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#1

Von der unendlichen Vielfalt des Seins

in Humor und Fröhliches 11.03.2005 10:27
von DOCC (gelöscht)
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Hallo ihrs,
ob der Pointe in der letzten Zeile (wenn man sie denn wörtlich nimmt) ist das Gedicht schon etwas witzig.
Str.1 Zeile 2 soll wohl Sehnsuchtsrot heißen (was immer das auch sein soll)
Nee muh, das soll Gedankengut heissen (denk ich mal) - nicht gute Gedanken...
Liest sich gut das Gedicht, aber anfangen kann ich damit nicht so viel...
Liebe Grüße von
DOCC

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#2

Von der unendlichen Vielfalt des Seins

in Humor und Fröhliches 24.03.2005 16:30
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Da es mir auch gefällt und ich es ebenfalls so gar nicht humorig (naja, es sei denn man sieht es so: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht") finden kann, nun meine Interpretation:

"Deine Schulterblätter sprießen
sommerlich ins Sehsuchtsrot.
Flüchtigfrische Farben fließen
trauertragend in den Tod."
XxXxXxXx
XxXxXxX
XxXxXxXx
XxXxXxX
Ich werde jetzt überinterpretieren was das Zeug hält: Die Schulterblätter stehen für den Körperteil, der die Last des Lebens trägt. Der Sommer und das Rot symbolisieren die Frische Liebe und zuerst spriesst sie wie Blumen in Fülle, doch die Last lässt den Rücken rot und wund werden, so dass der Schmerz nicht nur fühlbar, sondern auch auffällig sichtbar ist und die Farben, die vorerst noch frisch und sommerlich blühten, werden durch den Schmerz und die Trauer missglückter Gefühle in den Tod getragen.

"Starr, gebrochen dein Gedanken-
gut, begraben die Gefahr.
Deine Wonnewellen wanken
dorthin, wo ich niemals war."
XxXxXxXx
XxXxXxX
XxXxXxXx
XxXxXxX
Die Gefühle und Gedanken sind nun gebrochen, doch wird der Schmerz verdrängt, vielleicht sogar betäubt oder mit Phantasiegebilden ummäntelt:
Die empfundene Wonne der Einbildung wankt zwar, weil sie imaginär ist, doch führt sie das lyr. Du in eine Hoffnungs- oder Phantasiewelt, in der das realistische, rationale lyr. Ich nie gewesen ist, die es nicht kennt.

"Träum die Hoffnung deines Lebens,
schenk dem Zweifel einen Kuss,
glaub, du wartest nicht vergebens
auf den allerletzten Bus."
XxXxXxXx
XxXxXxX
XxXxXxXx
XxXxXxX
So rational das lyr. Ich auch ist, so ist es doch ein wenig neidisch. Doch gerade weil es so rational ist, kann es dem lyr. Du nur mit Sarkasmus beikommen und versteckt seinen Neid hinter einem ironischen "Mach du mal". Aber in Wirklichkeit wäre das lyr. Ich auch gerne fähig nur einmal in seinem Leben so sehr an Hoffnung festzuhalten wie das lyr. Du.
Ein armer Zyniker.

So, das war meine ÜBERINTERPRETATION.
Ist irgendwie eher traurig, finde ich.
Aber gefällt mir sehr gut, obwohl ich ja auch in der ersten Strophe ein wenig an Sonnenbrand denken musste.

Liebe Grüße Richard

*edit
Mir ist da grad noch was aufgefallen:
Es hieß ja nicht "Gut begraben die Gefahr" sondern "gut, begraben die Gefahr" oder auch "Gedanken-gut, begraben die Gefahr"?
Da sieht es ja noch anders aus:
1. Möglichkeit:
"gut, begraben die Gefahr"
Das lyr. Ich ist froh, dass das lyr. Ich aus seinem Glück geschleudert wurde, weil es so rosa die Welt sah und darum eine Gefahr für sich und vielleicht auch für die Grundsätze des lyr. Ichs darstellte oder
2. Möglichkeit:
"Gedanken-gut, begraben die Gefahr"
Das Gedankengut des lyr. Dus ist gebrochen und ebnet dem lyr. Ich den Weg zur Beeinflussung des Lyr. Dus in Richtung der Rationalität und die Gefahr der Irrationalität ist gebannt.

Das musste ich jetzt noch hinzusetzen, schließlich muß auch eine Überinterpretation genau sein...

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