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#1

Gesang an die Maschine

in Diverse 01.10.2005 23:44
von Roderich (gelöscht)
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Gesang an die Maschine


Maschine, oh Maschine,
gib mir, was ich nicht habe,
komm, gib mir und ich diene

dir, Königin der Wabe.
Ich umkreise dich, Nährer,
wie ich mich an dir labe …

Doch von Tag zu Tag schwerer
bleibe ich in Sichtkontakt,
fühl mich tagtäglich leerer.

Du bestimmst mir Trug und Fakt,
malst die Zeitengerade.
Ausgeliefert bin ich, nackt.

Und wie Scheherazade
dichtend auf des Sultans Bett
lieg ich hoffend auf Gnade.

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#2

Gesang an die Maschine

in Diverse 02.10.2005 08:47
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
da fällt mir im moment nur ein: marx lässt grüßen. na ja, zumindest zu hälfte. die maschine kann man als industrialisierung sehen --> a) komfort, b) arbeit. ich schätze mal - auch mit blick auf die letzte strophe, dass der text hier eher auf a) abzielt.
bei marx war es dann jedoch u.a. die entfremdung von der arbeit/dem arbeitsprozess. bei diesem gedicht hier fleht das lyr. ich nach gnade, endlich von der abhängigkeit der maschine loszukommen. na gut, eine gewisse entfremdung ist das letztlich auch.

strophe3 zeigt - meines erachtens - die saugkraft der maschine. das lyr. ich ist im innern nicht mehr es selbst, es kann sich nicht mehr so entwickeln, wie es sich für sich wünscht. und wenn man nicht mehr so richtig sich selbst ist, dann hat man auch einen anderen blick auf die umwelt. dann sieht man nicht mehr die eigenschaften der umwelt, sondern höchstens nur noch, dass sie da ist. erstaunlich deshalb, dass das lyr. ich noch in der lage ist zu erkennen, dass diese abhängigkeit vorherrscht.

soweit meine ersten gedanken hierzu.

beste grüße.
arno.

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#3

Gesang an die Maschine

in Diverse 02.10.2005 09:34
von Roderich (gelöscht)
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Hallo Arno,

danke dir für die Beschäftigung mit den Zeilen und deine Interpretation, die mir sehr gut gefallen hat und gut nachzuvollziehen war.

Was ich mit dem Gedicht ausdrücken wollte: Den Fatalismus unserer Zeit, dass wir uns nach Unabhängigkeit/Freiheit sehnen und die gesellschaftlichen Zwänge, die (auch) durch technischen Fortschritt entstanden, ablegen wollen, gleichzeitig aber ohne diese technischen Errungenschaften, die wir verteufeln, nicht mehr leben können. Beispiel: Handy. Kaum jemanden behagt es, dass er immer und überall erreichbar ist, gleichzeitig ist man heutzutage ohne Handy fast schon verloren (übertrieben ausgedrückt). Die Maschine, die hier von dem lyrischen Ich angesungen wird, steht also für technische Entwicklung, in deren Abhängigkeit wird geraten/geraten sind. So kann man auch erklären, dass das lyrische Ich trotz der Abhängigkeitslage und des damit verzerrten Blickwinkels noch in der Lage ist, dennoch seine Abhängigkeit zu erkennen.

Grüße

Thomas

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#4

Gesang an die Maschine

in Diverse 02.10.2005 10:25
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
jupp.

ich ging - was das erkennen der abhängigkeit angeht - wohl von einem subjekt tiefster abhängigkeit aus, bei dem die frage des "ob" nicht mehr relevant ist, sondern nur noch des "dass".

beste grüße.
arno.

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