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#1

Marie

in Zwischenwelten 11.02.2005 10:03
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Ich bin nicht besonders gewandt in Prosa. Aber ein erster Versuch kann nicht schaden:



Marie sitzt Tag für Tag vor dem Computer, sie raucht und trinkt dabei und manchmal tut sie sich auch was Gutes – so nebenbei – wenn ihr danach ist.
Marie ist eigentlich sehr gesund. Manchmal hat sie einen Schnupfen, aber der bleibt nicht lange und manchmal ist sie deswegen auch traurig. Nicht wegen des Schnupfens, sondern dass er geht. Denn wenn er bleibt, weiß sie dass sie in Ruhe gelassen wird. Ruhe, das ist das Problem – Marie kommt nie zur Ruhe. Manchmal schläft sie, aber nie für lang und manchmal hat sie Zeit zum Denken. Aber so richtig Zeit zum Denken bleibt ihr nicht, das bedauert sie sehr.
Marie hatte mal eine Katze, eine ganz kleine und ganz hübsche, so eine Weiße mit einem schwarzen Fleck am Hals. Die Katze hatte auch Schnupfen. Katzen sterben irgendwann sehr schnell, wenn sie Schnupfen haben. Marie wusste das. Die Katze hatte sich nachts immer auf Maries Gesicht gelegt und das hat Marie überhaupt nicht gestört, obwohl Marie eine Katzenallergie hat. Dann haben sie immer zusammen geniest.
Doch die Katze war irgendwann weg. Alle meinten, dass sie von einem Auto überfahren wurde. Wahrscheinlich war es so. Marie glaubte es nicht.
Manchmal schreibt Marie und einen Mann hat Marie auch.
Aber sie ist immer allein, weil der Mann nie da ist, obwohl Marie doch eigentlich gar nicht hässlich ist, denkt Marie.
Heute sitzt Marie auch am Computer und niest.
Vielleicht ist Marie auch irgendwann weg und vielleicht glauben dann auch alle dass sie vom Auto überfahren wurde.
Vielleicht.

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#2

Marie

in Zwischenwelten 11.02.2005 16:21
von MrsMerian (gelöscht)
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Hallo Richard.

Mir gefällt Deine Geschichte und ich sehe darin einerseits eine Satire auf die Leute, die von morgens bis Abends am Computer rumsitzen und ihrem Leben einen Sinn geben wollen, indem sie ein paar Worte in die Maschine hämmern... (komisch wieso fühle ich mich angesprochen?) gleichzeitig hat man ja auch nie Zeit, ist immer im Stress... man muss noch hier eine Antwort tippen und da einen Kommentar verfassen (Internet).

Gleichzeitig ist es eine Kritik; man sollte sich nicht so intensiv in virtuelle Welten reinhängen. Das Internet und die Konstrukte dort interessiert es weder, wenn die Katze verreckt, noch wenn Marie vom Auto überrolt würde oder in China ein Sack Reis platzte.

Deinen Erzählstil kann ich gutheißen: Ich mag Geschichten nicht, die so hochgestochen klingen... diese mutet ja am Ende etwas kurios und unglaubwürdig an dazu passt das prima. Irgendwie banal und das gefälltm mir.

Thx,
Mrs.

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#3

Marie

in Zwischenwelten 11.02.2005 16:33
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.989 Beiträge | 2007 Punkte
Ich fühl mich auch furchtbar angesprochen Es ist schon eine Sucht, hier omnipräsent zu sein.
Genau das, was du in der Geschichte karrikierst tat mrs soeben und tue ich gerade

Da ich nun herzlich über mich selbst lachen durfte, danke ich dir für deine Geschichte, die mich dazu führte mich selbst aus aus 2 Metern Entfernung zu sehen, vom Bildschirm gebannt

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#4

Marie

in Zwischenwelten 11.02.2005 16:53
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
hallo king.

mir will der wechsel von Marie glaubte es nicht. ... Manchmal schreibt. der ist zu abruppt für die sonstige übergangsgewohnheit.

grüße.
arno.

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#5

Marie

in Zwischenwelten 12.02.2005 09:07
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Ich bin wirklich maßlos erstaunt, dass ich mit meinem Versuch gefallen konnte.
Das motiviert mich doch sehr, mich weiter ein wenig in Prosa zu versuchen und dafür danke ich euch!

Ich dachte der von dir angesprochene Bruch, Arno, könnte verdeutlichen, dass ein Bezug von Maries letztem Gedankengang zur Reaktion auf das Verschwinden der Katze besteht.

Beste Grüße

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#6

Marie

in Zwischenwelten 12.02.2005 10:43
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Nun ging ich gerade mit dem Vorsatz an den Computer, meinen Kritik- und Interpretationsdurchhänger abzuarbeiten und dann lese ich das hier ! btw: MrsMerian, kann man dich als Interpretationskrücke mieten ? Dank dieser prosaischen Gehhilfe empfinde ich die erzählte Kürzestgeschichte jetzt auch als amüsant. Auch wenn dadurch jetzt andere Werke unkommentiert bleiben. Was für ein Glück für die.

Ich las diese Geschichte allerdings schon zuvor. Da empfand ich nicht den Drang, hier etwas abzusondern und das lag an zwei Dingen:

1) Es ist so kurz und der Autor kann gut dichten, warum tut er es nicht ?
2) Obwohl es so kurz ist, wird "Marie" 15 mal benannt. Natürlich ist das Absicht, mir aber zu penetrant.

Die Idee mit dem Schnupfen-Katzenschnupfen hat mir besonders gefallen. Die Idee, dass der Autor sich weiter in Prosa versucht, auch.

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#7

Marie

in Zwischenwelten 12.02.2005 15:11
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Was ich noch nicht erwähnte: Natürlich ist es wirklich gar nicht so gut, da ich eigentlich eher Trauer beim Verfassen fühlte und gar nicht vorhatte ein Amüsement zu schaffen. Aber es freut mich natürlich, dass ich amüsieren konnte.


Zitat:

Es ist so kurz und der Autor kann gut dichten, warum tut er es nicht ?


Oh-Vielen Dank! (auch wenn ich gar nicht weiß, woher du diese Annahme hast) Das kommt noch.

Danke Dir für Deine Kritik, sowohl für die Negative, als auch die Positive, Muh-Q.

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#8

Marie

in Zwischenwelten 12.02.2005 19:12
von Genesis (gelöscht)
avatar
Hallo Richard,
es ist zwar immer irgendwie dumm der Buhmann zu sein, aber nach all dem Lob kannst du bestimmt etwas Tadel verkraften.

Die Einfachheit deiner Wortwahl sowie die andauernden Parataxen ermüden doch auf die Dauer, und zeugen nicht von Feinfühligkeit bei deren Gestaltung. Fast dein ganzes Werk ist nach dem Schema "Marie macht das, Marie macht dies" aufgebaut, ohne dies jedoch rückwirkend auf Maries Problem zu betrachten. Die Übergange sind auch sehr abrupt. Da geht es zuerst um Maries fehlende Zeit zum Denken und im nächsten Augenblick um ihre Katze, dies wirkt sehr konfus. Leider lenkst du die Eindrücke die deine sprachliche Gestaltung hervorrufen nicht, sondern lässt sie einfach im Raum stehen. Die Aussage deines Textes steht leider auch noch auf wackligen Füßen, da an vielen Stellen deines Textes noch ziemlicher Klärungsbedarf beseteht.

Insgesamt leider doch ein bisschen enttäuschend, obwohl der erste Schritt auf fremdes Terrain, wohl bei jedem so ausfallen würde.

Thx & mfG GenEsis

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#9

Marie

in Zwischenwelten 12.02.2005 19:22
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Danke, Genesis, natürlich verkrafte ich Kritik, aus diesem Grunde hat es mich ja hierher verschlagen und zur Kritik gehört das Negative noch viel mehr als das Positive.

Ich werde mir deine Anmerkungen zu Herzen nehmen. Als ersten Versuch lass ich es so stehen wie es ist. Aber bei nächsten Versuchen werde ich etwas mehr auf Gewandtheit achten. Die Bastelei an Gedichten bin ich gewohnt. Bei Prosa muß ich erst noch üben.

Danke.
Beste Grüße

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#10

Marie

in Zwischenwelten 07.09.2006 20:10
von kein Name angegeben • ( Gast )
Hail King Richard,..

mein holdes Weib hat mich auf dieses erste Prosawerk von Euch verwiesen.

Auch wenn Ihr in der Kunst der Lyrik sicherlich um einiges besser bewandert seid,
finde ich diesen ersten Versuch sehr beachtlich.
Die Form und die (sicherlich gewollte) gehäufte Wiederholung des Namens Marie ist Geschmackssache,
doch mich hat der Text berührt.

Er hat mich sehr traurig gestimmt. Eine trostlose Welt, die Ihr beschreibt.


Ich hoffe bei Gelegenheit wieder einmal Prosa von Euch lesen zu dürfen.


Beste Grüße, Benno




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#11

Marie

in Zwischenwelten 07.09.2006 20:32
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Geehrter Benno,

man wird sogar schon empfohlen? Das nenn ich eine Ehre!
Ja, trostlos ist sie diese Welt und so traurig es ist, so freut es mich umso mehr, dass meine kleine Geschichte dich berührte und von dir verstanden wurde.
Doch glaube ich weniger, dass es viel Prosa von mir geben wird. Das liegt zum einen daran, dass ich zu wenig von meinen Fähigkeiten diesbezüglich halte und zum anderen daran, dass es sehr wenig auf dieser Welt gibt, dass mich dahin zieht, es aufschreiben zu müssen - eine gewisse Gleichgültigkeit, die wahrscheinlich auch Marie zu eigen ist .
Wenn mich etwas berührt, dann wird es immer verdichtet, auch wenn es nicht immer gelingt.

Allerbeste Grüße und Dank
Richard

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