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#1

Warten

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 25.02.2005 21:05
von kein Name angegeben • ( Gast )
Es musste gegen Abend sein, kurz vor Dämmerungsbeginn, als die Gewitterwolken dunkelgelb aufzogen und die Welt in Schwefellicht tauchten. Das war ein ganz ungewohntes Farbspiel, das sich darbot; dann die Ruhe vor dem Sturm. Die ließ letztendlich die Menschen von ihren Beschäftigungen aufblicken, erst zum Himmel empor, dann in die verblüffte Runde. Denn jeder verwunderte sich über das eigentümliche Geschehen am Himmel. Und die Gesichter, in die sie sahen, waren fahlgelb: so gaben sie das Licht wieder, das die Wolken in die Stadt warfen; so färbten sich die Gesichter aus ahnender Unruhe, die die herrschende Stille als einziges durchbrach. Sie verstanden dieses Schweigen der Natur nicht; deshalb wurden sie desto unruhiger, was sich allein in ihren Augen abzeichnete, in deren rapide zuckenden Bewegungen, auf der Suche nach Erklärung und Halt. Aber die Glieder standen still, still wie die Welt um sie her. Sie wartete. Die Menschen warteten mit ihr. Lange standen sie so mit zuckenden Augen, die wahnsinnig einen unsichtbaren Feind suchten, mit krampfenden Herzen, die die Not spürten, in der sie sich befanden. Lange standen sie so, und die Zeit zog sich hin über die Stadt und harrte ausgedehnt auf der Stelle. Die gelben Riesen am Himmel sahen schweigend herab, Stunde um Stunde auf die erstarrten Menschen. Die möglicherweise unbegründete Furcht machte sie unfähig zu Gedanken, denn zu Taten. Es wurde nicht dunkler, es wurde nicht heller, Tage vergingen oder standen still. Die Menschen schliefen im Stehen, verspürten Durst und Hunger und rührten sich doch nicht von der Stelle. Wie sie unbewegt stauten stumm sich die Wolken, als sei es für ewig, über den Zagenden.
Doch endlich eine Bewegung; einer raffte sich zur Tat auf: "Sollen wir denn hier alle verrecken?"
Die Antwort vom Himmel folgte augenblicklich. Der Rufer fiel zuerst. Denn ein Feuer- und Schwefelregen ging über Sodom und Gomorra nieder und vernichtete alles.
Aber hätten sie ewig so stehen und warten sollen, hätte eine frühere Regung sie gerettet, war es der falsche Zeitpunkt zum Handeln, zu früh, vielleicht zu spät?
Wer weiß es, vermutlich standen sie ohnehin nicht geduldig still, sondern wurden sofort erschlagen.

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#2

Warten

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 27.03.2005 23:24
von MrsMerian (gelöscht)
avatar
Hi Katharma,


Zitat:

Wie sie unbewegt stauten stumm sich die Wolken, als sei es für ewig, über den Zagenden.



dieser Satz gefällt mir nicht. Ich kapier eihn nciht einmal ganz. Er ist verdreht oder?

Der Anfang ist mir etwas zu überladen mit den ganzen Erklärungen und Beschreibungen.


Zitat:


Es musste gegen Abend sein, kurz vor Dämmerungsbeginn, als die Gewitterwolken dunkelgelb aufzogen und die Welt in Schwefellicht tauchten. Das war ein ganz ungewohntes Farbspiel, das sich darbot; dann die Ruhe vor dem Sturm.




insbesondere diesen abschnitt meine ich.
den mag ich nicht besonders.

LG
Mrs.

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