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#1

Boden der Tatsachen

in Philosophisches und Grübeleien 12.02.2005 15:23
von kein Name angegeben • ( Gast )
Vor dem Weg zu meinem Gewissen
der staubig und unbenutzt daliegt
stauen sich aufdringliche Fragen

Die Hoffnung auf eigene Erkenntnis
versiegt auf halber Strecke
und es ist ein Schrei von außen
der letztendlich durchdringt

Bodenlos scheint der Abgrund aus der Höhe
doch schmerzhaft ist der Aufprall
Ernüchtert bleibe ich auf dem Teppich
der nicht fliegen kann

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#2

Boden der Tatsachen

in Philosophisches und Grübeleien 12.02.2005 16:28
von MrsMerian (gelöscht)
avatar
Hallo Butterfly.

XxXxXxxXx 9
xXxxXxXXx 9
XxxXxXxxxXx 11
xXxXxxXxxX 10

xXxxXxxxXx 10
xXxXxXx 7
xxxxXxXx 8
xxXx Xx oder xX 6

XxxXxXxXxXx 11
xXxXxXx 7
xXxXxxXxXx 10
XxXxX 5

Da wundere ich mich, wieso ein Butterfly das so macht... es mögen Fehler drin sein in meinen X-en; aber wenn ich irgendein Muster hätte erkennen können, hätte ich ja wenigstens gewusst wonach ich suchen muss... so stehe ich vor einem Silbenhaufen...

Die letzte Zeile hat es mir angetan, denn es ist wirklich eine ernüchtende Zeile, schn der Kürze wegen. Das passt einwandfrei und auch die Bildlichkeit ist ausgezeichnet gelungen.

Leider weiß ich gar nicht, was ich von den gegurke in den Versen haten soll, wo ich doch von Dir ganz anderes kenne und ich Dir ein außerordebtliches Gespür und Fertigkeit darin zuschreibe...
Selbst, wenn Du das Durcheinander im lyr. ich unterstreichen möchtest, sagt es mir irgendwie nicht zu.

Inhaltlich finde ich es prima gelungen und vorallem der Schluss ist prima.

Vielleicht wirst Du mich noch aufklären? Jetzt bin ich irgendwie auch ziemlich verdaddert; bin gespannt, ob Du das Chaos in mir wieder richten kannst.

LG,
Mrs.

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#3

Boden der Tatsachen

in Philosophisches und Grübeleien 14.02.2005 10:17
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Hallo Butterfly,

was mir bei dir hier fehlt ist erstmal der fehlende Rhythmus, es lässt sich mehr wie ein sprachlich schöner Text lesen und als zweites der Bezug der einzelnen Strophen zueinander:

"Auf dem Weg zu meinem Gewissen
der staubig und unbenutzt daliegt
stauen sich unbeantwortete Fragen
und werden unter den Teppich gekehrt "

Hier sprichst du von einem unbenutzten Weg, für mich bedeutet das, das das lyr. Ich bisher sein Gewissen ignoriert hat und gehandelt hat, ohne sein Gewissen zu beachten. Deshalb werden die "Gewissensfragen" auch nicht beachtet. Sie werden nicht beantwortet, sondern einfach nur unter den Teppich gekehrt.

"Die Hoffnung auf eigene Erkenntnis
versiegt auf halber Strecke
und es ist der Schrei von außen
der tatsächlich durchdringt "

Aufgrund der Nichtbeachtung der Gewissensfragen ist dem lyr. Ich Selbsterkenntnis kaum möglich, da ihm die Reflektion seiner eigenen Taten fehlt.
Den "Schrei von Außen" verstehe ich nicht ganz. Hier liegt wahrscheinlich mein Verständnisproblem. Da es sich um einen inneren Konflikt handelt, bei dem das lyr. Ich seine Problematik erkennt ist es wahrscheinlich dieser Schrei, der ihn aufmerksam machte. Doch woher kommt er? Ist es der Schrei eines Außenstehenden, vielleicht verletzt von dem unreflektierten Protagonisten? Oder ist es der eigene körperliche Schrei, der geschrien wird, weil das lyr. Ich selbst verletzt wurde und nun die Schuld in sich selbst erkennt?
Hm, vielleicht beantworten sich meine Fragen in der letzten Strophe.

"Bodenlos scheint der Abgrund aus der Höhe
und schmerzhaft ist der Aufprall
Ernüchtert bleibe ich auf dem Teppich
der nicht fliegen kann "

Das lyr. Ich fällt aus der Selbsterkenntnis heraus, das es bisher gefehlt hatte, aus egozentrischer Höhe in sich selbst zusammen und erkennt schmerzhaft, dass er von Neuem beginnen muß, das das woran er glaubte, vielleicht nicht der Wahrheit entspricht. Er wird ernüchtert und erkennt die Realität.
Leider ist der Schrei für mich nicht geklärt und auch eine weitere Frage bleibt offen: Der "Teppich" der ersten Strophe versinnbildlichte die geistige Verdränung. Der "Teppich" der letzten Strophe, aber das ICH des Protagonisten, oder auch seine Glaubens- und Gedankenwelt, vielleicht auch sein Leben selbst oder eine bestimmte Situation, dass/die nun doch nicht so war, wie er dachte.
Ich empfinde die doch ein wenig unterschiedliche Bedeutung des Begriffs "Teppich" als sehr verwirrend und auch die mir nicht verständliche Passage des Schreies von Außen.

Zusammen mit dem nicht vorhandenen Rhythmus gefällt mir das nicht so sehr, aber was mir gefällt ist die Sprachwahl und, ebenso wie MrsMerian schon schrieb, die Metaphorik der letzten Zeilen allein ist wunderbar! Da hättest du meiner Meinung nach etwas mehr draus machen können.

Ich würde mich über die Klärung meiner Fragen freuen!

Beste Grüße Richard III

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#4

Boden der Tatsachen

in Philosophisches und Grübeleien 15.02.2005 11:17
von sEweil | 654 Beiträge | 654 Punkte
Ich hab gleich mal eine Frage zur Ersten Strophe.
Str1, Z.2: der staubig und unbenutzt daliegt
Das der bezieht sich doch auf das Gewissen, so ich nicht irre, müsste es aber dann nicht das heißen?
das staubig und unbenutzt daliegt

Ich hab da beim Lesen einfach ein ungutes Gefühl, oder denke ich verkehrt? Bitte um Klärung.

Der Schrei von außen ist für mich der Schrei eines Lyr. Dus, also von einem Außenstehenden, der ihm ,kurz gesagt, zeigt, was mit ihm falsch ist, was nicht passt, etc.

Teppich - Tepp ich - Depp ich. (Das waren immer so Kindersprüche, konnte es mir nicht verkneifen )

Das mit dem "Unter den Teppich kehren." und dem Teppich, der nicht fliegen kann, sind glaub ich gängigere Phrasen.
Was aber da noch ein möglicher Gedankengang sein könnte, wäre jener, dass das lyr Ich nun, nach dem Fall, auf seinen Fragen liegt, sitzt, die unter dem Teppich sind. Die müssen jetzt beantwortet werden um wieder hoch zu kommen, um einen Wandel machen zu können.

Naja meine verklärten Gedanken.

Noch kurz metrisch:

Str.1:

XxXxXxxXx
xXxxXxxXx
XxxXxXxXxXx
xXxXxxXxxXx

Man sieht, wie Mrs und Richard bereits sagten, dass hier keine Einheit vorliegt.

Meine zwei Groschen

Lg sEweil.

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#5

Boden der Tatsachen

in Philosophisches und Grübeleien 15.02.2005 14:47
von MrsMerian (gelöscht)
avatar
Hi sEweil.

das der bezieht sich auf den Weg, meiner Ansicht nach.

LG,
Mrs.

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#6

Boden der Tatsachen

in Philosophisches und Grübeleien 15.02.2005 14:53
von sEweil | 654 Beiträge | 654 Punkte
Stimmt, dann macht das ganze wieder Sinn, andersrum gefiele es mir aber besser. ^^

Danke fürs Aufklären

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#7

Boden der Tatsachen

in Philosophisches und Grübeleien 15.02.2005 17:45
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Hi Butterfly !

Sorry, aber ein drittes Mal wirst du mir nicht so ungeschoren davon kommen !

Das lyr. ich geht schonunslos mit sich ins Gericht und diesen Umstand wolltest du vielleicht rein formal unterstreichen. Zumindest fällt mir auf, dass sich dieses Gedicht allem verweigert, was ein Gedicht (für mich) ausmacht: Reim, Maß, Melodie, Verdichtung. Lediglich die Zeilenschaltung gaukelt hier ein Gedicht vor.

Ich glaube, ich sagte schon allzu oft, dass ich mit freien Gedichten so meine Probleme habe. Die habe ich auch hier, wobei ich jedoch in der Verweigerung Methode erkenne und respektiere. So wie mir allerdings die Schonungslosigkeit des lyr. Ichs, so übertrieben erscheint mir auch der formale Boykott. Da ist mir dann sprachlich zu wenig los, das fixt mich nicht an. Das ist mir auch zu plakativ, das wirkt aufgesetzt.

Inhaltlich bleibt weiterhin unklar: Ist tatsächlich Gewissen gemeint und nicht eher Geist oder Bewusstsein ? Wenn doch, bleibt im ganzen Gedicht unbeantwortet, was das lyr. Ich in einen Gewissenskonflikt bringt und das finde ich unschön, wenn man denn schon das Gewissen anspricht. Z2 wurde schon angesprochen und grammatikalisch korrekt kann sich das „der“ natürlich nur auf den Weg beziehen. Aber dort herrscht dann ein Paradoxon: Der liegt staubig und unbenutzt da, obwohl es sich dort sogar heftig staut. Da ist also was los, da wird sogar gekehrt, wenn auch nur unter den Teppich. Und da es sich dort staut, kommt am Ende nix an und deswegen ist es viel eher am Ende des Weges staubig. Das „ungenutzt“ würde dann allerdings für das Gewissen und gegen den Geist sprechen. btw.: Gestaute Fragen sind per se unbeantwortet, „unbequeme“ o.ä. hätte mir besser gefallen.

Das „und“ der Zeile 4 verstärkt den unschönen Eindruck, dass dort jemand aktiv den Saubermann spielt, dabei stauen sich die Fragen ja, weil sie fig. unter den Teppich gekehrt werden. Ich würde es weglassen, ich sehe in einem freien Gedicht auch keine Notwendigkeit, es beizubehalten. Selbiges, nämlich überflüssig gilt für das „und“ in S2Z3. Der Artikel in S2Z1 ist auch fehl am Platz, schließlich geht es nicht um eine bestimmte, sondern ganz allgemein um Hoffnung auf Erkenntnis. Ginge es um eine bestimmte, wäre es unfreundlich, uns nicht zu sagen, um welche. (btw.: Hoffnung habe ich schon erlöschen, sterben, schwinden usw. aber noch nie versiegen sehen. Die Quelle der Hoffnung mag versiegen und Hoffnung dann ersterben. Hmm, gefällt mir auch nicht.) Das Wörtchen „tatsächlich“ in S2Z4 insinuiert, dass andere Schreie nur durchdringend erschienen oder als solche angesehen wurden !? Mindestens ist auch dieses Wort für meinen Geschmack überflüssig.

In S3 kommst du sehr schön auf den Boden der Überschrift zurück. Jedoch scheint der Abgrund nicht, er erscheint bodenlos, schließlich ist der Aufprall schmerzhaft, insofern muss da wohl Boden sein. Dieser Aufprall steht im Gegensatz zur Erscheinung, daher ist auch dieses „und“ in S3Z2 verwerflich und muss gegen ein „doch“ ausgetauscht werden. Als gelungene Phrase – für sich genommen – empfinde ich S3Z3, da das lyr. Ich in diesem Gedicht jetzt tatsächlich und bildlich auf dem Teppich bleibt, da es sonst „verbleibe“ hätte heißen müssen.

Für einfachen Überblick bzw. Zusammenfassung meiner Mäkeleien hier eine redigierte Fassung:

Auf dem Weg zu meinem Geist,
der staubig und unbenutzt daliegt,
stauen sich unbequeme Fragen,
werden unter den Teppich gekehrt.

Hoffnung auf eigene Erkenntnis
erlischt auf halber Strecke.
Es ist der (ein) Schrei von außen,
der (letztlich) durchdringt.

Bodenlos erscheint der Abgrund aus der Höhe,
doch schmerzhaft ist der Aufprall.
Ernüchtert bleibe ich auf dem Teppich,
der nicht fliegen kann
(liegen)

Nun kreuzige mich !

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#8

Boden der Tatsachen

in Philosophisches und Grübeleien 16.02.2005 17:02
von kein Name angegeben • ( Gast )
Hallo zusammen und vielen Dank für eure Kritiken!

Ich hatte befürchtet, dass die unterschiedliche Bedeutung des Begriffs "Teppich“ stört; den Schrei von außen und auch die Bedeutung des Teppichs hat sEweil eigentlich ganz schön erklärt. Ich denke dennoch, dass ich die Z4 in S1 weglasse.
Damit sich die Zeilen 2 und 3 bildlich nicht widersprechen, könnten sich die Fragen ja vor dem unbenutzten Weg stauen.
Muh-q-wahn: Einige Punkte werde ich ausbessern, andere allerdings so belassen, so denke ich z.B. nicht, dass man den Artikel vor Hoffnung weglassen muss, die Hoffnung ist nämlich doch näher definiert: Hoffnung auf Erkenntnis – Auch wenn das sicherlich immer noch ziemlich allgemein ist, aber vom Sprachgefühl her klingt es mit dem Artikel besser für mich.
btw: Ja, Hoffnung versiegt, das ist eine individuelle Formulierung, ne?
Im Ernst: Ja, in unserer Umgangssprache versiegt Hoffnung für gewöhnlich nicht, aber ist dieses Bild nicht trotzdem stimmig? Scheinen oder Erscheinen – Da tut sich m.E. nicht wirklich was – Wir schauen mal eben nach:
erscheinen
[..]
5. j-d/etw. erscheint (j-m) irgendwie j-d/etw. macht (auf j-n) e-n bestimmten Eindruck
-----------------------------
schei·nen2
1. etw. scheint (j-m) + Adj; etw. scheint (j-m) +zu + Infinitiv etw. macht (auf j-n) e-n bestimmten Eindruck:
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So halten wir vorerst als überarbeitete Version fest:

Vor dem Weg zu meinem Gewissen
der staubig und unbenutzt daliegt
stauen sich aufdringliche Fragen

Die Hoffnung auf eigene Erkenntnis
versiegt auf halber Strecke
und es ist ein Schrei von außen
der letztendlich durchdringt

Bodenlos scheint der Abgrund aus der Höhe
doch schmerzhaft ist der Aufprall
Ernüchtert bleibe ich auf dem Teppich
der nicht fliegen kann


Nun noch zu dem Rhythmus, der von allen kritisiert wird.
Ein Metrikschema gibt es hier nicht, das ist richtig. Ich hatte gar nicht die Absicht mit einem Metrikschema zu arbeiten, sondern wollte ein Gedicht in freien Versen schreiben.
Freie Verse: Seit dem 19. Jahrhundert wird der Begriff für eine reimlose Dichtung verwendet, in der keine Rücksicht auf Regeln des Versmaßes genommen wird. Er geht zurück auf das Verfahren von Gustave Kahn, Rimbaud und anderer französischer Symbolisten. Die Absicht dieser Gruppe war es, die französische Poesie von den Beschränkungen des Versmaßes zu befreien. Sie berief sich auf den amerikanischen Dichter Walt Whitman als einem ihrer Vorläufer und verfasste in der Regel reimlose Verse unterschiedlicher Länge und Kadenzen.
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Muss ein Gedicht ein durchgehendes Betonungsschema haben, damit es euch gefällt? Gefallen euch freie Verse generell nicht oder ist es speziell dieses Gedicht, bei dem ihr den Rhythmus nicht für gelungen haltet? Habe ich „freie Verse“ falsch verstanden?


Mit lieben Grüßen


Butterfly

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#9

Boden der Tatsachen

in Philosophisches und Grübeleien 16.02.2005 17:52
von sEweil | 654 Beiträge | 654 Punkte
Kein Gedicht muss sich zwangsweise reimen oder einem Versmaß folgen.
Es wurde nur bemerkt, dass es keines besitzt, bzw kein einheitliches besitzt.

Es liest sich nur schwerer, wenn die Betonung so unterschiedlich ausfällt.
Aber ich hab nix gegen reimlose Gedichte ohne festes Versmaß.
(mag sie sogar.)

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#10

Boden der Tatsachen

in Philosophisches und Grübeleien 16.02.2005 21:06
von kein Name angegeben • ( Gast )

Zitat:

Es wurde nur bemerkt, dass es keines besitzt, bzw kein einheitliches besitzt.


Ich meinte damit auch nicht dich, aber Muh-q-wahns, Mrs' und Rics Beiträge gingen ja über diese Feststellung hinaus -sagten, dass ihnen die freien Verse hier nicht gefallen.


Zitat:

Es liest sich nur schwerer, wenn die Betonung so unterschiedlich ausfällt.


Das finde ich eigentlich gar nicht, es sei denn, man versucht wirklich während des Lesens ständig, ein Metrikschema in die Verse hineinzubringen. Dann stolpert man wirklich durch die Verse, das ist mir klar.

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