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#1

Weisses Licht

in Liebe und Leidenschaft 27.02.2005 01:18
von nathschlaeger (gelöscht)
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Weißes Licht


Jetzt ist es später, jetzt ist Vollmond
und in diesem Licht ist deine Haut
wie ein Strom aus Milch
Im großen Schweigen der Nacht
bist du seltsam beweglich und deine Augen
sind Bernstein

weißes Licht fällt auf uns herab
wie Schnee, wir schauen bäuchlings über die Wiese
hinab zum silbrigen Fluss
Meine Finger sind kleine Boote
auf deiner Haut, dein Rücken ist geduldig
und vollendet glatt wie das leiseste Licht
auf dem großen Strom.

Die Sterne waschen unser Haar
Nacht für Nacht
der Raum zwischen ihnen gibt uns Zeit
und in dieser Zeit bade ich
mein Sommerherz in einem Strom
aus Milch und meine Finger
spalten die Früchte der Nacht.

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#2

Weisses Licht

in Liebe und Leidenschaft 28.02.2005 23:33
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
hallo peter.

du verwendest phantasiebringende metaphern.. (strom aus milch).. in zeile 4 würde ich "großen" weglassen.. es klingt zu pathetisch für mich. der rücken mag mich nicht überzeugen: wenn die finger wie boote sind.. dann wird der rücken mit dem fluss gleichgesetzt.. das problem entsteht, wenn du dann den rücken "vollendet glatt wie das leiseste licht auf dem großen strom" machst. hierdurch ist der rücken gleichzeitig der strom und wie das licht auf dem strom.. sehe ich das richtig? man könnte dadurch andererseits natürlich das all-sein-wesen des körpers betonen/herausstellen...

die sterne werden danach auch mit wasser gleichgesetzt... alles scheint zu fließen. das licht der sterne jedoch war in str2 wie schnee gefallen.. beim ersten lesen widersprüchlich.. beim ersten denken: durch die beginnende oder steigende wärme der szene schmolz sogar das licht der sterne. (du sprichst in str3 zwar nur von sternen und nicht vom licht der sterne.. aber für mich solls so sein, zumal das ein schönes bildele ist. ) .. am schluß wird klar, daß wirklich alles fließt. selbst, wenn man zwischen den sternen ist, badet man in der milch des lyr. du. es ist ein wechsel von fremd- und eigenwäsche. (ein tollhaus der düfte. )

einzig: ich könnte mir einen passenderen titel vorstellen. vielleicht einer, der den blick ein wenig weiter spannt...

soweit meine ersten gedanken.

grüße.
arno.

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#3

Weisses Licht

in Liebe und Leidenschaft 01.03.2005 09:53
von DOCC (gelöscht)
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Hallo nathschlaeger,
vorab die schlechte Nachricht: als Gedicht würde ichs so nicht durchgehen lassen (subjektiv). Als wunderschönes Stimmungsbild schon. In dem Gedicht sind einige highlights drin, die mich beeindrucken.
- der nach vorne offene Einstieg "jetzt ist es später" ist schonmal genial;
- "seltsame Beweglichkeit" märchenhaft-mystisch;
- "meine Finger sind kleine Boote"... kann ich aus Erfahrung sagen: meine Frau mag das auch ohne Ende!;
- der Hammer ist dann "meine Finger spalten die Früchte der Nacht"
auf sowas muss man erstmal kommen!!!

Gern gelesen meint
DOCC

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#4

Weisses Licht

in Liebe und Leidenschaft 01.03.2005 13:45
von nathschlaeger (gelöscht)
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Servus DOCC,

Ich habe früher einmal den Fehler gemacht und mich darauf versteift, alles in dieser Form von mir verfasste als "Gedicht" zu bezeichnen.

Ich glaube, Du lässt den Text deshalb nicht als Gedicht durchgehen, weil in diesem Text die Verbindlichkeiten in Bezug auf Versmaß und Metrik nicht zur Geltung kommen.
So gesehen hätte Walt Whitman nie ein Gedicht geschrieben. Dylan Thomas auch nicht. Auch Frank O´Hara nicht, um ein paar Namen zu nennen.

Das Hauptgewicht bei der Beurteilung, ob ein Gedicht ein Gedicht ist, orte ich allerdings nicht in der Einhaltung metrischer Vorgaben; auch nicht im Versmaß und im Reim. Sondern in der Verdichtung nachvollziehbarer Bilder, die wie sirrende Saiten poetische Bilder zusammenraffen und so sehr verdichten, dass ein Gedicht daraus entsteht.

Man könnte sagen, dass der Begriff: "Gedicht" mehr Deutungen und Auslegungen und Möglichkeiten zulässt, als es manchen Metrikjünger lieb ist. Gottes Garten hat ja auch jede Menge merkwürdiger Viecher.

Somit wird es für mich zweitrangig, ob mein Text nun ein Gedicht im Auge des Lesers ist. Vorrangig ist für mich, ein Bild zu vermitteln, dass sowohl deutlich wie auch poetisch verdichtet ist.

@arno: Das war es, was ich versucht habe, zu illustrieren: Die stille Eleganz von harmonischem Fließen; die ruhige Zufriedenheit eines Menschen, der in einer Sommernacht draußen unterm Mond entdeckt, dass man nicht mehr braucht als die Liebe und das Leben und einen hellen Mond, der Haut in Milch verwandelt.

Philosophie wollte ich nicht vermitteln. Einfach nur stilles Glück.

Danke für Eure Kommentare, das bedeutet mir sehr viel.

lg/Peter


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#5

Weisses Licht

in Liebe und Leidenschaft 02.03.2005 12:09
von DOCC (gelöscht)
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Hallo nathschlaeger,
vielleicht hast Du Recht - aber nur bedingt: also von Versmaß und Jambus und Bambus und Hebung und Senkung hab ich die Ahnung gewiss nicht. Ich urteile da eher aus dem Gefühl heraus: also wenn ich ein Gedicht genausogut hitereinanderweg schreiben könnte (also ohne Zeilenumbrüche), ohne dass es was an Melodie verliert, dann runzle ich bissel die Stirn. Oder wenn es Zeilenumbrüche gibt, die fließende Gedanken zerhacken, dann find ich das auch nicht so toll.
Und beides trifft so stellenweise auf Dein Gedicht zu.
Liebe Grüße von
DOCC

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