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#1

Morgentau

in Düsteres und Trübsinniges 07.02.2005 12:57
von Ahsil (gelöscht)
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Morgentau

Ein kalter Hauch von Stille drückt die Wiesenflächen.
Wie Blei liegt feuchter Morgentau auf allen Trieben.
Geknickt von dieser Last vermögen sie zu brechen.
Der rote Schein beginnt Vergangnes fortzuschieben

Denn wer erahnt der nächtlichen Exzesse Gier?
Statt Tau benetzte Fleisch das süße Bodengrün,
es metzelten sich Menschen ab, wie Schlachtgetier.
Man sah in ihren Augen falschen Hass erglüh’n!

Warum gebart sich jener Ort in solchem Schrecken?
Zwei Fürsten hießen sich im frommen Titel: Gecken!
Sie sandten ihre Mannen, für den kurzen Spaß.

Nach diesem Happen konnten sie die Finger lecken.
Das Blutmahl sonders gleichen schien doch wohl zu schmecken.
Es bleibt nur feuchter Morgentau im grünen Gras.

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#2

Morgentau

in Düsteres und Trübsinniges 07.02.2005 14:08
von MrsMerian (gelöscht)
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Hallo Ahsil.

Dein Sonett klingt sehr überzeugend.
Einzig eine Stelle will mir nicht gefallen:


Zitat:

Warum mutierte jener Ort zu solchem Schrecken?



mutiert passt in meinen AUgen mehr in eine Welt von Gentechnik und Leuchtreklame.
Mit der Gecshichte von Biologie und Medizin kenne ich mich nicht aus... aber ich glaube auch dass der das Mutieren zunächst nur in diesem biologischen Kontext gebraucht wurde.
Die Übertragung in Form der Redewendung, wie man sie hier findet, fand doch sicher sehr viel später statt... noch gar nicht lange her.
Eine Mutation ist ja außerdem etwas andauerndes... und nichts, das vergeht.
Irgendwie passt es also nicht so wirklich.

Wenn ich Deine Zeilen recht interpretiere geht das lyr. Ich im Morgengrauen (der rote Schein beginnt - Sonnenaufgang) spazieren.

Das Vergangene fortzuschieben... nun, hier bin ich nicht sicher, wie lange es denn nun vergangen ist.
Weißt Du, ich dachte es sei lange, lange vorüber. Die Zeit der Fürstentümer ist lang vorbei und ich kann das lyr. ich in die heutige Zeit setzen. Dann würde das mutiert evtl. sogar von der Verwendung her passen. Die Mutation bleibt dennoch ein unpassendes Bild in meinen Augen, zudem wäre dann das Gecken zu veraltet. Das was ich hier lese sind ja die Gedanken des lyr. Ich und irgendwie kommt es mir an dieser Stelle so vermurkst vor, neu und alt durcheinandergewirbelt.
Gecken und Mannen bedeuten für mich, dass es kein lyr. ich aus der heutigen Zeit ist, aber denncih zwischen dem Kampf und den Spaziergang eine lange Zeitspanne liegt. (Es bleibt nur feuchter Morgentau im grünen Gras.)

Thematisch lehnst Du Dich hier an die barocken Sonette, etwa von Gryphius und co. die vom 30-jährigen Krieg und der Pest geprägt waren -die Vergänglichkeit.

Ich weiß nicht, ob man das Gefühl kennt, wenn man an Gedenkstätten oder Mahnmahlen steht und man plötzlich denken muss: Das ist nicht nur ein Platz. Mehrere Tausend Tote, sind nicht einfach "mehrere tausend Tote". Man vermag an einem Todesfall zu verzweifeln, wie groß muss diese verdammte Not gewesen sein...
Ich meine... manchmal schleciht man einfach in einem wunderschönen, ruhigen Park entlang und denkt: und hier ist jemand gestorben? Auf dieser Stelle, die cih gerade mit Füßen getreten habe, ist eine Kind Waise und eine Frau Witwe geworden? In diesem Haus hat die Pest alle Bewohner dahingerafft? Hier wohnte eine jüdische Familie und niemand will bemerkt haben, dass sie plötzlich weg waren, keiner hat etwas gehört, als sie sie wegtransportiert haben? All diese Gedanken und Erinnerungen an solche Momente frischst Du durch Deine Zeilen auf. Danke.

Leider habe ich geschichtlich ganz und gar keine Ahnung, deshalb finde ich keine Anhaltspunkte anhand derer ich versuchen könnte die Schlacht zeitgeschichtlich einzuordnen.

Eine etwas konfuse Kritik, sry.
Danke.

Mrs.

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#3

Morgentau

in Düsteres und Trübsinniges 07.02.2005 18:31
von Ahsil (gelöscht)
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hm, so habe ich es auch nicht gesehen...
was ein Wort aus einem Text machen kann, mutieren..., hm, ich würde es trotz diesem Wort in die Vergangenheit legen wollen. Aber Du hast natürlich recht, es ist ein Wort der Moderne, vielleicht finde ich noch ein entsprechendes Wort. So weit dazu.
Nun aber dein Gedankenwandeln...
ICh denke, dass viel schnell vergessen wird, bzw. sollte auch viel vergessen werden, aber Tatsache ist nun mal, dass nie etwas nach einer Schlacht zurückbleibt außer Tod. Die Meschen werden als Kleines vergessen. Man entsinnt sich vielleicht der Schlacht, aber nicht dem Kleinen. Es bleibt eben nur der Morgentau.
Gruß und Dank

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#4

Morgentau

in Düsteres und Trübsinniges 07.02.2005 18:54
von Genesis (gelöscht)
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Mich stören mehrere Sachen:
Den inhaltlichen Wendepunkt den du hier schon in S2V2 beginnst, solltest du auf den Abgesang legen, so bekommt das ganze mehr Ordnung.
Das Wort "metzeln" bringst du zwar mit "Schlachtgetier" in Verbindung und es beschreibt schön die "Es-Ebene" des Menschen, jedoch finde ich dieses Wort viel zu plump und Konotationslastig, so dass es versucht seinen Bildwert auf der untersten denkbaren Stufe zu vermitteln.
Die Foreneinteilung in "Philosopisches" will mir auch nicht so recht in den Kopf? Was soll daran philosophisch sein? Die Darstellung des Menschen als blutrünstig ist nun wirklich nicht neu und beinhaltet vor allem kein philosophisches Element, es handelt sich einfach um eine leidige Tatsache. Daher wäre die Einteilung in "Düsteres" besser gewesen.

Ansonsten finde ich die Metaphorik, vor allem der Gegenüberstellung mit der (jungfräulichen) Natur, als sehr passend. Leider fehlt das sprichwörtliche "Etwas" in deinem Werk, wodurch es trotz der schöne Bildebene, nur mäßig Gefallen bei mir findet.

Thx & mfG GenEsis

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#5

Morgentau

in Düsteres und Trübsinniges 08.02.2005 12:11
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.989 Beiträge | 2007 Punkte
Erst einmal muss ich mich anschliessen, dein Sonett klingt für mich tatsächlich wie die Sonette des Barock, das hast du wirklich toll umgesetzt.

Auch ich finde das "mutieren" muss unbedingt raus, es sticht tatsächlich heraus auch wenn das "tieren" darin klanglich ausserordentlich passt. Vielleicht kann man ein verwandelt oder warum ertrunken..in solchem Schrecken, bzw ertrank einst oder so, da gibt's viele Möglicheiten.

Zwei Fürsten hießen sich im frommen Titel: Gecken!
Diese Zeile mag mir nicht gefallen, weder das Gecken (heute: Snob, Schnösel), bei "im frommen Titel" gefällt mir das "im" nicht.

Mir gefällt das Schlachtgetier ausgesprochen gut, denn geschlachtet wurde damals noch wie wir es uns gar nicht mehr vorstellen können.
Die erste Strophe finde ich absolut gelungen, sie gefällt mir ausserordentlich gut.

Auch ich finde es in dieser Kategorie nicht ganz richtig aufgehoben, im Prinzip ist das nicht von Belang, aber wenn du wünschst kann man es ins Düstre rüberschieben, denn düster ist es fürwahr.

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#6

Morgentau

in Düsteres und Trübsinniges 08.02.2005 21:04
von Ahsil (gelöscht)
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ich habe mal den Mutieren-Vers umgeschrieben...
Und ihr könnt es gern veschieben, wobei es ansich egal ist, wo es steht . (also verschieben

Die Ordnung hat schon seine Berechtigung so, denn im Sonett ist nun mal These-Antithese-Synthese Pflicht. Und ich möchte mit den beiden Quartetten eben ein widersprüchliches BIld schaffen.

Gecken ist eigentlich ein altes Wort und somit durchaus legitim, wie ich fand. Beim "im" habe ich leider auch keine Ahnung, woran es stören könnte. Aber wenn du eine Idee der Verbesserung hast, bin ich incht abgeneigt .

Gruß und Dank

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#7

Morgentau

in Düsteres und Trübsinniges 08.02.2005 21:46
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.989 Beiträge | 2007 Punkte
Das "gebart" passt super rein gute Idee.


hiessen sich im frommen Titel klingt komisch. Da klänge für mich: hiessen sich den Ehrentitel... oder gaben sich sich als frommen Titel besser.

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#8

Morgentau

in Düsteres und Trübsinniges 08.02.2005 21:53
von MrsMerian (gelöscht)
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verschoben

@Willi: Ätschi, war schneller.

Das gebahrt finde ich auch eine prima Lösung.

LG
Mrs.

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#9

Morgentau

in Düsteres und Trübsinniges 08.02.2005 22:08
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.989 Beiträge | 2007 Punkte
Ich wollte es gar nicht verschieben weil es dem Autor egal ist, mrs ^^ Ich hätte es nur auf seinen Wunsch getan, denn ich bin ganz Gentleman

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#10

Morgentau

in Düsteres und Trübsinniges 08.02.2005 22:23
von MrsMerian (gelöscht)
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Zitat:

Ahsil schrieb am 08.02.2005 21:04 Uhr:
(also verschieben




Ich hatte das so verstanden, ansonsten können wir es nat. rückgängig machen, Ahsil...



LG
Mrs.

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#11

Morgentau

in Düsteres und Trübsinniges 08.02.2005 22:51
von Ahsil (gelöscht)
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passt schon so .
"gaben sich" klingt sehr banal , dann doch eher das erste, aber da erkenne ich den Unterschied zu meinem nicht.
NA ja, eine Änderung am Tag ist auch genug...
Danke für's Verschieben...
Grüße

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#12

Morgentau

in Düsteres und Trübsinniges 08.02.2005 23:05
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.989 Beiträge | 2007 Punkte
Der Unterschied ist kein im, aber lass es besser so, denn nachträglich ändern eines älteren Gedichtes ist irgendwie Verrat an sich selbst. Tut mir Leid für meine Beckmesserei.

Und nu isses doch verschoben schön, dass du das gutheisst ^^

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