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#1

Musikers Tränen

in Gesellschaft 13.02.2005 23:17
von Hojaro (gelöscht)
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Musikers Tränen

Der Bogen eines Musikers verkleidet sanft im Glühen
die Schwünge zum Ästheten neu, schon mag er mich verführen.
In Moll wellt sich die Luft im Sand, du kannst den Dreiklang spüren.
Nun schleiche nicht in weiten Füßen, die im Herzen blühen.

Mein Haupt verhüllt in Flügeln, die von diesen Welten fliehen
So leises Surren klingt im Blut mir ein Gewand zu küren
Im Lodern der Gefühle betten Reize in Geschwüren.
Ein Klimpern, das du mir geschenkt, es ward doch nur geliehen.

Nur Klagen; bis sich Spuren in der Ewigkeit verlieren
So süßes Glimmen kann den Himmel meines Seins verzieren
Ich sehne mich zu Bach und Händel Wolken zu besteigen

Und flüstert Bach am Hange, zweifelnd kleine Operetten,
dann schwimmt das Diesseits unter mir in welken Ketten.
Die Sterne züngeln; bilden mir zum Abschied schönsten Reigen.


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#2

Musikers Tränen

in Gesellschaft 14.02.2005 10:00
von MrsMerian (gelöscht)
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Hallo Hojaro.

Zunächst muss ich sagen, dass ich ich mit den Klassikern unter den Musikern nicht auskenne.
Ich hab eine Bach CD und finde sie nicht wirklich schön, leider. Im Radio habe ich mal einen Ausschnitt von einer Verdi-Oper gehört, den ich sehr schön fand. Ich hab einfach keine Ahnung...

Ein formell astreines Sonett, was Du uns hier bietest.

etwas seltsam für mich und unverstanden:
Nun schleiche nicht in weiten Füßen
Und flüstert Bach am Hange, zweifelnd kleine Operetten, (am Hange? und bist Du sicher, dass das Komma hinter Hange richtig sitzt?)


Am Besten gefallen mir folgende Verse:
Mein Haupt verhüllt in Flügeln, die von diesen Welten fliehen
dann schwimmt das Diesseits unter mir in welken Ketten.
Die Sterne züngeln;

schöänsten Reigen in der letzten Zeile klingt leider nicht ganz nahtlos. Es sollte doch grammatisch heißen: den schönsten Reigen, oder nicht? So klingt es irgendwie beschnitten. Könntest Du nicht "einen Reigen" daraus machen oder etwa sin der Art?


Zitat:

In Moll wellt sich die Luft im Sand


Ich würde gern wissen ob ich das richtig verstanden habe oder wenigstens das schöne Bild, das Du mich sehen lässt, weitergeben:

Ich sehe Sand auf einer Haut, keine Menschenhaut sondern eine Trommel, Percussion was auch immer. die fängt nun an zu schwingen, weil ein Ton sie genau trifft --> ihr wisst schon was ich meine: und deshalb entsteht ein Wellenmuster auf der weißen Oberfläche. Geil, danke.

LG,
Mrs.

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#3

Musikers Tränen

in Gesellschaft 14.02.2005 16:27
von Hojaro (gelöscht)
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Es mag auf den ersten Blick so aussehen, als ob ich nur ein wenig in sprachlichen Bildern zur Musik "rumtümple", jedoch habe ich eine andere Intention. Als Hilfe kannst du die Sparte "Gesellschaft" betrachten, aber auch so sollte/müsste die Intention erkennbar sein.

Zu deinen Anmerkungen:
Nun schleiche nicht in weiten Füßen
Soll die Einleitung zur Antithese in der zweiten Strophe darstellen. Das lyrische Ich erkennt den negativen Aspekt der Musik. Das lyrische Ich spricht weiterhin in diesem Vers mit sich selbst. Es fordert sich quasi selbst auf, aktiv zu werden.

Und flüstert Bach am Hange, zweifelnd kleine Operetten,
Hange scheint ein wenig unglücklich gewählt. Ich wollte nicht schon wieder Himmel schreiben, deswegen habe ich eine Metapher für Himmel eingesetzt. Hange/Rampe als "Stairway to heaven" an der Bach steht und sein Stück zaubert. Das lyrische Ich steht auf dem Hang und lauscht andächtig der Musik. Das Komma habe ich bewusst so gewählt, um den Leser so in eine kleine Pause zu zwingen. So wollte ich "zweifelnd kleine Operetten" betonen. Ich weiß, dass das grammatisch nicht nötig war. Sieh es als dichterische Freiheit .

Auch geil, wie das Bild "In Moll wellt sich die Luft im Sand" bei dir ankam. Denn eigentlich hatte ich ein anderes Bild im Kopf, aber who cares. Solange es dir gefällt, unterlasse ich es dir meine Vorstellung aufzuzwingen...

Also vielen lieben Dank für die Gedanken zu meinem Gedicht.

Grüße Hojaro

PS: Du solltest dir mehr Klassik anhören. Die ist beruhigend und bringt mich nach stressigen Zeiten wieder zur Ausgeglichenheit und Beruhigung. Besonderer Tipp: Mondscheinsonate

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#4

Musikers Tränen

in Gesellschaft 14.02.2005 18:06
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.955 Beiträge | 1940 Punkte
Die Mondscheinsonate ist so furchtbar traurig. Wer zu oft glücklich ist sollte sie sich 5 Minuten anhören und ist dann in der richtigen Stimmung für Düsteres
Ich kann Vivaldi empfehlen, ich mag die 4 Jahreszeiten, vor allem den Herbst.
Achja und Grieg! Bei Grieg schwingt in allem eine erhebende Fröhlichkeit mit. Grieg ist für mich der Einstein unter den Moponisten (und er sah auch ein bisschen so aus )

Nun aber zum Gedicht:
Formal ist es zwar ein Sonett, aber mit 15 Silben ? Also weder Elfchen noch ALexandriner, ungewöhnlich. Ich weiss gar nicht wie so ein Vers heisst, für mich ist beim Hexameter Schluss
Erstmal zum Schauplatz. Ich habe einen Strand oder eine Wüste im Kopf, und zwar wegen: "verkleidet im Glühen" (wabernde hitze); "Luft im Sand" (hm, ich denke da eher an Sand in der Luft und die Luft wogt in der Hitze, andererseits st Sand ja locker genug um Luft einzulassen); ausserdem "Spuren"; ausserdem Lodern und Glimmen-> vielleicht als gegensatz zur Überschrift, kann ich noch nicht beurteilen.
Zuerst sehe ich einen Cellisten oder sonst einen mit Streichinstrument. Er spielt sehr schön, verkleidet alte Schwünge im Glühen (schnell spielend, d.h. ein Guter) "zum Ästheten neu"
Kann man Schwünge zu Ästheten (neu)machen ? Das klingt schon etwas hingeschustert, ich unterstelle Absicht, d.h auf die Schwünge kann's sich nicht beziehen, sondern nur auf den Musiker, oder das lyrische Ich. Dann müsste es aber "für den" heissen. Ich gehe mal vol lyrischen Ich aus, es ist Ästhet und geniest sein neues Spiel. Im Moll wellt sich die Luft im Sand ? dann muss er so unglaublich schnell spielen, dass der Sand kocht. Aber das sthet dem Dreiklang entgegen, dass ist doch normalerweise eine einfache langsame Tonfolge.
In weiten Füßen schleichen bedeutet für mich einen hinweis auf die Spuren später. Also quasi den in den Fußstapfen grosser, ... vielleicht Komponisten wie Bach, oder... hm schwer. "die im Herzen blühen" bedeutet für mich, wenn ich von grossen Komponisten ausgehe, dass sie vielleicht gar nicht so gut waren und die Verehrung im herzen der Verehrer entsteht. Wem die grossen Stapfen sonst gehören könnten kann ich nicht herauslesen.
In der zweiten Strophe werden wohl die Vorgänge im Inneren des lyr. Ichs beschrieben wenn es Musik geniesst. Die Flügel sind für mich die Ohren, in denen die volle Konzentration des Geister versammelt ist. Die Flügel decken auch gleichzeitig ab, nichts anderes vermag mehr die Aufemrksamkeit des lyr. Ichs auf sich zu ziehen so lange die Musik spielt. Ausserdem tragen die Flügel den Geist in ungeahnte Höhen. Tolle dreifache Metapher.
Dann taucht diese Surren auf, vielleicht das Rauschen des Blutes oder ein anderer Tón. Ein gewand küren klingt merkwürdig. Der Zusammenchluss von Beidem wäre für mich eine Gänsehaut(gewand) ob der Begeisterung oder Konzetration. Trotzdem klingt für mich, wohl auch weil ich die richtige Eingebung nicht bekomme, das "Gewand küren" merkwürdig. Wenn es eine Aktive Handlung ist müsste es "erküren" heissen.
Den nächsten Vers finde ich nicht so gelungen, er klingt schlichtweg zu sehr hingeschustert.
Im Lodern der Gefühle betten Reize in Geschwüren.
Ich übersetze diese Konstruktion (denn es fehlt ein Subjekt)
als: Das Lodern der Gefühle bettet... sonst ergibts für mich kein Sinn. Oder vielleicht wär auch "betten sich Reize" besser wenn man es in den Vers quetschen kann.
Für mich klingt es nach Schmerzen, während das lyr. Ich die Musik hört empfindet er Schmerzen, vieleicht war's ja ein bergang von genuss zu Schmerzen.
Jetzt spricht'S wieder Musiker oder Komponisten an, un zwar beleidigend, mit "Klimpern", d.h. vielleciht missfiel ihm die Musik plötzlich und löste Scherzen aus. Genau, jetzt spricht's von "Klagen" die Spuren in denen es wandelte sind in der Ewigkeit verloren, unerreichbar geworden. Das "Glühen" das das lyr. Ich begeisterte wurd enunmehr zu einem Glimmen, d.h. schwächer. Das hat sicher damit zu tun das nun Schmerzen empfunden werden und sie Spur verloren ist. Dann sehnt's sich zu zurück zu den Grossen, Bach und Händl (und Haxn ) die für das lyr. Ich mal das Glühen darstellten. Es möchte wieder fliehen, wieder in den himmel.

Anscheinend hat das lyr. Ich mit Bach wieder sein Glück gefunden, Bach war ja strenger Christ, seine Musik versuchte er immer gottgefällig schön zu machen. Das zweifelnd muss für unsicherheit stehen, ob das ein Seitenhieb auf Bach ist kann ich nicht beurteilen so gut kenne ich ihn nicht. Hier passt auch deine Erwähnung von "Stairway to Heaven" Bachs Musik eröffnet wieder den zugang zum Himmel. Wenn das lyr. Ich diese Musik hört wird es nicht mehr erhoben, sondern der boden unter ihm schwimmt fort. Oder doch es wird erhoben, denn es muss ja schweben um das Diesseits schwimmen sehen zu können. es erreicht eine Art orgiastischen Höhepunkt in der letzten zeile bis die Sterne zum Abschied winken.

Für mich ging es hier darum, ob wir heutzutage überhaupt noch Zugang haben zur klassischen Musik, ob die grossen Fußstapfen nicht schon verwischt sind oder verschwunden und niemand mehr in der Lage sein wird auf diesen genialen Wegen zu wandeln. Händl war Komponist im barock und sehr religiös, bach genauso ung. ein Jahrhundert später. Vielleicht ist hier explizit religiös motivierte Musik gemeint, ob wir diese noch wirklich verstehen können oder ob sie zu weit entfernt von unserem Horizont.

Also da bin ich mal gespannt auf deine Antwort, gefällt mir bis auf ein paar etwas unschöne "Hindeichselungen". Ich habe sehr viel geschrieben, kann sein das viele Fehler drin sind, hoffe du kannst verstehen was ich dachte.
Auch deine Erklärung der Verse interessiert mich, kenne diese Schema nicht.






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#5

Musikers Tränen

in Gesellschaft 15.02.2005 19:41
von Hojaro (gelöscht)
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Es ging auch um die Frage, wie es um klassische Musik heute bestellt ist. Es erfreut sich ja keiner mehr daran. Immer wieder wird man dann als „Intellektueller“ oder gar „Streber“ beschimpft. Man schafft es nicht, zuzugeben, dass klassische Musik auch subtil sein kann. Wenn nicht klassische Musik, welche denn dann? Jedoch war und ist meine Intention hauptsächlich eine andere. Man kann es als erneute Gesellschaftskritik sehen. Das lyrische Ich ist überreizt und schafft es in Strophe 2 nicht mehr… aber psst, ich will nicht zuviel verraten. Das Gedicht soll ja autonom bleiben. 

Also vielen Dank für deine Interpretation, die mehr sehr gefallen hat. Ich habe so gesehen, dass das Gedicht wie gewünscht vielseitig ist und man einiges herauslesen kann. Es scheint auch fast unglaublich, was du aus einigen Wendungen und Wörtern herausliest, wo meine Gedanken ganz andere Ebenen kreuzten. Aber wie gesagt, sehr interessant zu lesen. So wird der Blick für das eigene Gedicht objektiver.

Grüße

Hojaro

PS: Was soll das, mein Posting ist zu lang? Sind 800 Wörter zuviel für das Forum?

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#6

Musikers Tränen

in Gesellschaft 16.02.2005 00:05
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.955 Beiträge | 1940 Punkte
Hm normalerweise müsste mehr gehen als 800 Wörter. Ich werde diesbezüglich mal Arno anhauen, ob er die mögliche Beitragslänge für alle User erweitert hat.

Für mich ging es hier darum, ob wir heutzutage überhaupt noch Zugang haben zur klassischen Musik, ob die grossen Fußstapfen nicht schon verwischt sind oder verschwunden und niemand mehr in der Lage sein wird auf diesen genialen Wegen zu wandeln. Händl war Komponist im barock und sehr religiös, bach genauso ung. ein Jahrhundert später. Vielleicht ist hier explizit religiös motivierte Musik gemeint, ob wir diese noch wirklich verstehen können oder ob sie zu weit entfernt von unserem Horizont.

Hier stimmen wir komplett überein, nur auf den gesellschaftlichen Spekt komme ich nicht
Ich vermute, vielleicht ist es einfach Kritik daran, wie in der heutigen gesellschaft mit klassicher Musik umgegangen wird (um es allgemein zu formulieren) eine von der Materie losgelöste Gesellschaftskritik kann ich nicht erkennen. Vielleicht weist gerade das "geschenkte Geklimper", das nur "Geliehen" ist, darauf hin, dass die Klassik quasi still steht ? Dh, moderne Komponisten fassen nicht so sehr Fuß und die alten werden zu sehr verehrt, d.h. Reaktionismus der klassichen Musik ?

Ich bin mit meiner Interpretation ufrieden, denn unsere Wege haben sich bei den Gang durch die Verse immer wieder gekreuzt. So kannst du dich bestätigt sehen, deine Intention hast du mit der Umsetzung getroffen. Die Nuancen verbleiben der Beliebigkeit, und das ist gut so.

Versuche's mal mit Grieg, vor allem die Klavierkonzerte sind wirklich genial. Auf jeden Fall besser als Chopin
Ich finde nicht das klassische Musik irgendwem peinlich sein sollte. Wer klassische Musik nicht mag...gibt's eigentlich nicht. Jedem gefällt irgendein Stück nur eben nicht jeder Komponist. Zwar geht es heutzutage in der Musikbranche vor allem um Personenkult (denn ein Prominenter wirbt nunmal besser als ein bloßes Stück) doch die klassiche Musik wird nie aussterben. Es mag sein das sie zu einer Musik der Eliten wird, vielleicht aber holt sie im Augenblick nur Luft und gewinnt an frischem Geist, um in der kommenden Zeit wieder populärer zu werden. Ausserdem, wenn du z.B. an Apocalyptica denkst, sind klassische Instrumente den moderneren keinesfalls unterlegen, lediglich auf die Präsentation kommt es an. Auch Filmmusik ist zumeist klassisch und ich höre sie sehr gerne, daran kann man ersehen, die heutigen Komponisten sind ihren Vorbildern auch nicht unbedingt unterlegen; wenn auch manche mit allzu experimentellen und disharmonischen Stücken zumindest mich vergraulen.

Ich freue mich darauf mehr von dir zu lesen.

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#7

Musikers Tränen

in Gesellschaft 16.02.2005 00:40
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
habe die zeichenmaximalgröße jetzt erhöht.

grüße.
arno boldt

- administrator -

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#8

Musikers Tränen

in Gesellschaft 16.02.2005 18:07
von Hojaro (gelöscht)
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Huch, da hatte ich wohl ein Teil deines Beitrages bei meiner Offline Antwort vergessen zu löschen. Peinlich

Ich lösche es schnell.

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#9

Musikers Tränen

in Gesellschaft 16.02.2005 22:34
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.955 Beiträge | 1940 Punkte
Wie was ? Das habe ich jetzt nicht kapiert Klingt aber nicht gut

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