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#1

Dem Liebsten in der Ferne

in Düsteres und Trübsinniges 22.04.2005 09:41
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
    Dem Liebsten in der Ferne


    Nun bist du schon, (sind es erst zwanzig Tage?)
    seit Ewigkeiten fort von mir.
    Der Rosenstrauch am Bach ist längst verblüht.
    Und mit gar bittersüsser Wehmut trage,
    ich welke Blätter zum Kompost,
    und lächle artig, wenn auch leicht bemüht.

    Ich wollte dir, ich hab es wieder nicht geschafft,
    die Tränen auf den Seiten doch ersparen,
    drum sieh’s mir nach, wenn meine Briefe wellen.
    Heut morgen habe ich mich sogar aufgerafft,
    beim Bäcker deinen Lieblingskuchen,
    den nussigen, für Sonntag zu bestellen.

    Es geht hier alles den gewohnten Gang,
    und wenn der Winter kommt,
    dann heizt der alte Kessel wieder.
    Ach, die paar Wochen sind doch gar nicht lang!
    Und schau, ich hab das ganze Haus geputzt,
    es glänzt und riecht nach weissem Flieder.

    Doch manchmal, abends, wenn ich müde bin-
    wovon, das weiss wohl nur der Himmel -
    steh ich allein am kleinen Fenster
    und fluche leise über Zweck und Sinn.
    Von weit hört man Motorenlärm;
    Nun schlafe sanft, mein ferner Liebster.


    (c) Margot S. Baumann








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#2

Dem Liebsten in der Ferne

in Düsteres und Trübsinniges 22.04.2005 11:21
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
hallo margot.

neue wege. sehr schön. eine anmerkung: str3/z6: ich würde "es glänzt" weglassen und dafür mehr wert auf flieder legen.. daß es sauber ist, ist doch klar und zweitens kann man dann das augenmerk ganz gut auf den flieder legen. sprich: es ist zuviel in der zeile.. so jetzt ists raus.

str4:
fenster - liebster erreicht leider bei mir keinen erinnerungseffekt (hach, sprech ich mich heute so verdammt quer aus *grml*.. ) was ich meine: wenn ich "Liebster" lese, dann kommt kein unbewußter "aha, ein reim"-gedanke, da es ein unreimer ist. aber das ist auch gut, wie ich gerade finde. *g der grund? ganz einfach: es unterstreicht mehr die trauer und das abschied-nehmen.

soweit von der front, margöttin.

liebe grüße.
arno.

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#3

Dem Liebsten in der Ferne

in Düsteres und Trübsinniges 22.04.2005 14:25
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi Böldtchen

Mich lockt doch stets das Neue, das weisst du doch. Nun, ich nahm mir die Freiheit, bei den sich nicht reimenden Zeilen, die Silbenzahl zu variieren, aber bei den anderen hielt ich die Silben konstant. Von daher kann ich die Fliederzeile zwar kürzen, würde aber mit meinem Schema brechen. Btw. ich kann zmB. sehr gut putzen, ohne dass es nachher glänzt. .... ich denk darüber nach.

Fenster/Liebster .... ja, gell - da bleibt man hängen - ich auch. Ich find's jedoch nicht schlimm. Geübte Leser suchen wohl am Ende den Reim. Ist es schlimm, wenn sie's deswegen nochmals lesen müssen? Vielleicht sollte ich das verbessern - aber, wie gesagt - stören tut's mich persönlich nicht gross. Ich bin eben immer etwas milde zu mir selber. *g

Gruss an die Front, das Paket folgt.
Margot


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