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#1

Essylt

in Düsteres und Trübsinniges 29.04.2005 22:45
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Zerstürmt war die Nacht und erzitterndes Grollen durchbebte die Luft,
als goldene Funken zerstoben und Wehmut getränkt war der Ort.
Du kamst zu mir wild und getrieben, mit Blut war geschwängert dein Duft.
Die Arme empfingen mein Opfer: die Sühne für ehrlosen Mord.

Der Tag wohl erleuchtete hell, was an Freude, mir einst war geliehn
und weichte unmerklich, das drohende Unheil zu nebligem Glanz.
Dem flammenden Trieb der Berauschtheit war mir nicht vergönnt zu entfliehn
und taumelnd ans Schicksal gekettet, da bat ich die Götter zum Tanz.

Die brausenden Wellen begleiten bedrohlich den brandenden Kahn,
wie seine Verruchtheit einst fällte, den einzigen Baum, der ihr lieb.
So gib mir dein Leben für das, was du nahmst, mit vergleichbarem Wahn:
Begehren und Liebe soll schmerzvoll vergelten den schändlichen Trieb.

Und kaum schon erblicken die zagenden Augen das rettende Land
und duftige Hügel versprechen Erlösung von nagender Schuld,
da wird der verführende Tropfen gereicht ihm von sicherer Hand:
Mit leisem Verlachen verschenkt sie die Rache vernichtender Huld.

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#2

Essylt

in Düsteres und Trübsinniges 05.05.2005 10:42
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hu Richie

Das ist ja schwere Kost! Ich hoffe doch, dass dies nicht aus deiner Biographie ist? Womöglich handelt es sich dabei um die Prinzessin Essylt, die der Sage nach von einem Prinzen aus den Händen eines Piraten erlöst wurde, aber dann doch mit einem anderen verheiratet wurde. Soweit ich mich erinnere, inspirierte diese Geschichte Wagner zu Tristan.

Was ich aus deinem Text lese ist Folgendes. Ein Mann nimmt sich die Frau eines Feindes, den er noch kurz vorher getötet hat. Wahrscheinlich ist Krieg und er ist ein Eroberer oder es ist, wie üblich, einfach das Begehren nach eines anderen Weib. Ist ja in Königshäusern gang und gäbe....*g Aber wahrscheinlicher ist es schon eher eine Anlehnung an das Piratenschicksal. (Str. 2 u. 4)

Und sie, tja, sie – sie muss mitmachen. Aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Danach rächt sie sich. Wohl mit einem Becher vergifteten Weins. Ein typisches „Mittelalter- Gedicht“ mit allem, was dazu gehört. Blut, Leidenschaft, Begehren, Liebe, Hass, Tod etc. ...... ich mag so schweres Zeugs, da möcht ich gleich ins Kino laufen und einen Ritterfilm reinziehen.

Gefällt mir.
Gruss
Margot


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#3

Essylt

in Düsteres und Trübsinniges 06.05.2005 11:02
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.989 Beiträge | 2007 Punkte
Hui auch ich muss etwas dazu schreiben, es klingt wunderbar und gefällt mir sehr.

als goldene Funken zerstoben und Wehmut getränkt war der Ort. müsste es nicht wehmutgetränkt heissen ? Ich meine, man kann doch auf ein recht altmodisches Gedicht nicht die neue Rechtschreibung anwenden

Inhaltlich liegt MArgot sicher goldrichtig, doch mir fiel noch auf:
- Er scheint nicht aus Liebe gemordet zu haben, da er sich erst danach in sie zu verlieben scheint. Dem flammenden Trieb der Berauschtheit war mir nicht vergönnt zu entfliehn bzw. er versuchte nach dem Mord sie zu verlassen, schaffte es aber nicht, das ist wahrscheinlicher (Ich kenne die Geschichte der Prinzessin Essylt nicht.)
Die Verbindung des Kahns und des Baumes finde ich ausserordentlich schön. Zuerst kann man den Tanz mit den Göttern, und die Wellen verbinden. Beide treiben also auf ihrer Schuld gegenüber dem Toten ins Ungewisse, denn der Kahn ist aus dem Baum gemacht. Allerdings finde ich hier etwas sehr fragliches: wie seine Verruchtheit einst fällte, den einzigen Baum, der ihr lieb. "Seine"? Bisher sprach der Sünder, warum heisst es nun "Seine" ? Oder bezieht sich "Seine" auf den Kahn ? Das würde ja wieder die Verbindung von kahn und Baum zerstören, schade.
Und kaum schon erblicken die zagenden Augen das rettende Land
und duftige Hügel versprechen Erlösung von nagender Schuld,

Sie waren wohl gemeinsam auf der Flucht gewesen, und kaum tut sich ihm Hoffnung auf tötet Sie ihn.

Ich habe es mehrmals gelesen und sehr seinen Klang und die Stimmung/Bilder die es hervorrief genossen. Wirklich gelungen.

Grüßle

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#4

Essylt

in Düsteres und Trübsinniges 06.05.2005 21:25
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Vielen Dank ihr beiden für das Lob und auch die Interpretationen.
Tatsächlich handelt es sich hier um die Prinzessin Isolde aus dem Tristan-Werk von Gottfried von Strassburg.
So zumindest meine Intention.

@Margot
Ich kenne leider die mythologische Entsprechung der Essylt nicht. Weiß aber dass Gottfried mythologische Vorlagen hatte. Wagner, denke ich, hat seine Inspiration wahrscheinlich eher von Gottfried.
Der Name Essylt ist die keltische Aussprache des ursprünglichen Namens.
Kennst du den Tristanstoff? Den Baum, den Tristan fällte, sollte hier eine Andeutung auf den Sieg Tristans über Morholt sein, Isoldes Onkel.

@Will
Ja, du hast recht: wehmutgetränkt ist richtig.
Aber die erste Strophe ist augenscheinlich etwas missverständlich: Mit den Armen sind "Ihre" Arme gemeint. Und mit dem OPfer soll angedeutet werden, dass sie sich selbst benutzt, um ihre Rache zu vollziehen. Sie selbst wird Teil der Sühne, die sie für den Mord verlangt. Es spricht also nicht der Sünder, sondern Isolde selbst, die für ihre Rache selbst zur Sünderin wird.
Die ersten beiden Zeilen der vorletzten Strophe und die ganze letzte Strophe werden dann von einem Erzähler verkündet, in Anlehnung an mündlich Vorgetragenes in mittelalterlicher Zeit.
Die Hoffnung am Ende ist seine Hoffnung, die Hoffnung seine Schuld abzuladen und aus ihrem Einflussbereich zu entfliehn - leider zu spät.

Eine Interpretation eines Teiles des Tristanstoffes lag mir schon länger am Herzen und nun habe ich mich herangewagt. Auch wenn die Geschichte vielleicht nicht ganz ersichtlich wird, freut es mich dennoch, dass zumindest die Wirkung nicht verfehlt war.

Es freut mich sehr dass es euch gefallen hat und das die mittelalterliche Stimmung rüberkam!

Liebe Grüße Richard

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#5

Essylt

in Düsteres und Trübsinniges 07.05.2005 15:46
von Hojaro (gelöscht)
avatar
Ein wahnsinng beeindruckendes Werk. Sowohl sprachlich als auch im metrischen Bereich. Es scheint egal, ob es irgendwelche inhaltlichen Fauxpässe gibt, da das Gedicht sprachlich ein reinster Wohlklang ist. Ich verstehe nichts Tristan, Essylt und den anderen Kumpanen, aber wollte es nicht versäumen mein Lob zu verkünden. Schon Muh sagte doch, dass er seine Meinung über ein Gedicht manchmal nur über die sprachliche Verschnörkelung des Werkes bildet. Na denn, so sei es auch bei mir...

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#6

Essylt

in Düsteres und Trübsinniges 07.05.2005 16:37
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Ohhh , dass ist aber wirklich ein schönes LOb! Danke!!!

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#7

Essylt

in Düsteres und Trübsinniges 18.05.2005 18:11
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Hallo Richard (Wagner)!

Das wundert mich nicht, dass du auf so einen Stoff abfährst und dich darin mit deinem geliebten Daktylus austobst, was sage ich: suhlst ! Nachdem du aber so abgefeiert wurdest, wirst du es ertragen können, wenn mein Lob, welches ich dir neidvoll zollen muss, nicht ganz beschwerdefrei herüberkommt. Denn:

Mit 17 Silben pro Zeile ist das schon ziemlich rekordverdächtig und wer da noch im Kreuze reimt, der mutet seinem Leser schon etwas zu. Strafverschärfend kommt hinzu, dass die Zeilen ungleichmäßige Sprechpausen aufweisen, aber regelmäßig männliche Kadenzen, was das Ganze etwas atemlos macht. Das macht es mir schwer, den Klang vorbehaltlos zu genießen. Und dann hast du hin und wieder gemogelt, um dein Metrum beizubehalten, entweder mit Wortungetümen: zerstürmen, durchbeben, zerstieben, verlachen oder mit Füllwörtern: wohl, einst, da, schon oder mit inhaltlichen Zugeständnissen: S2Z1+2, S3Z3+4, S4Z4.

Und wenn du das allzu kleinlich findest, gebe ich dir ja Recht. Wer aber auf so hohem Niveau segelt, muss steifere Brisen abkönnen, als die lauen Lüfte der Kumpanei. Warum hat man denn Muße auf die kleinen Schnitzer zu schauen ? Genau: Verstehen tut, wer’s nicht kennt, ohnehin nix. Ich muss gestehen, dass ich nicht wusste, wer oder was Essylt heißen soll und die mir an sich bekannte Story nicht erkannte. Das wummerte und brauste und grollte zwar mächtig und mir war klar, dass da bedeutende Dinge geschahen, aber was um alles in der Welt ? Selbst mit dem Wissen, dass es sich um Krischan und die Olle handelt, ist mir noch immer nicht klar, warum du einerseits so zaghaft umdichtest und andererseits doch die Rache und den Spannungsbogen verrätst.

Sei es drum. Schön schicksalsschwanger gedichtet ist es allemal und auch ich alte Sau konnte nach Herzenslust nach Trüffeln wühlen. Dennoch wäre hier entweder weniger oder mehr eindeutig mehr gewesen. In dieser Form ist es ein von sicherer Hand gereichter, verführender ... Tropfen. Er verweht im nebligen Glanz.

Nichts für ungut, ich habe mich ja gerne damit beschäftigt.

Digitally Yours

muh-q wahn

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#8

Essylt

in Düsteres und Trübsinniges 07.06.2005 00:05
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Tja, mein lieber Muh, natürlich kann ich immer Kritik vertragen, auch ohne vorheriges Lob, denn immerhin ist eine kritische Beachtung auch eine Beachtung und: Who could bear to be forgotten?

Zum ersten Kommentar:
Sicher ist die Atemlosigkeit das größte und wichtigste Stilmittel hier. M.E. wäre es ohne diese langweilig.
Zur altertümlichen Thematik passen Wortgetüme und schwülstige Füllwörter doch sehr gut oder nicht? Ich jedenfalls liebe sie!

Was meinst du mit inhaltlichen Zugeständnissen? Mir zumindest leuchtet der Inhalt ein.

Mit einem hast du auf jeden Fall Recht: Mehr wäre wirklich mehr gewesen, aber ist mehr nicht immer mehr? Und wer bekomt das schon?

Mit großem Dank an den Kritiker
Richard

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#9

Essylt

in Düsteres und Trübsinniges 07.06.2005 10:07
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Klasse, Richard beim Bull-Riding. So ganz sattel- und kritikfest erscheinst du mir aber nicht, mein Lieber. Ich wollte dir den Spaß an deinem Werk bestimmt nicht vermiesen, ich habe ja selbst Freude daran, aber das musst du mir überlassen, ob ich Wortungetüme und Füllwörter vorbehaltlos genießen kann, wenn sie für meinen Geschmack allzu vordergründig dem Versmaß geschuldet sind. Grundsätzlich passt das alles in ein barockes Werk, da gebe ich dir unumwunden Recht aber Neologismen fallen nun einmal auf. Und wenn ich dann die vermeintliche Absicht bemerke, bin ich eben kurzzeitig verstimmt. Und das ist schade.

Dass dir der Inhalt einleuchtet, leuchtet mir ein. Mir leuchtet der Inhalt auch ein. Allerdings zerstob dir dieser hin und wieder unter deiner wuchtigen Wortwahl, nämlich da, wo ich es sagte:

Der Tag wohl erleuchtete hell, was an Freude, mir einst war geliehn
und weichte unmerklich, das drohende Unheil zu nebligem Glanz.


Ich verstehe es nicht wirklich. Der Tag erleuchtet hell die einstige Freude. Also ist da etwas zu sehen, was einstmals dir gehörte und/oder deine Freude war. So weit, so gut, auch wenn ich nicht genau weiß, was da erleuchtet wird. Siegfried? Weiter im Text: Nun wird irgendetwas geweicht. Weicht der Tag etwas (auf)? Oder meintest du etwa, dass diese dir einst geliehene Freude unmerklich wich? Oder ist trotz des Kommas gemeint, dass der Tag das Unheil (Welches? Siegfried?) zu nebligem Glanz aufweicht? Geschieht das unmerklich, d.h. man bekommt es gar nicht mit? Wenn aber doch, wie kann es hell erleuchtet sein?

So gib mir dein Leben für das, was du nahmst, mit vergleichbarem Wahn:
Begehren und Liebe soll schmerzvoll vergelten den schändlichen Trieb.


Siegfried soll sein Leben für das des, von ihm getöteten Morholt geben. Alles klar. Soll er das mit vergleichbarem Wahn tun? Mit wem wird der Wahn verglichen? Mit dem Wahn in Essylts Begehren? Egal, ich will auf dem unverständlichen Komma nicht herumreiten, denn die nächste Zeile ist wesentlich unverständlicher. Allerdings kann ich dir nicht erklären, was ich unverständlich finde, da ich gar nichts verstehe. Wenn Siegfried sein Leben ausliefert, sich also selbst tötet oder willfährig töten lässt, dann sollen in und durch diese Tat wessen Begehren und Liebe warum schmerzvoll was genau vergelten und um welchen verdammten Trieb geht es dabei. Versteh mich nicht falsch: Wer die Story kennt, der kann das auseinander puzzlen aber so geht es meiner Meinung nach nicht. Bei der Analyse eines Textes kann und will ich nicht für den Autor sprechen lassen, dass ich weiß, was er meint. Selbst wenn ich die Story nicht wiedererkennen muss, so müssen die Aussagen in sich doch entschlüsselbar sein.

Mit leisem Verlachen verschenkt sie die Rache vernichtender Huld.

dito. Unverständlich.

Vielleicht hätte ich nicht freundlich von „inhaltlichen Zugeständnissen“ sprechen sollen, sondern dass du teilweise wortgewaltig unverständliches Zeugs von dir gegeben hast.

Schade auch, dass du dich über mich lustig machst. Ich hatte dir zugetraut, dass du verstehst, was ich meine, wenn ich sage, dass es nach meinem Dafürhalten entweder weniger, oder mehr hätte sein müssen. Gemeint war natürlich, dass du die Story hättest noch weiter verkürzen/vereinfachen müssen, wenn du sie auf so relativ engem Raum abhandeln willst. Oder aber dir selbst und deinem Leser mehr Platz hättest gönnen müssen, um verständlich zu bleiben. So aber legst du ein über die Maßen komprimiertes Werk vor. Ich sagte es bereits: Du bist – auf einem so hohen Niveau, wie es nicht viele erreichen – gescheitert.

Ich beneide dich dennoch. Auch das sagte ich.

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#10

Essylt

in Düsteres und Trübsinniges 07.06.2005 20:43
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Klasse, Richard beim Bull-Riding.

Also man kann ja viel über mich sagen, aber geritten habe ich hier keinen Bullen - auch wenn ich das bestimmt schon mal gemacht habe, muß schon ewig her sein...Tja man wird alt...

Ich wollte dir den Spaß an deinem Werk bestimmt nicht vermiesen

Hast du nicht!

aber das musst du mir überlassen, ob ich Wortungetüme und Füllwörter vorbehaltlos genießen kann, wenn sie für meinen Geschmack allzu vordergründig dem Versmaß geschuldet sind.

Das tue ich vorbehaltlos, doch ob sie wirklich dem Versmaß geschuldet sind,m wäre noch zu klären - ich muß ja nicht jeden Kritikpunkt vorbehaltlos annehmen, nicht?

Der Tag wohl erleuchtete hell, was an Freude, mir einst war geliehn
und weichte unmerklich, das drohende Unheil zu nebligem Glanz.

Ich verstehe es nicht wirklich. Der Tag erleuchtet hell die einstige Freude. Also ist da etwas zu sehen, was einstmals dir gehörte und/oder deine Freude war. So weit, so gut, auch wenn ich nicht genau weiß, was da erleuchtet wird. Siegfried? Weiter im Text: Nun wird irgendetwas geweicht. Weicht der Tag etwas (auf)? Oder meintest du etwa, dass diese dir einst geliehene Freude unmerklich wich? Oder ist trotz des Kommas gemeint, dass der Tag das Unheil (Welches? Siegfried?) zu nebligem Glanz aufweicht? Geschieht das unmerklich, d.h. man bekommt es gar nicht mit? Wenn aber doch, wie kann es hell erleuchtet sein?


Eine ganz einfache Aussage: Der Tag vertreibt das Unheil, dass man noch in der Nacht herannahen siehrt, durch die Klarheit des Dunkels, weicht es auf, so dass nur noch ein Nachhall zu verspüren ist: Das drohende, düstere Unheil wird zu sonnigem Glanz, aber eben nur neblig, da es ja immer noch vorhanden ist. Und mit dem Beginn des Tages, dem ´Vertreiben der dunklen Vorahnungen durch helles Sonnenlicht verspürt die Protagonistin wieder ein wenig der einstigen Freude, die sie einst fühlte - sozusagen der letzte halbwegs schöne Moment, bevor der Irrsinn des Rachegefühls wieder aufkommt.
Dann geht es nicht um Siegfried, sondern um Tristan. Und natürlich ist mit dem Unheil die schicksalsträchtige Rache gemeint, die so folgenschwer kommen wird. Da sie die Ausführerin der Rache ist, weiß sie natürlich, dass Diese Folgen haben wird, die den Untergang beschwören.

So gib mir dein Leben für das, was du nahmst, mit vergleichbarem Wahn:
Begehren und Liebe soll schmerzvoll vergelten den schändlichen Trieb.

Siegfried soll sein Leben für das des, von ihm getöteten Morholt geben. Alles klar. Soll er das mit vergleichbarem Wahn tun? Mit wem wird der Wahn verglichen? Mit dem Wahn in Essylts Begehren? Egal, ich will auf dem unverständlichen Komma nicht herumreiten, denn die nächste Zeile ist wesentlich unverständlicher. Allerdings kann ich dir nicht erklären, was ich unverständlich finde, da ich gar nichts verstehe. Wenn Siegfried sein Leben ausliefert, sich also selbst tötet oder willfährig töten lässt, dann sollen in und durch diese Tat wessen Begehren und Liebe warum schmerzvoll was genau vergelten und um welchen verdammten Trieb geht es dabei.


Die Rache ist folgende im Tristanroman: Isoldes Onkel, der Morholt, den sie über alles liebt, wird getötet von Tristan. Tristan betrügt Isolde, weil er sich als jemand anders ausgibt. Tristan kommt als Brautwerber, jedoch nicht für sich selbst, sondern für einen femden König. Isolde schwört Rache und reicht, um diese zu vollziehen, TRistan auf dem Schiff, die sie zu ihrem zukünftigen Gatten führen soll, den Liebestrank. TRistan ist dem König Marke, der Isolde ehelichen will treu ergeben. Ihre Rache ist es ihn in LIebe an sich zu binden und ihn damit in starke Gewissenskonflikte zu stürzen und in ein Leben, beseelt von unglücklicher Liebe. Tristan nimmt den Becher, obwohl er weiß (so meine Deutung) das es sein Untergang ist, aus Schuldgefühlen heraus. Ein letzter Blick auf sein herannahendes Land, indem er vielleicht das letzte Mal Zufriedenheit spürte und dann trinkt er.
Ihrer beider Schicksal ist nun besiegelt.
Vergolten werden sollte der Trieb, der ihn dazu verleitete, das zu töten, was Isolde liebte: Nun soll er als Ersatz dienen und gleichzeitig ist dies sein Tod und auch der Ihre.

Versteh mich nicht falsch: Wer die Story kennt, der kann das auseinander puzzlen aber so geht es meiner Meinung nach nicht. Bei der Analyse eines Textes kann und will ich nicht für den Autor sprechen lassen, dass ich weiß, was er meint. Selbst wenn ich die Story nicht wiedererkennen muss, so müssen die Aussagen in sich doch entschlüsselbar sein.

Und hier gebe ich dir vollkommen recht. Es muß verstanden werden, auch von jemandem, der die Story nicht kennt. Und hier bin ich gescheitert und das macht mich auch sehr traurig. DEnn ein Werk, dass nicht verstanden wird und nur der schönen Worte wegen gefällt ist ein schlechtes Werk oder gar keins.

Mit leisem Verlachen verschenkt sie die Rache vernichtender Huld.

dito. Unverständlich.


Nach obigen Erklärungen ist es wahrscheinlich jetzt verständlicher: Die Rache ist die unglückliche Liebe.

Vielleicht hätte ich nicht freundlich von „inhaltlichen Zugeständnissen“ sprechen sollen, sondern dass du teilweise wortgewaltig unverständliches Zeugs von dir gegeben hast.

Hier hast du Recht und trotzdem musste ich, ob deiner Wortwahl prustend meine Spaghetti vom Bildschirm wischen!

ZU "mehr ist mehr" sagte ich im vorigem POst oben schon etwas.

Ich sagte es bereits: Du bist – auf einem so hohen Niveau, wie es nicht viele erreichen – gescheitert.

Vielen Dank für das Niveau! Und ja-das bin ich wohl!

Ich beneide dich dennoch. Auch das sagte ich.

Für die unverständlich von mir gegebenes Wortungetüm-Zeugs?

Danke mein liebes Kalb für die vernichtende Kritik!
Richard

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