http://www.E-LIEratum.de
#1

Grübelaien

in Gesellschaft 15.02.2005 10:26
von sEweil | 654 Beiträge | 654 Punkte
Grübelaien

Grübelaien sitzen laut
in illust’rer Runde
trinken ausgepresstes Kraut
Rufe eilen vor die Kunde

Aufgebracht beginnen sie zu nicken
Geistesstolz ertönt ein Wort
„Von den Griechen und den Philosophencliquen.“
Glucksend taucht es unter Narrengrinsen
Und verschwindet im Abort.

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#2

Grübelaien

in Gesellschaft 15.02.2005 10:39
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Hm, auf den ersten Blick weiß es zu gefallen, nur erschliest sich mir noch nicht ganz der Sinn:

Grübelaien = Eine Verbindung von "grübeln" und "Laien"?
Das würde bedeuten, Leute die keine Ahnung haben grübeln, als hätten sie Eine?
"ausgepresstes Kraut" = Alkohol?

"Rufe eilen vor die Kunde" = "vor" bedeutet wahrscheinlich, dass diskutiert wird, bevor man überhaupt weiß worum es geht?

Wird hier vielleicht ein Pseudointelklektueller Kreis vorgestellt?

"aufgebracht beginnen sie zu nicken" = auch das hat einen sarkastischen Unterton, als würden alle sich echauffieren, über etwas, was sie meinen beurteilen zu können.

"Geistesstolz" = Ein wahrer Wissender benötigt keinen Stolz auf seinen Geist, ein Unwissender vielleicht schon? Oder er tut so?

Der Kreis setzt sich gleich mit den Griechen und den Philosophen, weil sie glauben ebenso Denker zu sein?

"Glucksend taucht es zwischen Narrengrinsen
Und verschwindet im Abort. "

Das verstehe ich als grinsenden Sarkasmus, denn das "Wort" ist eigentlich in diesem Kreis verschwendet und deshalb könnte man es ebenso im Klo runterspülen oder wird das "Wort" von dem Kreis ins Lächerliche gezogen?

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber es wirkt für mich wie eine Persiflage auf Menschen, die zu sehr überzeugt von ihrem Können sind, aber den wahren Wert, das wahrhaft Wichtige im eben nicht erkennen und nur schwafeln.

Liege ich damit etwas nahe? Bin gespannt.

Gruß Richard

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#3

Grübelaien

in Gesellschaft 15.02.2005 13:11
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Inhaltlich hat Richard meiner Meinung nach alles herausgezogen, was geht. Ich teile seine Interpretation. Die Überschrift "Grübelaien" hat es mir besonders angetan. Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber mein erster Gedanke war der, das so ein Rechtschreibfehler doch wohl nicht angehen könne. Prima, der Inhalt desavouierte mich auf das feinste. Ein zweiter Grund: Grübeln kann doch eigentlich jeder und gerade Laien sollten doch noch mehr grübeln, was soll das also ? Dieses Wort spießt nach meinem Empfinden geradezu genial verdichtet die Grübeleien Pseudo-Intelektueller auf, die, kaum dass sie einmal halbwegs über eine Sache nachgedacht haben, schon der Meinung sind, tiefschürfende Gedanken von sich geben zu sollen/dürfen und dabei übersehen, dass schon ganze Generationen von "Philosophencliquen" schon wesentlich weiter gedacht haben.

Einiges gefällt mir nicht:
Lautes Sitzen würde ich mir ja noch gefallen lassen aber die Rufe, die vor die Kunde eilen, ergeben für mich überhaupt keinen Sinn. Richards Lesart ist möglich aber grammatikalisch verbaut. So geht das für meine Begriffe nicht. Die Anführungszeichen in S2 Z3 verstehe ich nicht und in Z4 hätte es mir sehr viel besser gefallen, wenn das Wort unter und nicht zwischen Narrengrinsen getaucht wäre. Zur Martermetrik wird Arno dir etwas sagen, sobald er hier auftaucht, ich kann damit sehr gut leben.

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#4

Grübelaien

in Gesellschaft 15.02.2005 13:12
von Feaníl (gelöscht)
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Grübelaien sitzen laut
in illust’rer Runde
trinken ausgepresstes Kraut
Rufe eilen vor die Kunde


die grübelaien sitzen laut, erinnert mich an stammtische in div. dorfkneipen. sie reden ganz gerne über dies und das, aber meistens fehlt es doch an grundwissen und eine 'ernsthafte' diskussion zu führen. diese sitzen in illustr'er Runde, was so viel heißt dass sie und andere dort sind. könnte auf evtl weitere gäste in der kneipe oÄ bezogen sein. das ausgepresste kraut ist ... wein? ich stelle mir auf jeden fall etwas alkoholisches vor und stimme hier Richard zu. es käme auch Tee in frage aber das wäre zu harmlos. warum das rufe im imperativ steht wundert mich, da es somit den leser direkt anspricht? damit komme ich noch nicht zurecht, das klärt sich hoffentlich noch auf

Aufgebracht beginnen sie zu nicken
Geistesstolz ertönt ein Wort
„Von den Griechen und den Philosophencliquen.“
Glucksend taucht es zwischen Narrengrinsen
Und verschwindet im Abort.


was hat sie denn aufgebracht? das nachfolgende 'zitat' soll, so behaupte ich, die oberflächlichkeit der grübelaien untermauern. es besteht zwar eine ahnung von der griechischen philosophie und kultur/geschichte, aber tiefschürfend ist die diskussion eben nicht. jemand brüstet sich mit diesen worten 'geistesstolz'. dieser gedanke, dieses wort, was beides ausbaufähig ist (weiter zu denken) verschwindet nun im abort - im klo.

für meinen geschmack hast du die narren und laien etwas zu sehr betont, durch doppelte nennung der gleichen 'leute' wirkt das etwas sehr aufdringlich. da dein gedicht auch etwas einseitig ist, da es nur diese seite auffasst einer bestimmten bevölkerungsgruppe, kann es mich nicht ganz überzeugen. eine tiefergehende abarbeitung des themas hast du bestimmt auch nicht gewollt, in so fern geht das schon iO.

es hätte auch ein wenig mehr sein können

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#5

Grübelaien

in Gesellschaft 15.02.2005 17:21
von sEweil | 654 Beiträge | 654 Punkte
Grüß euch.

Erstmal danke für eure Interpretationen und eure Kritik.

An Richard: Grübelaien ist eine Verbindung aus Grübel und Laien, ja.
ausgepresstes Kraut - kann man handhaben wie man will, da lass ich euch freie Hand. (Ich dachte da komplizierter beim Verfassen.)

Du hast sehr gut beschrieben worums mir bei dem Gedicht ging - nämlich, wie du sagtest, um einen pseudointelektuellen Kreis.

Das Wort ist verschwendet in dieser Runde, nicht sie ziehen es ins Lächerliche.

-

An Muh: Mir kam auch der Gedanke, ob nicht jemand meinen würde es sei ein Rechtschreibfehler, ich häts auf den ersten Blick sicher auch getan.

Finde deine Erläuterungen sehr schön.
Die Rufe (Nebenbei erwähnt kein Imperativ, sondern Ein Nominativ Plural vom Ruf.) sollte beschreiben, wie bereits über Dinge gesprochen wird, die noch unbekannt, ungeklärt, unbekundet, sind.

Das mit Richards Lesart will ich jetzt nicht ganz verstehen, meinst du dass metrisch etwas nicht passt, was Arno dann hoffentlich aufschlüsseln wird?

Das Unter gefällt mir, jetzt wo du es sagst, auch besser.
Werde es ändern, übernehmen, so du gestattest.

An Limmerick:
Das mit dem Ruf hab ich hoffentlich aufgeklärt.
Wollte damit auch nur eine Gruppe ansprechen.
Kommt die ofte Nennung wirklich aufdringlich rüber?

Geplant habe ich nichts, aber wer weiß was noch kommen wird.

Lg sEweil.

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#6

Grübelaien

in Gesellschaft 15.02.2005 19:38
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Vielleicht wäre "Rufe eilen vor der Kunde" grammatisch besser?

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#7

Grübelaien

in Gesellschaft 16.02.2005 00:38
von sEweil | 654 Beiträge | 654 Punkte
Hm, klär mich auf.

Ich dachte es hieße die Kunde. In diesem Fall Akk. Sing. - vor die Kunde.
Womöglich reicht mein Sprachgefühl nicht aus.

Hilfe.

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#8

Grübelaien

in Gesellschaft 16.02.2005 07:48
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Ich dachte mir das eher im Sinne von: wem wird vorausgeeilt? Der Kunde.
Also Dativ Sing.

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#9

Grübelaien

in Gesellschaft 16.02.2005 09:46
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Rufe eilen vor der Kunde

Grammatikalisch nicht nur besser, sondern nur so möglich und auch nur so zu retten ! So kann man sich das als Verdichtung gut gefallen lassen. Richard rettet Reim.

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#10

Grübelaien

in Gesellschaft 16.02.2005 09:59
von sEweil | 654 Beiträge | 654 Punkte
Rufe eilen vor wen/wem?
hm... es bleibt mir unverschlossen.

Darüber muss ich jetzt mal scharf nachdenken. Du bringst mich ja noch richtig in Verlegenheit.

Dieses vor mag mir mit dem Dat. nicht ganz passen, voraus sehr wohl.
-
Ich Versuchs für mich mit einem Beispiel

Der Läufer eilt vor dich. (Im Sinne von vorbei an dir, vor dich hin.)
Der Läufer eilt vor dir. (Im Sinne von vor dir her eilen, quasi.)

Also möglich scheint mir beides, oder war das ein unglückliches Beispiel.

Jetzt ist nur noch die Frage was besser passt.
Die Rufe die davor eilen, oder die daran vorbei eilen, ich bin verwirrt im Kopf. *g*

Aber ich seh ein, dass Rufe eilen vor der Kunde. möglich ist, meine Variante nicht? Hm, ich Grübelaie, zur Hülf.

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#11

Grübelaien

in Gesellschaft 16.02.2005 10:19
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Guck mal einer an, wie viele Wege dann doch nach Rom führen. So wolltest du das also verstanden wissen ! Ich gebe zu, das geht auch. Ich schäme mich. Aber man sieht auch, was aus so unglücklichen Formulierungen wird, wenn sie dem Plebs vor die Füße geworfen werden.

Jetzt eilen die Rufe also vor die Kunde. O.k., aber was soll das denn bedeuten ? Das ist zwar auch korrekt, wie wir jetzt wissen, aber wie soll ich mir das vorstellen ? Die überhasteten, unüberlegten Aussprüche der Laien (Deppen) überdecken die Weisheit der profunden Aussagen der griechischen Philosophen. Ist das so konkret gemeint ? Dann belassen wir es dabei. Vielleicht war die ganze Auseinandersetzung müßig, da alle Beteiligten im Prinzip wussten, was gemeint war. Und damit war der Zweck erfüllt. Wenn ich jetzt noch länger darüber nachdenke, gefällt es mir am Ende noch und das wollen wir ja wohl nicht.

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#12

Grübelaien

in Gesellschaft 16.02.2005 13:16
von sEweil | 654 Beiträge | 654 Punkte
Ihre Rufe, Meinungen schnellen heraus, ohne dass sie eigentlich wissen worum es geht.
Oder schöner formuliert, wie du es sagtest.

Wieso wollen wir das nicht? ^^

Lg und danke für die Vorschläge.

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#13

Grübelaien

in Gesellschaft 16.02.2005 14:03
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Wieso wir das nicht wollen ? Frag das diesen Herren:

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