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#1

Sehnsuchend

in Philosophisches und Grübeleien 11.02.2005 09:46
von kein Name angegeben • ( Gast )
- auf Wunsch der autorin gelöscht -


BG,

AB.
Admin

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#2

Sehnsuchend

in Philosophisches und Grübeleien 11.02.2005 13:00
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.955 Beiträge | 1940 Punkte
Interessanter Aufbau

Auslöser für Sehnsucht
Sehnsucht nach...
"Aufzählung von Assozitationen"
"
"
dann, niemals, einst(Zukunft),verblasste(Vergangenheit)

Keine metrische Ordnung ersichtlich.

Übergang: niemals verblasst ein Ton -> Ewigkeit
Übergang: einst verblasst auch der Moment->Endlichkeit

Das lyr. Ich schwankt zwischen Ewigkeit und Endlichkeit. Weder in der Ewigkeit, noch der Endlichkeit will es sein, sondern am Ende doch vergehen.
Als hätte es die freie Wahl zwischen Ewigkeit, Endlichkeit und Sterben und entschiede sich freiwillig für den Tod.

Als Gleichklang sich tropfend ergoss
Gefällt mir, erinnert an einen ewig im gleichen Rhytmus tropfenden Wasserhahn->gleichzeitig Überleitung zum Meer.
Während das Tropfen ein abgehackter Klang ist, ist das Rauschen ein gleichmäßiger, nie abebbender Klang.
Dann aber will das lyr. Ich wieder aus der Ewigkeit zurück zur Endlichkeit, zu zählbarem. Die vergehenden Stunden oder ein nun mögliches Ende des Wartens sind mit dem Tropfen vergleichbar.
Dann wird die Sehnsucht verspürt endgültig auszubrennen das (STerbe)licht zu sehen, bis es verblasst.

Für mich geht es hier darum, dass jemand, der die Wahl hätte zwischen Unsterblichkeit und Sterblichkeit, irgendwann doch würde "verblassen" wollen.

Ich finde den Aufbau interessant, aber z.B. den Gleichklang hätte man metrisch sicher untermalen können.
Sehnsucht nach Meer Sehnsucht nach Meer könnte man doppeldeutig sehen, denn "Sehnsucht nach Mehr"(klingt gebräuchlicher) kam mir hier als erstes in den Sinn. Da es sonst keine Entsprechung findet wirkt es auf mich unglücklich. Dumm ist nur das .. nach Licht und Zeit wiederum gut passen.
denn scheidend verblasste ich selbst.
Hier klingt das "scheidend" unglücklich, Verblassen allein wäre viel ausdrucksstärker.
Alles in allem sehr nachdenklich machend. Aber man hätte mehr daraus machen können.

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#3

Sehnsuchend

in Philosophisches und Grübeleien 11.02.2005 13:50
von kein Name angegeben • ( Gast )
Hallo Wilhelm,

vielen Dank für Deine vielen Assoziationen. Dazu will ich gern ein wenig Stellung beziehen. Kommen wir vorerst auf den formalen Aspekt, die Metrik:

xXxxXxxX
xXxxXxxX
xXxxXx
xXxxXx
xXxxXx
xXxxXxxX

Das ist durchgehend der Zeilenrhythmus, wenngleich auch in Strophe zwei leider in der ersten Zeile eine weibliche Kadenz nicht zu vermeiden war. Somit ist eine metrische Ordnung sehr wohl gegeben und da ich auf Metrik so viel wert lege, guck ich mal kurz entrüstet .

Die Doppeldeutigkeit Meer/mehr war mir schreibend durchaus bewusst. Denn das lyr. Ich sehnt sich ja nach mehr, als dem vorherrschenden Gleichklang - die Assoziation zum Meer liegt dann nahe, ob der dort vorherrschenden ständigen Unruhe - Wellenbrausen, Windesrauschen, Möwenschreie... Der nicht "verblassende Ton" soll an dieser Stelle die ständige Bewegung/Unruhe untermauern, nicht Sinnbild der Ewigkeit sein.
Die Ewigkeit folgt dann tatsächlich erst in der zweiten Strophe und wird vom lyr. Ich als unerträglich empfunden - es sehnt ein Ende herbei. Diese Endlichkeit erschliesst dann also in der dritten Strophe und da merkt das lyr. ich, wie trügerisch die Sehnsucht nach ihr war. Denn auch in diesem Stadium erwachen Sehnsüchte. Feuer anstelle des Wassers, Licht und Beweglichkeit von Flammen und vielleicht auch ein letztes Aufflackern des lyr. Ichs selbst.
"Scheiden" ist wichtig, denn es unterstreicht den sterbenden Aspekt, während das "verblassen" doch eher an dieser Stelle für das spurlose Entschwinden steht.

Ich hoffe, Du kannst mit meinen Ausführungen etwas anfangen.

Danke und lieben Gruß
Nina

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#4

Sehnsuchend

in Philosophisches und Grübeleien 11.02.2005 14:45
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.955 Beiträge | 1940 Punkte
Siehst da habe ich etwas vorschnell geurteilt. Ich sah weder Jambus noch Troch. die Daktylen habe ich gar nicht bemerkt, vor allem auch da ich in diesem Forum noch keine vrfand , das wird mir das nächste mal nicht passieren

Wenn das mit dem Meer absichtlich war, hebt es das Meer ja in seiner Bedeutung über Zeit und Licht hinaus, für manchen wäre das Inkonsequenz im Sinne der Tatsache das auf Gleichmäßigkeit geachtet wurde, ich sehe es aber nicht so eng.
Ich sehe in einem ständigen Rauschen keine Ruhe, eigentlich ist es ja auch Gleichklang, denn es schwillt regelmäßig an und ab. Ok es sehnt sich also nicht nach Ewigkeit, noch nicht, sondern nach Unruhe, das habe ich kapiert Ich fand nur die Überleitung direkt zur Ewigkeit so schön.
In Strophe 2 gehen wir konform - puh

Diese Endlichkeit erschliesst dann also in der dritten Strophe und da merkt das lyr. ich, wie trügerisch die Sehnsucht nach ihr war
Ich glaube da liegt der Haken - ich kann nicht ersehen wie man darauf kommen soll; von einer Erkenntnis, dass die Sehnsucht trügerisch war ist meiner Meinung nach nichts ersichtlich. Das lyr. Ich verspürte ja Sehnsucht danach, zu verbrennen, und bekommt was es wollte - sein Ende. Das dies eine Fehlentscheidung sein sollte ist nicht erkennbar.

Da muss ich rein von der Logik her kritisch sein. Vielleicht beharre ich auch zu sehr auf meiner Interpretation, die hat für mich so schön Sinn gemacht

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#5

Sehnsuchend

in Philosophisches und Grübeleien 11.02.2005 15:31
von kein Name angegeben • ( Gast )
... auf das Verbrennen im Feuer wäre ich wahrlich nicht gekommen. Das ist aber ein Ansatz, den ich durchaus nachvollziehen kann.
Es ist doch schön, wenn der Leser mehr, bzw. anderes in einem Text findet, als der Schreiber es vorher bedachte!

Thx
Nina

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#6

Sehnsuchend

in Philosophisches und Grübeleien 11.02.2005 16:48
von MrsMerian (gelöscht)
avatar

Zitat:

Als Gleichklang sich tropfend ergoss,
verspürte ich Sehnsucht nach Meer;
dem Rauschen der Wellen,
sich türmenden Wogen,
der tosenden Sturmboe,
denn niemals verblasst dort ein Ton.



Habe hier dieselbe Assoziation wie Willi, der tropfende Wasserhahn.
Das lyr. Ich ist im Einheitsbrei festgefahren und sehnt sich nach mehr.
Der Ton, der niemals verblasst gefällt mir, denn der tropfende Wasserhahn, die Kirchturmglocke nebenan oder die Bundesstraße vorm Schlafzimmerfenster hört man nach ein paar Jahren schlicht nicht mehr bewusst. Es ist immer gleich und immer da... da verblasst es eben (--> Gewohnheit --> Einheitsbrei)

Str. 2: Das lyr. Ich hat nun Ewigkeit... aber es sehnt sich nach Endlichkeit und wenn es in Str. 3 die Endlichkeit bekommt, indem es stirbt.

Schön finde ich in Str. 2, dass anscheinend die Ewigkeit daraus besteht, dass ein Haufen von Momenten verblasst ist und zu einem Koloss verlebter, aber verblasster (vergessener) Zeit geworden ist.

Str. 3 dann eine Andeutung, dass man selbst ein Teil der Ewigkeit ist, in der man verblassen muss (vergessen wird).

Mir zeigt es einerseits das allbekannte Phänomen, dass man oft das wünscht, was man gerade nicht bekommen kann. Andererseits vermittelt es etwas von dem Gefühl, eine Ameise oder gar nur eine kleine Amöbe zu sein, in unserer großen, alten Welt. Und trotz, dass ein Leben in Relation zur Genese der heutigen Welt nicht mal ein Atemzug ist, beschweren die Menschen sich über Monotonie...

LG
mrs.

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#7

Sehnsuchend

in Philosophisches und Grübeleien 14.02.2005 07:10
von kein Name angegeben • ( Gast )
Liebe Mrs,

Deine Idee, des nicht mehr Wahrnehmens monotoner alltbekannter Geräusche ist sehr schön in diesem Zusammenhang. Bei den Kirchenglocken muss ich allerdings schlicht widersprechen: Ich höre sie in meiner Wohnung und obwohl streng atheistisch denkend, erfüllt es mich stets mit Freude, dem Sonntagseinläuten zu horchen.

Der letzte Absatz, den Du schriebst, sehe ich gern in den obigen Zeilen ausgedrückt. Es ist schwierig, das Gewünschte nach Erhalt immer noch zu sehnen, wenn nicht gar unmöglich. Und es ist die Natur des Menschen, wünschen und sehnen zu wollen, fürchte ich.
Die Winzigkeit dieses Wunschdenkens in Anbetracht der Fülle des Lebens ist manchmal schwer auszuhalten. Und das Verblassen kann dann tröstlich, wie schmerzlich sein, gelle?

Herzlichst
Nina

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#8

Sehnsuchend

in Philosophisches und Grübeleien 14.02.2005 09:20
von MrsMerian (gelöscht)
avatar
Ich meinte doch auch gar nicht das Sonntagsleuten; bei uns schlägt die Glocke jede halbe Stunde einmal und zu jeder vollen Stunde entsprechend der Uhrzeit --> Ich hör das einfach nicht mehr. Weil es immer da ist.

LG,
Mrs.

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