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#1

alb

in Düsteres und Trübsinniges 22.09.2005 15:19
von pandora (gelöscht)
avatar
die nacht kriecht
aus den augen
einer ratte.
aus mäulern
geifert
grüne gier.
gebeine
schreiben zeichen
in das dunkel,
der hexen
atem sucht
nach mir.
an meiner furcht
ergötzen sich
die weiber,
sie stoßen
nadeln
in ein herz.
des teufels
vögel nisten
in den haaren,
ein flehen
schick`ich
himmelwärts.
die glut
der tausend
albtraumfeuer
gebiert
geheime formeln -
zauberwort.
greise münder
murmeln schwüre.
weh mir.
es reißet mich
hinfort.
kahler schädel
grinsen
ein verschlag`ner blick.
es gellt
der neugebor`nen schrei`n.
ich fall
zu boden,
ohne hoffnung.
wissend.
ein ende
findet hier
mein sein.




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#2

alb

in Düsteres und Trübsinniges 26.09.2005 18:26
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Hi pandora

Von der ersten Zeile an, war ich hingerissen. Die Nacht kriecht aus den Augen einer Ratte. Ich wünschte, mir wäre das eingefallen.
Kahler Schädel grinsen...hm Was? Ach lass nur...

Lg Gem

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#3

alb

in Düsteres und Trübsinniges 28.09.2005 11:59
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Hallo Pandora,

auch mich sprechen Deine Zeilen an, der Beginn ist zweifellos stark, da stimme ich Gemini zu. Die Form Deines Gedichtes ist allerdings ein Albtraum - das passt zwar grob zum Inhalt, lässt sich mit diesem aber nicht wirklich erklären. Mit Verlaub habe ich Deine Zeilen ein wenig umgestellt und siehe da: eigentlich schlummert da eine geradezu klassische Form. Und besser lesbar ist es so (für mich) auch! Und um der Sache die Krone aufzusetzen, mache ich auch gleich eine metrische Analyse, denn hier scheint doch ein sehr gleichmäßiges und wohlüberlegtes Metrum zu schlagen... (Ha! Ich höre geradezu, wie sich Geminis Fußnägel kräuseln !)

die nacht kriecht aus den augen einer ratte.
aus mäulern geifert grüne gier.
gebeine schreiben zeichen in das dunkel,
der hexen atem sucht nach mir.

xXxXxXxXxXx
xXxXxXxX
xXxXxXxXxXx
xXxXxXxX
5-hebiger Jambus mit weiblicher Kadenz wechselt sich mit 4-hebigen Jambus.

an meiner furcht ergötzen sich die weiber,
sie stoßen nadeln in ein herz.
des teufels vögel nisten in den haaren,
ein flehen schick`ich himmelwärts.

xXxXxXxXxXx
xXxXxXxX
xXxXxXxXxXx
xXxXxXxX
Wie gehabt und sehr konsequent.

die glut der tausend albtraumfeuer
gebiert geheime formeln - zauberwort.
greise münder murmeln schwüre.
weh mir. es reißet mich hinfort.

xXxXxXxXx
xXxXxXxXxX
XxXxXxXx
xXxXxXxX
Hm, hier ist alles anders - aber warum nur? Da Du selbst ja eine gänzlich andere Form gewählt hast (und diese Vierzeiler insofern nur konstruiert sind), liegt mit vorrangig der Trochäus in Zeile 3 schwer im Magen. Denn der hat auch bei Dir die Folge, dass zwei Hebungen aufeinander folgen und es leicht holpert...

kahler schädel grinsen ein verschlag`ner blick.
es gellt der neugebor`nen schrei`n.
ich fall zu boden, ohne hoffnung. wissend.
ein ende findet hier mein sein.

XxXxXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxXxXx
xXxXxXxX
Wieder dasselbe Metrum wie zu Beginn. Kann es sein, dass in Zeile 1 ein Satzzeichen fehlt? Wie Gemini auch irritiert mich diese Zeile, aber vermutlich hast Du nach grinsen schlicht ein Komma vergessen...

Noch grüble ich, wer das lyrische Ich ist. Zunächst dachte ich ja, der Alb spräche, doch soviel Furcht und Flehen passen in meinen Augen nicht. Wobei die Alben der nordischen Mythologien ja letztlich nur Träume, nicht zwingend Albträume brachten. Vielleicht also ein Albe, der nur ungern diese Träume bringt und dem Schläfer auf der Brust hockt. Und schließlich, als er aufwacht, ihm von dieser auf den Boden fällt? Und er, wenn sein Opfer erwacht ist, ja auch sein (diesnächtliches) Ende gefunden hat?

Vermutlich ist das lyrIch jedoch der Träumer und wir erhalten Einblick in sein Träumen. Und es entspringt nur dem Traumdenken, dass das lyrIch am Ende in dem typischen Albtraumfall seinen Tod finden wird.

Gefällt mir gut, schöne Worte und Bilder beschreiben diese Albtraumlandschaften. Nur diese unnötige Präsentation ist in meinen Augen störend...


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#4

alb

in Düsteres und Trübsinniges 29.09.2005 12:26
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Ich sehe das so: Der Prot. wird hier dem Teufel geopfert.
Oder irgendeinem Dämon.
@ Don: Nein, da kräuselt sich nichts. Ich bewundere Menschen, die in so einer starren Struktur einen durchgehenden Faden erschaffen können.
Hier ist das, denke ich, der Fall.
Du sprichst die Präsentation an. Ich denke, gerade deswegen war es mir möglich mich in das Geschriebene besser hineinversetzen zu können.
Da sich pandora nicht meldet, hat er sicher nichts dagegen, wenn ich Metaphernklau betreibe (Aus den Augen einer Ratte...).
*haha*

Lg Gem

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#5

alb

in Düsteres und Trübsinniges 29.09.2005 16:03
von pandora (gelöscht)
avatar
gemini und don,

zunächst danke fürs lesen.

ich war ebenfalls beeindruckt, wie gründlich sich senor carvalho mit dem text auseinandergesetzt hat.
er hat recht: es ist mir schwergefallen (und nicht gelungen) im zunächst angestrebten schema zu bleiben.
ich versuche mich nochmal am mittelteil, wenn ich etwas mehr zeit und ruhe habe, als momentan.

"kahler schädel grinsen" = das grinsen kahler schädel.
mir scheint, das ist eine ungünstige, weil schlecht verständliche, formulierung. ich wurde von mehreren seiten drauf aufmerksam gemacht.

was die albtraumform anbelangt, so hätte ich den text rein drucktechnisch gern noch anders gefasst, allein, es fehlt am know-how. mir ging es darum, die verschiedenen facetten des albtraumes darzustellen, "fetzenartig", wenn man so will. der brave strophische aufbau widerstrebt mir in dem falle.

entstanden ist das gedicht zu einem gemälde von goya, das momentan noch in berlin zu sehen ist. "El conjuro" ("Die Beschwörung")

lg
DIE pandora


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#6

alb

in Düsteres und Trübsinniges 29.09.2005 16:08
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Der gute Goya, der regt an ^^.

Aber dass "das Grinsen kahler Schädel" gemeint ist, war schon klar, nur wie ist das mit dem Nachfolgenden in Einklang zu bringen: "ein verschlag`ner blick"?
Doch nur, wenn man dies ebenfalls als Gedankenfetzen versteht, die aber dann durch ein Komma getrennt werden müssten, oder? Also:

"kahler schädel grinsen,(komma) ein verschlag`ner blick."
Sonst versucht man das aufeinander zu beziehen und scheitert...


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#7

alb

in Düsteres und Trübsinniges 30.09.2005 09:49
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Bei: kahler Schädel, musste ich im ersten Moment sofort an mich denken.
Jaja, DIE Pandora ist schon EINE

Aber gräm dich nicht, ich habe mrsmerian ein halbes Jahr lang für einen Kerl gehalten (aber noch auf dotcom).

Lg DER Gemini-Mann

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