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#1

Nische

in Mythologisches und Religiöses 19.10.2005 10:54
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Nische


Und wenn dereinst mein Angesicht
Sich lösend in den Dunst begibt
Und meine Mutter mit mir spricht
Und sagt, sie hätt’ mich nie geliebt

Dann krieche ich tief deprimiert
Durch alle Nischen meiner Welt
Und stelle desorientiert
Fest, dass sie mir nicht recht gefällt.

Denn ist das wirklich mein Revier
Nur weil ich nicht woanders bin?
Und warum ich und warum hier?
Ergibt das alles einen Sinn?

Wenn du mir diese Leere füllst
Um die mein Geist beständig kreist
Mit deiner Menschlichkeit umhüllst
Bleibt meine Seele nicht verwaist.

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#2

Nische

in Mythologisches und Religiöses 31.10.2005 09:44
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Hallo Mattes

Nische


Und wenn dereinst mein Angesicht
Sich lösend in den Dunst begibt
Und meine Mutter mit mir spricht
Und sagt, sie hätt’ mich nie geliebt

Dann krieche ich tief deprimiert
Durch alle Nischen meiner Welt
Und stelle fest, desorientiert,
dass sie mir nicht so recht gefällt.

Denn ist das wirklich mein Revier
Nur weil ich nicht woanders bin?
Und warum ich und warum hier?
Ergibt das alles einen Sinn?

Wenn du mir diese Leere füllst
Um die mein Geist beständig kreist
Mit deiner Menschlichkeit umhüllst
Bleibt meine Seele nicht verwaist.



Ich habe in Strophe 2 die Wörter etwas umgestellt, da ich finde, dass es sich so flüssiger liest.
Obwohl es mir auch komisch vorkommt; denn wie kann man desorientiert etwas feststellen.

Lg Gem

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#3

Nische

in Mythologisches und Religiöses 31.10.2005 10:50
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Hallo Gemini!

Ich kann dir helfen: Dein Vorschlag verwirrte (desorientiert) mich zunächst und ich konnte ob dieser Verwirrung nur feststellen, dass er mir micht recht gefiel.

Dann aber fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren und ich stellte fest, dass du "desorientiert" um eine Silbe beraubst und wenn ich auch in ähnlich gelagerten Fällen nicht ganz so streng bin, was die Vernuschelung unbetonter Silben angeht, funzt das hier nicht: "desorjentiert"? Wie klingten ditte?

Du weißt doch, dass wir ollen Metrikfetischisten nicht anders können. Aber abgesehen davon, gefällt mir meine Lösung sprachlich auch besser.

Danke für dein Feedback.
Mattes

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#4

Nische

in Mythologisches und Religiöses 31.10.2005 11:22
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Mag sein, dass ihr deutschen das anders aussprecht, aber ich tu`s tatsächlich so.
Ich hab es mehrfach ausprobiert und bei mir klingt es so:
"desorjentiert"

Naja, whatever...

Lg Gem

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#5

Nische

in Mythologisches und Religiöses 31.10.2005 14:16
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Glaube ich nicht. Etwas überspitzen und du wirst es auch hören. Klingt es bei dir tatsächlich wie

DES - ORR - JENN - TIERT

oder nicht doch eher wie

DES - ORI - JEN - TIERT.

Nimm es auf und spiele es dir ganz langsam vor und du hörst das i , jede Wette.

So und nicht anders sind wir Deutsche!

Nicht weniger liebe Grüße
Mattes

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#6

Nische

in Mythologisches und Religiöses 31.10.2005 14:33
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Kurz dazwischen gespamt. (Verzeih mir Mattes)
@Gem:
Sagen Östereicher zum Morgenland auch Orjent oder Orient?

Nun aber auch noch ein kurzes Statement zum Gedicht. Den Blickwinkel eines Menschen, der von seiner Mutter so etwas zu hören bekommt und aufgrund dieser fehlenden Basis keinen Fuss auf den Boden bekommt in der Welt rührt mich zutiefst. Der hoffnungsvolle Schluss, bei dem das Ich einen Weg findet aus dieser Misere durch die Hinwendung zur Wärme eines anderen Menschen ist sehr nach meinem Geschmack. Vom Bild her habe ich in der letzten Strophe allerdings so mein Problem mit dem Füllen und gleichzeitigen Umhüllen der Leere. Das geht für mich vom Gefühl her schlecht zusammen.

Sprachlich gesehen ist für mich der Reim "deprimiert" auf "desorientiert" die beste Stelle des Gedichtes. Der Rest ist ja eher Standard.
Trotzdem sprach es mich an.

Grüße
GW

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#7

Nische

in Mythologisches und Religiöses 07.11.2005 23:25
von Velazquez | 315 Beiträge | 315 Punkte
Auch kurz dazwischengespammt:


Es geht hier doch (siehe Rubrik) m.E. nicht um eine Person an sich, doch eher um Gott (in welcher Form auch immer), der die Leere füllen soll und somit Seelenheil brächte. Nicht?

Darüberhinaus finde ich es einfach ein unsinniges Kriterium (weil so oft erwähnt), ein Gedicht am Innovationsgrad der Reime zu messen. Die Reime (gerade die so gesehen 'einfachen') eignen sich doch hervorragend, um ein lyr. Ich und dessen Denkweise darzustellen und zu charakterisieren. Also vereinen sich doch Reim und Inhalt gerade auf dieser Ebene. Da können die Reime manchmal gar nicht Standard genug sein .

Wollt' ich mal, neben meinem Gefallen (auch an den selben),
nur kurz erwähnen,


LG, Vel






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#8

Nische

in Mythologisches und Religiöses 08.11.2005 13:10
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Hallo GW und Vel!

Schön, dass es ansprach und/oder gefiel. Ohne der Interpetierbarkeit Schranken weisen zu wollen, muss ich aber Vel zustimmen, dass die Intention eine religiöse war und als Mutter, lieber GW, eher die Mutter Natur, als die leibliche des lyrischen Ich gedacht war.

Auf die Reime gebe ich mittlerweile gar nichts mehr. Manche meiner am besten angekommenen Gedichte vereinigen die vermeintlich unsäglichsten Reime in sich. Ich meine mittlerweile, dass es am förderlichsten ist, wenn man kaum bemerkt, ob es reimt oder nicht. Allerdings gefällt mir Vels Hinweis auf das vermeintlich schlichte Gemüt des lyrischen Ich überhaupt nicht.

Danke fürs Kommentieren!
Mattes

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