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#1

Unmut

in Philosophisches und Grübeleien 17.02.2005 20:19
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Ich weiß, ihr werdet nicht verstehn.
Vielleicht werd ich für immer gehn.
Vielleicht find ich an andrem Ort
auch endlich Ruhe vor dem Wort.

Ich flüchte vor, ich weiß nicht was;
Vor Spiegeln, die ich längst vergaß.
Was sie noch plagt liegt hinter mir,
entsinn mich nur noch dumpf der Gier.

Ich weiß auch wohl noch um den Schmerz
und wie mich quälte jeder Scherz.
Doch will ich nicht mehr ständig lesen,
was nicht mehr ist, was längst gewesen.

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#2

Unmut

in Philosophisches und Grübeleien 17.02.2005 20:26
von MrsMerian (gelöscht)
avatar
Hi Richi.

Gefällt mir sehr gut, vorallem das HIn und Her zwischen Träumerischem, der Rechtfertigung und Resignation, den Hoffnungen auf Neues, das Abwägen von Möglichkeiten etc.

Verdammt, woher kennst DU mich so genau. Es klingt beinah so, als hätte ich es gesagt haben können. Wirklich und ich kann mir den hohlen Blick der Person vorstellen, wenn sie in sich versinkt im nächsten Moment ein Blitz der sie durchfährt und leuchtende Augen und dann fängt diese Personan mit den Händen zu fuchteln und sich zu rechtfertigen.

Sehr passend für einen Abschied von etwas, das man schätzte und nahezu liebte man sich aber entgegensätzlich entwickelt hat.

Ich finde es prima. Danke.
LG
Mrs.

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#3

Unmut

in Philosophisches und Grübeleien 17.02.2005 20:35
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Aber das ist hoffentlich Vergangenheitsbewältigung und bezieht sich nicht etwa auf den Tümpel !?

Das ist natürlich sprachlich und metrisch wohlfeil, wenn auch arg viele Elisionen aufwarten. Inhaltlich empfinde ich es als nicht besonders gelungen, da es mir sehr explizit und kaum auf andere und anderes übertragbar erscheint. So fällt unschön auf, dass du in S1Z4 Ruhe vor "dem Wort" wünscht und in S2Z4 dich "der Gier" erinnerst. S3 ist dann komplett so dermaßen eindeutig, dass ein unbedarfter Leser vermutlich gar nichts mehr versteht.

Insofern ist mir dein Werk zu esoterisch geraten.

(S3Z3 + 4 finde ich übrigens wundervoll.)

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#4

Unmut

in Philosophisches und Grübeleien 17.02.2005 21:20
von sEweil | 654 Beiträge | 654 Punkte
Hallo Richard.

Werd mal rein aufs formale eingehen. Wieso fürchtest du dich vor kathalektischen Verstakten? verstehen und gehen hätten mir besser gefallen, aber seis drum. Gehören zu den Elisionen nicht auch immer die hübschen ' s dazu?

Metrisch einwandfrei. ein 4-hebiger Jambus, zum Schluss mit kathalektischem Verstakt.

xXxXxXxX
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Reimschema aabb. Bin kein wirklicher Fan vom Paarreim.
S3Z2 klingt ungelenk, für den Reim umgestellt.
S3Z3 +4 fand ich auch sehr schön, ein gelungener Abschluss.

Bei dem Rest schließe ich mich den anderen an.

Lg sEweil.

Edit: Was ich noch anbringen wollte. Mir scheint es dabei um .com zu gehen, aber ich verpuffe so schnell wieder, wie ich kam.
*puff*

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#5

Unmut

in Philosophisches und Grübeleien 17.02.2005 23:14
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.955 Beiträge | 1940 Punkte
Ich muss mich da leider anschliessen.
Ich weiß, ihr werdet nicht verstehn.
Doch, leider glaube ich zu verstehen. Ich hofffe auch es bezieht sich nicht auf den Tümpel

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#6

Unmut

in Philosophisches und Grübeleien 20.02.2005 10:04
von kein Name angegeben • ( Gast )

Hi Richard III

Dein Gedicht macht alles in allem einen guten, weil überzeugenden Gesamteindruck. Was mich beim Lesen doch etwas störte waren die zum Teil zu einfach geratenen Reime (Schmerz - Scherz ist IMHO kaum besser als der berühmt-berüchtigte Herz-Schmerz-Reim; zudem ist der Reim in Strophe 2, V1+2 nicht ganz stimmig: "was" hat im Standarddeutschen einen kurzen, "vergaß" (in der Haupttonsilbe) einen langen Vokal).
Aber ansonsten kann man nicht groß meckern - dir ist ein sehr solides Gedicht gelungen!

Keep it up!
Cham


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#7

Unmut

in Philosophisches und Grübeleien 20.02.2005 10:15
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Ich danke Dir für deine Kritik und dein Lob.

Es könnte an meinem Gossenslang liegen, dass ich "vergaß" nicht wie "Gas" ausspreche, sondern mehr wie die erste Silbe von "Gasse".
Der Begriff "Herz-Schmerz-Reim" hat mich schon immer gestört und zwar nicht die Tatsache, dass der Reim genutzt wird, sondern die Kritik an der Nutzung. In Form eines ansprechenden Gedichtes muß der Reim keineswegs schlecht gemacht werden.
Und ich spreche mich mit voller Überzeugung gegen diese Gegnerschaft aus.,
Und ich könnte wahrhaft erbrechen, dass ich schon wieder gezwungen bin mir solch einen Schwachsinn anzutun. (Meine Meinungsbildung hat hier auch etwas gedauert)

Aber nichts für ungut, bis auf diesen kleinen Faux-Pas, freue ich mich sehr über dein Kommentar.

Beste Grüße Richard

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#8

Unmut

in Philosophisches und Grübeleien 20.02.2005 10:36
von kein Name angegeben • ( Gast )

Was du als "faux-pas" bezeichnest, ist meine Meinung.

Ich will nicht bestreiten, dass es großartige Gedichte gibt, in denen der Herz-Schmerz-Reim vorkommt (unter anderem eins meiner Lieblingsgedichte - Goethes "An Mignon"), aber die allermeisten können diese Kombination nicht einbauen, ohne dadurch das ganze Gedicht abzuwerten. So ist es - meiner bescheidenen Meinung nach - auch hier. No offence intended.

Cham

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#9

Unmut

in Philosophisches und Grübeleien 20.02.2005 10:43
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Mit Faux-Pas meinte ich auch eher meine exaltierte Reaktion auf deine Meinung.

Und die lass ich dir natürlich ungeteilt...

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