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#1

Geschichten gegen den Wahnsinn I: Nur zu Besuch

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 26.05.2005 11:05
von MelenColia (gelöscht)
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Geschichten gegen den Wahnsinn I:

Nur zu Besuch

Der Tag ist wie gemalt. Die Sonne wohlig warm, meine Stimmung lässt sich am besten mit dem Bild einer schläfrig – schnurrenden Katze auf ihrem Kissen in der Fensterbank beschreiben. Müßiggang eines frühen Mittsommerabends.
So plätschert auch das Geplauder mit meiner Begleitung vor sich hin, höfliche Langeweile zweier Wesen, die sich einst sehr nahe standen.
Oder hätten stehen sollen.
Man meidet bewußt alle bedrückenden Themen. Da aber irgendwann alle Worte Schatten zu werfen pflegen, herrscht bald schon betretenes Schweigen.
Man schaut sich um.
Ein Garten, ein kleines, wildes Paradies. Die verschiedensten Düfte schwängern die Luft, hier Magnolienbäume in voller Blüte, fast blattlos, knorrig, dort betörende Lilien, recken die Kelche zu uns, als wäre ihre Neugier zügellos, unseren Belanglosigkeiten Gehör zu schenken, unser Schweigen zu belauschen.
Die Gräser wiegen sich sachte hin und her. Nur die Gräser. Und es ist windstill.
Gibt es hier, an diesem Ort, überhaupt Wind?
Wenn es diesen Garten, hinter den Mauern, geben kann, dann kann es doch auch Wind geben.
Ich muß lächeln, wiege denn Kopf im Takte der Gräser, mein Herz schaut mich verwirrt an – die Gräser, nahezu doppelt so hoch wie ich, sind augenblicklich bewegungslos. Ich fange an zu lachen.
Und bereue es schon mit dem nächsten Atemzug.
“Wie schön, dass es dir hier gefällt. Hinter den Mauern.”
“Es ist ein wundervoller Ort.”, erwidere ich ernst. “Lichtvoll, sicher und warm.”
“Wir können ja tauschen.”
Der Tonfall ist bitter und spöttisch, der Blick meines Gegenübers brennt.
Ich weiche diesem Blick aus, winde mich, setze an:
“Da draußen, es ist…” stocke, mitten im Tabu – Thema überhaupt ertrinkend.
Wie aus dem Nichts zeigt sich die endlos hohe rankenumwucherte Mauer, eine dunkle, mit Eisen beschlagene Tür öffnet sich schwebend, lautlos, wie im Traum.
Ich gehe einfach. Verabschiede mich nicht.
Und auch mein Herz weint mir keine Träne nach

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#2

Geschichten gegen den Wahnsinn I: Nur zu Besuch

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 02.06.2005 14:18
von sEweil | 654 Beiträge | 654 Punkte
Grüß dich.

#1

Dass hier noch niemand ein Wort verloren hat verstehe ich nicht.
Dann bin ich wenigstens auch mal der Erste.

Ich bin ein sehr kritischer Mensch, aber deine Geschichte überzeugt mich total.
Schön verpackt, eine tolle Idee, die Wortwahl, alles.

aber da ich ein sehr kritischer Mensch bin, hier noch 2 Dinge:

erwidern, statt erwiedern.

Der Tonfall ist bitter und spöttisch, der Blick meines Gegenübers brennt.
Ich weiche diesem Blick aus, winde mich, setze an:


Die Wiederholung (von dem Blick - HA! Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod!) des Blickes mag mir nicht ganz zusagen und würde "ihm" statt dessen benutzen. Was zwar nicht ganz eindeutig für den Blick ist, aber eine weitere Ebene erschließt.
(Vermutlich sagt nur mir diese Wiederholung nicht ganz zu, es ist natürlich auch in Ordnung es so stehen zu lassen, knöpf.)

Alles in allem finde ich deine Geschichte fantastisch, allein der Titel spricht schon für sich.

Ich geh jetzt in meinem Garten, mit den Magnolienbäumen und den....
flup!

Lg sEweil.

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#3

Geschichten gegen den Wahnsinn I: Nur zu Besuch

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 03.06.2005 09:36
von MelenColia (gelöscht)
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Hallo sEweil!


*freu*

Danke! Das ist ganz eindeutig die positivste Antwort die ich als Neutümpelant bislang bekam! (Ganz ehrlich: Hatte mich schon gefragt, wieso Niemand gucken und antworten mag... )

Nach langer Liegezeit bin ich noch mal drüber gegangen, plötzlich war sie um die Hälfte kürzer...

Das "erwiedern" hab ich gleich mal korrigiert... ähem.

Bei dem doppelt gemoppelten "Blick" werd ich noch mal Nachdenken, ob mir da etwas eleganteres einfällt.

Liebe Grüße,
MC



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#4

Geschichten gegen den Wahnsinn I: Nur zu Besuch

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 03.06.2005 20:03
von sEweil | 654 Beiträge | 654 Punkte
Ja, drüber nachdenken hört sich gut an und ich muss zugeben, dass es mich, nach mehrmaligem Lesen, gar nicht mehr stört.

Die Entscheidung liegt bei dir.

Lg sEweil.

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#5

Geschichten gegen den Wahnsinn I: Nur zu Besuch

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 29.09.2005 12:01
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Hallo M-C

Ich habe deine Story ausgegraben und einige Fragen dazu:

Das Wesen, ist doch das Herz deines Protagonisten, oder? Welches in der Sicherheit des ummauerten Gartens existiert. So sehe ich das.
Was es aber mit der reduzierten Grösse auf sich hat, verstehe ich nicht und ich komme an die Grenzen meiner Laienpsychologie.
Also steht dein Prot. seinen Gefühlen gegenüber, muss aber dann wieder in die Wirklichkeit, welche, durch das Stocken, als etwas negatives angedeutet wird.
Diese Passage, finde ich etwas unschön und unverständlich (auch ein Tippfehler hat sich da irgendwo eingeschlichen).
Sonst finde ich die Geschichte sehr schön "melancholisch" erzählt.

Lg Gem

Ich sehe übrigens, dass du gerade "on" bist.

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#6

Geschichten gegen den Wahnsinn I: Nur zu Besuch

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 30.09.2005 10:25
von MelenColia (gelöscht)
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Hallo Gem,

soweit ist das richtig, der Protagonist unterhält sich mit seinem personifizierten "Herz" an dem Ort wo er seine Gefühle sicher vor der Außenwelt aufbewahrt.
Die Größe von beiden in dieser Welt ist aber nicht reduziert, mit den beschriebenen Gräsern meine ich diese sehr hoch werdenden Schilf/Wassergräser, oder wie sich die auch immer schimpfen mag, die mehr als mannshoch werden können.
Und, absolut ja und mea culpa, das wird keinesfalls klar. Sowas passiert wenn man Kopfkinofilme aufschreibt, und selbst ganz genau weiß, wie es da aussieht. Ich hätte den Teich/Tümpel/See erwähnen sollen (das ist nicht mal ne Ausrede). Aber, selbst ohne diesen Hinweis, wieso sollte es in diesem Garten nicht Gräser geben die so hoch wachsen?

Der Protagonist steht seinen Gefühlen gegenüber, und stellt fest, dass sie sich nichts zu sagen haben, der Abstand zwischen beiden ist einfach zu groß geworden ist, es ist kein Zugang mehr vorhanden. Der Protagonist versuchte einst, sein Herz zu schützen, wollte es sicher wissen, dachte es wäre in seinem Sinne, erschuf eigens eine Welt. Oder ein Gefängnis- eigentlich gleich zwei Gefängnisse-
Wieso ist diese Passage unverständlich? Wo ist der Tippfehler? Ist "unschön" nun Geschmackssache oder meinst du was bestimmtes?

Thx fürs Feedback!

LG, MC

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#7

Geschichten gegen den Wahnsinn I: Nur zu Besuch

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 30.09.2005 13:00
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
...wippe denn Kopf...

Hi Mc stress-muss weg

...stocke, mitten im Tabu-Thema überhaupt ertrinkend.

Da kam ich in`s stocken.

Mit der Grösse ist es doch so, wenn man träumt und einem geläufige Gegenstände plötzlich überdimensioniert erscheinen, wird davon ausgegangen, dass man im realen Leben überfordert ist.
Hab ich mal gehört, aber du weißt ja...irren ist Gemini

Lg

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#8

Geschichten gegen den Wahnsinn I: Nur zu Besuch

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 30.09.2005 15:20
von MelenColia (gelöscht)
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Zitat:

...wippe denn Kopf...

In welche Richtung und wieso?
Die Gräser wiegen sich, du wippst, wo ist der Spielplatz?


Zitat:

Hi Mc stress-muss weg

Okay, hier aber : HÄ??
stressmuss, erasmus, orgasmus? WAT?

Gut den Stock-Punkt kann ich nachvollziehen.

Prinzipiell sagt das die Traumdeutung u.a., durchaus. War aber nicht gemeint.

Und ich weiß, das ich nix weiß, oder so, wie auch immer.

Schönes WE.

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