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#1

Neuropsychiatrie

in Ausgezeichnete Lyrik 19.04.2005 12:14
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Neuropsychiatrie


Die sagten mir, ich hätte keinen Willen
Und wollte nur, was ich gerade tu.
Ich könnte meinen Geist auch noch so füllen,
den hätte ich als Beiwerk nur dazu.

Die sagten, das wär alles neuronal
und wenn ich das nicht schluckte, gäb es Pillen.
Für mich blieb in der Frage optional,
ob deren oder meine Sehnsucht stillen.

Denn wären wir nicht unsrer Seelen Hüllen,
dann wären wir belebtes Fleisch mit Haut.
Wie könntest du mit Liebe mich erfüllen,
wo ich doch Liebe vorher nie geschaut ?

Nicht Fleisch, noch Geist könnt mir das Herz betören:
Dein Zauber machte Zweifel in mir still.
Dir wollte ich mein Lebtag Treue schwören.
Ich liebe dich, weil ich das sicher will.

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#2

Neuropsychiatrie

in Ausgezeichnete Lyrik 19.04.2005 13:50
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi muh

Ach, ist das traurig *snief* - ich mag solche Sachen. Es ist irgendwie.... hm .... so auf eine Art unschuldig und naiv.... aber nicht im negativen Sinn. So à la Forrest Gump.... du verstehst?

Es würde meiner Meinung nach noch an Intensität gewinnen, wenn du schreiben würdest: Sie sagen mir ...... etc. So wäre der Protagonist immer noch in der dubiosen Welt der Dok- und anderen Toren gefangen, die ihm da vorschreiben wollen, was er zu fühlen hat.

Gefällt mir wirklich gut und vermag mich zu berühren. *seufz*

Grüsse
Margot

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#3

Neuropsychiatrie

in Ausgezeichnete Lyrik 19.04.2005 16:42
von kein Name angegeben • ( Gast )
Auch mir gefallen Deine Zeilen sehr. Dennoch wage ich die letzte Zeile in Frage zu stellen:

Ist freier Wille Illusion?
Wenn wir verliebt sind ja - dann schon!
Ob willig oder unfreiwillig
geschieht's uns davon unabhängig...

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#4

Neuropsychiatrie

in Ausgezeichnete Lyrik 19.04.2005 21:12
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Das ist wirklich schön und mir fehlen einfach mal die Worte!

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#5

Neuropsychiatrie

in Ausgezeichnete Lyrik 20.04.2005 10:14
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
@Margot: Du weißt, wie gern ich dich berühre aber ich frage mich gerade, ob ich mich verständlich machen konnte.

@Xenia: Du hast vollkommen Recht und es ist mir sehr bewusst, dass das ein Paradoxon ist. Aber es ist eben unauflösbar (für mich).

@Richard:

Danke für eure Kommentare. Erhaltet mir euer Wohlwollen.

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#6

Neuropsychiatrie

in Ausgezeichnete Lyrik 20.04.2005 11:18
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte

Zitat:

muh-q wahn schrieb am 20.04.2005 10:14 Uhr:
...... aber ich frage mich gerade, ob ich mich verständlich machen konnte.





Ich glaube, das spielt keine primäre Rolle. Für mich stimmt es so, wie ich es interpretiert habe. Gut möglich, dass deine Intention eine ganz andere war und möglich, dass du dich jetzt unverstanden fühlst. Macht nichts muh *tröst*. Dichter werden oft missverstanden, Hauptsache ist doch, dass es gefällt.

Grüsse
Margot

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#7

Neuropsychiatrie

in Ausgezeichnete Lyrik 20.04.2005 11:47
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Du hast natürlich Recht. Vielleicht verstehst du mich ja auch besser, als ich mich selbst. Jedenfalls hatte ich das Gedicht zunächst im Präsens, bin dann aber auf das Präteritum ausgewichen, gerade um den pathologischen Anklang nicht zu stark zu betonen. Das mit dem freien Willen soll uns alle betreffen, nicht nur so eingebildete Kranke wie mich !?

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#8

Neuropsychiatrie

in Ausgezeichnete Lyrik 25.04.2005 09:59
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte

Zitat:

um den pathologischen Anklang nicht zu stark zu betonen.


Noch mehr ist bei diesem Titel allerdings auch gar nicht notwendig, muh. Ein gelungener Titel für ein Gedicht, dass in der Rubrik Liebe und Leidenschaft steht - aber auch ansonsten ein Titel der mich anspricht

Schick die Pillen zum Teufel, gute Entscheidung, nicht alles mit elektrischen Impulsen zwischen unseren Nervenknoten zu erklären... natürlich weiß ich, dass wir, wenn wir jemanden gut riechen können, auf besondere Ergänzungen hinsichtlich des Immunsystems für unsere Nachfahren reagieren, dass sich bestimmte Beziehungsmuster auf die Anzahl von Eizellen und Spermien zurückführen lassen, dass Partnerwahl von eigenen sexuellen Zyklen bestimmt wird...

...aber irgendwie bleibt einem dann nicht mehr allzuviel. Nein, da nährt man doch lieber die eigene Sehnsucht, auch wenn dies Schmerz bedeutet.

Gefällt mir sehr gut, sogar der Unreine in der ersten Strophe ( ),


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#9

Neuropsychiatrie

in Ausgezeichnete Lyrik 25.04.2005 12:35
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte

Zitat:

Don Carvalho schrieb am 25.04.2005 09:59 Uhr:
Noch mehr ist bei diesem Titel allerdings auch gar nicht notwendig, muh.



Sprach's und bewies in der Folge, dass er die Allgemeingültigkeit des Gedichtes sehr wohl verstanden hat. Als wenn alle medizinischen Fachbücher selber auch krank wären ...

Willkommen zurück im Schlamm !


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#10

Neuropsychiatrie

in Ausgezeichnete Lyrik 15.05.2005 09:48
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
Herzlichen Glückwunsch, muh!

Deine Neuropsychiatrie hat doch glatt und frei von jeglicher Konkurrenz den Ehrenpreis


Gedicht des Aprils 2005



erreicht. Wohl kein anderes hat es diesen Monat verdient!!

Dann feier mal schön!

Beste Grüße.
Administration/Moderation

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