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#1

Herzlungenmaschine

in Düsteres und Trübsinniges 17.10.2005 01:22
von Roderich (gelöscht)
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herzlungenmaschine


das leise hallen von draußen
- wo licht ist und wärme -
als hintergrundmusik
zu einbalsamiertem schweigen.

grün auf schwarzem monitor:
lebenszeichen,
gleichmäßig laufend
(wie lange noch?)

der geruch von chlor
vermischt mit den düften
von urin und exkrementen
und kantinenfraß;

nimmt er es wahr?

als würde er schlafen
oder tot sein
wäre da nicht das
grün auf schwarzem monitor.

künstliches leben:
metallisch und weiß.
kann man ohne natur
in würde sterben?

und mein versprechen
(nicht einmal geflüstert)
in einbalsamiertem schweigen:
ich komme wieder

bis das bett leer ist.

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#2

Herzlungenmaschine

in Düsteres und Trübsinniges 17.10.2005 15:55
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi Rodie

Hier sehe ich wenig von einem Gedicht, es ist mehr eine stichwortartige Beschreibung und lässt wenig Platz für die eigenen Gedanken. Ich kann das zwar schätzen, mag es aber lieber, wenn ich entweder was zu rätseln habe oder mich dann in poetischen Worten suhlen kann. Hier kann ich beides nicht. Ich würd’s entweder zu einer Kurzgeschichte ausbauen oder gnadenlos kürzen, ja – so würde ich es machen.

Ist die Umkehr grün/schwarz S2 und schwarz/grün S4 gewollt?

Gruss
Margot

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#3

Herzlungenmaschine

in Düsteres und Trübsinniges 17.10.2005 16:17
von Roderich (gelöscht)
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Hallo Margot,

tja, dass es schwer ist, über deine Messlatten drüber zu hüpfen (vor allem für nicht allzu sprunggewaltige Kaulquappen wie mich), weiß ich ja, aber dass ich diesmal scheinbar nicht einmal vom Boden komme, stimmt mich bedenklich.

Kurzgeschichte? Fällt hier flach, da es mir lediglich um das Einfangen der Stimmung ging. Das reicht für eine Kurzgeschichte meines Erachtens nach nicht aus.

Gnadenlos kürzen? In der Kürze liegt die Würze - grundsätzlich stimme ich dir hier gerne zu. Allerdings muss ich mich da erst einmal intensiv damit auseinandersetzen. Vielleicht komme ich ja ohne die Strophen 2 und 5 aus (wenn man die Zwischenzeile nach Strophe 3 nicht mit zählt). Muss ich mir mal ansehen und durchdenken, ist jedenfalls eine Überlegung wert.

Die Farbumkehr ist ein *ups*, das beim Abtippen passiert ist. Ist nicht gewollt und wird korrigiert. Danke fürs aufmerksam machen.

Grüße

Thomas

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#4

Herzlungenmaschine

in Düsteres und Trübsinniges 17.10.2005 19:33
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi nochmals

Ach, meine Latte hängt gar nicht so hoch, schliesslich bin ich ja kein Mann.

Es wäre natürlich, wenn es eine Geschichte geben würde, von Nöten, etwas die Hintergründe zu kennen, nicht? Was verbindet die beiden "Protagonisten". Weshalb bleibt der eine, bis der andere stirbt... etc. Aber natürlich verstehe ich, wenn du "lediglich" die Stimmung einfangen wolltest.
Was mir aber nicht so recht behagt (dummes Wort, bei diesem Thema, sorry), ist der Wechsel zwischen nüchterner Betrachtungsweise und dem Gefühlsaspekt (wie lange noch/in Würde sterben/... bis das Bett leer ist). Irgendwie schwanke ich dort einfach zwischen Betrachter einerseits und Mitfühlendem, verstehst du? Ist etwas wirr kommentiert, ich weiss, na ja, vielleicht hilft es dir doch etwas weiter.

Gruss
Margot

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#5

Herzlungenmaschine

in Düsteres und Trübsinniges 17.10.2005 19:49
von Roderich (gelöscht)
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Hallo Margot,

Menschenskinder, dass man auch immer alles im Mund umdrehen muss ... Da bin ich ja froh, dass deine Latte nicht so hoch hängt.

Vielleicht noch ein paar Worte zur Entstehung: Ich war die letzten Tage selbst wegen einer Kleinigkeit im Krankenhaus. Die Atmosphäre dort hat - obwohl mir hinlänglich bekannt - doch dazu beigetragen, dass ich kleine Details, die einem Besucher vielleicht entgehen mögen, verstärkt wahrgenommen habe, den Monitor, auf dem in grünen Zacken der Puls läuft, der Geruch des Mittagessens um 11 Uhr auf den Gängen etc.

Mir ging es daher einfach um ein Stimmungsbild. Ich habe dazu keine Geschichte im Hintergrund - oder vielleicht doch, aber die wird so schnell wohl nicht erzählt werden. Jedenfalls hätte ich das Gefühl, mit Handlung das Bild zu beschmutzen, das ich gemalt habe. Klingt wahrscheinlich ziemlich absurd, aber so geht es mir hier nun mal. Aus diesem Grund fällt die Kurzgeschichte für mich flach.

Zu deinem Kommentar bezüglich Perspektive: Kann ein Betrachter nicht auch Mitfühlender sein und vice versa? Ich denke, ich weiß schon, worauf du hinaus willst - eine etwas stringentere Linie, eine klare Position. Aber wie kann man in einer derartigen Situation eine klare Position beziehen? Schon wieder ziemlich wirr von mir daher palavert, aber ich hoffe, du kannst in etwa folgen.

Ich danke dir sehr für die Beschäftigung mit dem Gedicht und deine Anregungen und ich werde das alles noch einmal in aller Ruhe überdenken, versprochen! Im Moment habe ich aber noch nicht genug Abstand zum Gedicht, um mich effektiv mit dem Rotstift dranzusetzen. Deine Worte bleiben aber nicht unbeachtet. Und wirr sind deine Kommentare sowieso nie.

Grüße

Thomas

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#6

Herzlungenmaschine

in Düsteres und Trübsinniges 25.10.2005 14:24
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte

Zitat:

Margot schrieb am 17.10.2005 19:33 Uhr:
Ach, meine Latte hängt gar nicht so hoch, schliesslich bin ich ja kein Mann.



Meine auch nicht - eher mittig. Wohl früher nicht ausreichend die Bravo studiert^^...

@Rod: Mir gefällts eigentlich nicht schlecht, diesen Gegensatz zwischen nüchterner Beschreibung und mitfühlendem lyrIch finde ich auch nicht störend. Es wirkt so, als würde das lyrIch gerade durch die kalte Nüchternheit der Situation zum Mitgefühl gebracht. Schließlich scheint er das lyrDu nicht einmal richtig zu kennen und verspricht diesem dennoch, wiederzukommen.

Die Strophe
künstliches leben:
metallisch und weiß.
kann man ohne natur
in würde sterben?
sagt mir nicht zu. Zum einen schränkt es das Bild zu sehr auf einen sterbenden Menschen ein. Die "in Würde sterben"-Diskussion passt hier auch ansonsten nicht in den Kontext und kommt etwas moralinsauer. Und wenn dort Natur fehlt, stell eine Topfpflanze ans Bett!

Und noch ein Gedanke (der jedoch zu keiner Änderung führen muss, weil man ja weiß wie es gemeint ist):
als würde er schlafen
oder tot sein
wäre da nicht das
grün auf schwarzem monitor.

So beruhigend ist das Grün zumindest wenn es eine Linie darstellt nun auch wieder nicht ! Ein vorangestelltes pulsierend o.ä. gefiele mir besser, um diesen Gedanken beim lesen loszuwerden, ist aber (s.o.) nicht notwendig.

Insgesamt schließe ich mich Margot an, dass mir Dein Gedicht etwas zu lang ist. Dennoch ist es nicht uninteressant und gern gelesen habe ich es auch,


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#7

Herzlungenmaschine

in Düsteres und Trübsinniges 26.10.2005 11:28
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte

Zitat:

Margot schrieb am 17.10.2005 19:33 Uhr:
Hi nochmals

Ach, meine Latte hängt gar nicht so hoch, schliesslich bin ich ja kein Mann.





Hi Rodi

Ein paar schlagkräftige Worte, hätten nicht geschadet, wie z.b.
Das "unbarmherzige Blinken auf dem Monitor".

Auch hinterfragt deine Figur nur und gibt keine Anhaltspunkte über ihre persönliche Meinung. Der Schluss ist aber doch sehr schön geworden.

Lg Gem

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#8

Herzlungenmaschine

in Düsteres und Trübsinniges 29.10.2005 20:39
von Roderich (gelöscht)
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Hallo ihr beiden,

habe eure Einträge erst jetzt gesehen. Vielen Dank für eure Worte!

@ Don: Deine Beobachtung, dass das lyr. Ich der sterbenden Person eher distanziert gegenüber steht, deckt sich mit der Entstehung des Gedichtes, da ich es geschrieben habe, als ich selbst im Krankenhaus war, inspiriert durch die Pulsfrequenz auf dem Monitor meines Bettnachbars. Der hat gerade geschlafen (war soweit alles okay mit ihm) und da habe ich ihn für das Gedicht "missbraucht". Kann gut sein, dass etwas von dieser Distanz in das Gedicht eingeflossen ist.

Zu dem Topfpflanzenvorschlag. Eine Pflanze reicht mir nicht. Mir geht es da mehr um die Erdverbundenheit der Menschen. Aber vielleicht habe ich da den Zeigefinger doch etwas zu sehr erhoben. Manchmal habe ich den Burschen nicht so richtig unter Kontrolle.

Das Grün auf schwarzem Monitor: In diesem Fall der einzige Unterschied zwischen Leben und Tod. Beruhigend finde ich den Monitor daher eigentlich nicht. War auch nicht beruhigend gedacht, wie du erkannt hast.

Jedenfalls vielen Dank für deine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Gedicht.

@ Gem: Auch dir danke ich für deine Anregungen. Bezüglich der schlagkräftigen Worte: Da fürchte ich, dass ich vielleicht zu sehr auf den Putz haue. Mir gefällt gerade der eher nüchterne Blick ganz gut.

Was die persönliche Meinung betrifft: Siehe oben meine Antwort auf Don's Kommentar. Die Figur scheint zu distanziert zu sein um eine persönliche Meinung über die Situation zu bilden.

Es freut mich aber sehr, dass dir der Schluss gefällt.

Grüße

Thomas

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