist das zwar, was ich erhoffte, aber mehr, als ich erwartete.

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#11

November

in Natur 11.11.2005 15:18
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Sie belieben in Rätseln zu sprechen, werter Dichter. Jedoch freut es mich ungemein, dass ich Ihnen, zu dem Erhofften, auch noch das Erwartete habe vermitteln können.

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