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#1

Besessenheit

in Düsteres und Trübsinniges 15.04.2005 19:21
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
So sarkastisch sprachst du silbern Sätze,
brachst bedrohlich Bilderbrocken.
Lodernd ließt du dich verlocken,
gabst geläutert gottgleich mir Gesetze.

Mildert deine Macht auch meinen Mut,
bitte ich doch bebend, bitterlich um Brot.
Treffe ich den Teufel tugendhaft im Tod,
warnt sein Wesen mich vor deiner Wut.

Doch die Seele selbst sehnt deinen Segen,
läßt meiner Liebe leere Leiche liegen,
Ich werde voller Wollust und verwegen,
Seuchensamen säen für dein Siegen.

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#2

Besessenheit

in Düsteres und Trübsinniges 15.04.2005 20:21
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Hi !

Sorry, Richard, ich habe gerade keinen Bock für eine tiefenpsychologische Analyse - ich bin zu müde zum Tippen - wollte aber mitteilen, dass dein Werk mir gefällt. Wer sagt denn, dass man nicht um Aliterationen schöne Gedichte basteln kann ? Niemand ? Genau.

Die Auseinandersetzung mit dem höheren Wesen (Gott ?) ist gelungen dargestellt, die Sprachgestalt und -gewalt klingt mir in den Ohren. Vermutlich gibt es den einen oder anderen Sinndreher (warnt sein - des Teufels - Wesen vor deiner Wut: obwohl schon tot, soll die Warnung noch schrecken ?) aber das ist mir egal. In diesem Tod ist das lyr. Ich offenbar "bekehrt" und hilft mit, dem lyr. Du zum kompletten Sieg zu verhelfen. Oder so ähnlich.

Was ich eigentlich wollte, bezieht sich auf die für meinen Geschmack in dieser sprachlichen Wollust brutalen Elisionen. Vermutlich der Metrik zuliebe - wie gesagt, ich habe keine Lust - wurden hier die Worte gebrochen. Ich alter Martermetriker hätte das lässig so stehen lassen:

So sarkastisch sprachst du silbern Sätze,
brachst bedrohlich Bilderbrocken.
Lodernd ließt du dich verlocken,
gabst geläutert gottgleich mir Gesetze.

Mildert deine Macht auch meinen Mut,
bitte ich doch bebend, bitterlich um Brot.
Treffe ich den Teufel tugendhaft im Tod,
warnt sein Wesen mich vor deiner Wut.

Doch die Seele selbst sehnt deinen Segen,
lässt meiner Liebe leere Leiche liegen,
Ich werde voller Wollust und verwegen,
Seuchensamen säen für dein Siegen.


Entschuldige die Wortwahl: Ein geiles Gedicht, gefällt und gern gelesen.

CU

muh-q wahn

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#3

Besessenheit

in Düsteres und Trübsinniges 16.04.2005 13:45
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Das freut mich sehr! "geil" ist ein adjektiv, dass ich noch nie bekam und deshalb umso lieber unter meinem Gedicht lese!

Weißt du was - du hast Recht! Da ich hier überhaupt nicht nach der Metrik prüfte, kann ich die Elisionen ruhig weglassen (Ich neige sehr dazu).

Der "Tod" ist hier übrigens nicht ganz wörtlich zu nehmen.

Danke für deinen Kommentar! Hat mich sehr gefreut.

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#4

Besessenheit

in Düsteres und Trübsinniges 20.04.2005 15:00
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Hi Bwana Dick !

Die Freude war ganz meinerseits. Ja, der Tod ist hier wohl eher allegorischer Natur, worauf ja auch deutlich S3V2 mit "meiner Liebe leere Leiche" verweist. (Schau also nächstes Mal besser hin, Depp!)

Worum geht's ? Strophe 1: Das lyr. Du umgarnte das lyr. Ich mit Schmeicheleien (silberne Sätze), um es zu benutzen. Der Sarkasmus ging dem lyr. Ich erst hinterher auf, zunächst war es ganz beeindruckt von den Sprüchen, die quasi einen Bildersturm in der Gedankenwelt des lyr. Ichs auslösten. Die lodernde Begeisterung des lyr. Ichs verleitete das lyr. Du, sich zu zügeln und das lyr. Ich unter die Fittiche zu nehmen. Zeile 4 ist sicher nur übertragen zu verstehen: Das lyr. Du wurde eben zum vergötterten Über-Ich.

Strophe 2: Auch wenn die Übermächtigkeit einschüchternd ist, so versucht sich unser lyr. Ich weiterhin in der Kunst des lyr. Du, denn unser lyr. Ich meinte es ehrlich, sowohl mit dem Du, als auch mit der Kunst. So tugendhaft geht es natürlich unter, der Teufel selbst müsste/könnte das lyr. Ich vor der Wut des lyr. Du warnen vulgo: Die Wut des lyr. Du über die Anmaßung des lyr. Ich übersteigt sogar teuflisches Maß. Das ist das Ende der Beziehung bzw. müsste es sein.

Strophe 3: Doch das lyr. Ich ist in einer selbstzerstörerischen Abhängigkeit vom lyr. Du gefangen, so sehr sehnt es sich nach der Zuneigung. Es nimmt die Zerstörung der eigenen Gefühlswelt in Kauf und wird entweder selbst so wie das lyr. Du agieren oder liefert sich dessen (sexuellen?) Rasereien vollständig aus und bereitet auf diese Art den Boden für den vollkommenen Triumph des lyr. Du.

Sehr gelungene Beschreibung einer amour fou (Marke: Rosemarie's Baby), wie ich finde und dabei übertragbar auf manche Lebenssituationen, in denen Verführer auf Verführte treffen. Wirklich klasse und langsam kann man Depris bekommen, wieviele Gedichte des Monats April man vorschlagen muss. April, April ... dieses Mal habe ich wirklich zu früh angefangen !

Digitally Yours

muh-q wahn

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