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#1

Tagewerk (Fortsetzung 2)

in Diverse 01.03.2005 23:42
von Ahsil (gelöscht)
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Und war es euch noch nicht genug,
ihr Gierschlote; Sucher, nicht Finder?
Dann seht, wie ich Lug und Betrug
Beflissen im Kreuzgange linder’.

Mit Stahlscharf und Kürass am Leib
gelange ich bankfern zur Küste,
wo uniformiertes Gereib
sich Sonnengelb regt im Gelüste.

Als Gog zieh’ ich läuternd, beherzt
die Klinge durch fettige Bäuche.
Mein Banner vom Blute geschwärzt,
bezwingt die sich suhlende Seuche.



Nu da hoffe ich mal ein sinnvolles Ende gefunden zu haben, wenn nicht, ich bin für Anregungen offen

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#2

Tagewerk (Fortsetzung 2)

in Diverse 02.03.2005 23:32
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Eine erste Verständnisfrage: Ist "Gierschlot" ein bewusst fabriziertes Wort oder ein Sprachfehler? Ich kenne den Gierschlund, aber ok, warum keinen Schlot, der gierig ist...


"Und war es euch noch nicht genug,
ihr Gierschlote; Sucher, nicht Finder?
Dann seht, wie ich Lug und Betrug
Beflissen im Kreuzgange linder’."

Der Protagonist klagt an: Die Gierschlote. Sind Sie die Sucher? Mit der Anklage eine FRage: Ihr sucht zwar, aber könnt nicht finden? Eine rhetorische Frage, denn der Fragende erkennt schon genau, das die Suchenden nicht am Ziel sind, sondern immer weiter gieren.
Dann die Antwort, moraisierend, fast ein wenig sarkastisch: Seht her - Ich zeigs euch!
Der Protagonist reisst die Masken herunter und lindert so den Betrug? Er lindert ihn nur? ER kann ihn also nicht ganz abschaffen.

"Mit Stahlscharf und Kürass am Leib
gelange ich bankfern zur Küste,
wo uniformiertes Gereib
sich Sonnengelb regt im Gelüste."

Der Protagonist ist nun bewaffnet und gerüstet. Die Erfahrung hat ihn Vorsicht gelehrt und gelangt unversehrt (? Ich kenne das Wort bankfern nicht) zum Festland (ER war ja vorher auf einer Sandbank). Er ist also aus seinem Innern zurückgekehrt und wendet sich neu gestärkt, voller Tatendrang und Panzerverkleidet wieder der Außenwelt zu.
Das Treiben (Gereib) ist uniformiert, d.h. uniform, gleichartig, normiert, aber unter dem DEckmantel des Glücklichseins, der Freude und FReiheit (Sonnengelb). Der Protagonist durchschaut diese Oberfläche und sieht die Unfreiheit, das Konventionelle, die Angst und die Abhängigkeit - er kennt sie ja selbst.
Hier habe ich bei "im Gelüste" meine Probleme. Müsste es nicht "in" heißen? (Wie "in Verlangen")

"Als Gog zieh’ ich läuternd, beherzt
die Klinge durch fettige Bäuche.
Mein Banner vom Blute geschwärzt,
bezwingt die sich suhlende Seuche. "

Wieder der Hinweiß aufs Dämonische.
Der Protagonist ist nun der Erkenntnisschwere Rächer: Er hat die Welt durchschaut mit all ihren "Fehlern" und Fassaden.
Er glaubt nun, stolz auf seine neue Einsicht, diese ganze Verlogenheit, Falschheit und Oberflächlichkeit (Bei den fettigen Bäuchen muß ich unweigerlich an vor dem Fernseher sitzende, Bier saufende, Bildzeitungslesende, dreckig-weiße Unterhemden tragende, fette Proleten Familienväter denken - und die gibt es wirklich!) ausmerzen zu müssen.
Wie der P. seinen Feldzug ausführt bleibt hier der Phantasie überlassen. Klar ist, dass er sich nicht mit Kleinarbeit zufrieden gibt - nein, er rammt die Welt brachial und muß seine Weltanschauung nun mit aller Gewalt (Mein Banner vom Blute geschwärzt) durchsetzen ( Er hat sich nun selbst dem Dämonischen (Gog) verschrieben).
Und ist anscheinend der Meinung, dass diese Methode (welche auch immer) auch wirksam ist.

Eine Fortsetzung fände ich ratenswert, da der Protagonist meiner Meinung und Interpretation nach noch nicht fertig ist mit seiner Entwicklung - Er ist noch nicht weise geworden.

Soweit erstmal von mir...
Greets Richard

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#3

Tagewerk (Fortsetzung 2)

in Diverse 03.03.2005 01:13
von Ahsil (gelöscht)
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danke für die Interpretation, so kann man es schon stehen lassen. Zu deinen Anmerkungen. "bankfern" soll nur verdeutlichen, dass hast Du aber selbst auch schon gesagt, das lyr. ICh verlässt seine Sandbank aus Teil 2. "Im Gelüste" hielt ich für korrekt, dem man würde doch auch sagen im Verlangen, oder? Sie sind voller Lust und Begehren..., na ja, da sollte ich wohl noch jemanden zu Rate ziehen. Eine Fortsetzung? Hui, ich dachte eigentlich, dass das ein Ende wäre. Hm, ich sollte darüber wohl noch mal nachdenken. Denn Du hast ja mit deiner Anmerkung nicht unrecht. Der P. ist nicht weise.
Ach so, ein Schlot ist auch so was wie ein unangenehmer Mensch, ein Nichtsnutz, so kannst Du den Gierschlot auch verstehen.
Aber sonst Gruß und Dank
Ahsil

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