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#1

von dir

in Diverse 18.08.2005 10:36
von muh-q wahn (gelöscht)
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von dir


gib mir die kraft
der leidenschaft
was zählen worte oder taten
wenn das gefühl regiert

wie kann es sein
dass ich nichts von dir weiß
nur dass du irgendwo da draußen bist
und ob ich dich auch nie gekannt
und nie gesehen
und doch ward nie ein mensch
so sehr wie du vermisst

komm streichle mir die seele
trockne meine tränen
und lass uns fliehn
was hat die wirklichkeit uns schon zu bieten
als eifersüchteleien

ich träume lieber weiter

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#2

von dir

in Diverse 23.08.2005 12:34
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
hallo muh. .. dann bin ich ja mal gottseidank der erste bei einem deiner werke.

was mir beim lesen aufgefallen ist, ist, dass hier zwischen der praxis und der theorie unterschieden wird.. also ich meine, dass der unterschied angesprochen wird. bspw. in str1: das lyr. kümmert sich nicht um worte und taten, sondern nur um das gefühl. da worte und taten jedoch zumeist auf gefühle aufbauen oder durch diese erst vollbracht werden, kann man vielleicht von theoretischen gefühlen.. hm.. vielleicht besser: nicht-verlautbarten gefühlen sprechen. sie finden - jedenfalls bisher - keine praktische anwendung.

in str2 spielt die sehnsucht eine große rolle (s. letzte 2 zeilen); und zwar eine sehnsucht nach etwas/jemanden, den man nicht kennengelernt hat. es bleibt also alles auf der "theoretischen" ebene. es ist vielleicht - wie oben schon angedeutet - ein inneres gefühl. den letzten 2 zeilen geht eine art brechung des "nie" voraus, vielleicht auch eine art umformung. dies kann andeuten, dass das "nie sehen" für das lyrische ich nicht wichtig ist.

die ersten 2 zeilen der dritten strophe sind mir persönlich zu profan: die seele streicheln.. die tränen trocknen.. auch, wenn es in den sprachgebrauch des gesamten textes hineinpasst, so ist mir diese stelle zu dick aufgetragen. ansonsten wird in der dritten strophe die weitere trennung gemacht: die trennung des lyr. ichs + du von der umwelt und von der wirklichkeit. es ist sozusagen die endgültige flucht von der realität. diese "beziehung" ist nicht real. unterstützend ist die folgende zeile, dass nur die wirklichkeit eifersüchteleien zu bieten hat. dh., dass es alles auf der theoretischen ebene blieb. der schlusssatz zeigt dies auch: "ich träume lieber weiter".

vereinfachend:
1. strophe: einleitung. lenkung in die theoretische bahn.
2. strophe: die innere verbundenheit zum lyr. du wird verstärkt zum ausdruck gebracht. die wichtigkeit der realität wird angezweifelt.
3. strophe: geistige beziehung flieht. endgültige trennung von der realität, dh. auch von der hoffnung auf die erfüllung in der realität, aber nicht von der hoffnung in den träumen.

den titel könnte ich jetzt nur durch das weglassen einer möglichen ellipse verstehen: "[träumen] von dir"

FAZIT:
ich habe mit sicherheit nicht das getroffen, was du dir gedacht hast, muh. aber genau deshalb wollte ich den text nicht auf irgendeine situation hinbiegen, sondern lediglich das gesagte mir vornehmen. zumal auch - für mich - keine hinweise auf ein besonderes ereignis enthalten sind. es herrscht keine interpunktion vor und auch keine großschreibung: meine jetzige (schnell zusammengeschusterte) meinung ist, dass es sich nicht den regeln der realtität, der gesetzten realtität unterwerfen will, weil es sowieso nur die geistige ebene erfüllen möchte. und da ist ja vieles mehr erlaubt.
der sprachgebrauch ist nicht mein ding. es klingt wie vieles, was schon irgendwo steht. ich sehe aber eine gewisse inhaltliche (nicht: formale!) gliederung innerhalb des textes (s.o.), so dass auch nicht gemeint werden kann, man habe sich doch der ordnung der realtität verschrieben.

alles in allem: lässt mich nicht vor freude abheben. aber das muss es auch nicht, da gibts andere texte von dir.


beste grüße.
arno.

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#3

von dir

in Diverse 23.08.2005 16:29
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Kurze Assoziation dazu: "Eifersucht ist die Leidenschaft, die mit Eifer sucht was Leiden schaft".
Obwohl es inhaltlich gar nicht passen mag. Ich weiß noch nicht, ob das Gedicht für mich eher den Inhalt "ziellos verliebt" oder "Traumpartner" hat. Für ziellos verliebt ist es eigentlich zu konkret auf die Sehnsucht nach einem Menschen bezogen.
Die 2. Strophe hat es mir sehr angetan. Die könnte eigentlich für sich alleine stehen. Die enthält den Kern des ganzen. Dadrüber und dadrunter ist nach meinem Empfinden überflüssig. Ich mußte zudem irgendwie an Shakespear denken beim Klang der Sprache und dem Ton.

Grüße
GerateWohl


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#4

von dir

in Diverse 23.08.2005 22:21
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Ich möchte Geratewohl zustimmen: Die 2. Strophe ist wunderschön und so einfach die Worte auch sind, so ausdrucksvoll sind sie dennoch.
Was mich nicht begeistert, sind die ersten beiden Zeilen. Diese sind doch allzu verbraucht und mögen für das lyr. Ich inhaltlich wichtig sein, sprachlich sind sie, gerade als Reim nicht sehr ansprechend.
Doch ohne diese: Was soll ich sagen: Natürlich kann es mir nur gefallen!

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#5

von dir

in Diverse 25.08.2005 22:54
von kein Name angegeben • ( Gast )
Schade, ich würde gerne was zum Inhalt schreiben, aber momentan bekomme ich die Strophen noch nicht zu etwas ganzen zusammen, wobei die Ideen "ziellos verliebt" und "Traumpartner", die GerateWohl hatte, mir auch erstmal kamen. Aber so ganz will es trotzdem nicht passen. Ich denke weiter darüber nach.

So, jetzt muss ich aber erst einmal ein dickes Lob loswerden. Ich finde die Sprache dieses Gedichtes wunderbar. Ich möchte es, wenn ich fertig mit lesen bin, sofort wieder von vorne beginnen (mache ich dann auch).

Die ersten beiden Zeilen sind allerdings wirklich etwas verbraucht und haben mich beim ersten mal Lesen sogar etwas abgeschreckt. Fällt dir da noch was besseres ein?

Noch eine kleine Formalie: wenn du keine Satzzeichen verwendest, dann muss auch das Komma hinter taten in der dritten Zeile weg.

Ich denke weiter über das Gedicht nach.

Bis zu einer Idee viele Grüße, sehr gerne gelesen Katharma

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#6

von dir

in Diverse 26.08.2005 15:59
von muh-q wahn (gelöscht)
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Vielen Dank euch vieren, dass ihr euch dieses Gedichtes annahmt, da ich selbst noch zwiespältig bin. Besonderer Dank gilt dir, Arno. Du schreibst sehr viele richtige Dinge, wie könnte es anders sein. Nein, meine genaue Intention triffst du nicht aber das ist ja auch herzlich unwichtig. Die vom lyr. Ich halbbewusst gesuchte Irrealität hast du sehr schön verdeutlicht. Das Problem ist ja, dass dem lyr. Ich bewusst ist, dass es die Erfüllung dieser Sehnsüchte nur im Traum geben kann, gleichzeitig hängt es sich doch wie besoffen daran und träumt weiter „von dir“, denn natürlich ist das eine Ellipse und auch eine in realiter erhoffte Person.

Der Sprachgebrauch ist es, was auch mich immer noch zwiespältig macht. Denn eigentlich sollte das Gedicht die Beschreibung eines Phänomens und den Versuch einer Erklärung liefern. Das lyr. Ich schlüpft – fast wie ein Dichter – dazu in die Rolle des zu untersuchenden lyr. Du und imitiert es quasi (Strophe 1). Dann lässt das lyrische Ich sich als lyr. Du die Frage stellen, auf die es als lyr. Ich gerne eine Antwort hätte, überzeugt, dass das lyr. Du sich eine solche Frage niemals stellte und dass das lyr. Ich natürlich nur akademische Neugier bewegt. (Strophe 2). Allerdings ist die aufgespürte Emotion echt und daher die Sprache hier auch am authentischsten und GerateWohl hat ja auch erkannt, wo ich mich hier bediene.

Dann folgt die vermeintliche Antwort des lyr. Ich auf die Sehnsucht des lyr. Du und die ist natürlich wieder hochnäsig und daher sprachlich abwertend. (Strophe 3) Allerdings stockt das lyr. Ich, verlässt das Rollenspiel und muss – jetzt wieder ganz es selbst – erkennen, dass es selbst in einer solchen Ellipse gefangen ist (conclusio).

Für dich, lieber Richard, spricht einmal mehr, dass du mit traumwandlerischer Sicherheit ausschließlich die Strophe 2 goutiertest. Das ist der Moment, an dem lyr. Ich und lyr. Du und im übertragenen Sinn sogar das herbeigesehnte lyr. Es am authentischsten und am nächsten beieinander sind.

Dein Lob schließlich, Katharma, machte mich dann doch ganz verlegen. Und dein Hinweis auf das Satzzeichen ist ebenso berechtigt wie nötig gewesen. Danke.

Zwiespältig bin ich insbesondere natürlich wegen der ersten beiden Zeilen. Ihr habt natürlich alle recht und gleichzeitig halte ich die hier aufgebaute Distanz, des lyr. Ich zum „Untersuchungssubjekt“ und automatisch die des Lesers zum lyr. Ich bzw. zum Gedicht für unerlässlich.

Liebe Grüße
muh-q wahn

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#7

von dir

in Diverse 26.08.2005 16:18
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
ups, das komma in der dritten zeile hatte ich ganz übersehen. *g

grüße.

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