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#1

Metze

in Liebe und Leidenschaft 19.10.2005 15:09
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Metze


Es kommt nicht darauf an, wer oder was du bist,
denn ich allein entscheid’, wer meine Hoffnung ist.
Ein solches tu ich nur, wenn ich zu wenig krieg’.
Ich setze wie im Spiel mein letztes Hemd auf Sieg.

In dieser irren Sucht verpfänd ich Seel’ und Leib,
trag’ jede Bürde, bitte diese Metze: Bleib!
Bin ich die Gottheit selbst, wird Hoffnung angetragen
geliebt und vielbegehrt, bist du mir Zeitvertreib.

Doch diese Grausamkeit der Götter ist bekannt,
im Liebesspiel verliert ihr euren hohen Stand.
Mit jedem Tag magst du die Inbrunst schwinden sehen
und meine Hoffnung an die Bank verloren gehen.

Du fragst, warum ich mich an diesem Elend labe?
Weil ich als armer Mann nichts zu verlieren habe!
Du aber bist so reich, du hast die Hoffnung satt.
Darum schau ich mich um, ob’s and’re Götter hat.

Denn ob du zu mir kommst, zum Kragen abgefüllt,
um meine Leere buhlst, die Überfluss dir stillt?
So weit geht Liebe nicht. Du fürchtest dich zu sehr,
vor völligem Verlust und wähnst dich hoffnungsleer.

Und du stehst still, um keinen Tropfen zu gefährden
besorgt, was dir im Dunst des Tag’s könnt’ flüchtig werden.
Und hin und wieder stiehlst du anderen die Neige,
auf dass dein Überschuss sich wölbend allen zeige.

Gott, ich verachte dich, doch will mich nicht beklagen.

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#2

Metze

in Liebe und Leidenschaft 19.10.2005 22:03
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi Mattes

Das lyr. Ich spricht also zu (s)einer Metze (Dirne) ... hm, irgendwie muss ich dabei aber nicht an eine Frau denken, sondern eher an die Muse, die mal kommt und geht. Die, wenn das lyr. Ich „gut drauf“ ist, so willig ihre Zuneigung ausschüttet, aber, sobald das lyr. Ich sie krampfhaft zu halten versucht, einfach verschwindet.
Der Paarreim gefällt mir hier sehr, er wirkt – was oft der Fall ist – bei diesen Zeilen nicht fröhlich oder leicht, sondern unterstreicht die Aussage. Kann sein, dass die langen Zeilen ihn weniger offensichtlich bzw. langweilig machen.

Die vielen Elisionen gefallen mir nicht besonders und auch die relative Nüchternheit und Kühle der Zeilen lassen mich seltsam unbeteiligt zurück, ansonsten: Gern gelesen.

Gruss
Margot

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#3

Metze

in Liebe und Leidenschaft 20.10.2005 09:31
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Danke für das Feedback, Göttin.

Ja, diese Metze ist zwar keine Muse, aber doch eine Gottheit und das lyr. Ich der jüngst verschmähte Liebling der Götter, der ernüchtert sein eigenes Schicksal reflektiert und das auch durchaus selbstkritisch tut.

Ja, die Elisionen, diese Kritik muss ich annehmen, es sind derer zu viele. Ich habe so lange gerungen und war am Ende froh, halbwegs in Maß und Form gekommen zu sein, so dass ich mich kaum überwinden werde, das Gedicht noch einmal in den Schraubstock zu klemmen, obwohl es nötig wäre, zugegeben.

Ich bin dennoch leidlich zufrieden, überhaupt etwas zustande gebracht zu haben, was du gern gelesen hast. Das reicht mir völlig.

Thx. loads, Marge.

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#4

Metze

in Liebe und Leidenschaft 08.09.2006 19:14
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Ich hole das jetzt noch einmal hoch, weil ich anscheinend vergas eine Lobpreisung auszusprechen.

Der Grund, warum jetzt, ist erstaunlich banal. Ich las heute auf der Arbeit den Nachnamen eines Menschen, der Metze lautete und erstaunlicherweise hatte ich sofort einige Zeilen aus diesem Gedicht im Kopf und es lies mich nicht mehr los.
So einschlagend hat es anscheinend gewirkt und ich hielt es für mehr als nur fair dem Autor dies auch mitzuteilen.

Leider hier und heute keine ausführliche Kritik, obwohl deine Zeilen es wirklich und wahrhaftig verdient hätten, aber wenn ich mal wieder mehr Zeit habe für ausschweifende Kritiken hole ich es eben noch einmal hoch!

Lg Richard

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