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#1

Vogelwild

in Liebe und Leidenschaft 13.07.2005 23:59
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Vogelwild


Aus stumpfen Spiegeln schemenhafte Schatten
unvollständig überblendet
blass belichtet bunte Bilder
achtlos arglos abgesendet.

In tiefen Teichen terminierte Trauer
verderbliche Vertraulichkeit
strahlend schöne Sehnsuchtsschauer
allzu arglos angenommen.

Und durstig drängen Dimensionen dichter
oberflächlich ortsgebunden
mannigfache Mutationen
vage vogelwild verschwunden.

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#2

Vogelwild

in Liebe und Leidenschaft 14.07.2005 07:49
von Velazquez | 315 Beiträge | 315 Punkte
Hi muh,

hier ist dir ein schöner Spagat gelungen zwischen Experiment und Inhalt - ohne dabei eine platte, konstruierte Kulisse aufzubauen. Im Gegenteil. Die Worte, so gefügt, begleiten die melancholisch-verklärte Stimmung in die Tiefe, ohne dabei überladen zu wirken. Auch interessant, wie du es schaffst die Strophen dazu noch zwischendurch durch den Reim im Gefüge zu halten. Vielleicht wolltest du sogar durchgängig reimen, aber da hättest du wohl von der konsequenten Linie des Stilmittels abweichen müssen. Ob der etwas störende Reimwechsel in S2 nun Absicht war oder den Umständen Folge leisten musste, erschliesst sich mir allerdings erstmal nicht. Die Auftakte der Strophen sind fein gewählt, fügen sich zu den verwendeten Wortendungen bzw. Anfängen und/oder den folgenden Vokalen. Die Strophen stehen dabei jeweils für sich, mit einer eigenen Konklusion am Ende und reihen sich letztlich wieder ins Gefüge - auch aufgrund des inhaltlichen Aufbaus (abgesendet - angenommen – verschwunden). Auf Artikel musstest du dann eben verzichten, um so mehr braucht es dann Adjektive und grammatische Verkürzungen, aber wie ich finde, zu Gunsten athmosphärischer Dichte und ohne plakativ zu sein.

Jedenfalls sprachlich fein, Wortwahl und Bilder getragen durch das Stilmittel, unterstützen die assoziative Wirkung, können mich mitnehmen und lassen Raum für Interpretation. Die durchgehenden Alliterationen, der so verpackte Inhalt plus dem alternierenden Rhythmus, das wirkt und gefällt - ich mag das hier jedenfalls.

Oder um es mit den Worten eines Bekannten auszudrücken,
wenn etwas besonders gut schmeckt: ’Das fickt die Zunge…’


Gruß,

Velazquez


P.S.: Lediglich für das in S1/S2 wiederkehrende ’arglos’ gibt’s einen Punktabzug in der B-Note, aber Angesichts des Schwierigkeitsgrades….d.h. …Moment…’arglos abgesendet – arglos angenommen’…hmmmm.?....dieser Gegensatz könnte natürlich auch in S2 das invertierte Reimschema rechtfertigen….doch überzeugen würde es mich allerdings nicht unbedingt…

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#3

Vogelwild

in Liebe und Leidenschaft 14.07.2005 10:21
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Hi Vel !

Ficken ist natürlich immer gut. Insofern vielen Dank für deine Anmerkungen. Ich habe mich sehr gefreut, dass du so genau beschrieben hast, was und warum es dir gefällt. Mit dem Abzug in der B-Note kann ich sehr gut leben. Ich wollte die Arglosigkeit sowohl des lyr. Ich, als auch des Du betonen, daher diese Doppelung. Der Reimwechsel soll ebenfalls deutlich machen, dass es hier zwei Personen gibt und gleichzeitig verhindern, dass der Drops ausschließlich onomatopoetisch flutscht.

Die Exzessivität der Alliteration ist gleichzeitig Experiment, Spott und bewusstes Stilmittel. Experiment: Kommt das noch an? Spott: Wenn es etwas Besonderes wäre, würden wir nur noch gestabreimte Gedichte hinlegen, nicht wahr, Vel? Im Deutschen ist zweifelsfrei der Endreim die größere Kunst, also fick dich, Alliteration! Stilmittel: Die Verwendung der Alliteration bis hin zur Sinnlosigkeit (beinahe!) ist eine Allegorie für die Verliebtheit. Letzlich verbindet sich hier ja auch der Stab- mit dem Endreim (wer dabei wen fickt, ist unerheblich). Alles wird gut.

Bei allem Spott usw. ist aber beim Rindvieh immer auch eine durchgängige Geschichte darin, ob man sie nun erkennt, oder nicht.

Bedankt.

muh

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#4

Vogelwild

in Liebe und Leidenschaft 14.07.2005 12:14
von Velazquez | 315 Beiträge | 315 Punkte
Ok, lieber muh-q ‘the Osbourne’ wahn ,

theoretisch würde ich dir gerne beipflichten, praktisch bin ich aber anderer Meinung…

Liebe Grüße,

Velazquez

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